Beiträge von R(h)einwein

    "There is a gland in the foreskin known as apocrine that produces anti-bacterial and anti-viral proteins such as lysozyme.
    It is found within the mucus that lies between the glans and foreskin, and protects against infections like HIV." (Zitat)


    Dieser Kausalzusammenhang leuchtet ein. Wieso ein beschnittener Penis - wechselseitig(!) - vor HIV schützen soll ist eine schlichte, durch wenig plausible Erklärungen gestützte Behauptung. Da bekannt ist, dass viele beschnittene Männer "rauheren" Sex praktizieren müssen, ist eigentlich eher mit Mikroverletzungen an Penis und Vagina zu rechnen, durch die eine HIV-Infektion gefördert wird.

    Das Teuflische an allen Initiationsriten wie z.B. der Beschneidung von Frauen und Männern ist, dass sie von denen, die sie durchlaufen haben so verinnerlicht werden, dass sie diese auch anderen "angedeihen" lassen wollen. Das scheint mir der psychologische Hintergrund dafür zu sein, dass diese beiden Männer die Auswirkungen ihrer Beschneidung herunter spielen. Was Ausnahme sein mag, wird hier zur Regel erklärt. Im übrigen möchte ich beide Herren einmal wieder sprechen, wenn sie in die Jahre kommen, wo die sexuelle Erregbarkeit aus biologischen Gründen nach lässt. Sie werden in jüngeren Jahren als die Unbeschnittenen anfangen zu beten: "Oh Herr, du hast mir das Können genommen, nimm mir nun auch noch das Wollen."

    Zaimoglu im Jahre 2006 im Gespräch mit Broder:

    Ich möchte nur verschont bleiben vom Wahnsinn der religiösen Exzentriker aller Abteilungen. Alle Rechte, alle Freiheiten wurden im Kampf gegen die Religion, die Pfaffen, den Klerus und den religiösen Absolutismus erworben. Und wenn ich es großartig finde, in einem säkularen Land zu leben, dann möchte ich keine Freiheit beeinträchtigt wissen.

    Wenn ich Herrn Zaimoglu richtig verstanden habe, sind Menschen, die an Kinderrechte (z.B. auf gewaltfreie Erziehung) glauben, für die ein Recht auf Selbstbestimmung über die körperliche Integrität eines Menschen eine Selbstverständlichkeit ist:

    bloße Behaupter, selbstbesoffene Profilneurotiker, Geiferer, Muslimhasser, unbedarfte Bürger, Blöde, Zensoren ,Blechaufklärer, im
    Schlafzimmer anderer Leute, Nachplapperer, Wildsäue, Krawallschwestern,
    Untersteller, Zerstörer, Verunglimpfer (sic!), Unterleibsschnüffler, Schwätzer,
    Einflüsterer, Rüpel.

    diese Zitate stehen ja in einem verblüffenden Widerspruch, der an der geistigen Verfassung des Autors Zweifel aufkommen lässt. Aber Angst und Bange wird mir bei dem Gedanken, wenn Menschen wie Herr Z. einmal das politische Sagen hätten. Wer den "Mut zum Reaktionären" propagiert, dem wird die Rückkehr zu den Bekehrungsmethoden der Zeit vor der Aufklärung nicht schwer fallen.

    Eine wunderbar kompakte und präzise Kritik an diesen Herren Schramm und Konsorten. Den Nagel perfekt auf den Kopf getroffen. Danke.

    @ Guy

    Danke für den ausführlichen Bericht. Der Einladungstext zu dieser Veranstaltung hat Schlimmes befürchten lassen. Der Referent war offensichtlich differenzierter als die Vorankündigung erwarten ließ und die Einladenden vermutet haben.

    Danke Guy und Pallas für Eure Diskussionsbeiträge, die Zweifler bestärkt haben wird und bisher gutgläubige Befürworter zum Nachdenken bringen könnte.

    " Ein nur dekretiertes, von den Menschen nicht nachvollziehbares Grundrecht ist gefährdet."


    Stimmt: aber nur das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ist durch die Legalisierung der Beschneidung von männlichen Säuglingen und Kindern gefährdet. Und dieses ist für mindestens 70% der Menschen in Deutschland sehr wohl nachvollziehbar.


    Außerdem ist die Aussage Quatsch: es gibt kein Grundrecht auf religiös begründete Verstümmelung, das man den Menschen nur einsichtig machen müsse, damit sie es akzeptieren. Genauso wenig wie ein Recht auf Todesstrafe für Gotteslästerung oder ein Recht auf religiös begründetes Schlagen und Unterdrücken von Frauen.


    "Darum gehört zu seiner Achtung jedenfalls ein Minimum an Einblick und Verständnis in Praxis, Sinn und Stellenwert der zentralen Rituale der Religionen in unserem Land."


    Die ach so progressiven evangelischen Christen fallen in die Denke der mittelalterlichen katholischen Kirche zurück. 

