Beiträge von Sokrates

    Es ist wirklich eine Schande, dass jemand mit einem deratigen Halbwissen sowohl über die männliche als auch die weibliche Beschneidung über einen solchen Gesetzentwurf am 12. 12. 2012 abstimmen durfte.

    Jede einzelne der von ihm gemachten Aussagen strotzt nur so voller Unwissenheit und ich wage auch noch zu ergänzen - fehlenden Respekt vor den im Grundgesetz verankerten Grundrechten.

    "Dies ist jedoch nach bisher herrschender Auffassung regelmäßig ein routinemäßiger medizinischer Eingriff. "

    - " Bisher herrschenden Auffassungen" man beachte diese beinahe schon orwellsche Phrasen. Nach wessen "bisher herrschenden Auffassung". Die des lieben Gotts, oder der Menschheit, oder der vereinigten FDP-Führung?
    Die der europäischen Ärzteschaft ist es jedenfalls nicht!

    Ich möchte hier auch gerne einen Kommentar des Phimose-Info Moderators "Stardust" zitiere. Dieser hat bereits vor einem Jahr über die Konsequenzen des damals geplanten Beschneidungsgesetz über die Grenzen des religiösen Bereichs hinaus geschrieben:


    Zitat

    ....
    Um diese 100 Beschneidungen zu retten, wird es demnächst ein Bundesgesetz geben, das Beschneidung auf beliebigen Wunsch der Eltern explizit legalisiert. Ob Religion, Hygiene, "weil's hübscher ist", "weil's der Papa auch ist" oder um dem Sohnemann Selbstbefriedigung zu erschweren. Denn es wäre ja unzumutbar und - natürlich! - antisemitisch, wenn jüdische Eltern z.B. durch eine Bescheinigung ihrer Gemeinde vor der Beschneidung belegen müssten, dass sie dem Judentum angehören, und daher ist eine Ausnahmeregelung nur für religiöse Beschneidungen nicht möglich. Siehe das grandiose Berliner Rechtsbeugungs-Doppeleigentor.

    Um 100 jüdische Beschneidungen zu retten, werden alle in Deutschland lebenden Jungen genital zum Freiwild der Launen ihrer Eltern gemacht. Selbst wenn man 100 jüdische + geschätzt 30.000 muslimische Beschneidungen zu tolerieren bereit ist, wie kann man das gutheißen?

    Schrecklich. Ehrlich gesagt schrecklich.
    Ich hab zwar immer irgendwo geahnt, dass es solche Eltern irgendwie geben muss, aber....

    Ich lehne zwar jede Beschneidung nicht-einwilligungsfähiger Kinder grundsätzlich ab, aber dennoch ist es doch ein gravierender Unterschied - ob jemand wegen der religiösen Tradition und dem Druck in der Familie beschneiden lässt als wegen der eigenen ästhetischen Vorlieben. Nicht so sehr für das Kind aber was die moralische Schuld der Eltern und die Verwerflichkeit der Entscheidung betrifft.

    Was sind das für Eltern - "einfach so".

    Überhaupt bietet der Artikel ein paar sehr fürchterliche Einblicke in die deutsche Praxis:


    Um aus dem Kommentarsstrang zu zitieren:


    Zitat


    Diese Praxis verhilft 50% der kinderchirurgischen Abteilungen in deutschen Kliniken profitabel zu arbeiten.

    Die Zahl ist vielleicht etwas zu hoch. Die KC-Kliniken haben eher ein gutes Auskommen, es sind die ambulanten Schnippler.

    http://www.bmj.de/SharedDocs/Red…html?nn=1477162

    Verlogen, scheinheilig - weg damit!

    Ja, das kann man wohl sagen.

    Das ausgerechnet jene Justizministerin, die ein Gesetz gebar, dass die "Beschneidung" von Jungen explizit legalisierte, nur wenige Monate später ein Gesetz verantworte, welches die "Beschneidung" von Mädchen, die ohnehin strafrechtlich verboten war, unter hohen Strafe verbat, und dabei noch sämtliche Beweggründe für diese Praxis öffentlich für null und nichtig erklärte, die noch als ausreichende Rechtfertigung für das Gesetz zur Legalisierung der Jungenbeschneidung dienten, ist schon mit einer der schwerwiegendsten Fälle von politischer Doppelmoral in dieser Republik.

    Und dieser Doppelstandards lässt sich auch nicht wirklich rechtfertigen, es sei denn man freundet sich mit dem Grundsatz* an, dass Jungen weniger Rechte haben sollen als Mädchen.

    * Ein verfassungswidriger Grundsatz übrigens.

    Ich kenne den Artikel. Ich hatte ursprünglich vor den Artikel ins Deutsche zu übersetzen. Hatte damals auch schon angefangen mit der Arbeit. Das ist eines der vielen angefangenen Projekte, die ich dann nicht mehr zu Ende geführt habe.

    PS: Gerade zum Thema Beschneidung und Kritik innerhalb des Judentums gibt es viele neue interesannte Artikel, die sicher einer Übersetzung wert wären.

    Stefan Ruppert lügt wie gedruckt, wenn er behauptet, den Kritikern der Beschneidung sei ausreichende Präsenz eingeräumt worden. (Pino)
    Im Übrigen sind die Statements überraschend kritisch, hört hört.


