Beiträge von Manfred

    Solange man nicht mit dem Tod bedroht wird, braucht man nicht unbedingt zur Polizei gehen, sondern kann ja ganz gezielt zurück schreiben, und den beleidigenden Poster bloßstellen. Zum Beispiel pädophil ist nicht der, der sich für die Integrität von Jungen einsetzt, sondern der die Genitalverstümmelung von Jungen fordert, denn letzterer ist dagegen sicher sadopädophil. Er würde ja sonst kaum unnötige schmerzhafte Operationen am Genital von Jungen fordern. Und dann kann man natürlich Sachargumente einfordern. Wer keine hat, kann offensichtlich nichts anderes tun, als Forenteilnehmer mit anderer Meinung zu verunglimpfen. Also ich würde mich erst einmal mit Worten wehren. Natürlich kannst Du Dich von einem Anwalt beraten lassen, ob und wie man gegen derartige Angriffe rechtlich vorgehen kann.

    Österreich: §90 (3) In eine Verstümmelung oder sonstige Verletzung der Genitalien, die geeignet ist, eine nachhaltige Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens herbeizuführen, kann nicht eingewilligt werden.

    Nach dem Kölner Urteil wurde in Österreich die Sache ganz einfach so geregelt, dass per Erlass (nur bei Männern) durch eine Beschneidung keine Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens eintritt. Man behauptet ja, dass nirgends so viel gelogen wird, wie vor Gericht: Aber das Lügen fängt schon im Justizministerium an…


    Erlass vom 31. Juli 2012 zur Frage der strafrechtlichen Relevanz der Vornahme einer Beschneidung an Knaben aus religiösen Motiven

    ...Allfälligen Bedenken, dass auf Grund dieser Bestimmung die männliche Beschneidung nunmehr jedenfalls gerichtlich strafbar wäre, ist schon entgegenzuhalten, dass es sich in diesem Fall nur um eine leichte Körperverletzung handelt, die auch nicht geeignet ist, das sexuelle Empfinden zu beeinträchtigen.“ ...

    Wie vorauszusehen war, ist die Zunahme von Aidserkrankungen unter Beschnittenen viel größer als unter nicht beschnittenen. (laut GEO 7/15). Wenn man nun Kinder beschneidet, dann stimmt die Sache wieder. Man hat unter den Beschnittenen eine geringere Aidszunahme, da Kinder noch keinen Sex haben. So einfach kann man als WHO in FIFA-Manier täuschen.

    Offensichtlich haben viele Urologen wenig Ahnung von der Nervenverteilung im Penis. Allein die (oft gehörte) Aussage, wenn man keine Vorhaut mehr hat, braucht man auch kein Bändchen mehr spricht Bände. Das Bändchen ist immerhin der am dichtesten mit Nerven besetzte Teil am Penis. Auch über die im Normalfall auftretende Verhornung des Penis sollte vor einer Beschneidung aufgeklärt werden. Das ist aber individuell verschieden, bei Martin offensichtlich sehr schnell fortschreitend. Dem kann mit kremen wie bereits gesagt aber auch mit einer Schutzhülle wie Senslib entgegengewirkt werden. Ich würde meinen, dass tägliches einkremen der Vorhaut mit einer Wundsalbe anstelle der Beschneidung die bessere Lösung gewesen wäre.

    Ich habe ja extra betont, dass ich damit Apey keinen Vorwurf machen will, und in seinem Alter gleich reagiert hätte. Trotzdem ist es nicht richtig, falsche (und hier sogar objektiv falsche) Meinungen unwidersprochen zu lassen.
    Richtig, Apey hat schon den Mut gefunden sich hier mitzuteilen und wir sind ihm dafür dankbar. Aber generell hilft es allen Betroffenen, wenn man mindestens genau so laut schreit wie die von Beschneidung begeisterten. Ich tue mir da als nicht betroffener etwas leichter, allerdings höre ich da immer wieder, was will den der, der ist ja gar nicht beschnitten und hat daher gar keine Ahnung. Der ist einfach nur ein Antisemit ...

    Lassen wir es lieber sein ist nicht die richtige Antwort. Man muss für seine Interessen kämpfen, bzw. die anderen aufklären.
    Das ist nun kein Vorwurf, denn in Deinem Alter hätte ich es auch sein gelassen, denn es gehört einfach viel Mut dazu, falschen Ansichten von Ahnungslosen zu widersprechen, aber prinzipiell ist da Schweigen nicht richtig. Wenn da immer erzählt wird, es ginge nur um ein kleines bedeutungsloses Häutchen glauben das viele. Unwahrheiten braucht man nur dauernd zu wiederholen und dann muss es ja war sein. Jeder Abgeordnete der für das Beschneidungsgesetz redete, sagte als erstes Mädchenbeschneidung sei etwas ganz anderes. Bis es wohl jeder der sich noch nicht mit der Materie befasst hatte glaubte.

    Bei Jungen ist das leider so üblich. Hab ich schon oft so erzählt bekommen. Denn auch das Recht auf eine Intimsphäre fängt erst bei Mädchen an. Jungen brauchen so etwas nicht. Selbstverständlich ist im pubertären Alter der Penis sofort steif, wenn da jemand dran herumfummelt. Man hat die größte Potenz, ist dadurch bei jeder Berührung ohne es zu wollen sofort erregt, kann es aber noch nicht steuern. Aber das freut ja die zusehenden Damen …

    Es war wie bei solchen Veranstaltungen üblich. Zuerst war Ass.-Prof. Dr. Jérôme SEGAL dran, brachte netterweise den Vergleich, dass in Österreich das kupieren von Hundeschwänzen verboten ist, Penisse von Jungen aber sehr wohl gekürzt werden dürfen.

    Der ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Hans Gerald HÖDL meinte gar, wenn man die Beschneidung verbieten wollte, müsste man auch die Taufe verbieten. Darauf meinte Manfred es geht nicht um das Verbieten einer religiösen Handlung sondern um das Verbot einer Körperverletzung. Brit Schalom daher kein Problem.

