Beiträge von Ein Fehlinformierter

    Rezeption der eigenen Beschneidung:
    Mein beschnittener Zustand war mir als Kind nicht bewusst, da mein Vater auch beschnitten ist und ich es somit als "normal" empfand, eine ständig nackte Eichel zu haben. Zwar beobachtete ich andere Kinder, aber mein bester Freund in der Grundschule muss ebenfalls beschnitten gewesen sein, denn er sah dort genauso aus wie ich. Insofern hielt ich eine nackte Eichel für einen naturgegebenen Unterschied, etwa wie braune gegenüber rosafarbenen Brustwarzen oder Füße verschiedener Menschen, bei denen mal die erste, mal die zweite Zehe die längere sein kann.

    Meine Eltern gehören noch zur Kriegsgeneration, dort war man generell weniger zimperlich. Zur "Abhärtung" erfolgten im Sommer Wechselduschen und im Winter Sauna. Gegen drohenden Vitaminmangel gab es Sanddornsaft und Lebertran, meine Zähne wurden per Zahnspange begradigt, gegen Senkfüße trug ich winters orthopädische Einlagen, sommers hölzerne Gesundheitssandalen oder es war barfuß laufen angesagt, auf Sand, Kies, Waldboden oder abgemähter Wiese. Mir wurden mit vier Jahren die Rachenmandeln herausgeschnitten ("zu oft erkältet") und als neunjähriger eine Warze am Fuß mit dem Elektrokauter ausgebrannt ("die muss weg"). Kurz: Mir wurde beigebracht, dass der menschliche Körper voller Mängel ist, die mit teils drastischen, auf jeden Fall aber immer sehr unangenehmen Maßnahmen "ausgemerzt" gehörten.

    Als ich in der Pubertät aus einem Aufklärungsbuch durch Bildvergleich erfuhr, dass ich beschnitten bin, wunderte mich das daher nicht besonders. Ich fragte allerdings bei meiner Mutter nach, da ich wissen wollte, was Sache war. Meine Mutter bestätigte unumwunden, dass sie eine vollständige Beschneidung bei mir gewünscht hatte. Dies sei sauberer, gesünder und es sähe wesentlich besser aus. Ich sei doch sicherlich auch froh, nicht so einen hässlichen, dreckigen "Rüssel" zwischen den Beinen zu haben, sondern einen so schönen Penis wie mein Papa. Damit war das Thema erledigt.

    Die Gegenmaßnahmen:
    Etwa ein Jahr später begann ich zu onanieren. Ich hatte den großen Drang meinen steifen Penis zu reiben, aber da war nichts zum Reiben da; direkt nach dem Wachstumsschub war die Schafthaut so straff, dass jegliche Bewegung unmöglich war. Nach dem vorher Gesagten ist klar, dass ich das nicht als "unnormal" empfand, im Gegenteil: Mein Drang zu onanieren wurde auf Nachfrage von meiner Mutter als "unnötig" deklariert, ein Mann habe "sich zu beherrschen". Dass sie mich durchaus mit der Absicht beschnitten hatte, mir das Onanieren zu erschweren, hat sie erst Jahrzehnte später zugegeben.

    Ich wollte mich aber nicht beherrschen! Da mir die Logik des natürlichen Geschlechtsaktes bewusst war, bemühte ich mich, diesen zu simulieren: Als "Ersatzvaginas" dienten Socken, der Eingriff der Unterhose oder ein mit Vaseline gefettetes Brillenetui. Daneben rieb ich mich an der Bettdecke, am Kopfkissen oder umschloss den erigierten Penis mit der Schlafanzughose. Häufiges Wundreiben war der Fall. Ich experimentierte also mit Gleitmitteln: Salatöl, Handcreme, Body-Lotion, Shampoo, Melkfett, Spucke, Butter und Haargel. Mit der Zeit wusste ich, womit ich meinen Penis am Besten massieren konnte, um heftig abzuspritzen.

