Beiträge von elho

    für Deine Ausführungen. Es erklärt, warum eine Art "Radikalisierung" stattfindet.

    Ich habe das Gefühl, manche Juden (vor allen Dingen die, die in der Öffentlichkeit stehen), verstehen sich zuerst als Juden, und dann erst als Mensch, Bürger, Deutscher.... Da gewinnt Religion zu viel Gewicht.

    Mir stösst es sehr auf (eigentlich würde ich das noch ganz anders ausdrücken!), wenn Juden so tun, als ob sie uns etwas Gutes tun, dass sie in Deutschland leben.
    Ich bin keine Antisemitin, aber - ehrlich gesagt - es ist mir egal, ob Juden in Deutschland leben oder nicht. Wenn sie es nicht tun wollen, ist das für mich auch okay.
    Und wenn der Preis dafür ist, dass wir ihnen auf ewig dankbar sein sollen und dass wir hier Grundrechtsverletzungen zulassen sollen, dann habe ich nichts dagegen, wenn sie gehen.
    Menschen sollten hier leben, weil es ihnen hier in Deutschland gefällt und nicht, weil sie der Welt zeigen wollen, dass wir Deutschen gar nicht so schlimm sind....

    Wenn ich (vielleicht als Enkelin der Tätergeneration) einem Juden begegne (als Enkel der Opfergeneration), warum können wir dann nicht unabhängig von dem, was geschehen ist, eine Beziehung aufbauen? Können wir nicht gemeinsam darüber trauern, was geschehen ist? Ich habe doch genauso wenig damit zu tun wie der Jude?

    Ich möchte mal keine Frage stellen und auch keine Diskussion anstossen, sondern etwas Licht ins juristische Dunkel bringen. Es gibt ja den Strafrechtler Holm Putzke, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat.

    Die Beschneidung ist immer eine Körperverletzung, auch wenn sie medizinisch indiziert durchgeführt wird. Auch eine Blutabnahme ist juristisch betrachtet immer eine Körperverletzung (das ist zumindest die überwiegend herrschende Meinung unter den Juristen. Wie immer gibt es auch welche, die das anders sehen, aber wir schließen uns jetzt mal der herrschenden Meinung an).

    Bei einer medizinisch indizierten Beschneidung kommt der Arzt strafrechtlich "davon", weil die Einwilligung der Eltern vorliegt (und diese hier dem Kindeswohl dient. (Auch hier kann man anderer Meinung sein, dieses Mal medizinischer, aber lassen wir das mal beiseite).

    Generell gibt es mehrere Möglichkeiten, um eine medizinische Behandlung straffrei zu stellen. Zum einen könnte man sagen, die Beschneidung sei sozialethisch akzeptiert. Das ist zum Beispiel der Fall bei Boxern, die sich die Lippe blutig haben schlagen lassen. Da kann der Boxer nicht nachher sagen, der andere hat mich am Körper verletzt.
    Gerade die sozialethische Toleranz liegt aber eben in unserer christlich geprägten Gesellschaft nicht vor. Es ist für die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen einfach unüblich.
    Wenn jetzt 90% der Menschen ihren Kindern mit einem Jahr ein Tatoo auf den Oberarm stechen ließen, wäre das sozialethisch korrekt. Dann wäre der objektive Tatbestand der Körperverletzung schon gar nicht erfüllt.
    Aber das ist eben bei der Beschneidung nicht der Fall. Der Tatbestand liegt also vor.

    Dann gibt es als zweiten Ausweg die Einwilligung. Und hier stellt sich juristisch die Frage: Können Eltern aus religiösen Gründen in eine KV des Kindes einwilligen? Und diese Frage ist auch ganz klar mit Nein zu beantworten. Der Eingriff hat dem Wohl des Kindes zu dienen und ein solches ist (aus juristischer Sicht) nicht zu erkennen.

    Ich habe hier einen Artikel aus der NJW, aber ich weiss leider nicht, ob ich den hochladen darf....