    Laut Erlass des Justizministeriums führt das Entfernen der Vorhaut zu keiner sexuellen Beeinträchtigung, meinte Frau Hon.-Prof. Dr. Brigitte SCHINKELE

    Das machte mich etwas heiß und ich musste daher erklären dass mit der Vorhaut auch 70% der Empfindungsnerven entfernt werden und die anschließende Verhornung der Eichel zwangsläufig zur Beeinträchtigung der sexuellen Empfindung führen muss.

    Eine junge Kopftuchträgerin, meinte dazu sie werde ihr Kind (ich hoffe sie wird nie einen Sohn haben) sicher beschneiden lassen, denn schließlich habe Ihr Opa zum dritten Mal geheiratet.

    Darauf Manfred: Der brauchte eben jemand zum Waschen und Putzen.

    HÖDL: Ja und die WHO empfiehlt die Beschneidung …

    Manfred: Möglicherweise sind die so organisiert wie die Fifa. Es bringt ja viel Geld.

    Ein Mitarbeiter des Justizministeriums erklärte die in Österreich überaus komplizierte Rechtslage. Kein Staatsanwalt darf wegen einer Beschneidung tätig werden, da muss ein Oberstaatsanwalt eingeschaltet werden.

    Und zum Schluss musste ich noch das Buch von Clemens Berger verteilen. Die Frau Schinkele meinte wenn es nichts kostet, dann würde sie es ja nehmen…
    Manfred: Wenn Sie mir versprechen es auch zu lesen, ist es umsonst.

    Alle 4 mitgenommen Exemplare wurde ich los. Eines für den Moderator. Und Jérôm kannte es zwar, da es in seiner Präsentation vorkam, aber er hatte noch keines …

    So fuhr ich dann mit leerem Aktenkoffer wieder 200 km nach Hause …

    Manfred

    Lieber Apey!
    Du brauchst Dich nicht ausgestoßen zu fühlen, weil Du im Gegensatz zu anderen keine Vorhaut mehr hast. Andere stört das sicher nicht, sie haben ja ihre noch dran oder wenn sie glauben es sei ohne Vorhaut besser, haben sie ja die Wahl. Es kommt nur darauf an was Du willst. Und da Du sagst Du wolltest die Beschneidung nicht, so handelst Du sicher richtig, wenn Du mit der Vorhautrestaurierung angefangen hast. Es ist immer ganz wichtig, dass man selbst mit seinem Körper zufrieden ist, das heißt aber nicht, dass andere das genau so sehen, Die Vorhaut ist leider in ein paar Minuten abgeschnitten aber die Wiederherstellung dauert mindestens zwei Jahre. Du musst also Geduld haben, und positiv in die Zukunft sehen.

    Vielen Dank für Deinen Bericht. Ich glaube es tut sich jeder leichter der sich mit etwas arrangiert, was nicht mehr zu ändern ist. Und wenn man will, kann man an allem auch Positives sehen. Schließlich war die schmerzhafte Phimose wenigstens weg. Ich glaube auch, dass es einfacher ist, eine eigene Fehlentscheidung zu ertragen, als wenn jemand anderer dafür verantwortlich ist. Und sollte es zu weiterem Gefühlsverlust durch Verhornen der Eichelhaut kommen, kannst Du noch immer eine Vorhautrestauration ins Auge fassen.

    Meiner Meinung nach beweist das gar nichts, außer dass Frau Marks den Mut gehabt hat, einen Alternativantrag zu unterstützen. Der Großteil der Unterstützer waren Abgeordnete die sowieso vor hatten, dem Bundestag nicht mehr anzugehören, und daher keine Angst haben brauchten von der Partei wegen abweichen von der Parteimeinung nicht mehr aufgestellt zu werden. Wie käme es sonst, dass alle Bundestagsabgeordneten die den Regierungsentwurf gut fanden, als Abgeordnete zum Europarat dort plötzlich am Alternativentwurf Gefallen gefunden haben. Da saß wohl die komische Landesmutti nicht mehr im Nacken.

    Da seht ihr, wie die gleiche Sprache schadet. Der erste Satz jedes Redners in der deutschen Beschneidungsdebatte war immer: Weibliche Genitalverstümmelung ist etwas ganz etwas anderes als männliche Beschneidung. Nach dem 10. Mal hören dieses Satzes haben auch die Österreicher diesen Satz für wahr gehalten. Lügen muss man nur so oft wiederholen, bis sie endlich für wahr gehalten werden.

    In Österreich gibt es schon lange ein Konkordat mit der katholischen Kirche, auch einen Vertrag mit der Jüdischen Gemeinde, und auch das Gesetz für die Muslime gibt es schon seit 1912. Es wurde jetzt aktuell neu gefasst.
    Es steht zwar im neuen Gesetz, dass den Moslems in Österreich alle religiösen Gebräuche erlaubt seien, andererseits, was die Muslime sehr ärgerte, dass die staatlichen Gesetze über den religiösen Gesetzen stehen. In Erläuterung zu den Gebräuchen steht auch die Beschneidung, schließlich haben wir Österreicher vom großen Bruder gelernt, dass das nichts zu beanstandendes sei, andererseits gibt es den §90 StGB (3) der lautet: In eine Verstümmelung oder sonstige Verletzung der Genitalien, die geeignet ist, eine nachhaltige Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens herbeizuführen, kann nicht eingewilligt werden. Der Paragraph ist geschlechtsneutral formuliert, da der ahnungslose Verfasser dachte, das treffe nur bei Mädchen zu. Das könnte aber wenn es hart auf hart geht, zu einem Gerichtsprozess mit unvorhersehbarem Ausgang führen.

