Beiträge von Pensador

    Vom 20. bis zum 23. Oktober findet in New Orleans die jährliche Konferenz des amerikanischen Kinderärzteverbands AAP statt. Das ist der Verein, dessen "Task Force on Circumcision" aus naheliegenden wirtschaftlichen und persönlichen Interessen (um nicht als Verbrecher betrachtet zu werden) Beschneidungen propagiert und verharmlost. Dies geschieht auch durch Publikationen in medizinischen Fachzeitschriften, in deren Review Boards (das sind die Leute, die entscheiden, ob ein Artikel abgedruckt wird) sich wiederum Täter befinden.

    Bitte unterstüzt die amerikanischen Freunde von Intact America bei ihren Aktivitäten anlässlich der o. g. Konferenz. Der vorgesehene Informationsstand von Intact America auf dem Konferenzgelände wurde nicht genehmigt, dennoch wird es umfangreiche Aktionen in New Orleans geben. Finanzielle Unterstützung sowie Schreiben an die AAP (z. B. wie hier vorgeschlagen: Intact America: Say No to Circumcision) sind hilfreich.

    Danke

    Es gibt welche, die behaupten, nicht traumatisiert zu sein. Sich die Traumatisierung einzugestehen, ist nämlich kein einfacher Schritt und dies auszusprechen noch sehr viel schwieriger. Da möchte man sich doch viel lieber einreden, dass es anders wäre. Wie es im tiefsten Inneren aussieht, können wir nur vermuten. Die meisten wollen sich gar nicht damit beschäftigen, denn sie ahnen, dass die Erkenntnisse sehr belastend sein würden.

    Dieser Mann sagt so viel Richtiges und scheint dennoch nicht zu wissen, dass auch eine "Phimose" keine Rechtfertigung dafür sein kann, die Vorhaut zu amputieren. Gegen diesen Phimose-Mythos müssen wir offensichtlich noch sehr viel Aufklärungsarbeit leisten. Angesichts der Bedeutung der Vorhaut, die Dr. Wimpissinger ja zutreffend erklärt, wäre schon eine vitale Indikation erforderlich, um sie zu entfernen, und die gibt es in diesem Zusammenhang nicht. Selbst bei Krebsbefall, der äußerst selten und ausschließlich bei Greisen beschrieben worden ist, genügt die Bestrahlung oder Entfernung des betroffenen Gewebes.

    Deiner Einschätzung kann ich nicht folgen. Lies doch mal die Bücher von James Bigelow und Ronald Goldman und du wirst erkennen, wie sachlich und relevant das alles ist. Im Übrigen nennt Dr. Pfau die Erklärung für den Eingang der männlichen Genitalverstümmelung in die Religionen: Ersatz für Menschenopfer. Der als zürnend vorgestellten Gottheit musste das Wertvollste geopfert werden - zunächst Menschen und nach Abraham die Vorhaut. Juden haben von der Beschneidung in ihrer Zeit in Ägypten erfahren, wo das erste Zeugnis männlicher Genitalverstümmelung in einem Grab bei Sakkara zu finden ist. Sie dürften so entsetzt davon gewesen sein, dass eine Gleichstellung mit dem Menschenopfer in Frage kam. Man vermutet, dass mit der Beschneidung in Ägypten zunächst Kriegsgefangene gedemütigt werden sollten - das erinnert an die Berichte über Penisverkürzungen im Jugoslawienkrieg.

    Das war eine hervorragende Veranstaltung mit tiefgehenden, fundierten Beiträgen und Diskussionen aber fast vollständig ohne deutsche Beteiligung. Deutsche Medienvertreter waren überhaupt nicht anwesend. Allerdings wird es eine "Helsinki Declaration" geben, die auch deutschen Politikern und Medienvertretern zugeht.

    Also, Herr Prof. Putzke und einheizen, das nennt man ein Oxymoron ^^

    Wenn wir schon bei den rhetorischen Figuren sind: es gibt in dieser Sache auch einen ganz üblen Pleonasmus. Er lautet "medizinisch nicht notwendige Beschneidung". Wenn den Leuten klar würde, dass es keine vitale Indikation für Zirkumzisionen und damit auch keine medizinische Notwendigkeit dafür gibt, wäre schon viel erreicht.

    Eine Gesellschaft kann sich durchaus dafür entscheiden, Risiken zu übernehmen, die aus Aktivitäten resultieren, die von Individuen mit persönlicher Nutzenerwartung in freier Entscheidung vorgenommen werden (Schönheitsoperationen, Freizeitsport, etc.). Eine Diskussion, ob sie das tun sollte, gehört - wenn man sie denn führen möchte - an eine andere Stelle und hat mit unserer Sache nichts zu tun .

