Beiträge von Sokrates

    Ich habe darunter bittere Ironie verstanden. m.E. ist das ein Anti-Beschneidungs-Song.
    Aber wenn es beiden Seiten gefällt... warum nicht?


    Nein, das ist ei Pro-Beschneidungssong, der seine Wirkung aber kräftig verfehlt hat. Mit diesem Song schneiden sich die Beschneidungsethuiasten ins eigenen Fleisch. ;)

    Das versteht doch kein Mensch.
    Auf der einen Seite wird immerhin die sexuelle Funktion der Vorhaut betont, und dann werden Eltern dazu angehalten, durch zu frühe Retraktionsversuche immer wieder Mikrotraumen in der gesunden Vorhaut zu erzeugen.

    Da denke ich mal wieder dankbar an unsere umsichtige Kinderärztin zurück.
    Deren Mantra in dieser Frage: Hände weg, das machen die Jungs dann schon selbst.


    Der Artikel ist ein Paradebeispiel an Desinformation und wie richtig dargelegt wird wirrer und widersprüchlicher Argumentation.

    Die Frage ist doch eher, wann betrachtet man eine Beschneidung als mit einer Komplikation behaftet, und welches operative Resultat ist noch im Bereich der chirurgisch geglückten Beschneidung.

    Beispielsweise geht jede Beschneidung mit einer Narbe einher. Welche Größe oder Form der Narbe ist noch normal und welche kann als Komplikation gewertet werden?
    Sehr starke oder unregelmäßige Narben tauchen jedenfalls in keiner Studie über Komplikationen der Zirkumzision auf. Ertens weil diese Studien meist nur einen kurzen Beobachtungszeitraum umfassen - während und einige Wochen nach der Operation, und weil solche optischen Auffälligkeiten nicht registriert werden. Gleiches gilt für Komplikationen, wie eine zu straffe Beschneidung und einhergehende Schmerzen bei der Erektion. Keine Studie über die Haufigkeit zirkumzisionsbedingten Komplikation hat diese mögliche Folge der Beschneidung erfasst. Jedenfalls ist mir keine bekannt.

    Der Song sollte eigentlich ein Song aus der Perspektive der Beschneidungsbefürwortung sein, aber irgendwie erweist das Endergebnis den Zwangs-Beschneidungs-Verteidigern kein sonderlich großen Dienst.

    ""We're not afraid of a little blood. You're man-made law just ain't for us. We serve a different kind of boss."

    Der vieles bestätigt, was auch ich mir oft gedacht habe.

    Zitat

    Es sind nicht nur die Vorhautoperationen, deren Indikation und Durchführung überprüft gehören. Wenn der gesamte Selbstbedienungsladen geschlossen wird, indem Überprüfungen stattfinden, dann dürften einige Ärzte Probleme bekommen.


    Es sind auch nicht bloß Vorhautoperationen, die in D-Land extrem häufig vorgenommen werden. Die allgemein hohen Operationszahlen in Deutschland/Österreich legen nahe, dass auch Kinder bzw. Erwachsene an anderen Körperteilen unnötig operiert werden. Wieso sollte ein Kinderchirurg, der die Indikation zur Zirkumzision möglichst sehr breit setzt, nicht auch die Indikation zur Mandelentfernung, Polypenentfernung ect möglichst breit ansetzen?


    Zitat

    Da werden im Bereich der Niedergelassenen die unglaublichsten Dinge
    abgerechnet, weil es in dem Bereich außer ein paar lohnabhängigen
    Sprechstundenhilfen keine Zeugen gibt. Als Anästhesistin kannte ich die
    Operationenschlüssel (OPS) des Operateurs genau, weil ich den auch auf
    meiner Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung angeben mußte.