    Mein lieber Kalliboy!
    Wer sagt denn hier dass es verwerflich sei, wenn einer glaubt sein Penis sehe geschält besser aus und funktioniere dann auch besser. Jeder ist doch seines Glückes Schmied. Du hast noch nicht begriffen, hier tummeln sich vor allem durch Beschneidung geschädigte und weil es die massenweise gibt, sind die auch gegen die Zwangsbeglückung von Kindern durch Beschneidung. Es gibt nicht nur Kalliboys auf der Welt, die sich kein größeres Glück vorstellen können als einen beschnittenen Penis zu haben. Kann aber jeder Unbeschnittene nachholen, umgekehrt geht’s aber nicht. Jeder kann es machen lassen, wenn er erwachsen ist, damit hat niemand bei uns ein Problem. Einer kann eben nur mit Lederhose, der andere braucht unbedingt Damenstrümpfe und wieder andere Fetischisten können nur mit einem durch ein Skalpell gestylten Penis. Sexualität entsteht eben auch im Kopf. Ein Problem sehen wir erst, wenn welche glauben sie müssen Kinder die sich dagegen nicht wehren können mit einer Genitalverstümmelung beglücken. Und das obwohl wir dadurch noch mehr (durch Beschneidung geschädigte) Forumsteilnehmer bekommen würden.

    Wie Guy schon sagte gibt es dieses Forum vor allem für von Beschneidung negativ Betroffenen. Keinem der glaubt es sei gut für ihn, wollen wir die Beschneidung ausreden, machen allerdings auf die möglichen Gefahren aufmerksam. Und selbstverständlich wissen wir, dass es Betroffene gibt, die ihre Beschneidung ganz toll finden. Das ist aber nicht unser Thema. Es geht darum, negativ Betroffenen zu helfen, und nicht ihnen weis zu machen, dass sie wohl zu blöde wären ihre Genitalveredelung perVorhautamputation entsprechend wert zu schätzen. Es mag für Dich subjektiv so sein, dass Du froh bist die lästige Vorhaut los zu sein.
    Objektiv ist es aber so, dass der größte Teil der Empfindungsnerven in der Vorhaut liegen und daher für so manchen unfreiwillig Beschnittenen das Erreichen eines Orgasmus schwierig wird. Für einen Fetischisten wie Du ist natürlich die ganze Sexualität mehr kopfgesteuert. Andererseits verliert manch anderer Zwangsbeschnittener schon die Lust am Sex wenn er seinen geschälten mit Narben und Hautbrücken verunstalteten Penis nur sieht.

    Wir sind daher gegen die Zwangsbeschneidung von Kindern, weil wir wissen, dass im Gegensatz zu Sidi viele ein lebenslanges Problem mit ihrer Beschneidung haben. Und das lässt sich nicht voraussagen.

    Ich kann etwas einstellen was nicht gesagt, dafür aber sogar geschrieben wurde. Ich habe den Namen des Herrn Uni-Professors in Penisschnitzer geändert, der Schreiber heißt bei mir Opfer, sonst wurde nichts verändert. Der Professor hat natürlich keine Ahnung was er angerichtet hat, denn selbst die Juden mit denen er über das Thema gesprochen habe, hätten sich nicht beschwert. Ihm ist einfach keine schädliche Auswirkung seiner glorreichen Arbeit bekannt. So ungebildet sind nun einmal Uni-Professoren.


    Sehr geehrter Herr Professor Penisschnitzer!

    Vorweg einmal möchte ich Ihnen danken für Ihr großes persönliches Engagement zum Wohle der jungen Menschen, sowie gratulieren zu den zahlreichen Errungenschaften der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie.


    Bitte erlauben Sie mir, ohne Ihnen durch lange Vorreden die Zeit zu stehlen, mich in diesem Schreiben an Sie mit einem persönlich wichtigen Anliegen zu wenden und in diesem Rahmen ein paar Fragen zu stellen, die mich aufgrund meiner Kindheitsgeschichte sehr stark beschäftigen.


    Im Februar 1981 wurde ich im Alter von neun Jahren in der Kinderchirurgie, damals noch in der Heinrichstraße, operativ behandelt. (Bewusst lasse ich eine sehr lange Vor- wie auch „Nach“-geschichte aus.) Sehr gerne hätte ich in Erfahrung gebracht, unter welchen Händen der Eingriff vollzogen wurde, doch war es wegen nicht mehr vorhandener Krankenakten nicht möglich, das festzustellen, und mein Vater gibt an, sich nicht genauer zu erinnern. Verzeihen Sie bitte, wenn ich mich daher mit meinem Anliegen an Sie richte als heutigen Leiter der Kinderchirurgie.

    Vorausgeschickt: Viel lieber hätte ich mich an dieser Stelle stellvertretend bei Ihnen bedankt für ein erfolgreiches Bemühen um die Erhaltung meiner Vorhaut und damit eines vollständigen, intakten Geschlechtsorgans.

    Leider ist das aber nicht der Fall, denn man meinte bei mir im Knabenalter eine Phimose zu erkennen, die ich selbst allerdings keineswegs als solche wahrgenommen habe, geschweige denn schon gar Beschwerden auch nur im Entferntesten. Die damaligen Ärzte an der Kinderchirurgie waren nach eigener Erinnerung auch zu jener Zeit nicht restlos von einer operativen Behandlungsbedürftigkeit überzeugt, dennoch wünschte mein Vater (selbst Mediziner: Anästhesist) die Radikalzirkumzision. Diese wurde dann in besagtem Februar 1981 auch (mittels Plastibell-Methode) durchgeführt - obwohl ich als Hauptbetroffener mehrfach unmissverständlich meine Ablehnung gegenüber dem Eingriff kundgetan hatte. Abgesehen davon war ich auch vorher nicht darüber informiert worden, was genau zu tun an mir überhaupt beabsichtigt war. Mir blieb nur das Aufwachen mit einem aus meiner Sicht völlig entstellten Paradestück vorbehalten, das fortan einem Vergleich mit meinen Klassenkameraden in keiner Weise mehr standhielt, worauf ich mich meine gesamten Jugendjahre sehr stark von den Gleichaltrigen zurückzog und mich in vielfacher Weise „einkapselte“. Auch war seit damals mein Vertrauen in die Gesamtheit aller Ärzte (leider pauschal) auf dem absoluten Nullpunkt angelangt.


