Beiträge von Cleopatra

    Zitat

    Die Angehörigen der Heilberufe, also auch die Ärztin/der Arzt, sind
    rechtlich nicht verpflichtet, dem Jugendamt oder einer sonstigen
    Behörde oder Einrichtung von einer Kindeswohlgefährdung Mitteilung zu
    machen.

    Man sollte sich noch einmal bei reiflicher Überlegung vor Augen führen, was hier demnächst ratifiziert wird. Es ist menschlich gesehen ziemlich erschütternd, wie weit die Menschenrechte trotz der technischen Errungenschaften, der medizinischen Erkenntnisse und Bildung noch von der Moderne entfernt sind. Sich gar zurückentwickeln durch solche Beschlüsse. Von der Geburt bis zur Adoleszenz erfahren die Kinder in streng religiösen Kreisen eine Indoktrinierung mit geimpften Glaubensgrundsätzen zur Erhaltung der Identitiät von Dritten - bis sie sich schließlich im jungen Erwachsenenalter eigenständig entwickeln dürfen. Doch bis dahin, haben sie unter diesem Aspekt noch keine eigene Persönlichkeit entwickeln können. Sie wurde ihnen in die Wiege gelegt. Es ist jedoch Teil der Geschichte, dass Religionen schon immer wussten was andere Menschen zu denken haben. Im Falle der Beschneidung, erleben wir dies leider auch in physischer Form. Dies ist schon ein starkes Stück in einem Rechtsstaat. Noch dazu in Verbindung mit einem irreversiblen invasiven Eingriff ohne Indikation.

    Seltsamerweise beweinen gerade die Leute, welche solche archaischen Blutriten für gut befinden, die verloren gegangenen Werte wie Nächstenliebe etc.pp in der Gesellschaft. Diese Dualität kann ich mir in einem psychischen Kontext nicht erklären. Entweder man schützt menschliches Leben oder nicht.

    Vielleicht wird die Beschneidung aber auch als Nächstenliebe erkannt. Doch auch das ist fraglich. Eine Amputation - Nächstenliebe. Weite Brücken muss man schlagen für solch unzusammenhängende Ansichten - damit man sie auch nur ansatzweise versteht.

    Die Regulierungen der kirchlichen Auslegungspraktiken sind mir nicht geläufig. Auch weiss ich nicht wie diese zustande kommen. Was ich jedoch weiss ist, dass wenn man sich das Buch der Könige in verschiedenen Ausführungen kauft, es Jeder Theologiegelehrte anders interpretiert. Und dies auffällig eigenwillig. Also gibt es zumindest einen möglichen Spielraum.

    Dogmatik im Grundriss, müsste man mal genauer betrachten.

    Wo wir wieder bei der hermeneutischen Deutung dieser Texte ankommen. Die Beschneidung des Herzens, der Lippen, der Ohren und der Vorhaut. Warum wird das eine physisch vollzogen und das andere symbolisch? Die Religionsführer die diese Texte deuten, sind im Grunde in der Verantwortungspflicht und sollten sich dieser annehmen. Ich denke man deutet es so, damit man sich zu der anderen Religion
    möglichst weit distanziert. Anders kann ich mir das nicht erklären.

    Kommt endlich wieder Geld in die Kassen. Es sollte zudem, was die Vorhäute anbelangt, ein Handelsverbot für diese geben. Diese werden wie auf einem Basar verkauft. Wenn man schon im Eiltempo in das Grundgesetz rauscht, dann bitte richtig und mit sämtlichen berücksichtigten Faktoren. Wie viel Vorhaut hätten Sie denn heute gerne Herr Mustermann, darf's 1 KG sein oder 2 KG?

    Ich halte es für fragwürdig, wenn ein Mediziner einen Eingriff ohne Indikation oder Notwendigkeit bei kleinen Kindern vornimmt.

    Es gibt scheinbar für solche Menschen keine Grenzen, außer man setzt welche.

    Zitat

    Der Gesetzentwurf ist verfassungsrechtlich über jeden Zweifel erhaben.

