Beiträge von R(h)einwein

    "Doch sie sind auch gar nicht auf praktische Durchsetzung angelegt. Vielmehr ist ihr Sinn, den Kindesrechten symbolische Reverenz zu erweisen, mehr aber auch nicht."

    Es zeigt sich hier wieder einmal, wie unterschiedlich man Aussagen interpretieren kann. Ich lese diesen Satz als ein vernichtendes Urteil über das Gesetz: In dem zuvor von Prof. Isensee Ausgeführten weist er auf die Pflicht des Staates zum Schutz des Säuglings oder Kleinkinds vor der Körperverletzung, Schmerzen usw. hin und vermisst Regelungen, die dieses gewährleisten, um dann zu obiger Feststellung zu kommen. Mit meinen Worten übersetzt: der Gesetzgeber hat in diesem Punkt total versagt und kaschiert sein (vorsätzliches) Versagen mit symbolischem Geschwätz. Deutlicher kann es ein Professor für öffentliches Recht kaum sagen. Wir sind da freier, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

    Ein allzu schwächliches Argument, wie hier im Forum übereinstimmend festgestellt wird.

    Auch wenn ich mir ein klares Verbot der Beschneidung von Jungen gewünscht habe und noch immer wünsche: die Frage eines möglichen Kulturkampfes kann man m.E. nicht einfach vom Tisch wischen. Wir sehen gerade, wie die internationale Presse (zu Recht) rügt, dass es im NSU-Mordprozess bislang keine reservierten Plätze für türkische Medien gibt. Auch hier spielt im Hintergrund unsere politische Last des Nationalsozialismus eine Rolle, denn die NSU-Täter waren bzw. sind - wie der Name schon nahelegt - Rechtsradikale. Ein striktes Verbot der Jungenbeschneidung hätte sicher heftige Reaktionen im In- und Ausland hervorgerufen. Die Frage war, ob man diese guten Gewissens und mit überzeugender Argumentation hätte durchstehen können. Ich denke ja. Aber eine öffentliche Belastung wäre es sicher geworden. Da kann ich die Argumentation von Prof. Isensee durchaus nachvollziehen, der ehrlich, rechtlich konsequent und der aufklärerischen Tradition entsprechend argumentiert. Die vorläufige Straffreiheit hätte alle Möglichkeiten einer späteren Aufhebung offen gelassen, wenn sich die Meinung und die Praxis in den beiden Religionen ein Stück weiter säkularisiert hat. Und um letzteres zu erreichen, sind wir angetreten. Ich bin sicher, dass es diese gesellschaftspolitischen Verschiebungen bei einer nachhaltigen Informationsarbeit geben wird. Ich fürchte dagegen, dass es nicht leicht sein wird, das jetzige miese Gesetz auf dem verfassungs- oder menschenrechtlichem Wege aus der Welt zu schaffen (so weit ich das als juristischer Amateur aus den Beiträgen von Juristen verstanden habe.)

    Dann kann man achselzuckend behaupten, man habe ja alles versucht, um jüdisches Leben in Deutschland zu ermöglichen.

    Glaubst Du wirklich, dass die Mehrheit des Bundestages strategisch-taktisch so raffiniert gedacht hat? Ich halte die Wahrheit für schlichter: so ausgeklügelt denken und handeln Bundesregierung und Parlamentsmehrheit nicht. Sie wollten einen Kulturkampf vermeiden um jeden Preis. Auch um den eines schlechten und verfassungsrechtlich nicht haltbaren Gesetzes. Sie waren nur verfahrenstechnisch so schlau, etwaige Klagewege möglichst zu verbauen.

    Wenn der Gesetzgeber sich wenigstens in der Logik und Argumentation von Prof. Isensee bewegt hätte: verfassungsrechtliche Konflikte ja, auch Körperverletzung usw ja. Aber aus Rücksicht auf die deutsche Geschichte und zur Vermeidung eines Kulturkampfes bleibt das Beschneidungsritual bis auf weiteres straffrei. Diese Lösung kennen wir auch aus dem Abtreibungsurteil des BVerfG. Wenn sich eines Tages die Aufklärung noch ein Stück weiter durchgesetzt hat, kann die Straffreiheit aufgehoben werden. Was wir jetzt haben, ist ein opportunistisches, höchst unzulängliches, weder Rechtssicherheit noch Verfassungsmäßigkeit beinhaltendes Gesetz mit einer geheuchelten Begründung und in einem demokratisch fragwürdigen Verfahren durchgepeitscht. Wahrlich eine Beschädigung des Vertrauens in den Rechtsstaat!

    Weiteres Zitat: "Die Tage der Menstruation sind Tage der Enthaltsamkeit. Erst sieben Tage nach der Menstruation geht die Frau in die Mikwe, in das rituelle Bad, und danach kehrt sie ins eheliche Bett zurück."


    Das ist doch genau so ein archaisches Vorurteil: die durch ihre Menstruation unreine Frau. Kein Wunder, wenn eine Frau unter diesen Voraussetzungen ein verkorkstes Verhältnis zu ihrem Körper bekäme.

    Das Thema "weiblicher Sexismus" ist generell und besonders in der Beschneidungsdebatte schwer zu diskutieren, weil es als politisch inkorrekt gilt.