    Etwas völlig anderes ist es, wenn es um Kosten im Zusammenhang mit einer ausschließlich lebensqualitätzerstörenden Aktivität geht. Die Diskussion darüber, ob die Gesellschaft bereit ist, auch so etwas mitzutragen, halte ich für dringend erforderlich. Man könnte es wie folgt kommunizieren: "Der Schnitt führt vom empfindlichsten Teil des Körpers mitten durch die Seele des Kindes und späteren Erwachsenen bis hinein in Ihren - ja genau, auch in Ihren Geldbeutel."

    Um Deine Fragen zu beantworten: Verstümmeln wird - bezogen auf eine Person - definiert als "durch Abtrennen von Körperteilen schwer verletzen". Verstümmelung bedeutet also, dass vom Körper Organe (z. B. Finger, Füße, Zunge, Ohren, Klitoris, Vorhaut, etc.) oder auch Teile eines Organs entfernt werden.

    Im Fall aufgespritzter Lippen ist dies nicht der Fall. Dennoch würde dies, wenn es gegen den Willen der betroffenen Person geschehen sollte (allerdings ist mir kein derartiger Fall bekannt), als Körperverletzung bewertet werden.

    Auch Verstümmelungen werden im Strafrecht der Körperverletzung - ein sehr weit gefasstes und mehrfach abgestuftes Konzept - zugerechnet, d. h. sie werden bis auf die uns bekannte Ausnahme bereits bestraft und wurden es auch schon in der Vergangenheit. Auch die "Beschneidung" ist nach derzeitiger Rechtslage lediglich eine Köperverletzung. Allerdings wird bei dieser Einordnung die besondere Bedeutung der Sexualität für Wohlbefinden, Identität und psychische Stabilität des Menschen noch nicht berücksichtigt.

    Aufgrund dieser besonderen Bedeutung der Sexualität und des erheblichen Traumatisierungspotenzials von Eingriffen in die Sexualität des Menschen hat der Gesetzgeber im dreizehnten Abschnitt des Strafgesetzbuchs Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung normiert. Da eine Genitalverstümmelung die sexuelle Selbstbestimmung beeinträchtigt, sollte sie als eigener Tatbestand in diesen Abschnitt aufgenommen werden. Da es sich um eine besonders gravierende und nachhaltige Beeinträchtigung - zum lebenslangen psychischen kommt der lebenslange physische Schaden - handelt, sollte sie mit der vorgeschlagenen Strafandrohung versehen sein.

    Angesichts der völligen Ausblendung der Auswirkungen für die Betroffenen im Gesetzentwurf der Bundesregierung und seiner offenkundigen Unvereinbarkeit mit der Verfassung und der UN-Menschenrechtskonvention möchte ich dem Bundesministerium der Justiz einen anderen Regelungsvorschlag machen, der mir geeignet erscheint, die scheinbar widersprüchlichen Interessen zum Ausgleich zu bringen.

    Anstelle der vorgesehenen Regelung im BGB sollte in das Strafgesetzbuch der §176c (alternativ §226b) "Genitalverstümmelung" mit folgendem Wortlaut eingefügt werden: "Wer eine Person an den Genitalien verstümmelt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. Die besondere Schwere der Schuld ist festzustellen. Die Einwilligung durch Dritte ist ausgeschlossen."

    Die Erfordernisse an eine Einwilligung durch die betroffene Person selbst sollten an die Regelungen anknüpfen, die bereits heute für so genannte geschlechtsangleichende Operationen im Fall von Transsexualität gelten. Man würde mit einer solchen Regelung dem Gleichheitsgrundsatz und der UN-Menschenrechtskonvention genüge tun. Opfer könnten unabhängig von ihrem Alter und Geschlecht mit einer tat- und schuldangemessenen Bestrafung der Täter, soweit diese angesichts der Schranke des Art. 102 GG möglich ist, rechnen.

    Dem Anliegen von Religionsvertretern nach freier Religionsausübung und Nichteinmischung in ihre religiösen Angelegenheiten könnte - wenngleich unter erheblichen rechtsstaatlichen Bedenken - dadurch Genüge getan werden, dass eine Anklage nach §176c oder §226b StGB nur dann erfolgt, wenn dies von dem betroffenen Opfer gewünscht wird.

