Beiträge von panther

    Wahrscheinlich sind die Argumente von Herrn Merkel so überzeugend, dass auch das Justizministerium eine Regelung ohne Verweis auf die Religionsfreiheit anstrebt, nach der dann die Beschneidung von Jungen ohne medizinische Indikation generell erlaubt sein soll. Die Jüdische Allgemeine hat das zumindest gestern noch einmal betont. Auf die Details einer solchen Regelung darf man gespannt sein.

    Merkwürdig finde ich allerdings, dass außer der Jüdischen Allgemeinen niemand etwas davon zu wissen scheint. Vielleicht ist es ja eine Ente, schön wär's jedenfalls.

    Naja, das wäre zumindest fair. (Heißt nicht, dass ich diese Regelung befürworte!)

    Was anderes wäre mit diesem Rechtsstaat nicht vereinbar. Sondergesetze für einzelne Gruppen sollte es nicht geben. Entweder alle oder keiner. Das finde ich schon richtig so. Auch wenn mir natürlich lieber wäre, es gäbe ein VERBOT für alle.


    Wenn man die Beschneidung von Kindern bei Muslimen/Juden nicht verbieten möchte, hat man doch zwei Möglichkeiten:

    1) Man sagt, dass man die Beschneidung eigentlich für problematisch hält, sie aber aus Gründen religiöser Toleranz (unter bestimmten Auflagen) weiter gestattet. Die grundsätzliche Kritik an der Beschneidung bleibt aber bestehen und man verhindert eine weitere Ausbreitung dieser Praxis.

    2) Man sagt, dass Beschneidungen generell unproblematisch sind und erlaubt sie für alle. Das ist quasi eine Aufforderung an alle Eltern zu entscheiden, ob sie ihr Kind beschneiden lassen möchten oder nicht (so wie in den USA die Auffassung weit verbreitet ist, dass dies eine Elternentscheidung ist). Da braucht dann nur noch jemand laut genug die These zu äußern, dass Beschneidung der Gesundheit förderlich sind und schon könnte sich hier in Deutschland ein ganz neuer Trend breit machen...

    Mir persönlich wäre Variante 1 wesentlich lieber und ich denke auch, der Rechtsstaat würde es überleben (auch wenn's nicht schön ist).


    Die gibt es doch jetzt auch schon. Auch in Deutschland. (Nichtreligiöse Eltern, die ihre Kinder beschneiden lassen)


    Haben Sie dazu verlässliche Informationen? Das würde mich sehr interessieren.

    Man darf seinen Hund nicht mehr kupieren, seine Ehefrau nicht mehr vergewaltigen, seine Schutzbefohlenen aus Erziehungszwecken nicht mehr schlagen, selbst im Ausland keine Kinder sexuell mißbrauchen, Krieg ist aus der Mode gekommen- wo soll man sich denn noch ausleben?!


    Wenn man den Befürwortern der Beschneidung allzu schnell dunkle Motive unterstellt, gewinnt man leider nicht viel (zumal ich persönlich diese Annahme auch für falsch halte). Man kann sicher die Motivation hinter der Institution Beschneidung kritisieren. Dazu muss man aber historisch teilweise sehr weit zurückgehen...

    Mein Vorschlag: machen wir es zur PFLICHT: Keiner wird ausgegrenzt, weil er anders ist, die lästigen Diskussionen entfallen, die Gläubigen sind beruhigt und fühlen sich ernstgenommen, die Ärzte verdienen am Eingriff und seinen Korrekturen, das kommt dem Bruttosozialprodukt und somit uns allen zugute.


    Schlechtestenfalls führt die offensichtlich geplante Regelung tatsächlich zu einer Zunahme von (nicht-religiösen) Beschneidungen von Kindern. Denn der Gesetzgeber würde damit auf die Schnelle mal eben das Urteil fällen, dass die Zwangsbeschneidung unproblematisch ist. Angesichts der kontroversen Diskussion wäre ein solcher Schnellschuss ein weitaus größerer Skandal als eine Sondererlaubnis zur Beschneidung für Juden und Muslime. Wenn der Gesetzgeber erst einmal die Zwangsbeschneidung von Kindern allgemein und explizit legalisiert, braucht man eigentlich nur noch eine gute PR-Kampagne, um die ersten nicht-muslimischen/nicht-jüdischen Eltern davon zu überzeugen, dass eine Beschneidung der Gesundheit ihrer Kinder dienlich ist.

    Wenn dieses Gesetz so käme, wäre das aus Sicht der Beschneidungsgegner der Super-GAU.

    Wenn die Informationen der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN stimmen, dann steht wohl nicht nur eine gesetzliche Erlaubnis religiöser Beschneidungen von Kindern bevor, sondern eine generelle Legalisierung der Zwangsbeschneidung von Minderjährigen, auch aus "hygienischen" Gründen beispielsweise. Ironischerweise könnte es als Konsequenz des Kölner Urteils also bald zu einer weiteren Verbreitung dieser Praxis kommen und nicht zu ihrer Verringerung.

    Zitat

    Nach Informationen der Jüdischen Allgemeinen wurde verabredet, dass im Bundesjustizministerium bald eine Regelung formuliert werden wird, die ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) aufgenommen werden soll. Sie wird sich nicht nur auf religiös motivierte Beschneidungen, sondern auf jede nicht medizinisch indizierte Zirkumzision beziehen.

    Diese Regelung schafft dann auch für Beschneidungen minderjähriger Jungen Rechtssicherheit, die Eltern aus prophylaktischen oder hygienischen Gründen vornehmen lassen wollen.


    Es wäre schön, wenn sich frühzeitig Widerstand gegen eine solche Regelung regen würde.