    Aus persönlicher leidvoller Erfahrung, sowie auch weil ich mir sehr wünsche, dass sich solches möglichst bei keinem weiteren kleinen Mann wiederholen möge, bitte ich darum, an dieser Stelle ein paar Fragen stellen zu dürfen wie folgt:


    Werden inzwischen zur Korrektur einer (tatsächlich oder vermeintlich) engen Vorhaut seitens der behandelnden Ärzte auch konservative, bzw. minimal invasive Alternativen vorgeschlagen? In unserer Zeit, wo vergleichsweise Siamesische Zwillinge erfolgreich getrennt oder Herzen erfolgreich transplantiert werden uvm., würde es mich beruhigen zu erfahren, dass heute auch Wege einer vorhauterhaltenden Therapie erarbeitet wurden und von vornherein angeboten werden.

    Wendet man sich heute auch an den Knaben selbst, um auch ihm als Hauptbetroffenem die verschiedenen Möglichkeiten darzulegen?

    Gibt es inzwischen für ein Kind, und sei es noch so klein und „unmündig“, die Form einer Mitsprache, ja Mitentscheidung bei der Therapiewahl (sofern keine akute Notsituation vorliegt)?


    In der Hoffnung, Sie nicht bereits über Gebühr strapaziert zu haben, zu guter Letzt noch eine abschließende Frage: Mich beschäftigt seit längerem der Gedanke, wie es überhaupt möglich war, dass (offenbar in den Sechzigerjahren?) eine derart steinzeitliche, nur bei unterentwickelten Gesellschaften, sowie bei zwei sehr strengen, das Individuum wenig respektierenden, nahöstlichen „Weltreligionen“ praktizierte Genitalverstümmelung Einzug in die Kinderheilkunde halten konnte? Ist es möglich, hier einen oder mehrere Verfechter dieser Praktik namhaft zu machen? Ich fühle mich auch heute noch im wahrsten Sinne des Wortes entwürdigt und geschändet, da mein intimstes Stück, das für das Selbstbild des normalen Mannes von fundamentaler Bedeutung ist, gegen meinen Willen eines ganz wesentlichen Teiles beraubt worden ist.

    Konkret: Wer hat das Prinzip „Ablatio Praeputii“ für jegliche Vorhautanomalie bei uns in der Steiermark propagiert bzw. eingeführt?

    Neidvoll hingegen blicke ich auf Menschen, die wie jüngst beim Papstbesuch in den USA medienwirksam ihr Leid wegen behaupteten sexuellen Missbrauchs in alle Öffentlichkeit tragen konnten. Neidvoll deshalb, weil diese nur seelisches Leid zu beklagen haben. Viele der zu allermeist unfreiwillig beschnittenen Männer haben aber nicht nur seelisches Leid erlitten, sondern, was für mich viel schwerer wiegt, zusätzlich einen irreparablen körperlichen Defekt an einer besonders sensiblen Stelle davongetragen. Ungerechterweise genießen Letztere aber nicht einmal den Bruchteil dieses öffentlichen Mitgefühls.

    Dennoch wäre es für mich das größte Glück, zu erfahren, dass meine Fragen und Bedenken heute, im Jahr 2009 gegenstandslos geworden sind, da sich die von mir geschilderten Umstände inzwischen mehr im Sinne der kleinen Patienten gewandelt haben und da die kaum jemals an die Öffentlichkeit getragenen Gefühle bzw. das Leid von Knaben und Männern wie mir, heutzutage anerkannt und berücksichtigt werden.


    In der Hoffnung und neugierig auf Ihre geneigte Antwort verbleibe ich

    hochachtungsvoll,

    Das Opfer Ihrer Beschneidungskunst


    Nachsatz aus aktuellem Anlass:

    Ein sich in unserer Zeit zusätzlich ergebener Aspekt ist der, wenn Grundrechte des Individuums, die in Europa seit der Zeit der Aufklärung mühevoll errungen wurden, heute gegen fundamentalistische Anschauungen auf dem Prüfstand stehen:
    Wie gehen die Ärzte der Kinderchirurgie damit um, wenn Sorgeberechtigte ohne medizinisch „zwingende“ Indikation einer chirurgischen Behandlung der Vorhaut aus (pseudo-) ästhetischen, ideologischen, „hygienischen“, religiösen, traditionellen oder sonstigen moralischen Gründen eine Veränderung oder gar Entfernung des Praeputiums wünschen, ohne dass der betroffene junge Mann das einwilligungsfähige Alter von 18 Jahren erreicht hat? Wie sieht es mit der rechtlichen Lage des behandelnden Arztes aus, der ja in einem solchen Fall einen Eingriff vornimmt, der erst recht nicht notwendig ist, meiner Meinung nach kontraindiziert ist, dessen Folgen ein ganzes Leben andauern und bei bestem Willen nicht vollständig korrigierbar sind? Meine Frage rührt daher, da im Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe 8/ 2008, im Artikel von STEHR, PUTZKE, DIETZ der rechtliche Aspekt einer Wunschbeschneidung dahingehend erläutert wird, dass sich der Operateur damit außerhalb des Rechts auf körperliche Unversehrtheit von Minderjährigen begibt.

    http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=61273

    Stehr, Maximilian; Putzke, Holm; Dietz, Hans-Georg
    Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung
    Deutsches Ärzteblatt 2008; 105(34-35): A-1778 / B-1535 / C-1503


    Sehr geehrtes Opfer meiner Beschneidungskunst!