    Deine eigenen Erfahrungen belegen somit haargenau das, was auch im kürzlichen F. A. S Artikel "Guter Schnitt" angemerkt wurde:

    Zitat

    Die massive Ausweitung des ambulanten Operierens hat bei allen Vorteilen, die dies für Patienten im Einzelfall bedeutet, die Intransparenz eher befördert denn verringert. Denn was früher unter den Augen mehrerer, sich gegenseitig kontrollierender Fachkollegen in der Klinik stattfand, erledigt heute ein Arzt allein in seiner Praxis. Kontrollen bei Behandlung und Abrechnung finden so gut wie keine statt. Schon gar nicht wird kontrolliert, ob der Arzt auch tatsächlich das gemacht hat, was er aufgeschrieben hat.

    http://www.faz.net/aktuell/politi…t-12625490.html

    Zitat

    Mit diesem Bogen wollte ich nur darauf hinweisen, daß das Faß, das wir
    hier aufmachen, größer ist, als man zunächst vermutet -- und daß die
    Widerstände entsprechend sein werden und man sich darauf einrichten muß.
    Und sich beispielsweise nicht darüber wundern darf, daß man so wenig
    institutionelle Mitstreiter findet. Ich wollte auf keinen Fall sagen,
    daß wir das nicht trotzdem angehen sollen!

    Ja, das denke/befürchtete ich auch stark. Dieser Gedanke hat sich mir oft "aufgezwungen", aber ich habe mir ihn nie so wirklich getraut zu Ende zu denken. Es ist einfach keine schöne Tatsache, dass man - neben der religiösen Lobby - noch einen weiteren mächtigen Widerstand, zu überwinden hat. Einen Widerstand,der mehr zu verlieren hat als nur die Beschneidung als Einnahmequelle,

    Ist der bekannt? Praxis ist am Tegernsee.

    http://www.rund-ums-baby.de/kinderarzt/suc…Phimose&seite=1


    Nein, aber die Fragen, die Herr Busse bekommt, zeigen leider eine Schattenseite der deutschen ärztlichen Praxis:

    So frägt dort eine Mutter:

    Hallo Herr Dr. Busse,

    Zitat

    ich hatte Ihnen bereits im März schon einmal geschrieben, weil mein 5jähriger Sohn wegen einer Phimose beschnitten werden soll. Dies hatte mir damals mein Kinderarzt bei der U9 geraten.

    Sie hatten mich damals in meinen Zweifeln, der OP zuzustimmen, bestärkt und mir die Verwendung von Hormon- oder Kortisonsalben empfohlen. Heute
    waren wir beim Urologen, der ebenfalls zur OP rät. Auf meine Frage nach diesen Salben hat er dies als völligen Blödsinn abgetan und gesagt, er
    würde mir keinesfalls solche Salben verschreiben, weil die eh nicht helfen würden. Ich bin verzweifelt, weder mein Kinderarzt noch der
    Urologe gibt mir das Rezept für diese Salben. Ich möchte jedoch die OP auf keinen Fall machen lassen, zumal mein Sohn bis jetzt keinerlei
    Probleme, Entzündungen o. ä. hatte. Ich werde quasi durch Verweigerung des Rezeptes zur Operation regelrecht "gezwungen". Der Urologe hat mich
    mit den Worten entlassen: wollen Sie, dass Ihr Sohn mal Probleme mit den Mädels hat? Was soll ich tun? Einen zweiten Urologen aufsuchen? Einen Homöophaten? Ich nehme gerne jeden Ratschlag an.

    Ein fünf-jähriger Junge hat -für sein Alter vollkommen normal, eine physiologische Phimose oder eine Präputialverklebung oder beides. Und wegen diesem physiologischen, natürlichen Zustand, sollen ihm jetzt ein Teil seines Penis entfernt werden.
    Ein Junge, der eigentlich überhaupt keiner Behandlung bedarf, wird aufgrund fehlerhaften Wissen für krank erklärt und darüber hinaus werden bewährte konservative Therapiemaßnahmen von vornherein verschwiegen oder abgewertet!
    Die Mutter selbst wäre nie auf den Gedanken kommen ihren Sohn beschneiden zu lassen, sie scheint bewundernswert skeptisch zu sein, aber zwei unwissende Ärzte erklären ihren gesunden Sohn für genial krank und fehl-gebildet.