    Es wird ja immer geschrieben, es stehen sich hier zwei Grundrechte gegenüber, das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und die Religionsfreiheit der Eltern. Das ist so nicht richtig!
    Die Eltern können ihre Religion ausüben, auch ohne das ihr Kind beschnitten ist.
    Es stehen sich also das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes und das Recht des Kindes auf Religionsfreiheit gegenüber.
    Es ist also in beiden Fällen der gleiche Grundrechtsträger.
    Die Eltern sind jetzt auch befugt, in religiösen Belangen Entscheidungen für ihr Kind zu treffen. Aber leidet denn ein Kind (ein neugeborenes noch dazu) darunter, wenn es nicht beschnitten wird? Nein! Dazu kommt noch die negative Religionsfreiheit. Hat ein Kind nicht auch das Recht, gar keiner Religion anzugehören? Dürfen die Eltern übehaupt eine solche Entscheidung für das Kind treffen? Anders gesagt, sollte Religionsfreiheit nicht erst ab 18 gelten?
    Meines Erachtens wird hier eben nur das Kind in seiner Religionsfreiheit beschränkt und fraglich ist, ob dies überhaupt möglich ist, da es einem Säugling sicherlich egal ist, ob er Jude ist oder nicht. Es wird ihm aber nicht egal sein, ob er (oft ohne Narkose) einen Teil seines Körpers verliert!

    Aus Sicht des Kindes ist es doch ganz klar.
    Das Kind, das als Erwachsener gerne beschnitten sein möchte, wird kaum zu seinen Eltern sagen: "Ihr hättet mich aber beschneiden sollen". Er wird sich einfach beschneiden lassen.
    Umgekehrt sind sicher einige Kinder, die ihren Eltern Vorwürfe machen...

    Gibt es evtl. auch die Möglichkeit nur die Hälfte der Vorhaut zu entfernen? Quasi als Kompromiss?
    Ich weiss, dass man dadurch viele der Probleme nicht löst, aber es würde mich dennoch interessieren. Eigentlich ist dies eine medizinische Frage, aber ich fand diese Forumsüberschrift passender.

    Elho

    Wie seht Ihr das bzw. wie ist das bei Euch?
    Sind nur Atheisten gegen Beschneidung?
    Ich habe in mich reingehört und festgestellt, dass mich die Beschneidung eben auch deshalb abstösst, weil es etwas Religiöses ist. Wie gesagt auch.
    Ich persönlich finde auch die Taufe nicht richtig, denn dem Kind wird hier die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft aufgedrängt, die es vielleicht (wie in meinem Fall) gar nicht will. Der Austritt kostet dann 50 EUR und was noch viel schlimmer ist: für die Kirche werde ich ewig Christ sein, also ewig zu denen gehören. Der Bund lässt sich aus deren Sicht nicht mehr lösen.

    Kann man also als gläubiger Mensch auch gegen Beschneidung sein? Oder spricht da nicht schon die Toleranz, die man der eigenen Religion gegenüber erwartet, dagegen? Man möchte diese Toleranz vielleicht auch der anderen Religion entgegen bringen?
    Hat nicht jemand, der streng gläubig ist und meint, wenn er nicht jeden Sonntag zur Kirche geht, wird ihm etwas Schlimmes passieren, Verständnis für die Beschneidung?

    Bin schon gespannt auf Eure Antworten.

    Hallo,
    vielleicht ist diese Frage schon einmal gestellt worden, ich habe sie auf den ersten Blick nicht gefunden, deshalb mein Posting.
    Warum beschneiden Juden Ihre Jungen? Welchen Sinn macht das? Ich selbst bin nicht religiös und kann daher religiöse Riten schwer nachvollziehen (so kann ich es zum Beispiel nicht nachvollziehen, warum man sich jeden Sonntag die gleiche Geschichte anhört), aber das steht auf einem anderen Blatt.
    Um in eine Diskussion mit den Juden zu gelangen, müsste man mehr über die Hintergründe wissen. Aber ich habe noch nie etwas gefunden, was die Beschneidung begründen würde. Achtung jetzt werde ich zynisch: Warum hacken Sie ihren Kindern keinen Finger ab? Oder warum machen sie nicht nur ein Loch in die Vorhaut? Warum muss gerade die Vorhaut abgetrennt werden?
    Gruß, elho

    PS: Mein Posting hört sich jetzt vielleicht garstiger an, als es gemeint ist. Aber ich bin der Meinung, wenn eine Religionsgemeinschaft auf einem solchen Ritual beharrt, dann muss sie sich der Auseinandersetzung stellen und ihre Vorgehensweise auch begründen.