    Ich habe im Laufe der Jahrzehnte in der Geschlechterdebatte schon zu viele Tabus aus der feministischen Ecke erlebt, was politisch korrekt ist oder nicht. Das wäre so, als wollte man verbieten, dass über Gewalt oder sexuellen Missbrauch durch Frauen gesprochen wird. Diese gibt es leider auch. Solche Tabus dienen zunächst einmal dazu, sich selbst gegen Kritik immun zu machen - ein irrationales, diskussionsfeindliches und undemokratisches Ansinnen. Um es klar zu sagen: ich bin sowohl gegen männlichen als auch gegen weiblichen Sexismus. Und ich habe auch etwas dagegen, wenn irgendeine Seite die andere zum Vorwand für eigenes falsches Verhalten nimmt. Und darum lasse ich mir weder das Denken und Urteilen noch das Äußern meiner Meinung verbieten.

    Häh? Beschnittene haben kein Vertrauen in Kondome???Oder kein Selbstvertrauen...

    DAS ist der Grund dafür, warum ich die Dinger immer gemieden hab. Und nichts anderes.

    @ weguer:

    Das ist ja auch zu erwarten. Kondome reduzieren die Sensibilität zusätzlich.

    Das lässt zudem die Behauptung von der angeblichen Senkung der HIV-Infektionen in Afrika durch Beschneidung in neuem Licht erscheinen: die verständliche Verweigerung des Kondomgebrauchs seitens beschnittener Männer könnte letztlich zu einem Anstieg der HIV-Infektionen führen - ganz im Gegenteil zu den behaupteten Segnungen einer Beschneidung. Da bahnt sich möglicherweise in den von WHO und Bill Gates beglückten afrikanischen Ländern eine humane Katastrophe an.

    Wahrhaftig ein echtes Beispiel für weiblichen Sexismus. Ich habe auch noch einen Kommentar geschrieben. Vielleicht kommt er ja durch die Zensur.


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    Jörg , 5. April 2013 um 16:17“Also warum diskutieren wir hier um drei Millimeter Haut eines acht Tage alten Knaben?”
    Ein schönes Beispiel für weiblichen Sexismus.
    Warum um drei Millimeter Klitoris diskutieren? – könnte man genauso berechtigt fragen.
    Es ist jedoch in beiden Fällen Körperverletzung und Verstümmelung.

    Diese traurige Nachricht musste ich mehrmals lesen. Ich konnte es nicht fassen. Ich habe Benni wegen seiner Aufrichtigkeit, seines ehrlichen Engagements, seiner profunden geschichtlichen Kenntnisse, seiner fairen Art zu diskutieren aufs höchste geschätzt. Er wird mir in diesem Forum fehlen. Ich teile den Schock und die Trauer der Angehörigen. Wer wird uns jetzt so viel theologisches und religionsgeschichtliches Hintergrundwissen mitbringen? Benni, ohne dich ist dieses Forum um vieles ärmer. Wir machen in Deinem Sinne weiter.

    "Die Beschneidung schade dem Baby nicht, sondern helfe ihm, weil sie die Norm sei. " (Zitat aus dem Artikel)


    Das ist schon eine besonders blödsinnige Rechtfertigung. Schadet dann auch die Steinigung von ehebrechenden Frauen nach der Scharia diesen nicht sondern hilft ihnen, weil sie nach der Norm ist? Für die Schädlichkeit einer Handlung sind andere Kriterien maßgeblich als die Tatsache, dass sie normgerecht ist. Dümmer geht's nimmer.

    Ich kenne das Zitat in der genannten Form - allerdings aus einer Sekundärquelle. Mir imponierte es deswegen, weil hier von der Liebe zu dem Menschen, den man am meisten liebt, gesprochen wird. Was durchaus in Woody's Querdenken liegt. Aber wenn, das schon eine Anreicherung dank wiederholtem Zitieren war, dann werde ich zukünftig gern auf das Original zurückgreifen. Danke.

    Ein gefundenes deutsches Zitat:


    "Sagen Sie nichts gegen Masturbation -
    es ist Sex mit jemandem, den man
    wirklich liebt."


    Hier ist bereits das ein "wirklich" eingefügt.

    Es ist vollkommen sinnlos, mit ihm zu debattieren oder sich über ihn aufzuregen. Genauso gut könnte man sich mit einer Mikrowelle unterhalten.

    Der lässt sich ganz sicher nicht überzeugen. Meine Posts sollen nur dazu dienen, für die Meinungsbildung unbefangener, empathiefähiger und kritisch denkender Leser die Aussagen von Igor S. nicht unwidersprochen zu lassen. In der öffentlichen Diskussion ist es nicht ungefährlich, schwachsinniges Zeug unkommentiert stehen zu lassen.

    Soziochinesischer Kauderwelsch, der das narzistische Imponiergehabe der Autorin nur mühsam verbergen kann. Merke: derartiges Kauderwelsch wendet sich zuerst an die eigene Gemeinde der Eingeweihten, der Erleuchteten. Einer Sprache, die sich allgemeinverständlich mitteilen will, darf man sich deshalb nicht bedienen. werner hat mit seiner kurzen und verständlichen Zusammenfassung des Standpunktes den inhaltlichen Schwulst entzaubert. Danke.