    Das ist wirklich ein trauriges Beispiel dafür, wie einige Mediziner leider - sei es aus Unwissen oder wegen anderen Gründen- ein künstliches Krankheitsbild, und unnötige Operationen erzeugen.

    Der Artikel wirft auch Fragen zur journalistischen Qualität auf?

    Zitat

    Sweden, Finland, Denmark, Norway, Iceland and Greenland look likely to ban the practice as their Children’s Ombudsmen have taken the view that male circumcision is abusive.

    Ja und. Bedauerlicherweise heißt das noch lange nicht, dass die Beschneidung von Jungen sofort in diesen Ländern verboten wird. Es finden sich in keinen der Länder Mehrheiten für diesen Schritt. Ich meine, dass sollte ein kompetenter Journalist einer weltweit geachteten Zeitung wie der Independent schon wissen, dass es so einfach nicht ist!

    Zitat

    Die Phimose und die Verklebung der Vorhaut begegnen uns in der kinderärztlichen Praxis sehr häufig. Auch bei Vorsorge- und Schuluntersuchungen spielt der Entwicklungsstand der Vorhaut eine wichtige Rolle.

    Allein dieser Satz sollte man kritisch zu hinterfragen. Ist es wirklich Sinn der Sache die Vorhaut bei Vorsorge (und Schuluntersuchen) auf ihre Zurückziehbarkeit zu untersuchen?
    Führt nicht allein diese Praxis der Beobachtung zu einer Art Pathologisierung der Vorhaut, bei der die Vorhautentwocklung unter einem zeitlichen Korsett gesetzt wird, oder aber zumindest generell zu einem besonders krankheitsanfälligen "problematischen" Organ erklärt wird.

    Aber ich muss schon sagen, dass ist ein interessanter Fund. Auch diese komische Reihe von Kurzschluss-Argumenten mit Gott sind schon interessant - fast schon komisch wenn es nicht so traurig wäre.

    Zitat


    It is easier for me to know He allowed it, then to think He might not have been strong enough, or cared enough to stop it. People around you do not have power over your life or your destiny. Only He does. Trust Him with what happened. Healing might need to take place, and I'm not saying you might not need further answers, but you can trust Him with what happened.

    Das hört sich jetzt alles so toll und klug an. Aber es ist eigentlich totaler Schwachsinn. Im Prinzip heißt das doch, man kann im Leben nichts falsch machen, weil alles was man tut von Gott erlaubt wurde. So kann man sich legitime Gewissensbisse natürlich schön selbst ausreden.
    Damit ist auch das Konzept der Sünde hinfällig. Der Mensch kann nicht sündigen, weil Gott alles geschehen lässt.

    Zitat

     I realize a growing number of moms are
    choosing to avoid it for their own sons, and that's totally fine. But I
    knew this is what I wanted for him. In circumcised boys you see less
    cancer, STD's, and it's easier to clean. In circumcised boys you see less cancer, STD's, and it's easier to clean

    Was auch immer die Motivation der Frau war, diese vorgeschobenen rationalen Vorwände jedenfalls nicht.

    Aber ist sie wirklich eine Verstümmlungstäterin? Muss man das immer so drastisch formulieren. Ich denke dem Forum täte es gut, wenn man sich gemäßigter ausdrückt. Man kann die Sache auch sehr kritisch und deutlich darstellen, ohne auf solch emotionales Vokabular zurückzugreifen.
    Bitte nicht falsch verstehen, Selbstbestimmung, das ist nichts gegen dich, ich denke nur, mit einer etwas weniger aufgeladenen Rhetorik erreicht man in der Regel mehr.Ich persönlich habe auch nichts gegen solch eine Ausdrucksweise ich denke hier nur an die Außenwirkung.

