Beiträge von R(h)einwein

    Wäre ich Atheist, würde ich, in dieser angeblich pluralistischen Gesellschaft, die Freiheit einfordern das Grundgesetz über religiöse Dogmen gestellt zu sehen, auch dann, wenn es um die Entscheidungshoheit der Eltern geht in Sachen Kindeserziehung. Denn mitnichten ist die Beschneidung eine Erziehungsleistung.

    Warum nur als Atheist? Tust Du das in Deiner grundrechtlichen Argumentation nicht auch?

    Ich meinte das mit den Vorteilen anders. Der Atheismus hat nicht die gesellschaftlichen Privilegien/Vorteile, die Religionen in unserer Gesellschaft immer noch haben. Das beste Beispiel dafür ist die Beschneidungsdebatte. Wären es die Atheisten, die aus weltanschaulichen Gründen ihre Kinder beschneiden wollen, gäbe es diese Debatte nicht. Dafür sind atheistische Gründe einfach nicht heilig und traditionell genug. Ich empfinde das - obwohl ich selber Atheist bin - nicht als Nachteil. Ich möchte für meine Weltanschauung und deren Anhänger keine Privilegien, die nicht mit guten, also von der Zustimmung zu dieser Weltanschauung unabhängigen Argumenten, begründbar sind. Gäbe es dennoch solche Gründe für atheistische Eingriffe in die Rechte anderer, weil sie sich kulturell eingeschlichen haben, wäre ich denen gegenüber sehr misstrauisch. Ich denke, die Atheisten in unserem Kulturkreis haben alle Rechte, die nötig sind, um ihre Interessen zu wahren. Das Problem sind die Privilegien der religiösen Gruppen, die müssten auf das gleiche Mass beschränkt werden.

    Danke. Volle Zustimmung soweit. Traditionell verteidigen die Kirchen nicht nur ihre Privilegien und den massiven Einfluss auf die Politik. Ich habe den Eindruck, dass sie diesen gegenwärtig verstärken und ihnen die Beschneidungsdebatte gelegen kommt, um exemplarisch "klare Kante" zu zeigen und das "Vordringen" der "atheistischen" Säkularisation zurück zu drängen (es finden sich dazu auch theologische Abhandlungen). (Die Missbrauchsdebatte ist z.B. völlig vergessen). Insofern besteht noch keine Rechtsgleichheit: in den Rundfunkräten, um nur ein Beispiel zu nennen, sind die kirchlichen Vertreter noch immer massiv vertreten, wohingegen die inzwischen größte Einzelgruppe der kirchlich Ungebundenen nicht berücksichtigt sind. Sollte das keinen Einfluss auf die Programmpolitik der Sender haben?

    Ich denke, für die wenigsten "Säkularisten" ist die Taufe ein Problem, allein aus der Tatsache heraus, dass man das ganze rational sieht.

    Als überzeugter Säkularer habe ich keine Einwendungen gegen eine religiöse Erziehung von Kindern. In dieser Frage gebe ich dem Elternrecht Vorrang. Religionsunterricht hat auch eine Erziehung in moralischen Fragen zum Inhalt und da sollten sich Kinder/Jugendliche sehr wohl ihre Gedanken machen. Ich wünsche mir aber auch, dass der weltanschaulich neutrale Staat für Menschen, die keiner Kirche angehören, ein passendes Schulangebot macht (Ethikunterricht). Zur Religionsausübung gehören auch Rituale wie die Taufe, Kommunion usw. Die Grenze ist dort gegeben, wo wohl gemeinte, religiös oder sonst wie begründete Rituale in die körperliche Integrität des Kindes eingreifen, wie in diesem Fall die Beschneidung von nicht einwilligungsfähigen Kindern. Diese stellt über die Körperverletzung hinaus so etwas wie eine irreversible Brandmarkung des Kindes als Eigentum einer bestimmten Religion dar und schränkt damit zugleich dessen Recht auf freie Religionswahl ein.

    ob ein Mangel an Vorteilen wirklich ein Nachteil ist?