    Dauerte die Tortur bis zum erlösenden Orgasmus anfangs bis zu einer halben Stunde, so konnte ich es durch intensives Kopfkino und verschiedene Massagetechniken irgendwann auf fünf Minuten verkürzen; außerdem wurde die Schafthaut etwas beweglicher und ließ sich verschieben, so dass auch "trockenes" Onanieren möglich war. Meine Eichel verhornte in dieser Zeit allerdings völlig bis zur totalen Gefühllosigkeit. Die Orgasmen wurden aber eher heftiger, auch spritzte ich immer größere Mengen Flüssigkeit ab: Daran war wohl die Prostata schuld. Mein Orgasmus entsteht beinahe ausschließlich über die Druck- und Zugsensoren im Penisschaft, welche die entstehende Bewegung an den Beckenboden und die Prostata weitergeben. Mein Schwanz hingegen ist ein weitgehend empfindungsloser Fleischbolzen. Ich kann mir sogar mit einem Holzlineal auf die Eichel hauen, ohne dass es arg wehtut.

    Die Wahrnehmung der Beschneidung im späteren Leben:
    Meine Partnerinnen empfanden mein beschnittenes Teil nie als abstoßend, so dass mir auch hier negative Erfahrungen erspart blieben. Auf die Tatsache "länger zu können" und den Orgasmus willentlich steuern zu können (um beispielsweise parallel mit der Partnerin zum Höhepunkt zu gelangen) war ich lange Zeit sehr stolz. Heute ist mir bewusst, dass das etwa der erstaunlichen Fähigkeit eines Blinden entspricht, seinen Weg nach dem Gehör zu finden. Wenn ein Körperteil ausfällt, wird es eben an anderer Stelle kompensiert.

    Paradoxerweise hat also gerade die brutale, frühkindliche Beschneidung dazu geführt, dass ich mich sehr früh anpassen musste und nach der Pubertät nicht mehr unter der Beschneidung litt. Für einen Mann, der in reiferem Alter seine Vorhaut verliert, kann dieses Erleben sicherlich traumatisch sein, da ihm der Vorher-/ Nachervergleich sehr bewusst sein muss. Auch das Mind-Set spielt eine große Rolle: Bis vor wenigen Jahren empfand ich mein Glied nicht als verstümmelt und selbst heute finde ich die eigene, nackte Eichel als "schön", deshalb habe ich meine Orgasmusfähigkeit nie in Zweifel gezogen, jedes Abspritzen war ein kleiner Triumph über meine bigotte Mutter. Die frühkindliche Prägung auf ein beschnittenes Glied ist immer noch sehr stark, obwohl ich mir mittlerweile das Video einer Säuglingsbeschneidung im Netz angesehen habe -- und bitterlich weinen musste.

    Fazit:
    Wer seine Kinder als Erziehungsmaßnahme nicht schlägt und sie nicht hungrig ins Bett gehen lässt, weil er das als barbarisch empfindet, der sollte sich gut überlegen, wie er die Amputation eines sexuell essentiellen Körperteils rechtfertigen will. Denn dieser Verstümmelungsakt gehört in die gleiche Mottenkiste. Man hackt ja auch keinem Kind die Zehen ab, um Fußpilz zu vermeiden.

    Ich kann Menschen verstehen, die eine nackte Eichel erotisch finden, da ich es selber tue. Und Männer, die sich aufgrund einer schweren Phimose dazu entschlossen haben, sich von der Vorhaut zu befreien, mögen das als sehr positiv empfinden. Ohne Grund an kleinen Jungs herumzuschnipseln entbehrt allerdings in unseren aufgeklärten Zeiten jeglicher Logik. Vielen Dank an alle, die bis hierher gelesen haben und noch viel Erfolg bei eurer Arbeit.

