Danke, lieber Werner, für deinen Filmhinweis. Die Deluxe-Edition von "Das weiße Band" habe ich mir gerade für 4,54 € bestellt.
"Und alle haben geschwiegen" hat mich wirklich erschüttert. Deswegen stehe ich seit vorgestern mit dem Pressesprecher meiner ev. Landeskirche in Kontakt. Er hat den Film ebenfalls gesehen und ist genauso erschüttert. Die Drehorte sind alle hier in der Nähe. Meine Kirchenleitung und das Diakonische Werk bereiten im Moment eine Stellungnahme vor. Ich habe ihnen geraten, sich einfach mit dem Spiegel-Redakteur Peter Wensierski ("Schläge im Namen des Herrn") und dem Regisseur Dror Zahavi zu treffen. Ohne meine Institution damit irgendwie entlasten zu wollen. Aber Wensierski schrieb in seinem Buch: "Etwas mehr als die Hälfte aller Heime in der Bundesrepublik war in der Nachkriegszeit in katholischer Hand. Die katholische Kirche, insbesondere die daran beteiligten Orden und Gemeinschaften, trifft die größte Verantwortung für diese unselige Ära öffentlicher Erziehung in der westdeutschen Geschichte." (S. 49) Mir ist unklar, welche Verfremdungseffekte der Film eingesetzt hat und warum. Wahrscheinlich basiert er auf Vorgängen im Kalmenhof in Idstein, der dem weltlichen Landeswohlfahrtsverband Kassel gehörte, und einem katholischen Heim in Dortmund.
Gestern las ich in einem Atemzug das spannende Buch von Alexander Markus Homes "Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiographie" von 1981 (!). Es ist 2012 in einer Neuauflage erschienen. Martin Walser hat über das Buch gesagt: "Homes hat mich gepackt." Von 1981 bis 2006 wurde Homes von der katholischen Kirche mit Prozessen und Strafanzeigen überzogen und unter anderem von Christian Ströbele anwaltlich verteidigt. Es wurde versucht, das Buch wegen ehrenrühriger Äußerungen zu verbieten. Deswegen habe ich vorhin mit einem hochrangigen Kirchenbeamten der kath. Kirche gesprochen und gefragt, ob sie sich nicht endlich bei Homes entschuldigen wollen. Ich war überrascht, dass der Kirchenbeamte, den ich zufällig ausgewählt hatte, den Fall in und auswendig kennt. An eine Entschuldigung wird nicht gedacht. Mein persönlicher Eindruck nach dem langen Gespräch: Es geht denen nicht nur um die Frage von Wahrheit und Dichtung, sondern vor allem auch um Macht. Zu dem ZDF-Film vom Montag sagte dieser kath. Funktionär: "So etwas schaue ich mir nicht an."