Beiträge von R(h)einwein

    "Respekt" (von lateinisch "respectus": Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht."


    Religionen: Respekt? Wovor denn? | Gesellschaft | ZEIT ONLINE

    Ganz verschämt und nur kurzzeitig hat unsere Presselandschaft eine neue Information über die mafiöse Vatikanbank zu Beginn dieses Jahres gebracht:


    Kampf gegen Geldwäsche: Italiens Zentralbank sperrt Kreditkarten im Vatikan

    "Die Banca d'Italia sei der Auffassung, dass italienische Banken diese Finanzdienstleistungen im Vatikan nicht abwickeln dürften, weil der Vatikan nicht die notwendigen internationalen Anti-Geldwäsche-Standards erfülle, so die Zeitung." (Zitat)

    Warum erfüllt sie die Standards wohl nicht nach ihrer ganzen Vorgeschichte? Da soll noch einer Respekt vor dieser Kirche haben? Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist? (Heute würde es wohl Staat heißen). Nicht wenn der Vatikan die Hand im Spiel hat. An der Geldwäsche kann sich auch eine Kirchenbank bereichern.

    Wenn ich mich recht ersinne, gebrauchte der katholische Oberhirte in seiner Rede vor dem Bundestag ähnliche Worte, im Sinne von mehr Glaube, weniger Rationalismus.

    Das galt schon bei der Verbreitung des Christentums im 5. Jahrhundert. Womit der Papst sich nur in der Tradition seiner Kirche bewegen dürfte. "Selig sind die da arm im Geist sind!" ist mir aus dem Religionsunterricht in Erinnerung.

    „Der Säkularisierungsprozess ist längst in unseren Pfarrgemeinden angekommen, selbst in unseren gut katholischen Dörfern und Familien.“ (Zitat)

    Na, das lässt doch hoffen, dass blutige archaische Rituale eines Tages aussterben. :)


    Das Christentum sei weltweit die am meisten verfolgte oder bedrängte Religion. (Zitat)

    Das war über Jahrhunderte genau umgekehrt. Statt Selbstmitleid wären vielleicht einige Jahre der Demut und Zurückhaltung angebracht - insbesondere wenn man sich die jahrzehntelangen vertuschten Kindesmissbräuche und die Geldwäsche durch die Vatikanbank vor Augen hält. Oder ist das jetzt auch wieder ein vulgärrationaler Angriff? :wacko:

    - ich bin der Meinung, ein israelisch-jüdischer Nationalstaat hätte zulasten deutschen Territoriums gegründet werden sollen, und würde dies auch bei einer katastrophalen Entwicklung in Nahost für die Zukunft nicht ausschließen.

    Wie soll denn das praktisch gehen? - Eine weitere Nuklearmacht als Kleinstaat mitten in Europa? Mal abgesehen von dem Umzug: wie sollen denn solche Volksverschiebungen friedlich von statten gehen? Das hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Zumal man eine überzeugende Rechtfertigung hierfür nicht finden würde. Die Bestrebungen, einen jüdischen Staat in Palästina zu schaffen, sind Jahrzehnte älter als die Shoah und waren auch eine Antwort auf den in Europa verbreiteten Antisemitismus. Bereits im 1. Weltkrieg hat England der zionistischen Bewegung ihre Unterstützung zur Gründung eines solchen Staates in Palästina zugesagt. (siehe "Balfour-Erklärung"). Die Israelis werden sich aus ihrem gelobten Land sicher nicht vertreiben oder umsiedeln lassen. Die Lösung des Problems muss anders aussehen.

    Ich würde sagen, man kann Religion und magisches Denken nicht so ohne weiteres in einen Topf werfen. Im Christentum wird ja Magie und Aberglaube definitiv abgelehnt. Wahrscheinlich könnte uns Benni mehr darüber sagen.

    Aberglaube wird schon aus Gründen der Selbsterhaltung der eigenen Religion abgelehnt. Damit gemeint ist jeder Glaube, der nicht von der Amtskirche erlaubt ist.
    Davon würde ich den Glauben an magische Zusammenhänge auch im Christentum deutlich trennen. Es gibt auch dort noch viele magische Elemente: beispielsweise den Glauben an Wunder durch Fürbitten von zu Heiligen erklärten Menschen, oder durch Wallfahrten nach Lourdes oder ähnliches.