    Zitat

    Woher kommt das? Warum müssen Anti-FGM-Aktivisten (bzw. -innen) immer die Unvergleichbarkeit postulieren?


    Also das kann man nicht so verallgemeinern. Wirklich nicht.
    Gibt genügend Anti-FGM-Aktivisten die nichts über Unvergleichlich sagen. Die großen deutschen Anti-FGM-Organisationen wie Terre de Femmes und Intakt e. V. haben sich letztes Jahr gegen die Jungenbeschneidung gestellt. Das hätten sie nicht tun brauchen. Damit haben sie sich bei den Regierungsparteien und den religiösen Lobbygruppen keine Freunde gemacht . Sie hätten es sich bequem machen, und zur Beschneidung von Jungen schweigen können, ja sie hätten auch betonen können, wie viel schlimmer FGM doch ist, und so stillschweigend den Doppelstandard der Bundesregierung FGM Schwerverbrechen MGM schützenswerter Brauch tolerieren bzw. aktiv unterstützen können. Sie hätten also wie du richtig sagst auch ihr "eigenes Süppchen" kochen können. Haben sie aber nicht.

    Viel häufiger kommt das Unvergleichbarkeit Argument von Leuten, die sich mit beiden Praktiken nicht sonderlich befasst haben, sich für die weibliche Genitalbeschneidungen generell nicht interessieren, aber die Beschneidung von Jungen verteidigen wollen.


    Zitat

    Aber, der Vergleich darf auf keinen Fall zugelassen werden. Er wird von
    Anbeginn und auch schon im Ansatz abgewehrt, weil man genau weiss, dass
    es für die Verstümmelungsbefürworter ins Auge geht.

    Aber heutzutage sprechen sich auch Ärzteorganisationen und führende Mediziner gegen diese Unvergleichbarkeit aus. - Aber natürlich wird das Mantra in deutschen Medien wie etwa der Seite "Religionenentdecken" immer weiter regelmäßig wiederholt - oft in einer herablassenden Sprache, die Menschen die diesem angeblichen "Irrtum" unterliegen als dumm und ignorant darstellt.

    Im Islam!

    http://hpd.de/node/17130

    *gröhl!* (Pino)


    Ja. Richtig. In Afrika gibt es islamische Geistliche, die gegen Impfungen zur Felde zogen, weil der Nadelstich eine Körperverletzung darstelle. Die Unversehrtheit des Körpers ist im Islam eben schon ein hohes Gut - nur gibt es eben Ausnahmen unter anderem die Vorhaut. Aber das grundsätzliche Verbot von Körpermodifikationen ist eine Grundlage auf der sich gegen aus islamischer Perspektive gegen die Jungeinbeschneidung argumentieren lässt-

    In der Türkei ist die Beschneidung natürlich auch ein kultureller Brauch, der über das rein Religiöse hinausgeht.

    Der mitfühlende moderne Politiker hat es halt mehr mit den Robbenbabys, oder den Feldhamstern.
    Oder den Mädchen, natürlich.


    Ja, so ist es wohl. Ironischerweise Robben-schlachtenden Neufundländer haben traditionell die geringste Routine-Beschneidungsrate ganz Kanadas. Genaue zahlen sind nicht zu erhalten, aber mittlerweile dürfte diese bei nicht-jüdischen/muslimischen Neufundländern bei nahezu 0% liegen.
    Aber bitte nicht denken, ich würde das Robben-Schlachten irgendwie gutheißen.

    Wurde Sarkozys Enkel nicht auf Drängen seiner jüdischen Mutter beschnitten?

    PS: Dieses Verhalten kennt man ja aus Deutschland. Unsere Kanzlerin passt in dieser Hinsicht perfekt zu Hollande. Dabei lehnt die überwiegende Mehrheit der Franzoßen die Beschneidung natürlich ab, würde sie vermutlich auch gerne verboten sehen, aber diese Mehrheit hat anscheinend Lobby.