    Ich bin sehr froh darüber, dass Herr Heinig was die Verfassung betrifft, nichts zu entscheiden hat und wir auf diese Meinung, keine Gewichtigkeit geben müssen. Diese Stellungnahme ist ein Wirrwarr aus juristischen Denkspielchen um sein theologisches Wunschdenken zu erfüllen. Kirchenrechtler eben. Die Politik hat sachlich entschieden und sich informiert behauptet Herr Heinig. Man muss sich nur mal die geladenen "Gutachter" vor dem Rechtsausschuss ansehen, sowie das Eiltempo, mit welchem man dieses Gesetz in das Grundgesetz schoss. Der Rest spricht Bände.

    Alles, nur keine Moderne - nicht wahr Herr Schütz. Sie befinden sich mit Verlaub nicht auf dem neusten Stand der medizinischen Erkenntnis. Dieser Artikel verdient nur einen Ort - Die Hall of Shame. Niemand von uns möchte die Religionsfreiheit einschränken oder Ihnen vorschreiben wie Sie die Religion zu leben haben, so lange diese in Ihrem persönlichen Rahmen bleibt. Nur hier werden Grenzen überschritten. Es interessiert auch nicht wie alt dieses Ritual ist und von wem es praktiziert wird. Es interessieren hier vielmehr die Rechte der Kinder, über welche Sie in Ihrem Artikel mal schnell hinwegfegen. Warum nahm die Inquisition im 18 Jahrhundert ein Ende? Mit ihr kam auch das Ende des Obskurantismus. Aufklärung Herr Schütz. Neues Wissen und neue Erkenntnisse. Und diese kann man nicht totscheigen oder mit eristischer Dialektik und hermeneutischen Deutungen klein reden. Eine Gesellschaft entwickelt sich weiter. Und dieses Ritual passt nunmal nicht in die Moderne.

    Wissen Sie, die Schöpfung ist älter als 4000 Jahre. Davor wurde auch nicht beschnitten. Dieser Abwehrritus tauchte erst viel später auf, im alten Ägypten. Von diesen Traditionen ist eine Menge in das Judentum übergegangen, natürlich in abgeänderter Form. Dort wurde das Kindsopfer wie in vielen Kulturkreisen wörtlich praktiziert und die Brit Mila ist die abgemilderte Form von diesem. Demnach gab es auch schon immer Reformen im Judentum. Auch gab es schon immer innerjüdisch die Kritik an der Brit Mila. Doch diese wurden geächtet, regelrecht. Schon unter römischem Recht (aus welchem unseres auch entstand) wurde sie stellenweise untersagt. Man fragt sich nicht warum es diese Kritik gibt. Man stempelt es einfach als Antisemitismus ab. Und das ist nicht erst seit Beginn dieser Debatte so. Ich behaupte, dass die Brit Mila nicht das wichtigste Bindeglied zwischen den Juden ist. Es ist die Geburt, durch eine jüdische Mutter. Soweit ich mich recht erinnere hat dies Frau Deusel in ihrem Ordinationswerk auf erwähnt.

    Versuchte Beschneidung der Religionsfreiheit « DiePresse.com

    Hier noch ein lesenwerter Artikel des hpd dazu Studienlage zur Beschneidung von Knaben | hpd

    http://www2.gender.hu-berlin.de/ztg-blog/2012/12/publikation-interventionen-gegen-die-deutsche-beschneidungsdebatte-assemblage-2012/

    Da rührt aber Jemand kräftig die Werbetrommel für ein Buch, für welches drei Autoren innerhalb von gerade einmal fünf Monaten vermeintliche Fakten gesammelt haben, es geschrieben und auch noch verlegt haben.
    Die Konrad Adenauer Stiftung, widerlegt zudem nahezu alles was einem in diesem Propagandawerk aufgetischt wird. Es müsste heißen - Interventionen gegen die Meinungsfreiheit. Interventionen gegen hiesige Studien oder Interventionen gegen geltendes Recht. Eine Kapitalbereicherung auf unterstem Niveau wie ich finde - natürlich auf Kosten der Gesundheit unserer Kinder.

    Der Begriff "Interventionen", zeigt auch sehr schön die Vorgehensweise und Aggressivität des virtuellen Kreuzzuges auf - auf welchen man sich hier wohl eingestimmt hat. Die Werbung, die man hier ohne jedwede Frage nötig hat, sagt auch etwas über die Qualität des Buches aus. Hauptsache eine hohe Auflagenzahl.