    Der Glaube an magische Kräfte ist ansonsten in unserem Kulturkreis durchaus noch - zwar gering - verbreitet (da gebe ich Guy Recht): so glauben Esoteriker an geheimnisvolle Energien, die von Kristallen ausgehen, an die Heilung durch Beschwörungszeremonien von Schamanen usw. Dennoch sehe ich einen großen Unterschied zu Naturreligionen oder den antiken Religionen: bei uns glaubt wohl keiner mehr, dass die Blitze von einem verärgerten Gott auf die Erde geschleudert werden, oder dass in Bäumen Elfen hausen. Die ganzen Naturgottheiten sind bei uns zu 99% außer Mode gekommen.


    Was die magische SPIEGEL-Interpretation betrifft, dass Menschen sich nur dann an Spielregeln halten, wenn sie sich (durch eine magische oder überirdische Instanz) beobachtet fühlen, veranlasst mich zu folgender Überlegung: Das Fehlverhalten der römisch-katholischen Kirche reicht bekanntlich vom Betrug der sog. Konstantinischen Schenkung über die Jahrhunderte bis zuletzt zur Geldwäsche von Mafia- und Korruptionsmillionen durch die Vatikanbank. Da gibt es für mich dann nur zwei Erklärungen: entweder stimmt die Theorie nicht, dass sich Menschen an die Spielregeln halten, wenn sie sich durch eine höhere Instanz beobachtet fühlen, oder die verantwortlichen Kirchenoberen glauben nicht daran, dass ein allwissender Gott ihre Schandtaten sieht. ?(

    Ich kann schon erkennen, daß manche Zeitgenossen eine sehr kindliche Religiosität besitzen und dem magischen Denken nicht entschwunden sind. Das sind aber eher wenige, dafür sind sie umso gefährlicher. Ich ann ein Lied davon singen. einer meiner Halbbrüder ist bei den Evangelikalen. Ein wirklich netter Kerl, aber mit dem mords-Sprung in der Schüssel.

    Da haben wir alle unsere Beispiele: in meiner Bekanntschaft gab es einen Methodisten, der hinter seiner fundamentalistischen Religionsauffassung ausgesprochen faschistische Ansichten hatte.

    Dagegen habe ich eine guten Freund, der Jesuit ist. Mit einer sehr weltzugewandten und toleranten Religionsauffassung. Der stellt gelegentlich sogar die Existenzberechtigung der autoritär verfassten Institution Katholische Kirche für die heutige Zeit in Frage und meint, Jesus wäre heute Demokrat und ein Vertreter der Kirche von unten. - So können sich Demokraten jeder Religion oder Weltsicht treffen.

    Der SPIEGEL-Artikel behauptete auch, dass die strengen Religionen ihre Schäfchen besser bei der Stange hielten. Das scheint aber bei einer Berührung mit dem säkularen Staat nicht mehr zu stimmen, wie Herr Graumann ja selbst beklagt.

    Die Frage stellen, heisst sie zu beantworten. Das Judentum krankt wie die katholische Kirche an mangelnder Anziehungskraft. Kann das nicht am festhalten an verschrobenen Bräuchen hängen?

    Die strengen Religionen halten ihre Schäfchen offenbar doch nicht so gut bei der Stange, wie im SPIEGEL-Artikel dieser Woche behauptet. Das ist wohl das unselige Werk der vulgärrationalen Säkularisation?

    "Viele haben die Diskussion missbraucht, um in dieser Frage altbekannten Antisemitismus zu transportieren. Wer ins Internet geht, findet zigtausend Beispiele dafür. Und zwar keineswegs nur für versteckten, sondern auch für offenen Antisemitismus, in einer Brutalität und Hässlichkeit, die mich sehr schockiert haben." (Zitat)

    Wie viele denn Herr Graumann? Meinen Sie nicht in Wirklichkeit, wer gegen Beschneidung ist oder Israel kritisiert ist Antisemit: entweder offen oder versteckt? Es gibt kein Entrinnen? 70 % der deutschen Bevölkerung sind also Antisemiten, weil sie gegen Beschneidung sind? Die armselige und einfache Welt des Herrn Graumann!

