Beiträge von Pensador

    Was bei einem jungen (als Erwachsenem) beschnittenen Mann infolge hoher Sensibilität und überschießender Vitalität und viel Testosteron noch eine befriedigendes oder aufregendes Sexualleben zulässt, könnte mit einem stärkeren Erregungsverlust mit fortschreitendem Alter bezahlt werden, eben weil viel Nervenenden fehlen.

    Auch das ist richtig, die von Manfred und Dir genannten Aspekte sowie die zunehmende Gefühllosigkeit der Eichel im Laufe der Jahre führen dazu, dass es eben noch sehr viel schlimmer ist als die in der Studie genannten Zahlen suggerieren.

    Hier noch einmal der Link zum Original ohne journalistische Bearbeitung für den öffentlichen Teil des Forums:

    Große Mehrheit der Bevölkerung lehnt Beschneidungsgesetz ab | MOGiS und Freunde

    Das ist nun wirklich mal eine gute Nachricht. Trotz der massiven Desinformation in den Massenmedien mit über weite Strecken äußerst tendenziöser Berichterstattung, trotz unsäglicher Äußerungen von Politikern, Kirchenvertretern und anderen, trotz der Verleumdungen und Bedrohungen, die Opfer, die das selbst erlittene Schicksal anderen ersparen wollen und andere empathiefähige, engagierte Menschen in den vergangenen Monaten ertragen mussten, trotz des auch in gebildeten Kreisen äußerst geringen Kenntnisstandes bei diesem Thema haben sich 70 % der Menschen in Deutschland nicht beirren lassen.

    Das gibt Mut und macht Hoffnung, dass es bald 100 % sein werden. Zu diesen 100 % gehören ausdrücklich auch die Gläubigen der sich auf Abraham berufenden monotheistischen Religionen. Wir schätzen jeden Einzelnen und jede Einzelne von ihnen als Person und sowie ihre Beiträge zu unserer Kultur und der kulturellen Vielfalt in diesem Land in Geschichte und Gegenwart. An die offiziellen und geweihten Vertreter meiner eigenen Religion, des Christentums, soweit sie sich in dieser Debatte zu Verharmlosungen, Diffamierungen und Parteinahme zum Schaden Wehrloser verstiegen haben, richte ich die Bitte, in sich zu gehen und umzukehren.

    Die sonstigen Vorstellungen wären dann und nur dann ein Problem, wenn sie geeignet wären, irgendjemand zu schaden und nur in einem solchen Fall würde ich von "Beifall von der falschen Seite" sprechen. Hier scheinen wir es doch eher mit harmloser Esoterik zu tun zu haben, die bestenfalls, wie Guy richtig feststellt, geeignet ist, die Glaubwürdigkeit von Rael selbst zu beschädigen. Ob die Operationsmethode effektiv ist, vermögen wohl nur die behandelten Frauen selbst zu beurteilen. Dass es nur um eine teilweise Wiederherstellung gehen kann, ist sowieso klar. Diejenigen, die zitiert werden, scheinen ja eine Verbesserung zu bestätigen und ich sehe keinen Grund, diese Aussagen anzuzweifeln. Das Ziel, sexuelle Genussfähigkeit wieder herzustellen, verdient allemal Anerkennung. Mit der Frage, ob es dazu bessere Methoden gibt, überschreiten wir wahrscheinlich den derzeitigen Stand der Forschung und betreten den Bereich der Spekulation.

    Im Übrigen können auch ungewöhnliche Wege zielführend sein und der Grat zwischen Genius und Wahnsinn ist bekanntlich nur schmal. Bevor ich mir ein endgültiges Urteil erlaube, werde ich mir den Laden mal persönlich anschauen; vielleicht wissen ja auch Leute wie Irmingard Schewe-Gerigk, Isabel Henriques oder Christa Müller aus der Anti-FGM-Bewegung mehr. Die Erfahrung zeigt, dass auch Leute, die auf den ersten Blick schrill erscheinen, im persönlichen Gespräch häufig vernünftige Ansichten erkennen lassen. Das gilt etwa für eine junge Frau [edit: Name entfernt], deren Namen ich nur aufgrund eines Pamphlets in Erinnerung hatte, das wir alle im Sommer als zu schrill und aufgrund seiner unfokussierten Polemik als wenig hilfreich (wie man in der Diplomatie sagt) empfanden - Ihr erinnert Euch vielleicht an den "Bund gegen Anpassung" [edit: Zusatz entfernt]. Noch in Helsinki im Oktober habe ich bezüglich einer Zusammenarbeit mit diesen Leuten zu Vorsicht geraten, aber als ich die Frau [edit: Name entfernt] letzten Mittwoch in Berlin erlebte (auf derselben Bühne wie Baba, Ali Utlu, Walter Otte, Irmingard Schewe-Gerigk, Raju Sharma, eine Vertreterin des Zentralrats der Ex-Muslime und einen in Schweden lebenden Intaktivisten aus dem Iran) und danach kurz Gelegenheit hatte, mit ihr zu sprechen, musste ich dieses Urteil revidieren. Ich erlebte eine äußerst sensible, kluge junge Frau voller Menschlichkeit und Empathie.

