Beiträge von Josc

    Na da liege ich in meiner Auffassung anscheinend wohl doch nicht so daneben ;)

    Die Pro-Beschneidungsverbot-Artikel sind wirklich dünn gesät in der gesamten Presse, egal ob eher links oder konservativ. Das hätte ich so nicht erwartet. Aber ich hätte auch nicht die vorbehaltslos ablehnende Haltung unserer Parlamentarier und die des Einknickrats, äh Ethikrats, vermutet. Schon irgendwie eigenartig...

    Jüdische Mädchen werden doch auch nicht beschnittten und sind trotzdem vollwertige Mitglieder der jüdischen community. Jüdischen Einwanderer (unbeschnitten wegen staatlicher Repressalien) aus Osteuropa wurde die Mitgliedschaft in der jüdischen community ebenfalls nicht abgesprochen.

    Na da sollte das bei den neugeborenen unbeschnittenen Jungen doch auch machbar sein meine ich.

    Gute Thread-Idee. Hier ein paar meiner Gedanken.


    Relgionsfreiheit

    Oft wird das Argument, dass gerade die unbewusste Beschneidung gegen das Recht auf Religionsfreiheit des Beschnittenen verstoße damit gekontert, dass es keine Religion gäbe, die einen beschnittenen Penis als Ausschlusskriterium ansähe.

    Übersehen wird hier, dass Religionsfreiheit auch die Freiheit VON Religion beinhaltet und damit ganz sicher auch die Freiheit von religiösen körperlichen Verstümmelnungn.


    Gesundheitliche Vorzüge des Beschneidens

    Hier muss ich immer schmunzeln, weil man sich all die Worte sparen kann. Babies und Kleinkinder haben keinen Geschechtsverkehr (abgesehen von einigen kirchlichen Einrichtungen), somit sind alle möglichen sexual-spezifischen Gesundheitsargumente vom Tisch. Auf die Fragwürdigkeit der behaupteten gesundheitlichen Vorzüge (bzw der herangezogenen dubiosen Studien) hinzuweisen ist natürlich nicht verkehrt, hat aber erfahrungsgemäß kaum einen Effekt, da man sich dann in einer Endlosschleife verstrickt ("Meine Studien sagen aber...")


    Antisemitismus

    Oft pauschal in die Welt posaunt, meist als Stimmungsmacher und weniger als Argument in gepflegten Diskussionen. Eine sehr gemeine Aussage, da sie knallhart die Redlichkeit des Angesprochenen abspricht. Eine Erwiderung fällt hier schwer. Sich zu rechtfertigen bringt nichts, deshalb halte ich ein ähnlich absurdes statement für angebracht: "Nun, wenn ich ein Antisemit bin, dann sind Sie ganz sicher ein Sadist!"


    Grade Deutschland...

    Oh weh, die Nazikeule. Ein weiteres Totschlagargument. Wie könne grade Deutschland in Anbetracht seiner Geschichte jüdische Traditionen einschränken! Nun, erstmal geht es in der Beschneidungsdebatte nicht nur um die jüdische Tradition sondern auch um die muslimische (oder afrikanische, australische...). Zweitens kann man doch grade WEGEN unserer Vergangenheit voraussetzen, dass die Wahrung unseres GG und die Einhaltung des absoluten Rechts auf körpl Unversehrtheit nicht zur Disposition gestellt werden darf.


    Generell halte ich Diskussionen in der Beschneidungsdebatte inzwischen leider für Zeitverschwendung. Die Meinungen sind derart festgefahren, dass argumentative Überzeugung keine Platz mehr hat. Mit klarem Verstand betrachtet kommt man um ein Beschneidungsverbot nicht herum. Medizinische, rechtliche und ethische Argumente sind einfach zu eindeutig. Ein religiös traditionell vernebelter Geist wird sich hingegen den rationalen Argumenten niemals öffnen (können, wollen). Und für die Lobby-Getriebenen wie Politiker und Religionsvertreter steht zuviel Machtverlust auf dem Spiel.

    Die Frage wird sein, welcher Gruppe die finalen Entscheidungsträger angehören...

    Mich hat die ganze Debatte auch sehr nachdenklich gemacht hinsichtlich dem Politik-Verständnis unserer "Volksvertreter".

    Bin ich zu naiv? Ich hätte erwartet, dass bei einem offensichtlich so umstrittenen Thema im Parlament zumindest eine rege Debatte entsteht, Argumente ausgetauscht werden etc. Stattdessen waren sich alle Abgeordneten nahezu parteiübergreifend sofort einig. Beschneidung muss bleiben. Basta! Wie könne man nur an so ein Verbot denken! Dumme Richter! etc pp. Alle rationalen Argumente für ein Beschneidungsvebot wurden einfach lapidar weggewischt und, man glaubt es kaum, sogar Tora Passagen als Pro-Argument rezitiert. Allein die Linke hat mit ihrer Argumentation zur Vernunft gemahnt und sich für ein Verbot eingesetzt.

    Es hat mich wirklich entsetzt, mit welcher Leichtfertigkeit man sich über die Grundgesetzproblematik (Menschenrechte, körpl Unversehrtheit eines wehrlosen Menschen) zugunsten der sog. "Religionsfreiheit" hinweggesetzt hat. Man muss sich die Reden echt mal ansehen (youtube). Wie Lobby-Marionetten beten sie allesamt die gleiche Leier runter und applaudieren sich auch noch gegenseitig. Was für eine farce!

    Diese Leute kann man doch nicht mehr ernst nehmen und ich muss gestehen, dass so ein serviles Verhalten seitens der "Politiker" meiner Politkverdrossenheit nicht grade entgegenwirkt. Seehofers Zitat hat sich hier wohl mal wieder selbst bestätigt: "Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden."

    Aber wie auch immer, unser GG ist gut und das Urteil aus Köln richtig und ich werde auch auch weiterhin ein Beschneidungsverbot offensiv vertreten - und beim nächsten Wahlgang wird von mir definitv keine der Personen gewählt, die derart lustig flockig mal eben das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zur Disposition stellen. Epic fail.