    Zunächst muss ich mich vielmals entschuldigen, dass ich Ihre Mail nicht früher beantwortet habe – sie ist unter einem dicken Stapel von Publikationen verschwunden und erst heute beim „Aufräumen“ wieder aufgetaucht. Ich weiß nun nicht ob mein Antwortschreiben für Sie noch von Bedeutung ist, aber ich versuche es dennoch.

    Ihre Frage ist sehr schwierig zu beantworten:

    1) auch heute noch werden sehr viele Circumzisionen durchgeführt, allerdings aus medizinischer Indikation, wie z.B. Aufblähen der Vorhaut bei Harnentleerung und Nachträufeln als Zeichen der Enge, wiederholte Entzündungen oder Schmerzen, alte Einrisse mit narbige Engstellen, und Ähnliches. Ich meine diese Indikationen sind gerechtfertigt, da ich gelegentlich auch Phimosen bei Erwachsenen operiere und dann auf sehr problematische chronische Veränderungen der Eichel stoße, die durch die jahrelangen Entzündungen hervorgerufen wurden. Natürlich gibt es auch die Diskussion über die Vorteile in Bezug auf die Hygiene, Vorbeugung von Krebsleiden bei Männern und Frauen (Cervixcarzinom). Allerdings weiß ich nicht wie statistisch signifikant diese Argumente sind.

    2) Meine Strategie bei diesen indizierten Phimosen ist: so wenig wie möglich und so viel wie nötig wegzunehmen, was immer erst bei der Operation entschieden werden kann, da man dann nur die Vorhaut zurückziehen kann und die Enge in ganzer Ausdehnung sieht.

    3) Ein anderes Problem ist die Circumzision ohne eigentliche medizinische Indikation aus kulturellen Gründen.

    a. Bei Juden erfolgt sie bereits beim Neugeborenen, im strengen Sinn mit einem Ritual,

    b. Bei Mohammedanern kann sie auch später erfolgen, aber sie wird aus kulturellen Gründen immer gewünscht. Wenn man zuwenig wegnimmt sind die Angehörigen mit dem Ergebnis nicht zufrieden,

    c. Fast alle Amerikaner sind unabhängig vom Glauben auch circumzidiert, was meist auch beim Neugeborenen erfolgt.



    4) Ein Nachteil durch die Circumzision ist mir nicht bekannt. Ich habe mit erwachsenen Juden darüber geredet und nie etwas Negatives gehört, aber natürlich fehlt hier allen Menschen der Vergleich. Wenn man die Geburtenrate nimmt so zeigt sich mit Sicherheit kein Nachteil bei den operierten Männern.

    5) Schließlich noch das Problem, wenn Eltern unseres Kulturkreises die Circumzision ohne medizinische Indikation wünschen. Nach juristische Auffassung könnten die Betroffenen später Klage erheben und die Kinder sollten erst mit 16 Jahren gefragt werden ob sie dem Eingriff auch selbst zustimmen.

    6) Ich verweise auf eine Publikation in der Monatsschrift für Kinderheilkunde (156: 783-788, 2008). Ich gebe aber zu, dass ich nicht mit allen Schlussfolgerungen der juristisch dominierten Arbeit zustimme, da der kulturell bestimmte Wunsch (Juden, Mohammedaner, ect) nach Circumzision mir sicherlich auch sehr gewichtig erscheint, und das Fehlen der Circumzision diese Kinder eben dort wieder zu Außenseitern machen würde, die sich dann eben auf anderen Wegen operieren lassen – nicht immer auf den wirklich besten Wegen.

    7) Schließlich noch kurz zu Ihrem persönlichen Problem. Was Sie selbst empfinden kann niemand kritisieren oder als Falsch oder als Richtig beurteilen. Sie haben offensichtlich den Eingriff als Verstümmelung wahrgenommen und tragen die Last noch immer mit sich herum. Ich denke, es wird Ihnen nicht viel helfen zu wissen, dass etwa die Hälfte der männlichen Weltbevölkerung auch beschnitten ist. Aber vielleicht könnte Ihnen eine psychologische Beratung helfen mehr Abstand zu ihrem Problem zu gewinnen, so dass es Sie im täglichen Leben und in der Partnerschaft nicht behindert – rein funktionell gesehen ist mit und ohne Vorhaut alles gleich gut möglich.



    Entschuldigen Sie bitte nochmals die Tatsache, dass Ihre Mail bei mir verlorengegangen ist und erst heute wieder auftauchte.



    Mit dieser Bitte grüße ich Sie hochachtungsvoll



    Michael der Penisschnitzer
    ----------------------------


    Sehr geehrter Herr Univ.-Prof. Dr. Penisschnitzer!

    Gerne nehme ich Ihre Entschuldigung für die späte Beantwortung meiner Mail an, obwohl ich mich über eine so lange Zeit ausbleibende Antwort schon gewundert hatte. Vielen Dank aber für Ihre ausführlichen Antworten auf meine Anregungen, was ich zu schätzen weiß.

    ad 1)
    Ich war sogar davon ausgegangen, dass nach dem heutigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse in Verbindung mit dem Schutz der Persönlichkeitsrechte auch minderjähriger Personen wirklich nur noch bei wiederholten Entzündungen von Vorhaut und/ oder Eichel bzw. bei unrettbar degenerierter Vorhaut operative Eingriffe am Penis vorgenommen werden.
    Dass Sie schreiben, dass bereits bei Aufblähen der Vorhaut bzw. Nachträufeln eine Amputation des hochsensiblen, zweilagigen Vorhautgewebes zur Diskussion steht, wundert mich und verunsichert mich.
    Durch bewusste, themenbezogene Gespräche mit erwachsenen Männern habe ich in Erfahrung gebracht, dass ein bemerkenswerter Teil meiner Gesprächspartner in der Kindheit tatsächlich eine sehr enge Vorhaut hatte, doch jeder einzelne von ihnen es als GLÜCK ansah, NICHT operiert zu werden. Denn vielmehr hatte sich deren Vorhaut im Laufe der Pubertät durch die unter Kindern/ Jugendlichen üblichen Aktivitäten, ohne medizinische Therapie, auf den erforderlichen Umfang erweitert.

