Beiträge von Pensador

    Ungewöhnlich ist auch die harte Etikettierung der Beschneidungspraxis mit den Worten "quälerisch" und "Gewaltanwendung", sowie die Abqualifizierung der Schutzbehauptung der seitens einiger Beschneidungsbefürworter behaupteten Schmerzunempfindlichkeit von Säuglingen:

    Das ist keine "harte Etikettierung", sondern eine große Annäherung an die Realität - tatsächlich kann das Ausmaß des Leids und Entsetzens, das durch Genitalverstümmelung notwendigerweise ausgelöst wird, mit Worten nur unzureichend beschrieben werden. Ich würde die Wahl von nicht gezielt verharmlosenden Vokabeln auch nicht als "ungewöhnlich", sondern vielmehr als überfällig bezeichnen. Auch der Begriff Genitalverstümmelung ist angemessen. Es ist zu wünschen, dass er sich mittelfristig im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzt und dabei ein wachsendes Verständnis der Bevölkerung für die relevanten Zusammenhänge reflektiert, denn die gängigen Euphemismen (B... / Z... / C...) sind auf Dauer den Opfern gleich welchen Geschlechts nicht zumutbar.

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    Dieses Buch ist der neueste Teil einer Serie von Sammelbänden, die aus den internationalen Konferenzen zur genitalen Selbstbestimmung hervorgegangen sind und von Marilyn Milos, George Denniston und Frederick Hodges herausgegeben werden. http://link.springer.com/book/10.1007/9…7-6407-1/page/1. Die anderen Werke aus dieser Serie sind übrigens auch lesenswert und sollten in jeder wissenschaftlichen Bibliothek vorhanden sein.

    Die Kollegen von Genital Autonomy suchen für ihre Konferenz im September noch Redner, die über die Situation in Deutschland referieren möchten. Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz zu genitaler Selbstbestimmung werden die neueren Entwicklungen in Europa sein; es ist mit einer hochkarätigen Besetzung und medialer Aufmerksamkeit zu rechnen.

    Ich bin gebeten worden, Vorschläge bezüglich geeigneter Referenten zu machen. Wenn also jemand eine Idee hat, wen man ansprechen könnte oder sich selbst vorstellen kann, im September nach England zu reisen, würde ich mich um eine kurze Info (hier oder per privater Nachricht) freuen. Danke.

    Der genannte Strafrahmen von bis zu 15 Jahren ist auf jeden Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich hin zu einer die Schwere des Verbrechens nicht mehr ganz ignorierenden Bewertung. Meines Erachtens kann es für Genitalverstümmelung angesichts der Auswirkungen für die Betroffenen einerseits und der (nicht zur Disposition stehenden) Schranke des Art. 102 GG andererseits nur eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld geben und zwar unabhängig vom Geschlecht des Opfers. Dies gilt zumindest für die Genitalverstümmler selbst, bei denen es sich in der Regel um Intensiv-Mehrfachtäter handelt, während Eltern zumeist nicht unabhängig und auf der Grundlage systematisch vermittelter Falschinformationen handeln, woraus sich eine andere rechtliche Bewertung ergeben muss.

    Allerdings ist die Gesellschaft noch nicht reif für diese Erkenntnis und wir müssen ihr auf dem Weg dorthin wohl die Zeit geben, die belastenden, aber unvermeidlichen Zusammenhänge zu reflektieren. Auch bezüglich der weiblichen Genitalverstümmelung war das ganze Ausmaß des Entsetzens noch vor wenigen Jahrzehnten keineswegs allgemein bekannt und sozial geächtet. Dies änderte sich erst durch Publikationen von Opfern wie etwa Waris Dirie und zwar im Westen und keineswegs in den betreffenden afrikanischen Gesellschaften selbst. Dennoch ist auch bei uns ein solches Gesetz noch nicht verabschiedet. Lasst die Frauen also vorangehen und lasst uns sie dabei unterstützen - der Beweis der Homologie männlicher und weiblicher Geschlechtsorgane ist ebenso leicht zu führen wie die Verweise auf den Gleichheitsgrundsatz und auf die interkulturellen Parallelen in den Argumentationen der Täter. Angesichts der bestehenden Machtstrukturen und des "home bias" braucht es nur ein wenig mehr Zeit für die erforderlichen Konsequenzen.

    Eine Tätermeinung - sicherlich besonders übel, sicherlich besonders perfide, sicherlich besonders ignorant - gegenüber den physiologischen Zusammenhängen, gegenüber der Geschichte der Medikalisierung der männlichen Genitalverstümmelung, gegenüber der umfangreichen Evidenz zum Leid der Opfer, gegenüber den Arbeiten jüdischer Autoren wie Ronald Goldman, Leonard Glick und Rosemary Romberg (um nur einige wenige zu nennen) und nicht zuletzt gegenüber religiösen Ansätzen wie Brit Shalom, dabei aber von leicht erkennbarer Motivation und offenbar noch nicht einmal neu.

    Wahrscheinlich werden wir noch eine Zeit lang damit leben müssen, dass solchen Leuten an einigen Stellen ein Forum geboten wird bis sich das Wissen um die relevanten Zusammenhänge allgemein durchgesetzt hat und sich außerhalb des zirkumfetischistischen Untergrunds niemand mehr traut, so etwas abzudrucken. Angesichts ihrer Dreistigkeit bemerkenswert ist auch die Forderung nach "Konsequenzen" - sie fällt allein auf den Autor selbst zurück.