    @ Guy

    Ich stimme werner absolut zu und sage Dir gern, was ich an dem Spiegelartikel dümmlich finde:

    1. Auf der Titelseite heißt es "... und warum zweifelt er?" (gemeint ist der Mensch)
    Über Zweifelsgründe findet sich eigentlich nichts Substantielles, außer dass (vulgärrationale) Atheisten abseits der vorgeblichen Norm sind.

    2. Es werden Untersuchungen an Kindern zitiert, die selbst noch in der magischen Phase oder kaum aus ihr entwachsen sind und die Ergebnisse auf eine Gesamtgesellschaft hoch gerechnet. (Wir erfahren es nicht, wie alt die Kinder waren.) Nun mag es noch Völker mit Naturreligionen geben, die einen ebenso magischen Bezug zu ihrer Umwelt haben und wo diese Ergebnisse zutreffen. Für westliche Gesellschaften bezweifle ich die im SPIEGEL getroffenen Verallgemeinerungen.

    3. " - je strenger eine Religion ist, desto besser setzt sie sich durch." behauptet der SPIEGEL. Ja, weil Strenge zugleich Intoleranz und Machtanspruch bedeutet. Nachdem die Priester zuerst ihre Schäflein in den Gehorsam gezwungen haben, können sie sich der aggressiven Verbreitung ihrer Religion widmen. Beispiele gefällig? - (Dazu würde hier der Platz nicht ausreichen.) Das Unheil, das diese Durchsetzungsfähigkeit auf dieser Welt angerichtet hat, ist unermesslich.

    4. Religiöse hätten mehr Kinder, als Atheisten. Nun darf man fragen, ob das ein wünschenswertes Ziel in Anbetracht der Überbevölkerung ist. Vielleicht verhalten sich diese Ungläubigen schlicht einsichtsvoller und rationaler. Zum zweiten darf man fragen, ob hier nicht Ursache und Wirkung verwechselt werden, oder ein Zusammenhang hergestellt, der so nicht besteht. Zuerst gilt, dass die Reproduktionsrate bei Gesellschaften in Armut höher ist, als in wohlhabenden Gesellschaften. (Dafür gibt es verhaltensbiologische Erklärungen). Und gerade den Armen wird von den Priestern aller Couleur zu allen Zeiten sehr leicht Religion und Vertröstung auf das Jenseits verkauft. Dagegen haben die wohlhabenden Gesellschaften den größten Anteil an religiös Ungebundenen. (Säkularisationsprozess).(Religiosität und) Kindersegen folgen also eher der Armut, als der Kindersegen der Religiosität.

    5. Nun ist die These evident, dass geschichtlich der zivilisatorische Urknall und Aufstieg einen religiösen Ursprung haben. Da Zivilisationsentwicklung jedoch kein abgeschlossener Prozess ist, sondern sondern sich nach Göbekli Tepe bis zu unseren Tagen und darüber hinaus fortsetzt, gehört zu einer intellektuell redlichen Bestandsaufnahme, dass seit Humanismus/Renaissance/Aufklärung die von diesen geprägten Gesellschaften einen ungeheuren zivilisatorischen Fortschritt gebracht haben, dessen Grundlagen von Völkern völlig anderer Kulturkreise (z.B. in Asien) erfolgreich übernommen wurden. Dagegen blieben Kulturkreise mit strengen Religionen z.T. hoffnungslos zurück. Würde die vom SPIEGEL nahegelegte Schlussfolgerung nämlich richtig sein, dann müssten die islamischen Länder den westlichen Industrienationen in ihrer zivilisatorischen Entwicklung haushoch voraus sein. (Sie waren es eine Zeit lang in ihren sehr toleranten Phasen z.B. in Spanien, als das Christentum sich in einer sehr dogmatisch-intoleranten Phase befand). Diese Tatsache auszublenden betrachte ich in der Tat als dümmlich.

    Der SPIEGEL hat wohl gemeint er müsse zu Weihnachten den Gläubigen was Nettes schreiben - aus geschäftlichem Interesse versteht sich.

    @ Pizarro

    Die Worte les ich wohl, allein ...... ich will's gern glauben.
    Im Ernst: ich halte viel vom didaktischen Grundsatz, Menschen an ihrem Ort der Information und des Problembewusstseins abzuholen. Aber dazu muss man doch nicht was falsches sagen? Das könnte doch im Kopf eingefressene Vorurteile auch bestärken.
    Nun, wir werden sehen, wie es sich entwickelt. Viel Glück! :)

    Korrekt, Manfred, deshalb ist davon auszugehen, dass hier die negativen Auswirkungen der Beschneidung noch systematisch unterschätzt wurden. Man muss diesen Bias bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen.