    Der genannte Strafrahmen von bis zu 15 Jahren ist auf jeden Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich hin zu einer die Schwere des Verbrechens nicht mehr ganz ignorierenden Bewertung. Meines Erachtens kann es für Genitalverstümmelung angesichts der Auswirkungen für die Betroffenen einerseits und der (nicht zur Disposition stehenden) Schranke des Art. 102 GG andererseits nur eine lebenslange Freiheitsstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld geben und zwar unabhängig vom Geschlecht des Opfers.

    Der im Entwurf vorgesehene Strafrahmen liegt ja schon nahe dem Strafrahmen für ein Totschlagsdelikt, was Du mit Deinem Strafverschärfungsanliegen locker erreichen würdest. Auch wenn ich Dir im Grundsatz zustimme, dass für Genitalverstümmelung beiderlei Geschlechts eine saftige Strafe angemessen ist, so habe ich dennoch Zweifel, ob FGM und MGM einem Totschlag gleich zu setzen sind. Der Regierungsentwurf scheint mir eine sehr deutliche feministische Handschrift zu zeigen, und zwar von Feministinnen, die zwar FGM als Verbrechen ansehen, MGM dagegen als gottgewolltes Ritual tolerieren oder rechtfertigen. Ich wäre deshalb mit Strafverschärfungsvorschriften vorsichtig. Sie könnten vielleicht Erfolg haben - aber in der augenblicklichen politischen Konstellation leider nur für FGM.

    Entschuldige bitte, ich verstehe da grad den Zusammenhang nicht. "Blut und Boden?"-Mystifizierungen?

    "Mysterien des Blutes" s.u.

    http://www.erziehungskunst.de/artikel/sachbu…es-gralsmotivs/

    Die Auseinandersetzung mit den anthroposophischen Steinerschen Thesen lässt die unterschiedlichen Mystifizierungen des Blutes erahnen.
    Das okkulte "Blutmotiv" greift offenkundig auf (verherrlichte) animalistische menschliche Sphären zurück, wie auch die kritisierte Autorin (deren Kritik ich zuneige) es tut. Warum muss ich für eine menschliche Gemeinschaft das Bild des Blutes bemühen? (Von den Blutsbanden ist es nicht weit bis zum Blutopfer.)

    Noch eine Ergänzung: Suchmaschine: "Mysterien des Blutes" ermöglicht einen profunden Einblick in die Spielarten von Blutmysterien diverser (verquerer) Weltanschauungen einschl. christl. Deutungen.

    "we hold tight to this one ritual that is perhaps the most barbaric and backward of them all."

    "For me, giving birth was a wild, raw and seemingly impossible experience that left me in a state of physical and emotional shock. The bris allowed me to re-experience all these elements, except within a structure that is bound by tradition. "

    "I think it was this strange combination of the familiar and the wild that allowed me to submit, and it doesn’t really matter to what."


    Das Genießen eines barbarischen Rituals, um die wilde und rohe Erfahrung des Gebährens erneut zu erfahren? Um den eigenen daraus resultierenden Schock seelisch aufzuarbeiten? Blutige Verstümmelung eines wehrlosen Kindes als Psychotherapie?
    Mich schaudert. Erinnert mich dies doch an die Wildheit und Rohheit der aus animalischen Sphären des Menschen gespeisten "Blut und Boden"-Mystifizierungen, deren fürchterliche Folgen geschichtlich hinreichend bekannt sind.

    Das monetäre muss man ihm gar nicht unterstellen.

    Käme er aus ethischen Erwägungen, die der global gültigen Menschenrechtsdeklaration und der Kinderrechtskonvention der UN folgen und eine Verstümmelung von Kleinkindern verbieten, so würde er jedenfalls gegen seine monetären Interessen handeln müssen. Da kein Mensch gern in kognitiver Dissonanz lebt, versucht er natürlich, sein wirtschaftliches Interesse und seine "Ethik" widerspruchsfrei zu gestalten. Weshalb ich den monetären Hintergrund eben doch sehe. Kein Mensch ist Nur-Ethiker, oder wie es jemand einmal treffend gesagt hat: an jedem Gehirn hängt auch ein Darm.

    "Der Autor ist Medizinethiker und praktiziert als Kinder- und Jugendarzt in der Schweiz."


    Von den Soziologen habe ich gelernt, immer auch nach einem möglichen Interessenhintergrund für eine öffentliche Meinungsäußerung zu forschen. Hier ist er wohl sehr evident: der Artikel heißt zusammen gefasst: "Ihr elenden Beschneidungsgegner macht mir mein Geschäft kaputt." Und von Medizinern habe ich den (selbstkritischen) Ausspruch gehört: "Vor der Ethik kommt die Monetik."


    Da erübrigt sich eine weitere Diskussion.

    Ich finde das wunderbar, dass die die Kritikermeinungen so detailliert (und überzeugend) verbreiten. Sie helfen uns dabei, denn mancher Muslim wird dies lesen und sich in seiner Ablehnung der Jungen-Beschneidung bestätigt fühlen. Nur in einem Punkt irren sie: die zitierten Autoren vertreten keine Minderheits- sonder die Mehrheitsmeinung der deutschen Bevölkerung.