    Es gibt unter den meisten Muslimen eine Grundsolidarität. Wer die "Beschneidung" kritisch sieht, ist noch lange nicht für ein Verbot.
    Für die stellt sich eine Partei, die gegen die MGM antritt als multikulti- bzw. ausländerfeindlich da - gestorben.
    Schiiten und Sunniten sind immer wieder heftigst im Clinch - aber beschneiden tun sie alle. Da ziehen sie an einem Strang.
    Die MGM ist ja sogar der kleinste gemeinsame Nenner von den ansonsten meistens spinnefeinden Muslimen und Juden.
    Und der Anteil der Muslime bzw. "Kulturmuslime" an der Bevölkerung dürfte eher zu- als abnehmen.

    Ich kann nur immer wieder davor warnen, sich Täterpropaganda zu eigen zu machen. In der Tat haben interessierte Kreise versucht, den Kampf gegen männliche Genitalverstümmelung zu verleumden und zu verunglimpfen, unter anderem auch als "ausländerfeindlich". Dass das Gegenteil richtig ist, wissen allerdings auch die meisten Muslime und viele von ihnen haben mir das im persönlichen Gespräch bestätigt.

    Diskutieren darf man Politik allemal - auch das gehört zum Kern ihres Wesens - und dabei strategische Überlegungen einfließen lassen sowie fordern, dass einem Thema die ihm zustehende Bedeutung gegeben wird. Nicht wenige Journalisten leben davon, dass sie genau das jeden Tag tun, weil sehr viele Leute eben daran interessiert sind.

    In seltenen Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass einzelne politische Entscheidungen so eklatant im Widerspruch zu den elementaren Grundfesten der Humanität stehen, dass die dafür Verantwortlichen unabhängig von ihren sonstigen Zielen und Leistungen nicht mehr tragbar sind und genau dieser Fall ist aus meiner Sicht mit dem Beschneidungsgesetz eingetreten. In diesem Thread wurde gefragt, wie der Souverän, wie jeder einzelne Wähler, der es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, solchen Leuten noch einmal an die Macht zu verhelfen - eine legitime und honorige Einstellung - mit einer solchen Situation umgehen kann. Ich hatte mir vor geraumer Zeit die selbe Frage gestellt und bin dabei zu den oben skizzierten Antworten gekommen.

    Was Deine übrigen Ausführungen angeht, lieber Guy, teile ich Deine Hoffnung und Meinung :)

    Die Piraten haben aber anscheinend auch nichts entsprechendes im Programm.

    Will die AfD denn MGM bestrafen?

    Zumindest haben diese Parteien keine Schuld auf sich geladen. Mehr kann man vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erwarten, was sich jedoch mit zunehmender Aufklärung, an der wir hier und an anderen Stellen arbeiten, ändern wird. Diese Aufklärung wird langfristig auch in den anderen Parteien zum Umdenken führen und teilweise sind hier schon Ansätze erkennbar - man denke etwa an die "säkularen Grünen".

    Und haben diese Parteien ein realistische Chance, über 5% zu kommen? Es geht bei der nächsten Wahl nun mal nicht nur um Kindesverstümmelung, es gibt auch noch andere, nicht ganz unwichtige Themen.

    Dann verhelfen wir ihnen eben über die 5 % - Hürde. Es ist durchaus möglich, dass dieses Thema für die entscheidenden Stimmen sorgt, die die genannten Parteien ins Parlament bringen. Dabei müssen sie sich selbst noch nicht einmal dazu äußern - es genügt, dass die anderen aufgrund ihres Verhaltens im letzen Jahr für genügend Leute nicht mehr wählbar sind. Und selbst wenn es nicht reichen sollte, wären die entsprechenden Stimmen wichtig. Andere Themen gibt es in der Tat - daher begrüße ich es, zwei Alternativen zu sehen - doch sie erscheinen im Vergleich zu diesem Giga-Menschenrechtsthema sekundär, um nicht zu sagen ganz unwichtig.

    Ja, wenn sie denn noch mal kandidieren! Marlene Rupprecht z.B. steht nicht zur Verfügung.

    Die meisten der 100 Aufrechten werden sicherlich nochmal antreten. Wenn diese und andere Kandidaten, die derzeit noch nicht im Bundestag vertreten sind, direkt gewählt werden, und gleichzeitig Piraten und AfD einziehen können, werden viele derjenigen, die am 12. 12. ihr Gewissen, dem sie doch nach der Verfassung verpflichtet gewesen wären, nicht finden konnten, ihr Mandat verlieren. Die haben dann ein paar Jahre Zeit, nachzudenken und Reue zu zeigen.

    Das ist für Politiker eine ganz nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnung.
    Ca. 2 Millionen Muslime haben dt. Staatsbürgerschaft. Ein erheblicher Teil davon dürfte im wahlberechtigte Alter sein.
    Von denen würden die Linken praktisch keine Stimmen mehr bekommen, falls sie eine Forderung zu MGM ins Programm schreiben würden.

    Diese Einschätzung mag dem Umgang der Parteien mit MGM zugrunde liegen, doch sie ist meines Erachtens völlig falsch. Gerade wer aus einem Kulturkreis kommt, in dem es bei diesem Thema einen hohen Gruppendruck einschließlich kulturell-religiöser Überhöhung und intergenerationeller Erwartungen gibt, dürfte für eine Befreiung aus dem entsetzlichen Täter-Opfer-Zyklus besonders dankbar sein. Das gilt auch für diejenigen, die niemals darüber sprechen würden. In der Anonymität einer Wahlkabine fällt es da schon leichter, seinen wahren Gefühlen und Überzeugungen Ausdruck zu verleihen.