    Als nicht mehr ganz so junges Semester kann ich berichten, dass die nervale Erregbarkeit des Sexualorgans im Laufe der Jahre stärker nachlässt. Was bei einem jungen (als Erwachsenem) beschnittenen Mann infolge hoher Sensibilität und überschießender Vitalität und viel Testosteron noch ein befriedigendes oder aufregendes Sexualleben zulässt, könnte mit einem stärkeren Erregungsverlust mit fortschreitendem Alter bezahlt werden, eben weil viele Nervenenden fehlen. Ich rate in jedem Fall zur Vorsicht und nicht nur für den Augenblick zu entscheiden.

    Danke Pizarro. Schön dass sich pro familia in die Diskussion einbringt. Sicher ein Beitrag, der auf die Dauer wirken wird. Aber drei Anmerkungen:

    Es gibt keinen Grund, beschnittenen Männer pauschal eine eingeschränkte sexuelle Erlebnisfähigkeit zu unterstellen.

    Es gibt auch keinen Grund farbenblinden Menschen pauschal eine eingeschränkte Sehfähigkeit zu unterstellen. :?: :?: :?:
    Ich kann das nicht mehr hören bzw. lesen. Wenn 20 000 Nervenenden fehlen, dann kann das doch nicht das Gleiche sein, als ob sie vorhanden wären.
    Genauso wenig kann es das gleiche Sehen sein, wenn bestimmte Farbrezeptoren im Auge fehlen. Das sagt doch schon eine einfache Betrachtung. Dieser Satz sollte also raus, weil er irreführend ist.

    Bei der Aufklärung durch Ärzte krieg ich langsam auch gewisse Bauchschmerzen: da kommt es darauf an, an wen der Patient gerät. Es gibt nicht nur solche, die gern an einer Beschneidung verdienen. Es gibt auch schlichte Unkenntnis unter Ärzten. So habe ich in einen Interview mit einer noch recht jungen (offenbar muslimischen) Ärztin im WDR die Aussage gehört: es handele sich hier letztlich doch nur um ein Stückchen Haut. Empfehlung: wenigstens zwei unabhängige Meinungen einholen.

    - Die gesetzliche Regelung der Beschneidung männlicher Kinder muß in jedem Fall so erfolgen, dass das bestehende Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung nicht in Frage gestellt wird."

    Das ist eine merkwürdige Privilegierungsvorstellung. Der Satz räumt indirekt ein, dass für Jungen eine Beschneidungsregelung möglich sein kann - Hauptsache die der Mädchen bleibt verboten. Natürlich bleibt die verboten! Wir wissen aber, dass die männliche Beschneidung einen größeren Eingriff darstellt, als die leichteste Form der weiblichen. Der Satz kann nur so ähnlich lauten wie ihn Terres des Femmes formuliert. In etwa: Die frühkindliche Beschneidung von Jungen stellt ebenso wie die FGM eine medizinisch ungerechtfertigte Verletzung der körperlichen Integrität des Kleinkindes dar und ist deshalb gleichfalls zu abzuschaffen.

    interessant, nicht wahr? Wenn man bedenkt, dass bei uns ähnliche Gedanken sich erst mit der Aufklärung durchsetzen konnten, also ca. ein Jahrtausend später, dann finde ich das schon sehr bemerkenswert.

    Ohne den antisäkularen Einbruch unserer Geisteskultur infolge der Ausbreitung des Christentums im 4./5.Jh n.Chr., hätte sich uns vielleicht diese Weisheit zu etwa dem gleichen Zeitpunkt erschlossen.

    "Die laizistische Opposition wirft der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor, eine schleichende Islamisierung der Türkei zu betreiben. Das lange heftig umstrittene Kopftuchverbot in Hochschulen ist zuletzt aber deutlich aufgeweicht worden." (Zitat Welt)


    Reaktionäre aller Länder vereinigt euch! Wenn jetzt schon etliche arabische Staaten und die Türkei in den Islamismus abgleiten, dann ist es endlich auch Zeit für eine Rekonfessionalisierung der Politik in Europa. Mit der Legalisierung der Beschneidung in Deutschland ist ja schon mal ein erster Schritt getan.