    Das hängt davon ab, wo man den Normalfall ansiedelt: Wenn der Normalfall das natürlich 'Gegebene ist, dann ist beschnitten eher ein Nachteil. Wenn aber in bestimmten Religionen beschnitten normal ist, dann ist der natürliche Zustand eher ein Vorteil. Ich wünsche, dass der erste Fall auf der ganzen Welt als normal gelten kann. ;)

    Danke Descant für die Initiative und die Einstellung des Antwortschreibens. Inhaltlich die bereits bekannten Sprachregelungen, auf die sich die Politik verschworen hat. Der eigene Verstand scheint ausgeschaltet zu sein. Jeder Mann müsste sich auch ohne die gutachterlichen Äußerungen sogenannter Sachverständiger sagen können: "wenn ich mir das vorstelle... so was muss doch saumäßig weh tun; da reicht doch nicht so'n bisschen Salbe" - ganz abgesehen von den verdrehten Grundrechtsauffassungen.

    Ich finde es zum Beispiel von der christlichen Gemeinde unmöglich sich für so eine Praktik in der heutigen Zeit auszusprechen. Ich war kurz davor deshalb auszutreten.

    Da teile ich Deine Meinung absolut.


    "Jeder kann glauben was er möchte. Daß der Atheismus Vorteile hat, bezweifle ich."

    Es ist auch nach meiner festen Überzeugung egal, wo jemand seine Wertvorstellungen her bezieht, ob aus einem Glauben oder aus einem säkularen humanistischen Selbstverständnis. Wir müssen uns auf praktische Handlungen einigen, die die eine so, der andere anders begründet. Dazu bedarf es eines rationalen Diskurses.
    Dagegen bleibe ich dabei: wenn es in jemandes Wertvorstellungen nicht angelegt ist, dass er aus religiöser Mythologie ein archaisches Ritual befolgt, so hat er kein Problem, seinen säkularen Wertekanon zu befolgen und der körperliche Unversehrtheit den Vorzug zu geben. Das ist wohl offensichtlich. Und für diejenigen, die davon durch ein Beschneidungsverbot profitieren können, haben unbestreitbar einen Vorteil. Oder lässt es der Glaube nicht zu, dieses zu sehen?

    Was ich aus den christliche Kirchen an Beiträgen zu dem Thema gesehen habe, verschlägt mir teilweise die Sprache. Nicht nur dass man sich fragen kann, wie es der eine oder andere Author mit dem falschen Zeugnis wider seinen Nächsten hält. Ich frage mich auch, warum die christlichen Kirchen eine regelrechte Wagenburgmentalität an den Tag legen, um das Ritual der Beschneidung zu verteidigen. Wovor haben die denn Angst? Mir scheint so etwas wie ein angstgetriebenes roll-back der Kirchen gegen die Säkularisation los getreten zu werden. Ein Ausdruck von souveräner Selbstgewissheit im eigenen Glauben kann ich darin nicht erkennen, noch nicht einmal erahnen. Nachzulesen in den nicht gerade wenigen Beiträgen unter folgendem Link.


    Mnsteraner Forum fr Theologie und Kirche (MFThK)

    "The 2012 UNAIDS report is further evidence that the most important factor in the spread of HIV is not the foreskin, but the social and cultural environment."

    Diese Aussage ist doch eigentlich das Todesurteil für die ganze hirnrissige Beschneiderei. Was wir brauchen sind eine Veränderung der sozialen und kulturellen Veerhältnisse ............... und jede Menge kostenloser Kondome. (Die man aus den vermiedenen Kosten für die Beschneidungskampagne leicht bezahlen kann.)

    Religion besitzt durchaus einige Funktionen: Ein Atheist lebt in der unerfreulichen Gewissheit zu Staub zu werden und muss der damit gestellten Sinnlosigkeit des Daseins ohne Arsenal entgegentreten. Aus Gründen der mentalen Hygiene haben Religionen durchaus Vorteile. Das Leben wird einfacher und etwas unbeschwerter. Man entkommt damit leichter der Depression, die der Unentrinnbarkeit des Todes entspringen könnte.

