Beiträge von Josc

    2. Durch einen § 1631d BGB wird meines Erachtens auch nicht der alte Rechtszustand vor dem Kölner Urteil wieder hergestellt, sondern vielmehr leider ein neuer geschaffen. Die Beschneidung wäre dann durch den Gesetzgeber in Deutschland erstmals legalisiert. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit nach Art. 2 GG wäre nunmehr durch ein Gesetz eingeschränkt, so dass sich niemand mehr im Falle der Beschneidung auf dieses Grundrecht berufen könnte.

    Ich bin mir da nicht so sicher, lasse mich aber gerne belehren. Soweit ich weiss, kann kein Gesetz einfach mal eben so das Grundgesetz aushebeln.

    Epic fail der Typ. Unglaublich. Und das als Präsident des KinderNICHTschutzbunds.

    Aber panther hat da vermutlich recht, dass hier jmd seine Fördermittel in Gefahr sieht. Dazu noch eine Portion Parteidruck und eine Prise Deutsch-Büßertum und fertig ist die hohle Nuss.


    Danke AVA u. BOBACHTER für die Klarstellung bezüglich seiner Behauptung in Sachen Trauma. Ich war im ersten Moment echt am zweifeln.

    Btw, hat jemand auch die Behauptung abgeklopft, dass der Verband Deutscher Urologen die Schmerzen von Babies kleinredet? Das wär mir doch sehr befremdlich...

    Zitat:"Die Urologische Gesellschaft in Deutschland sagt dazu, dass bei einem Säugling ausreicht eine anästhesierende Salbe und ein Zäpfchen. Das heißt, dass eine Betäubung bei einem Säugling noch nicht notwendig ist."

    Aber ich ahne, warum er das sagt. Nach den "Eckpunkten" muss eine "schmerzfreie Behandlung" gewährleistet sein. Und die ist bei Babies bekanntlich ziemlich risikobehaftet. Aber wie kann man dann zukünftig Babies beschneiden? Ganz einfach, in dem man die Schmerzen einfach leugnet und eine Schmerzbehandlung als nicht notwendig erachtet.

    Dass Babies keine Schmerzen spüren, werden wir in nächster Zeit noch sehr häufig hören. Auch werden wir zu hören bekommen, dass Cremechen, Püderchen und Pülverchen, am besten noch mit Speichel vermischt und 7 Mal umgerührt, super Betäubungsmittel sind.

    Und das alles im 21sten Jhd. Es ist zum verzweifeln...

    sehr interessanter Austausch, Maria.

    Die entscheidende "Hilfe" für unsere ängstlichen Politiker kann wohl tatsächlich nur aus den Reihen der kritischen Juden selbst kommen. Vielleicht sollte unsere Überzeugungsarbeit mehr in diese Richtung ausgedehnt werden.

    In der Tat, wirklich grotesk, wie man den Sachverhalt juristisch verbiegt, aber leider in dieser Form zu erwarten gewesen.

    Machen wir uns nichts vor, es sind defakto religiöse Sonderrechte, geschuldet der Deutschen Vergangenheit.

    Der Weg zum BVG bleibt noch, wenngleich ich auch hier so mein Befürchtung habe...

    Die Haut eines Anderen, von Reinhard Merkel.

    Beschneidungs-Debatte - Die Haut eines Anderen - Wissen - sueddeutsche.de

    Fundierte Zusammenfassung von Merkel. Besonderes Augenmerk verdient der letzte Abschnitt: All die rationalen medizinischen und juristischen Argumente seien für die Politiker in dieser Sache nicht maßgebend, auch wenn noch so fundiert. Das Problem der ganzen Debatte liege letztendlich in der deutsch-jüdischen Vergangenheit. Irgendwelche Rechtsgüterabwägung in den Raum zu stellen sei daher nichts anderes als das Maskieren der unangenehmen Grundproblematik.

    Ich fürchte, das trifft den Nagel auf den Kopf.

    @Rheinwein

    Bitte nicht beleidigt sein. Ich denke, keiner von uns meint die gelegentlichen Seitenhiebe irgenwie bös'. Es fällt nur manchmal so verdammt schwierig, religiöse Argumentationen ernst zu nehmen.

    ZB wenn man sowas liest:

    Jude in Jerusalem begeht Kapparot-Ritual am Vortag von Jom Kippur - SPIEGEL ONLINE
    (Disclaimer: Auch andere Religionen haben "lustige" Riten)


    Ich teile deine Auffassung, dass es hier natürlich primär um die Sache geht.

    eines meiner lieblingsvideos von Hitch, weil es in paar Sätzen die Beschneidung als das demaskiert was es ist: zwangsbeglückender Religionsnonsens auf Kosten eines anderen Menschen.


    Mr Mindcontrol

    Indoktrination, exakt. Das ist der Punkt. Allerdings gibt es keine atheistische oder wissenschaftliche "Indoktrination" wie du mit dem Beispiel Bewusstsein von Tieren andeutest. Im Gegenteil, freies Denken und Hinterfragen stehen hier auf dem Programm, ganz im Gegensatz zum Denkverbot bei Religionen, Kulten, Sekten etc.

    ach der gute Chris. Die aktuellen Themen wie Beschneidung und Mohamed-Filmchen wären genau sein Ding gewesen. Echt schade, dass dieser begnadete Rhetoriker und Denker nicht mehr unter uns weilt.

    Der genannte Artikel ist sehr lesenswert, wie übrigens vieles von Hitchens.

