Gute Thread-Idee. Hier ein paar meiner Gedanken.
Relgionsfreiheit
Oft wird das Argument, dass gerade die unbewusste Beschneidung gegen das Recht auf Religionsfreiheit des Beschnittenen verstoße damit gekontert, dass es keine Religion gäbe, die einen beschnittenen Penis als Ausschlusskriterium ansähe.
Übersehen wird hier, dass Religionsfreiheit auch die Freiheit VON Religion beinhaltet und damit ganz sicher auch die Freiheit von religiösen körperlichen Verstümmelnungn.
Gesundheitliche Vorzüge des Beschneidens
Hier muss ich immer schmunzeln, weil man sich all die Worte sparen kann. Babies und Kleinkinder haben keinen Geschechtsverkehr (abgesehen von einigen kirchlichen Einrichtungen), somit sind alle möglichen sexual-spezifischen Gesundheitsargumente vom Tisch. Auf die Fragwürdigkeit der behaupteten gesundheitlichen Vorzüge (bzw der herangezogenen dubiosen Studien) hinzuweisen ist natürlich nicht verkehrt, hat aber erfahrungsgemäß kaum einen Effekt, da man sich dann in einer Endlosschleife verstrickt ("Meine Studien sagen aber...")
Antisemitismus
Oft pauschal in die Welt posaunt, meist als Stimmungsmacher und weniger als Argument in gepflegten Diskussionen. Eine sehr gemeine Aussage, da sie knallhart die Redlichkeit des Angesprochenen abspricht. Eine Erwiderung fällt hier schwer. Sich zu rechtfertigen bringt nichts, deshalb halte ich ein ähnlich absurdes statement für angebracht: "Nun, wenn ich ein Antisemit bin, dann sind Sie ganz sicher ein Sadist!"
Grade Deutschland...
Oh weh, die Nazikeule. Ein weiteres Totschlagargument. Wie könne grade Deutschland in Anbetracht seiner Geschichte jüdische Traditionen einschränken! Nun, erstmal geht es in der Beschneidungsdebatte nicht nur um die jüdische Tradition sondern auch um die muslimische (oder afrikanische, australische...). Zweitens kann man doch grade WEGEN unserer Vergangenheit voraussetzen, dass die Wahrung unseres GG und die Einhaltung des absoluten Rechts auf körpl Unversehrtheit nicht zur Disposition gestellt werden darf.
Generell halte ich Diskussionen in der Beschneidungsdebatte inzwischen leider für Zeitverschwendung. Die Meinungen sind derart festgefahren, dass argumentative Überzeugung keine Platz mehr hat. Mit klarem Verstand betrachtet kommt man um ein Beschneidungsverbot nicht herum. Medizinische, rechtliche und ethische Argumente sind einfach zu eindeutig. Ein religiös traditionell vernebelter Geist wird sich hingegen den rationalen Argumenten niemals öffnen (können, wollen). Und für die Lobby-Getriebenen wie Politiker und Religionsvertreter steht zuviel Machtverlust auf dem Spiel.
Die Frage wird sein, welcher Gruppe die finalen Entscheidungsträger angehören...