    Äußerst lesenswerter Artikel - nicht nur die bereits zitierte Stelle. Bemerkenswert fand ich auch diesen Vergleich:

    "This is not so much a community level intervention as a community level experiment. The only people I’ve found who seem to be aware of this is the proponents of VMMC. Is it unfair of me to compare this to the Guatemala syphilis experiment, referred to by Barak Obama as a crime against humanity? Or is it more like the Tuskegee syphilis experiment, referred to by Bill Clinton as racist?"

    Man muss es wohl so sehen bzw. nein, das ist nicht unfair...

    Auch von mir vielen Dank, Pizarro.

    Grundfalsch ist allerdings die offenbar in der Broschüre verbreitete Vorstellung, es gäbe "keinen Grund, beschnittenen Männer pauschal eine eingeschränkte sexuelle Erlebnisfähigkeit zu unterstellen." Dass genau dies der Fall ist und Millionen verlorener Nervenenden in Vorhaut mit gefurchtem Band und Frenulum, die zunehmede Verhornung der Eichel sowie der Lubrikationsverlust der Partnerin beim Verkehr mit Beschnittenen ausreichende und für jeden Menschen nachvollziehbare Gründe darstellen, sollte sich doch endlich einmal herumsprechen. An dieser Stelle muss dringend nachgebessert werden, ansonsten würde diese Broschüre zu einem weiteren Instrument der Desinformation und Verharmlosung.

    Unklar bleibt, was die KritikerInnen an der Kampagne demütigend finden und die Organisation hat das auf ihrer FAQ-Seite auch entsprechend kommentiert: FAQ (Frequently Asked Questions) :: - Clitoraid.org Restoring a Sense of Pleasure and Dignity. Ich jedenfalls fände es erhebend, wenn eine Organisation irgendwo auf der Welt Geld für Vorhautwiederherstellungen zur Verbesserung der sexuellen Genussfähigkeit sammeln würde. Die dürfen das dann auch gerne als Adoption bewerben. Von den sonstigen Vorstellungen von Rael mag man halten, was man möchte - sie tun hier auch nichts zur Sache - aber die Clitoraid - Initiative einschließlich ihrer Kritik an der jüngsten deutschen Gesetzgebung ist ein Volltreffer.

    Für mich gehört zu den grundlegenden Beiträgen des Christentums zur Menschheitsgeschichte die Überwindung einiger archaischer Grausamkeiten unter gleichzeitiger Beibehaltung dessen, was an alttestamentarischer Weisheit als gut und richtig erkannt wurde. Der Gedanke, dass Jesus Christus durch sein Leben und Wirken, durch seine Lehren und auch durch das von ihm erlebte Leid der Menschheit einen Neuanfang ermöglichte, ist geradezu die Essenz des Christentums. Dass Vertreter der Amtskirchen in der Geschichte immer wieder ihre Macht missbrauchten und ihrerseits Grausamkeiten im Namen dieser Religion begehen ließen, tut der ursprünglichen Idee keinen Abbruch.

    In diesem Zusammenhang sind auch Beschneidung, Kreuzigung und anschließende Auferstehung Jesu Christi zu sehen: archaische Grausamkeiten in der Tradition des Menschenopfers und ihre Überwindung mit nachhaltiger Wirkung für die Nachwelt. So wie jedes Kind intakt geboren wird, kann auch der Auferstandene als Symbol dieser Erneuerung und des Lebens nur intakt gedacht werden. Wir können also auf biblischer Grundlage den Ostersonntag nicht nur als höchsten Feiertag der Christenheit, sondern auch des Intaktivismus verstehen und demgegenüber am ersten Januar und am Karfreitag des von Christus erlittenen und vielen anderen, aber noch nicht allen, ersparten Leids gedenken.