    Hygienische Argumente, hauptsächlich ja von religiösen Gemeinschaften als Rechtfertigung ins Spiel gebracht, halte ich übrigens so sinnvoll wie die Amputation einer Ohrmuschel um die Ohr- bzw. Kopfreinigung zu erleichtern oder beispielsweise die Amputation von kleinen Zehen um dem Fußpilz weniger Angriffsfläche zu bieten.


    ad 2)
    Bei indizierten Phimosen, wenn ich Sie also richtig verstehe, dann, wenn akute Not am Mann ist und sofortiges Handeln unaufschiebbar ist, kann ich Ihre Strategie nachvollziehen und diese soll daher kein Gegenstand von Kritik sein.

    ad 3)
    Sie schreiben, dass mohammedanische Angehörige mit dem Ergebnis unzufrieden seien, wenn zu wenig Vorhaut weggenommen wird. Ich kann nicht verstehen, warum nicht der Betroffene selbst, der ein ganzes Leben mit dem veränderten Genital zu meistern hat, selbst bestimmen darf, ob überhaupt, und wenn schon, wie viel Penisgewebe entfernt werden soll.

    Dass im durchaus sexualfeindlichen Zeitalter des Viktorianismus von England ausgehend die Beschneidung in alle englischsprachigen Länder verbreitet wurde um die verteufelte Masturbation zu erschweren und vorgeblich fast allen (sic!) Krankheiten vorzubeugen, ist mir bereits bekannt. Allerdings war es auch wiederum in England selbst, wo endlich 1949 die Knabenbeschneidung als „unethisch“ erkannt und seitdem unterlassen wurde. Die anderen englischsprachigen Länder wie Kanada, Australien usw. folgten dem Beispiel. Nur in den USA hatte sich der Geschäftszweig Neugeborenenbeschneidung plus Vorhautweiterverkauf bereits so etabliert, dass erst die American Academy of Pediatrics 1999 (bereits zum zweiten Mal) durch Aufhebung der Empfehlung zur Routinebeschneidung die Zirkumzisionsrate mittlerweile auf etwa 60% fallen hat lassen. (+/– 60% werden gegenwärtig übereinstimmend von verschiedenen Quellen angegeben, regional allerdings unterschiedlich: Kalifornien etwa 35%, Mittlerer Westen immer noch um die 90%. Tendenz immerhin insgesamt fallend.)


    ad 4)
    Ungewollt Beschnittene, sowie nur kurzzeitig von angeblichen „Vorteilen“ einer Beschneidung Geblendete geben übereinstimmend folgende Nachteile der Zirkumzision an (abgesehen vom unbestrittenen, allgemeinen Operationsrisiko und von Wundinfektion, Blutung, Störung im Heilungsverlauf, ungünstiger Neuverästelung durchtrennter Blutgefäße, unerwünschten Hautbrückenbildungen, Eichelverletzungen bis im Extremfall zu Penisverlust und sogar Tod):
    Auch im Fall einer „kunstgerecht“ ausgeführten Zirkumzision tritt mit der Zeit unausweichlich die Verhornung/ „Keratinisierung“ der Eichel ein, damit einhergehend eine drastische Verminderung der Empfindungsfähigkeit. Weiters fallen naturgemäß die abgetrennten, ungezählten Nervenendigungen der hochsensiblen Vorhaut, und damit die Mehrzahl der Nervenendigungen am Penis überhaupt, für Empfang und Weiterleitung der so wichtigen und ersehnten Stimuli ersatzlos aus. Von „Glück“ können noch jene Betroffenen sprechen, bei denen die/ der ChirurgIn nach persönlichem Gutdünken dem jungen Mann noch etwas vom Frenulum/ Lustbändchen belassen hat, wodurch zumindest dieses noch zum Empfangen von Reizen beitragen kann.

    Zu den obigen systembedingten, in jedem Fall auftretenden Nachteilen, können sogar, je nach Menge des entfernten Gewebes, noch weitere kommen: Bei zu wenig belassener Resthaut können sehr unangenehme Spannungsgefühle bei Erektionen auftreten, behaartes Unterleibs- und Hodengewebe kann weit auf den Schaft gezogen werden, der erigierte Penis kann verkrümmt werden.

    Wie ist es nun möglich, dass mittlerweile im 21. Jahrhundert noch immer männliches Gewebe (und noch dazu ein so hochsensibles und hoch spezialisiertes wie das Praeputium) geringgeschätzt und ihm die Bedeutung geradezu aberkannt wird? Noch dazu von Menschen, deren Berufsausübung exakte anatomische bzw. histologische Kenntnisse verlangt. Inwieweit kann medizinische Literatur beispielsweise aus den USA als Vorbild dienen, deren Verfasser die naturgegebene (wenn man will, gottgegebene) Vorhaut des Penis schlichtweg ignorieren? Etwa um weltweit ganzen zwei Religionen entgegen zu kommen, welche kategorisch und ohne Rücksicht auf grundlegende Persönlichkeitsrechte sich auf archaische Schriften berufend, dessen Amputation verlangen?

    Die von medizinischer Seite zu oft persönlich erlebte Quasi-Negierung dieses so wesentlichen Teils des Penis ist für mich umso unverständlicher, als verschiedenste, meinerseits in den vergangenen Jahren mit dem Wunsch nach einer Vorhautwiederherstellung konsultierte Ärzte, stets passen mussten. Die Begründung lautete jedes Mal übereinstimmend: Die Gewebestruktur der Vorhaut des Penis ist so einzigartig durch ihre verschiebliche Zweilagigkeit, innen noch dazu als Schleimhaut ausgebildet und ihrem Wesen nach eine sog. Muskelhaut, sodass eine Transplantation anderer Hautteile überhaupt nicht in Frage käme, da die vielfältigen Anforderungen an die Vorhaut im schlaffen, wie im erigierten Zustand des Penis unmöglich von anderen Hautteilen geleistet werden können. (Von den unwiederbringlich verlorenen Nervenendigungen, Meißnerschen Tastkörperchen usw. ganz zu schweigen.)