    Atheismus hat den den großen Vorzug, dass seine Vertreter im Hier und Heute leben und zugestehen, dass es nur ein Leben gibt, in dem ein Mensch seinen Glücksanspruch verwirklichen kann. Denn für Leid, Unterdrückung, Verstümmelung gibt es keine Entschädigung in einem Jenseits. Der humanitäre Atheismus steht auf den Idealen der Aufklärung. Er würde sich z.B. nie das Recht herausnehmen, mit mythologischen Argumenten einen kleinen Menschen zu Beschneiden und ihm einen Teil seiner Glückserwartungen zu rauben.
    Der Atheist sieht in seiner Existenz keinen absoluten, von Religionen vorgegebenen Sinn, der da z.B. heißt ein diesseitiges Leben als Vorbereitung für ein Weiterleben nach dem Tode. Er gibt dagegen sehr individuell und selbstbestimmt seinem Leben einen relativen Sinn. Die Angst vor dem Tod ist übrigens bei Atheisten und Gläubigen in gleicher Weise ausgeprägt. Ich habe bisher keinen Christen kennen gelernt, der endlich froh in der Erwartung des Jenseits gestorben wäre. Alle wollen möglichst lange leben und ihr Leben genießen, Atheisten wie Christen.

    Willkommen Cenna (welcome)
    schön, dass Du dich bei uns eingefunden hast.
    Du hast Recht: es ist noch ein sehr weiter Weg, um die vielen Menschen aufzuklären und zum Nachdenken zu bringen, was ein altes religiöses Ritual Menschen antun kann. Wir können aber auch schon einen kleinen Erfolg feststellen: das Thema der Beschneidung kleiner Jungen ist in der Öffentlichkeit und es gibt zunehmend mehr kritische Stimmen auch unter Muslimen und Juden. Wir wissen auch, dass meistens der soziale Druck, den die Umgebung und die Vertreter der Religionsgemeinschaften auf eine abweichende Meinung oder ein abweichendes Verhalten ausüben, die nachdenklichen Stimmen zum schweigen bringen.
    Deine Idee mit dem Flyer ist gut. Wenn Du ein wenig in diesem Forum stöberst, dann wirst Du finden, dass andere Organisationen, wie zum Beispiel die Giordano-Bruno-Stiftung schon vor Wochen eine öffentliche Kampagne gemacht und dazu einen guten Flyer gedruckt haben. Wir werden diskutieren müssen, wie es weitergeht. Da sind viel gute Ideen gefragt.

    @ werner

    Man könnte es als ein ermutigendes Zeichen deuten, dass die SPD nicht an den HIV-Schutz durch Beschneidung glaubt. Ein Einfallstor könnte dagegen in Ziff.12 gesehen werden, nämlich der Implementierung der WHO-Empfehlungen, die ja die Beschneidungskampagne beinhalten. Ich hoffe, ich täusche mich mit meiner Sorge.


    "12. die Gesundheitsministerien der Partnerländer der deutschen EZ in der raschen Implementierung der aktuellen WHO-Empfehlungen zur Therapie der HIV-Infektion sowie der Prävention der vertikalen Übertragung von HIV zu unterstützen und in diesem Sinne die jeweils geltenden Richtlinien in den relevanten Vorhaben der deutschen EZ schnellstmöglich umzusetzen"(Zitat)

    Das ist auch vorteilhaft, weil man somit erst in 20 Jahren, wenn die Babys endlich geschlechtsreif sind, die Ergebnisse der "Studie" offenlegen muss.

    Und damit wird eine menschliche und moralische Katastrophe in die Wege geleitet, weil mindestens erst eine ganze Generation beschädigt wird, bevor sich herausstellt, dass sich eine besserer Schutz vor HIV mittels Kondomen hätte erreichen lassen. X(