    Bei diesem Buch ging wohl die literarische Phantasie mit den Autoren durch, denn die Realität, findet sich nicht in dieser Textform wieder.

    Hier die Studie der Konrad Adenauer Stiftung zur Beschneidungsdebatte, welche sachlich und ohne Ressentiments und Aggressivität die Fakten offen legt - und nicht das Minimum aud das Maximum reduziert!

    http://www.kas.de/wf/doc/kas_31896-544-1-30.pdf?120822161637

    Ich empfehle das Buch "Interventionen gegen die deutsche Beschneidungsdebatte" zu lesen, damit man mal einen Einblick in die wirre Gedankenwelt solcher Werkschöpfer bekommt. Unfassbar.

    Respekt voreinander Herr Prantl. Dazu gehört auch, dass man alle Meinungen akzeptiert, auch die der Kritiker. Und vor allen Dingen Herr Prantl, gab es ein Kollektivschreiben von hunderten Medizinern, der Pädiatrie und der Wissenschaft, welche sich gegen die Beschneidung ausgesprochen haben. Diese sollten es im Grunde wissen. Doch auch diese sehen sich nun mit diesen abstrusen antisemitischen Vorwürfen konfrontiert.

    Da wir nach Erkenntnissen streben und diese auch in unsere gesellschaftliche Ordnung involvieren, sind wir aus der Zeit des Obskurantismus, seiner Riten und Bräuche, herausgewachsen. Sie haben das jedoch noch nicht verinnerlich Herr Prantl und halten, wie sie selbst in ihren literarischen Potpourris schreiben, an ihren konservativen Werten fest. Zurück zum Obskurantismus. Zu der Zeit konnte man dem Volk auch noch alles auftischen, was heute jedoch nicht mehr der Fall ist. Demokratie beinhaltet den Pluralismus und dieser wiederum alle Meinungen. Dies scheint ihnen nicht zu passen, diese Tatsache macht sie auch zum Scheindemokraten und zu Jemanden der die Gunst der Stunde nutzt. Nicht zu Jemanden der sich mit der tatsächlichen Problematik der Beschneidung und der Manifestierung im Grundgesetz auseinandergesetzt hat. Doch Juristen lieben die Probleme. Davon leben sie ja schließlich. Doch auch hier gibt es unterschiedlichen Charaktere. Solche, denen es zielführend um die Erhaltung der demokratischen Ordnung geht und jene welche, wo sich profilieren wollen um eigene Interessen zu verfolgen.

    Die Beschneidung, so hübsch man ihre Legalisierung auch verpackt, bleibt im Kern eine Körperverletzung eines unschuldigen und hilflosen Kindes. Die Kinder haben Schmerzen, es besteht die Gefahr einer Infektion, Amputation, Tod, ästethische Probleme, Desensibilisierung - welche Frau Antje Yael Deusel in ihrem Ordinationswerk als gar gewollt beschreibt (als positiven Nebeneffekt), gesellschaftliche Abgrenzung etc.pp. Wenn ein Jurist, so etwas für gut heißt, stimmt etwas mit seiner rechtsstaatlichen Auffassung nicht.

    Es kann nicht sein, auch wenn Religion für viele Menschen wichtig sein mag, dass die Vorhaut eines Kindes zur eigenen Identifikation wird oder der symbolischen Mannswerdung. Es bleibt immer noch ein Kind. Und dieses gilt es zu schützen. Elternrecht im Zusammenhang mit einer Amputation, davon bekomm ich Gänsehaut, ich sag's Ihnen ehrlich.

    "In der Vergangenheit wurden Entscheidungen gegen die traditionellen Gepflogenheiten getroffen", dann erfolgt eine Aufzählung. Schön und gut. Und aus diesem Grund, darf man schonmal eine durchgehen lassen und ausgerechnet die schlimmste Form. Die UN-Kinderrechtskonvention verlor mit dieser Entscheidung an Gültigkeit. Da müssen Stellen abgeändert werden wie der Schutz vor religiösen Riten.