    Spät, aber doch, findet heute auch die Frage der Ästhetik bzw. des Erscheinungsbildes in einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft als weiteres Kriterium zunehmend Anerkennung: Eine Vorhautamputation zieht schon per se eine sehr starke optische Veränderung des männlichen Hauptgeschlechtsmerkmals nach sich. Meiner Erfahrung nach sind in unserem (europäischen) Kulturkreis nur die wenigsten der ungefragt und als Minderjährige beschnittenen Männer mit ihrer gehäuteten Penisspitze glücklich. (Es mag sein, dass in Teilen der Gesellschaft noch die Einstellung vorherrscht, wie TORBERG seine Tante Jolesch sagen lässt: „Alles, was am Mann schöner is’ wie ein Aff’, is’ Luxus“, so kann derartiges doch im 21. Jahrhundert dennoch keine konsensfähige Ansicht mehr sein.)
    Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, doch ist genau das der springende Punkt: In einer nichtmoslemischen und nichtjüdischen Gesellschaft schließe ich mich der Ansicht an, dass es „unethisch“ (siehe oben) ist, einem Minderjährigen die Entscheidung über das Design seines besten Stücks vorwegzunehmen.

    Menschen, die –a- in einem Kulturkreis aufwachsen, in welchem das männliche Individuum keine Chance hat einer Beschneidung zu entgehen und –b- den Vorhautverlust in früher Kindheit erlebt haben, können sich meiner Meinung nach auch kaum Vorstellung über das Mehr an Empfindungsfähigkeit für Stimuli mit einem Penis ohne Gewebeeinbußen machen. Wer immer nur schwarzweiß gesehen hat, kann zwar im Leben durchaus bestehen, doch den Wert von Farben kann dieser naturgemäß nicht erkennen. Ein solcher Mensch will vielleicht schon aus Gründen des „Selbstschutzes“ gar nichts von Farben hören um sich nicht unglücklich zu machen. (Vergleiche dazu die Fabel mit dem Fuchs, der sich so lange einredet, die für ihn unerreichbaren Weintrauben wären ohnehin sauer, bis er es wirklich glaubt.)

    http://www.norm-uk.org/function.html


    ad 5)
    Die von Ihnen zitierte (meiner Meinung nach längst überfällige) juristische Auffassung (Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe VIII, August 2008) habe ich ab Kenntnisnahme vollinhaltlich begrüßt. In meinem persönlichen Fall ist sie zwar aufgrund der Beweislage (nicht mehr existierende Krankenakten) und Verjährungsfrist nicht mehr hilfreich, doch freue ich mich über die Anteilnahme und den gesetzlichen Schutz, der gegenwärtigen Knaben und jungen Männern immerhin, zumindest teilweise und theoretisch, geboten wird.
    Mit Interesse verfolge ich die derzeitige politische Diskussion um den Wegfall von Verjährungsfristen bei sexueller Misshandlung.

    ad 6)
    Zu meiner persönlichen Erwartungshaltung an den Beruf des Arztes gehört es, dass ein Arzt/ eine Ärztin stets und allein das Wohl des ihm/ ihr anvertrauen Patienten vertritt und anstrebt, und das außerdem mit möglichst minimal invasiven Methoden. Im Widerspruch dazu steht für mich das Sich-zueigen-machen religiöser oder traditionsverhafteter Vorschriften etwaiger Angehöriger des minderjährigen „Patienten“ (der ja vor dem Eingriff noch gar kein „Leidender“ im eigentlichen Sinne des Wortes ist).

    Statt der Sorge um das Außenseitertum von Knaben mit unangetastetem Genital in beschneidenden Gesellschaften, würde ich mir vorrangig wünschen, dass vor allem nicht Teile der männlichen Jugend unseres Kulturkreises, dem solche archaischen Vorschriften gottlob unbekannt sind, bedenkenlos zu Außenseitern gemacht werden. Mich würde es vielmehr freuen zu lesen, wenn sich Behandelnde ebenso explizit dafür einsetzten, dass auch Penisse ihre naturgegebene Form beibehalten dürfen um den Jungen UNSERES Kulturkreises tunlichst ein Außenseitertum zu ersparen. Leider kenne ich persönlich auch gegenwärtig einige solcher Jungen, bei denen dieser Umstand offenbar keine Beachtung gefunden hat und die sich vor den Gleichaltrigen schämen und weniger männlich fühlen.

    Sich über die Persönlichkeitsrechte eines Minderjährigen hinwegzusetzen, dessen Angehörige eine Entfernung der Vorhaut fordern, nur damit diese Angehörigen nicht möglicherweise weniger befähigte Beschneider konsultieren, ist für mich keine ausreichende Rechtfertigung: Schließlich haben die Obsorgeberechtigten in unserem Land die gesetzliche PFLICHT, alles zu unterlassen, was ihrem Kind zum Schaden gereichen könnte! Ein Vergleich auf anderer Ebene: Wäre es politisch richtig zu sagen: „Wenn WIR dem Iran kein atomwaffenfähiges Material liefern würden, so täten es doch die Russen, was doch weit schlimmer wäre. Also liefern am besten WIR…“?


    Vielen Dank noch für die Sorge um meine Person, die Sie in Punkt 7 anklingen lassen, sowie meine „Funktionalität“. Als Vater zweier Kinder hatte ich immerhin die Gelegenheit, diese zu erproben. Dass ich mir allerdings mehr Empfindungsvermögen für positive Stimuli am Organ wünsche als es rein spartanisch-funktionell gesehen zur Erhaltung der Spezies Mensch notwendig ist, soll hier aber dennoch nicht einmal das Hauptargument sein.