    Es ist anzunehmen, dass die Kosten für die Durchführung von Beschneidungen und für die Behandlung von Komplikationen wie etwa in dem Fall, der zum Kölner Urteil geführt hat, regelmäßig von der Gemeinschaft der Krankenversicherten getragen werden. Vielleicht wird die schweigende, indifferente Mehrheit der Bevölkerung, wenn sie sich schon nicht wirklich für das Leid der Betroffenen interessiert, ja hellhörig, wenn sie erfährt, dass für diese Verbrechen in ihre Geldbeutel gegriffen wird.

    Es ist ganz allgemein eine gute Idee, gelegentlich die eigenen Ansichten zu überprüfen und – soweit es eine Gegenposition gibt – sich die Frage zu stellen, ob irgendetwas und gegebenenfalls was an dieser Gegenposition korrekt sein könnte. Vielleicht kommt es ja auf die Prämissen an oder es könnte unterschiedliche Lebenssituationen geben, in denen die eine oder die andere Ansicht sich als richtig erweist. Spielen wir das doch einmal für unser Thema durch:

    Es wird behauptet, beschnittene Männer würden ihre Partnerinnen einer geringeren Gefahr aussetzen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Das ist offenkundig unsinnig, denn den humanen Papillomviren, die diese Art von Krebs auslösen können, kann durch die ohnehin erforderliche Intimhygiene sowohl beim gesunden als auch beim verstümmelten Mann zuverlässig vorgebeugt werden. Mit dieser allgemein akzeptierten Feststellung erübrigt sich die detaillierte Analyse jener Literatur, die aus der Inzidenz von Zervikalkarzinomen bei jüdischen Frauen, die ohne das zu belegen als relativ (zu wem eigentlich?) niedrig beschrieben wird, einen Zusammenhang mit den Penissen der Partner vermutet. Man kann sich die Arbeiten natürlich trotzdem anschauen und wird interessante Feststellungen zur wissenschaftlichen Qualität und Redlichkeit solcher Beiträge machen (von eklatanten Fehlschlüssen bis hin zur Frage, wer welche Studien in Auftrag gegeben und bezahlt hat), aber wir müssen den Nachweis der methodischen, logischen oder empirischen Inkorrektheit noch nicht einmal erbringen oder gar für den Fall, dass die Behauptungen am Ende doch korrekt wären, Nutzen- und Risikoabwägungen mit den Vorzügen einer intakten Vorhaut treffen, denn wie bereits gesagt: waschen genügt. Zweitens steht zum Schutz vor Zervixkarzinomen ergänzend eine Schutzimpfung zur Verfügung. Eine Amputation der Vorhaut leistet daher keinen Beitrag zum Schutz vor Krebs.

    Weiterhin wird behauptet, männliche Genitalverstümmelung schütze zumindest tendenziell vor Aids. Wenn diese Ansicht korrekt wäre, müsste in den Ländern mit einem hohen Anteil Beschnittener an der sexuell aktiven Bevölkerung eine signifikant niedrigere Aids-Rate festzustellen sein als in solchen Ländern mit überwiegend intakten Männern. Genau das Gegenteil ist jedoch zu beobachten – so haben etwa die USA eine deutlich höhere Aids-Rate als europäische Länder. Um von einem einigermaßen zuverlässigen Schutz auszugehen müsste der Anteil der HIV-Positiven an den Beschnittenen sogar nahe Null liegen – der empirische Befund hingegen zeigt für diese Gruppe in einigen Regionen der Welt eine regelrechte Aids-Pandemie. Und auch hier gilt wieder: selbst wenn es anders wäre und all die falschen Behauptungen richtig würde dies immer noch nichts bedeuten, denn eine entsprechende Partnerwahl oder die Verwendung von Kondomen schützen vor HIV-Infektionen.

    Drittens wird behauptet, Beschneidung helfe gegen vorzeitigen Samenerguss. Wenn das so wäre dürfte die ejaculatio praecox beispielsweise in den USA kein Thema sein. Schon ein Blick in amerikanische Sexratgeber beweist das Gegenteil und wie lang hielt sich eigentlich das Zimmermädchen in der Suite von Dominique Strauss-Kahn im New Yorker Sofitel auf? Wir erkennen, dass Ejakulationskontrolle etwas mit Köperbeherrschung, einem trainierten PC-Muskel, einem Gespür für das Niveau der eigenen Erregung relativ zum Höhepunkt, der Fähigkeit, die durch unseren Körper fließenden Ströme zu beeinflussen und vor allem mit Harmonie mit der Partnerin zu tun hat, nicht jedoch – zumindest nicht in der Richtung wie von den Befürwortern männlicher Genitalverstümmelung behauptet – mit dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Vorhaut. Der Orgasmus und anschließende Ejakulationsreflex werde regelmäßig auch ohne Vorhaut erreicht, wird gesagt und das mag zumindest in den ersten Jahrzehnten sexueller Aktivität auch stimmen, aber um was für Höhepunkte handelt es sich da? Der Beschnittene erreicht die höchsten Erhebungen Hollands, der Intakte die höchsten Gipfel Nepals.

