ICH glaube, daß dieses Thema bewußt für diese Debatte instrumentalisiert wird und keineswegs getrennt von der Beschneidungsdiskussion betrachtet werden kann und sollte.
Leider ist " Antisemitismus" das einzige Argument, das einen gewissen Maulkorb für die Beschneidungsgegner darstellt.
Zu keinem Zeitpunkt wird eine entsprechende Bemerkung oder (indirekte) Beschuldigung unterlassen. Das hat einen zweifachen Effekt: Einerseits erhofft man sich dadurch die Wirkung des "Verleumde nur dreist, etwas bleibt immer hängen" , andererseits bringt es die Gegner in die (ungünstige) Situation sich verteidigen zu müssen.
Irgendwann ist es auch mal genug.... Mir reicht es langsam, ständig betonen zu müssen, daß ich KEIN Antisemit bin (schon vor dem Hintergrund meiner eigenen Biographie ist das absurd). Ein Antisemit ist ein Mensch, der andere Menschen ablehnt oder gar Schlimmeres, weil sie SIND, wer sie sind- er ist gegen MENSCHEN.
Ich hingegen lehne bestimmte Verhaltensweisen ab, die ich auch bei anderen Menschen kritikwürdig finde.
Leider spielen viele Medien und Politiker dieses kranke Spiel mit- krank insofern, als daß die Schoa und auch die Opfer antisemitischer Gewalt nach dem zweiten Weltkrieg durch eine derartige sprachliche Gleichsetzung wie in "Schlimmster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust" in eine Reihe mit Menschen gestellt werden, die sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen, wenn sie nicht Körperverletzungen an anderen begehen dürfen.
"...Süsskind übte auch Kritik an der vom Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) vorgelegten Beschneidungsregelung. "Ich möchte als Jüdin hier in Berlin unbehelligt leben können", betonte Süsskind. dazu brauche sie keine staatlichen Regelungen...."
http://www.morgenpost.de/politik/inland…ngsdebatte.html
Vielleicht sollte man sich mal einer ähnlichen Argumentationsweise denjenigen gegenüber befleißigen, die mit hochgezogenen Augenbrauen auf jede Kritik an jüdischen Traditionen reagieren und ständig betonen, wie wichtig es sei, daß "jüdisches Leben möglich sein müsse" (alleine diese Formulierung verdient eine eigene Diskussion!):
"...Wir kennen aus der Individualpsychologie den unbewussten seelischen Abwehrmechanismus
der ‘Reaktionsbildung’, eng verwandt mit dem Mechanismus der ‘Verkehrung ins Gegenteil’.
Unter diesem Gesichtspunkt kann man sich fragen, ob mancher übertriebene oder betont zur
Schau getragene Philosemitismus nicht unbewusst die Abseite des Antisemitismus darstellt
(Grünberg 2000, 42; Reik 1975, 206)? ...."
http://www.aixpaix.de/autoren/auchte…uchter_0303.pdf
Wer immer schreit:" Ich bin anders", sollte sich nicht wundern, wenn ihn irgendwann alle so empfinden....