    Liebe Forengemeinde,

    zunächst einmal herzlichen Dank für die tolle Aufklärungsarbeit, die ihr hier leistet. Ich selber bin Ende der 60er Jahre sechs Wochen nach der Geburt von einer bayerischen Kinderärztin auf Wunsch meiner Mutter vollständig beschnitten worden. Eine medizinische Indikation lag nicht vor, es galt als "vorbeugende" Maßnahme. Bis vor zwei Jahren, als in den Medien die Beschneidungsdebatte hochkochte, war mir gar nicht bewusst, dass ein solches Vorgehen in Deutschland widerrechtlich war. Mittlerweile ist es das ja leider nicht mehr ...

    Ich habe mich dann aus Neugier mit dem Thema beschäftigt und war entsetzt, was Vorhautbeschneidung eigentlich bedeutet und wie viele Männer stark darunter leiden müssen, dass man ihnen das angetan hat. Mit meinem Posting möchte ich zweierlei: Erstens, diejenigen jungen Männer beruhigen, die als Kinder verstümmelt worden sind und nun Angst haben, sie könnten nie befriedigenden Sex haben. Das muss nicht zwangsläufig der Fall sein. Auch Mütter oder Väter, welche die OP in bestem Wissen, aber auf Basis falscher Tatsachenbehauptungen der Ärzteschaft ihren Söhnen haben angedeihen lassen, möchte ich dabei helfen, sich nicht zu sehr von ihrem schlechten Gewissen foltern zu lassen.

    Gleichzeitig möchte ich aber Aufklärungsarbeit leisten; eine Beschneidung ist ein schwerwiegender Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung. Die Folgen müssen nicht zwangsweise für alle Männer negativ sein (bei mir sind sie trotz starker Verstümmelung es nicht, dazu weiter unten mehr) und hängen meiner Erfahrung nach stark von der Prägung durch das Umfeld ab. Deswegen ist es aber meiner Meinung nach so schwer, in Kulturen die religiös oder traditionell bedingt an der Beschneidung von kleinen Jungen festhalten, ein Umdenken zu erreichen -- vielen Betroffenen ist das Problem nicht bewusst, andere wiederum verleugnen es offenbar.

    Details meiner Beschneidung:
    Wie ich feststellen konnte, wurde bei mir eine vollständige plastische Zirkumzision vorgenommen, d.h. das innere Vorhautblatt ist nahezu komplett erhalten, das äußere wurde vollständig abgetragen, die Eichel ist immer nackt, die Narbe sitzt drei Zentimeter hinter der Eichel und ist im steifen Zustand deutlich zu sehen. Im schlaffen Zustand bildet sich ein kleiner Wulst hinter der Eichelfurche, im erigierten Zustand ist alles glatt. Die Schafthaut lässt sich bei versteiftem Glied mit Mühe bis kurz unter die Eichelkante ziehen, nicht darüber hinaus. Es ist also eine verhältnismäßig straffe Beschneidung. Die Eichel ist stark verdickt und ragt deutlich über den Schaft hinaus; Eichelober- und unterseite sind vollkommen gefühllos. Einzig in der Eichelfurche und an der Harnröhrenöffnung besteht noch eine Empfindung. Dieser Zustand besteht schon seit Ende der Pubertät, als ich etwa 16 Jahre alt war. Ich bin jetzt Mitte 40.

    Das Frenulum war bei der OP durchtrennt und danach wieder vernäht worden, so dass die Narbe an der Unterseite des Penisses umgekehrt V-förmig verläuft. An der Nahtstelle des Frenulums entstand eine Verdickung, die sich öfter wund rieb. Da die Nerven im Frenulum aber offenbar völlig durchtrennt waren und ich dort keinerlei Gefühl mehr hatte, hatte ich mich vor ein paar Jahren entschlossen, den vernarbten Frenulumrest von einem Fachmann entfernen zu lassen. Seitdem gibt es keine Probleme mehr mit dem Wundwerden. Nach der Konsultation entsprechender Webseiten gehe ich davon aus, dass mir 60 bis 80 Prozent meiner gesamten Penishaut genommen wurden. Gefühlsmäßig ist das natürlich der absolute Griff in die Tonne. Dennoch habe ich es jahrelang nicht so wahrgenommen. Warum? Nun, die Fortsetzung folgt im nächsten Posting ...