    Sonst noch irgendwelche Vorteile? Ach ja, das Stigmatisierungsargument. Beginnen wir mit einer kleinen sprachlichen Anmerkung: es fällt auf, dass bei diesem Argument häufig die Bedeutung des Wortes in ihr Gegenteil verkehrt wird, denn das griechische Wort Stigma bedeutet Wund- oder Brandmal. Es wird gesagt, dass es vorteilhaft sei, jemandem ein solches Wundmal am Penis beizubringen, ihn also im Wortsinne zu stigmatisieren, damit er in der Gesellschaft nicht stigmatisiert werde. Das ist natürlich von der relevanten sozialen Gruppe abhängig und kann beim Eintritt in eine andere soziale Gruppe schnell genau umgekehrt sein. Dann ist es natürlich besonders schlecht, wenn das Stigma irreversibel ist. Ich jedenfalls würde um eine soziale Gruppe, die ein Mitglied aufgrund eines solchen Merkmals in der einen oder anderen Ausprägung ausgrenzt so schnell wie möglich einen großen Bogen machen.

    Soweit die Argumente der Beschneidungsbefürworter, mit denen man gelegentlich in der Diskussion konfrontiert wird. Sie sind relativ schnell abgehakt. Andere wie etwa das des Beitrags zur Schmerzforschung oder des Bedarfs an Vorhäuten zur Herstellung von Abdeckungen für offene Wunden oder der Eindämmung der Masturbation (alles ernsthaft vorgebracht worden und bei James Bigelow nachzulesen) sind so hanebüchen, dass bis auf pathologische Ausnahmefälle nicht einmal die Täter selbst sich noch trauen, so etwas zu sagen.

    Nee, das kommt für mich auch nicht in Frage. Die Beschneidung als Hauptkriterium für die Wahlentscheidung? Da gibt es einfach zu viele Punkte, die mir noch wichtiger sind...

    Außerdem öffnet sowas Populisten Tür und Tor...


    Also für mich kommt diese zentrale Menschenrechtsfrage an erster Stelle, denn nichts hat einen größeren Einfluss auf die Lebensqualität - jedenfalls auf die der Betroffenen. Dass bei Erfüllung dieses Kriteriums auch andere Fragen eine Rolle spielen und es auch andere KO-Kriterien gibt, versteht sich von selbst. Außerdem habe ich mehrmals explizit von den demokratischen Parteien gesprochen, eben um Populisten auszuschließen. Wenn wir wollen, dass die Politiker sich in eine andere Richtung bewegen als sie es derzeit tun, müssen wir sie darauf aufmerksam machen, dass ihr Verhalten in dieser Sache - als Individuen und auch als Parteien - Auswirkungen auf die Wahlentscheidung des Souveräns hat. Das könnte sie motivieren, genauer hinzuschauen und ihre Ansichten zu überdenken, denn Wahlen zu gewinnen gehört zu ihren wichtigsten Zielen.

    Man muss wohl noch viel deutlicher machen, dass Politiker, die derzeit die Genitalverstümmelung an Jungen öffentlich verharmlosen oder gar sich aktiv an ihrer Legalisierung beteiligen, dem nächsten Deutschen Bundestag (und anderen Parlamenten) nicht mehr angehören dürfen. Machen wir doch die nächsten Wahlen zu Volksabstimmungen über das Recht auf körperliche Unversehrtheit: Erststimme nur für Kandidaten, die sich klar auf Seiten der Opfer positionieren bzw. als Abgeordnete bereits entsprechend abgestimmt haben, Zweitstimme nur für demokratische Parteien mit entsprechender Positionierung. Es schien einige Zeit unklar, welche demokratischen Parteien angesichts der unsäglichen Politikeräußerungen aus den verschiedenen Lagern überhaupt noch wählbar sind, aber schaut euch mal das hier an:
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/152613
    sowie http://www.ag-hula.de/2012/08/22/pos…en-nds-lpt12-3/
    und http://www.heise.de/tp/blogs/8/152488.
    Allerdings scheint auch bei denen die Parteispitze (noch ?) nicht genug dahinter zu stehen oder dem Thema nicht ausreichend Bedeutung beizumessen.