    Umso bedauerlicher ist es, dass Vertreter der heutigen Kirchen sich ohne jedes Mitgefühl für die Betroffenen zu Fürsprechern archaischer Grausamkeiten gemacht haben. Tatsächlich hat die Situation der heutigen Beschneidungsgegner einiges gemeinsam mit jener der ersten christlichen Gemeinden: verfemt, verfolgt, verleumdet und dabei unermüdlich bereit,
    völlig uneigennützig für als richtig erkannte Überzeugungen zu kämpfen.

    Übrigens: Die Intactivist Community wartet noch auf ihren Apostel Paul.

    In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

    Der Begriff war sicherlich pejorativ gemeint, aber wenn ich zu seinen etymologischen Wurzeln zurückgehe, ist das ein Vorwurf, mit dem ich leben kann:

    vulgus (lat.): (gemeines) Volk, Menge, Masse

    vulgare (lat.): unter das Volk bringen, zum Allgemeingut machen

    ratio (lat.) vernünftiges Denken, Überlegung, Einsicht

    Ein Vulgärrationalist wäre dem Wortsinn nach also jemand, der vernünftige Einsichten im Volk verbreitet.

    Da möchte man doch hinzufügen: "Und das ist auch gut so" (wie Klaus Wowereit mal in einem anderen Zusammenhang sagte).

    Was Gauck offenbar bei der Verwendung dieses Begriffs nicht klar war ist, mit welchen Emotionen das Thema für die Betroffenen, Empathiefähigen und Einsichtigen verbunden ist. Das Engagement der Beschneidungsgegner ist getrieben von Emotion, nicht Ratio.

    Ziel muss es sein, einen geschlechtsneutral formulierten § 176c "Genitalverstümmelung" in das Strafgesetzbuch einzuführen, der Mädchen, Jungen, intersexuelle Kinder und auch Erwachsene gleichermaßen schützt. Leider haben diese Bemühungen durch das unsägliche Gesetz, das der Bundestag am 12. 12. verabschiedete, einen schweren Rückschlag erlitten.

    Ich empfehle jedem Intaktivisten, der einer Bedrohung, Verleumdung oder Beleidigung ausgesetzt war, Strafanzeige zu stellen und sich anwaltlicher Unterstützung zu versichern. Immerhin sind diese Tatbestände nicht durch das Genitalverstümmelungslegalisierungsgesetz für rechtmäßig erklärt worden. Außerdem gehört der Verleumdungsskandal zu den Aspekten der "Beschneidungsdebatte", die einer öffentlichen Aufarbeitung bedürfen. Jeder Fall, in dem Juristen genauer hinschauen müssen und vielleicht sogar die Presse darüber berichtet, ist hilfreich.

    " Glaube nicht alles, was du hörst; vertraue nicht blind auf Traditionen, nur weil sie seit Generationen weitergegeben werden; glaube nichts, nur weil es von vielen wieder und wieder gesagt wird; glaube nichts, nur weil es einmal niedergeschrieben wurde; glaube nicht an Vermutungen; glaube nicht daran wie an eine Wahrheit, die sich durch Gewohnheit verfestigt hat; glaube nicht blind an die Autorität deiner Lehrer und der Alten.

    Nach Beobachtung und Analyse, und nur wenn es mit der Vernunft vereinbar ist und dem Guten, Nützlichen jedes Einzelnen und aller zuträglich, dann akzeptiere es und lebe danach."

    Buddha, 6. Jahrhundert vor Christi Geburt, zitiert nach Elizabeth Pantley

    Ist das von Gauck so gesagt oder nur vom Verfasser des zitierten Artikels hineininterpretiert worden? An den Stellen, an denen er Gauck zitiert, verwendet dieser zumindest nicht den Begriff Beschneidung, sondern äußert, dass er keinen Grund zur Sorge für jüdisches Leben in Deutschland sieht und beklagt einen Übergriff auf einen Rabbiner, der bekanntlich von einem arabischen Jugendlichen ausging. Sollte es jedoch so sein wie der Artikel behauptet und weiterhin in den seit dem jüdischen Neujahrsfest vergangenen drei Monaten keine Einsicht eingekehrt sein, die den Bundespräsidenten von einer Unterschrift unter dieses Gesetz Abstand nehmen lässt, würde aus einem bisher hochgeschätzten Staatsmann mit einer herausragenden Lebensleistung ein zu verachtender Schinderknecht, dem ich nicht mehr die blutbefleckte Hand schütteln möchte. Tiefer könnte ein Abstieg wohl nicht sein.