    Ja, ich würde mir für einen für beide Teile erfüllenderen Geschlechtsverkehr eine weit höhere Reizaufnahmefähigkeit am Organ wünschen. Meinen Recherchen zufolge scheint diese Beeinträchtigung der Qualität des Geschlechtsverkehrs infolge mangelnder Gefühlsrezeptoren ein unter beschnittenen Männern generell verbreitetes Problem zu sein.


    Vielleicht um noch ein Missverständnis zu bereinigen: Nicht die lästigen Untersuchungen, die vermeidbare, belastende Operation der Vorhautamputation an sich, nicht einmal die aufs Äußerste schmerzhafte Entfernung der Plastikglocke ist es, was ich am meisten als Verstümmelung wahrnehme. Nein, es ist das ERGEBNIS, das ich jeden Tag sehe und wahrnehme, die entblößte, verhornte, taube Eichel, sowie das verlorene Gefühl, eine naturgegebene Vorhaut lustvoll vor- und zurückzuschieben, um nur zwei von vielen Punkten zu erwähnen. Auch von meiner Jugendzeit, in der ich mich gegenüber den Gleichaltrigen auf schmerzliche Weise weniger männlich gefühlt habe, möchte ich hier gar nicht erst anfangen zu schreiben.

    Vielmehr drehen sich mein Bewusstsein und meine Sorge um die gegenwärtigen Fragen: Wiederholen sich meine sehr wohl vermeidbaren Erlebnisse womöglich immer noch Tag für Tag an weiteren Buben und wird damit billigend in Kauf genommen, dass diese damit in ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung schwer beeinträchtigt werden könnten?
    Werden heute sehr wohl existente, ausgereifte alternative Therapien bei tatsächlich vorhandenen Problemen angeboten?
    Wird die Persönlichkeit des Knaben heute respektiert oder müssen diese sich wie in der zurückliegenden Zeit als Objekte empfinden, über deren Kopf ohne viel Federlesens von anderen entschieden wird?

    Den besten Abstand vom damaligen Geschehen kann ich gewinnen, indem ich erlebe, dass heute und in Zukunft die Persönlichkeitsrechte des minderjährigen, ja, auch des männlichen Individuums, ohne Abstriche respektiert werden. Diese Entwicklung versuche ich so genau wie möglich mitzuverfolgen.

    Es würde mich glücklich machen erkennen zu können, dass heute, im Jahr 2010, nicht nur alle Teile des minderjährigen weiblichen Körpers als schützens- und erhaltenswert angesehen werden, sondern dieselbe positive Gesinnung auch den jungen männlichen Personen zugute kommt. Das wäre auch die beste „Therapie“ für mich persönlich. Die gesetzlichen Grundlagen zum Schutz aller Kinder, ungeachtet des Geschlechts, wären ja durch unseren §90, Abs.3 StGB (ungültige Einwilligung in Genitalverstümmelung) bereits gegeben. Was noch aussteht, ist ein Präzedenzurteil.

    In den USA ist in den letzten Jahren eine hitzige Debatte über die von ihren Gegnern als barbarisch gebrandmarkte Routinebeschneidung (einschließlich prophylaktischer Amputation von gesundem Vorhautgewebe wegen Phimose im Kindes- und Jugendalter) von Buben entbrannt. Mir ist auch bekannt, dass die ersten Kritiker dieser aufs Äußerste fragwürdigen (und möglicherweise sogar strafrechtlich relevanten) Praxis in den Siebzigerjahren noch zu Psychiatern geschickt wurden. Eine heute nicht mehr praktizierte, unhaltbare Vorgangsweise.


    Mit der Bitte um Berücksichtigung dieser Argumente eines Betroffenen verbleibe ich hochachtungsvoll,

    Das Opfer ihrer famosen Penisschnitzerei

    Dieses Schreiben wurde selbstverständlich nicht mehr beantwortet.

    Ich habe diese Aussage nicht erfunden sondern von Prim. Univ.Doz. Dr. Michael Rauchenwald Wien, ein entschiedener Gegner der Beschneidung der die Triple Inzision anbietet. Ich nehme an, dass er sich mit dem Thema eingehend beschäftigt hat. Und so wie nicht jeder Beschnittene der subjektiv behauptet es gebe überhaupt keine Benachteiligung durch eine Beschneidung sollte auch kein Beschnittener behaupten alle Beschnittenen müssten so empfinden wie er. Eine Verhornung ist sicherlich die Regel, aber wie heißt es immer so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. Man sollte solche Ausnahmefälle respektieren, denn Leute auf jene es zutrifft, werden zu Recht behaupten, alles was so im Beschneidungsforum erzählt wird ist gelogen. Es trifft überhaupt nicht zu! Ich bin Zeuge! Wollen wir das? Es ist etwas ganz anderes, wenn man aufzählt, was alles zutreffen kann.

    Eine Amputation der Vorhaut ist keine Heilbehandlung sondern die Entfernung des sensibelsten Teiles des Penis. Wenn die Vorhaut dauernd schmerzt kann man natürlich erst einmal froh sein, dass sie weg ist. Aber: Die Eichel wird schutzlos gemacht, und in der Regel in nicht vorhersehbarem Tempo verhornen. In seltenen Fällen bleibt die Empfindsamkeit erhalten oder wird sogar sensibler. Man kann es nicht wirklich vorhersagen. Gleich nach der Beschneidung ist die Eichel sehr empfindlich und die ungewohnte Reibung an der Unterwäsche den meisten Betroffenen unangenehm. Die Vorhaut hat ca. 20000 Nervenenden, die Eichel 4000, das heißt die Gesamtsensibilität kann durch die Beschneidung um ¾ zurückgehen.