    Das kann man aber laut sagen. Die meisten der sogenannten "Experten" waren überhaupt keine Experten im Sinne von Personen mit Fachwissen über die Zirkumzision, die medizin- kultur- geschichtswissenschaftliche Literatur über den Eingriff. Die sogenannten 'Experten' waren zum großen Teil Religionslobbyisten. Die haben vielleicht einen aus ihrer Religion und Funktionärstätigkeit erwachsenen entschiedenen Standpunkt zur Beschneidung von Jungen, das macht sie aber noch lange nicht zu "Beschneidungsexperten." Der Papst beispielsweise mag ein entschiedener Gegner von vorehelichem Geschlechtsverkehr sein, das macht ihn noch lange nicht zum Sex-Experten.

    Zitat

    Danke, Guy.

    Es gibt aber doch einen Unterschied, und zwar auf der Kritikerseite.

    Während
    nämlich Kritik an der MGM Ausdruck von weissem Rassismus,
    Vulgärrationalismus und antisemitisch-islamophobisch-antiamerikanischem
    Atheismus ist, ist Kritik an der FGM Ausdruck der unveräusserlichen
    Menschenwürde der Frau. :S


    Das stimmt. Obwohl es natürlich auch Anhänger und Verteidiger der weiblichen "Beschneidung" gibt, die ebenfalls die Kritik an weiblicher Beschneidung und das Engagement dagegen als "Ausdruck von weissem Rassismus,
    Vulgärrationalismus, islamophobischen Atheismus sehen", die sich Argumentationsmuster wie sie Heinz Jürgen Voß& Zülfukar Cetin oder Frau Antje Engels gebrauchen, ebenfalls anwenden um die weibliche Beschneidungsriten zu legitimieren.

    Da weiß man gar nicht mehr, was man dazu sagen soll. Solche Beiträge machen wütend und traurig. Das ist geballtes Unwissen über die Beschneidung, und unbelegte an den Haaren herbeigezogene Behauptungen, gekleidet in eine geradezu ätzenden gender-ideologischem Kauderwelsch.

    Herr Heinz Jürgen Voß und sein Koautor Zülfukar Cetin schlagen ideologisch/politisch und argumentativ in selbe Kerbe. Sowohl die "feministische Queer Theoretikerin" als auch die beiden Herren teilen in etwa das "politische Weltbild", auf welches ich hier aber nicht näher eingehen will.


    Zumindest wird auf der Seite versucht auch die Gegenseite eine Platform zu bieten, es werden auch beschneidungskritische Stimmen zugelassen, anders als in gewissen Zeitungen, deren Berichterstattung über die Debatte von einem Kampagnnjournalismus gegen "Beschneidungsgegner" geprägt war.

    Hier schon mal der Beitrag von Steven Swoboda und Robert Van Howe sowie die Antwort der AAP Task Force, die in der Mitte der ersten Spalte eine bemerkenswerte Selbstbeschreibung abgibt.

    Übrigens: Der Beitrag von Swoboda und Van Howe unterliegt nicht dem Copyright "(These copies are unattributable and may be distributed freely"), Ihr könnt ihn also nach Belieben ins Netz stellen, vervielfältigen, weitergeben, übersetzen, auf CDs brennen, etc.

    Danke für die Links. Aber eine kleine Feinheit: Richtet sich der Kommentar der AAP denn direkt an den Artikel von Steven Swoboda und Bob Van Howe? Ich denke die AAP hat hier einen ganz allgemeinen Kommentar zu der vielen Kritik, die auf ihre letzten Standpunkterklärung folgte, veröffentlicht.

    der die Schariah für generell Grundgesetz-kompatibel hält. Islam-Debatte: Das ist Kulturrelativismus - Feuilleton - FAZ
    Für Menschen gilt, der aus einem sehr religiösen Umfeld stammt, dass Religion und das,was religiöse Verbände darunter verstehen- zumindest teilweise - über den individuellen Freiheit- und Menschenrechten stehen kann.
    Mir ist dieser Rohe suspekt.

    DIE ZEIT berichtet über die in Bälde erscheinende Replik auf die neue AAP Standpunkterklärung vom August 2012, hier wird Forum darüber berichtet.

    Dieser Bericht wirft bei mir einige Fragen hinsichtlich des möglichen Einflusses der AAP-Erklärung auf das Beschneidungsgesetz.
    Der ZEIT-Text vermittelt den Eindruck, dass diese AAP Erklärung irgendeinen Einfluss auf den Gesetzgeber gehabt hätte.Die Bunderegierun hat schließlich auch in ihrem Begründungstext auf die AAP-Erklärung verwiesen.

    Zitat

    Hat der Bundestag damals unter falschen Annahmen seine Entscheidung
    getroffen? Das längst verabschiedete Beschneidungsgesetz beruft sich
    auch auf Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (AAP), dem angesehenen US-amerikanischen Kinderärzteverband.

    Ich bin jedoch der Ansicht, dass die neue AAP-Erklärung, die zufälligerweise gerade während der Planungsphase der Beschneidungsgesetzes veröffentlicht wurde, nicht wirklich. Das Kindeswohl oder eine Bewertung der Beschneidung standen gar nie wirklich zu Debatte, mit dem Gesetz sollten Forderungen der Lobbyverbände erfüllt werden. Das war der vorgefasste Standpunkt; sicher lieferte die AAP-Erklärung den Politikern einige "Munition" um ihr Vorgehen zu begründen, aber das Gesetz wäre so oder so verabschieden

    - Das ist zumindest meine Ansicht. Was denkt ihr? Hat die AAP-Erklärung einen wirklichen Einfluss auf den Gesetzgeber gehabt oder nicht?