    In diesem kurzen Video sagt Hitchens in deutlichen Worten eigentlich alles aus, was zum Thema Beschneidung zu sagen ist (religiöse Ignoranz vs gesunder Menschenverstand in 2min):

    Jewish Imam bitchslapped by Hitchens for circumcision joke. - YouTube

    Herrlich, immer die gleiche Leier von den benebelten Gläublingen.

    Seine Einstellung wird übrigens hieraus deutlich:

    Heiner Bielefeldt (* 12. April 1958 in Titz-Opherten) ist ein deutscher Theologe, Philosoph und Historiker. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit Juni 2010 ist Bielefeldt Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats.

    Ganz offensichlich ist der gute Mann zuerst Theologe und dann Menschenrechtler. Was allerdings jemand mit derart befangener Argumentationslogik in den genannten Positionen zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Wobei, Moment, eigentlich nicht. Vermutlich hat er das richtige Parteibuch.

    Exakt. Das liegt leider so in der Natur einer jeden Religion. Alles was wir machen steht so geschrieben und ist deshalb Gott gewollt und richtig. Punkt.

    Deshalb sind Diskussionen so schwierig, rationale Argumente prallen ab wie bei Kleinkindern.

    Übrigens, das Argument, dass das Baby ja oft gar nicht schreien würde, es also gar nicht so schlimm sein könne, finde ich eines der ekelhaftesten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ob der unerträglichen Schmerzen in eine Schockstarre fällt, ist ja wohl ganz sicher höher, als dass es friedlich und gemütlich eben ein Nickerchen macht!

    Da hast du sicher recht, das denke ich auch. Die Politiker fürchten die Religions-Lobby und haben Angst vor möglichen Problemen im In- und Ausland etc. während die religiösen Vetreter Angst vor dem Macht- bzw Kontrollverlust haben, den das Aufheben der Zwangskennzeichnung von Kindern bedeutet. Als ob es bei den Kirchenmännern um spirituell-religiös-ethische DInge gehe. Die scheren sich ein Dreck um die Kinder. Wie lange hat es im Verlauf der Debatte gedauert, bis seitens der Pro-Beschneider die Rolle des Kindes überhaupt Erwähnung fand. Was ne farce oder?

    Dabei wäre dies eine so grossartige Gelegenheit für Deutschland, hier in dieser Sache eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Ich bin sicher, viele Staaten, zumindest in Europa, würden ihre Regelungen daraufhin ebenfalls überdenken. Vlt würde sogar in den muslimischen Ländern eine schon solange überfällige Reflektion ihrer verkrusteten Traditionen erfolgen.

    Auf eine soclhe Entwicklung könnte man als Deutscher zurecht stolz sein. Stattdessen machen sich unsere Politiker zu Witzfiguren und das GG und damit unser Land zur Komikernation (frei nach Merkel).


    Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder klar denkende Mensch, der sein inneres Rechtsempfinden befragt und dabei den ganzen Religionsnonens mal ausblendet, zu dem Ergebnis kommt, dass das Verstümmeln von kleinen Babypimmelchen einfach nicht richtig sein kann.

    Nicht ohne Grund werden die Mütter bei den "Operationen" rausgeschickt, weil man natürlich weiss, dass eine solche Aktion dem natürlichen Mutterinstink total widerspricht - dh. die Mutter fühlt ganz genau, dass hier eigentlich was schief läuft.

    Was kann wahrhaftiger sein als der natürliche Schutzinstink einer Mutter?

    hey Baba,

    hat die Ärztin denn tatsächlich deiner Mutter die möglichen Nebenwirkungen geschildert oder behauptet das die Ärztin nur, um sich zu schützen? Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass da kein wirkliches Aufklärungsgespräch stattfindet. Das Skalpell ist viel zu schnell zur Hand.

    Ach ja, btw, frag doch mal deine Ärztin, ob sie sich noch an den hippokratischen Eid und die ethischen Maßstäbe aus ihrem Studium erinnert. Vlt hilft ihr das bei der Beurteilung des nächsten Falls.

    Der Titel des Videos ist ja mal wieder übelste Meinungsmache. Ganz schlimm.

    Zum Thema: Den Knackpunkt seiner Argumentation bringt diFabio gleich zu Beginn. Er geht von einer "religiös wohlwollenden" Haltung des Staates aus. Das bedeutet, einen laizistischen Ansatz (strickte Trennung von Staat und Kirche) sieht er nicht. In der Tat ist D laut Verfasung kein laizistischer Staat, sondern "nur" sekulär. Wir sind zwar bei weitem kein "Gottesstaat", aber räumen Religionen (bisher hauptsächlich den christlichen Religionen) durchaus Sonderrechte (meist finanzielle) zu.

    Vor diesem Hintergrund baut er seine Argumentation auf, dh er argumentiert mit der "Wichtigkeit" der religiösen Komponente in der Beschneidungsfrage. Aber im ernst, das kann doch nicht die Lösung sein. Anstatt die historisch gewachsenen Sonderrechte der Kirchen zu hinterfragen, wird mit dieser Fehlentwicklung auch noch argumentiert. Wir brauchen nicht mehr Religion im Staat sondern weniger! WIe wichtig dies ist, sieht man an der Beschneidungsdebatte, wo gesunder Menschenverstand auf religiöse Verblendung trifft.

    Wahre Religionsfreiheit ist nur gewährleistet, wenn Staat und Religion strickt getrennt sind. Von daher kann ich der Argumentation diFabios nichts abgewinnen. Zum Glück sitzt der nicht mehr im BVG.