Beiträge von Sokrates

    Nur, weil es Frauen sind, die etwas wollen, ist es noch lange nicht matriarchalisch. Seit ewigen Zeiten verteidigen Frauen das Patriarchat mit Zähnen und Klauen.


    Ja so ist es. Ich denke dass matriachalisch hier der ungeeignete Begriff ist, weil die Gesellschaften, in denen männliche/weibliche "Beschneidung" respektive Genitalverstümmlung betrieben wird, eben nicht matriachalisch sind- (Es gibt nur sehr wenige matriachalisch geprägte Gesellschaften)
    Aber Selbstbestimmung hat Recht, wenn auf die Rolle der Frauen/Mütter für die Aufrechterhaltung des Rituals hinweist, was die Erklärung "patriachalische Unterdrückung" als Sinn und Ursprung der FGM wenn nicht widerlegt aber möglicherweise als alleinige Erklärung entkräftet.


    Zitat

    Dass würde mich mal interessieren, wo Anti-FGM-Aktivistinnen die "gute" religiöse Motivation bei der MGM gelobt haben.

    Man sollte hier unterscheiden zwischen "Anti-FGM-Aktivist/in" - und Journalist/in, die in ihren Texten über die FGM schreibt und diese dann unter unterschiedlichen Argumenten verurteilt. Da gibt es sicher Fälle, in denen die gute religiöse Motivation der MGM mit der bösen frauenfeindlichen/sexistischen/Lustmindernden Funktion kontrastriert wird, ähnlich wie die vermeintlich harmlose Auswirkungen der männlichen Beschneidung mit den schweren Folgen der FGM kontrastiert werden, wobei dies manchmal auch den Zweck erfüllt, bestimmte Religionen oder Religion allgemein von der Praktik freizusprechen.

    Also der obige Text ist natürlich kein wissenschaftlicher Text, obwohl ich vermute, dass es wissenschaftliche Texte gibt die eine ähnliche These zur Entstehung und Funktion der FGM vertreten.

    Zitat

    Damit ja nicht die MGM in das Fahrwasser der FGM gerät wird ja immer
    betont, die FGM sei die "patriachalische Unterdrückung der Frau",

    Ich denke nicht, dass die These, die FGM diene einzig und allein der "patriachalischen Unterdrückung der Frau" deswegen verbreitert wird "damit nicht die MGM in das Fahrwasser der FGM gerät".


    Was die These selbst anbelangt, ich halte sie - gerade wie sie in diesem Text dargestellt wird- für simplizistisch. In allen Kulturen, in denen FGM praktziert wird, gib es starke patriarchalische Prägungen aber auch die Praktik die männliche Beschneidung in verschiedenen Schweregraden.


    Die Autorin passt diese Praktik - ihren Sinn und ihre Entstehung - an ihre voher festgelegte Ideologie an - die weibliche Genitalverstümmlung scheint für die Autorin auch zu aller erst im Rahmen dieser Ideologie /Weltsicht von Bedeutung zu sein. Faktoren, die nicht in diese Ideologie passen, wie etwa (gesamt-geschlechtliche) Sexualfeindlichkeit, Religion, Kultur, kulturelle Zusammengehörigkeit blendet sie zumindest in diesem Text aus.

    Die Untersuchungen variieren tatsächlich von Bundesland zu Bundesland.

    Schade dass sich Philmos nicht mehr gemeldet hat.


    Zitat

    Der Spiegel-Artikel beschreibt aber so ziemlich genau, wer in
    Deutschland beschneiden ließ, und zwar die Oberschicht mit einer
    kosmopolitischen Ausrichtung, was in meinem Fall genau zutrifft. Meine
    Vorhaut hatte also keine Chance zu überleben, Artikel hin oder her.

    Genau das ist es was mich am SPIEGEL-Artikel am meisten fragwürdig vorkommt. Woher will der Autor wissen, dass es ausgerechnet die "Oberschicht mit einer kosmopolitischen Ausrichtung" sei, die besonders eifrig ihre Söhne beschneiden lies?

    Ich meine statistische Erhebungen zur Beschneidung sind selbst heute noch rar und ferner ungenau.


    Zitat

    Man blickte damals anders als heute in die USA, die US-Ärzte taten es ja auch, USA stand im medizinischen Bereich und sonst auch für Fortschritt in jeglicher Beziehung.

    Ja, das ist korrekt. Ich denke der Einfluss der USA und der deutsche Blick auf die USA einen sicher nicht zu unterschätzenden Faktor für die bundesdeutsche und damit deutsch
    sprachige Beschneidungspraktik. In den 1950ern und 1960ern propagierten einige deutsche Ärzte - mehr als im Artikel angesprochen- für die Beschneidung und beriefen sich damit ausdrücklich auf die US-Praxis.

    Ja diese "Informationsseite" ist uns schon länger bekannt. Das angegebene Erstellungsdatum täuscht übrigens. Dieser Text ist schon einige Jahre alt.


    Mit evidenz-basierter Medizin hat dieser Info-Text freilich nichts zu tun, was selbst der entschiedenste Beschneidungsbefürworter zugeben wird, wenn er sich nicht selbst diskreditieren will.

    Gerade die Aussage zu den sexuellen Folgen ist sehr interessant.

    Zitat

    Manche Männer berichten über verstärkte Höhepunkte beim Geschlechtsverkehr

    (Orgasmen). Auch vermehrte Ausdauer beim Geschlechtsverkehr wird angegeben.

    Diese findet sich mehr oder weniger wortgleich in einem 13 Jahre alten Artikel einer Frauenärtzin names Britta Bürger auf netdoktor.at.

    Zitat

    Manche Männer berichten im Gegenteil von
    intensiveren Orgasmen und größerer Ausdauer.


    Diese Aussage allein ist eine Schande für die DGU in mehrerer Hinsicht.

    Erstens ist es absolut wider die Grundprinzipien der evidenz-basierten Medizin - irgendwelche anekdotenhafte Erfahrungsberichte- die in diesem Fall womöglich noch nicht mal existieren, als Beleg anzuführen.

    Zweitens gibt es ja eine wissenschaftliche Literatur über die Auswirkungen der Beschneidung auf das Sexualleben.
    Es gibt keine einzige Studie - gleich welcher Evidenzklasse, die eine intensivere Orgasmem bei beschnittenen Männern belegt. Es gibt jedoch Studien, die eine geringere Orgasmusintensivität bei beschnittenen Männern belegen, die auf angeblichen nicht näher bestimmten Berichten gestützte Aussage also widerlegen.

    Frisch M, Lindholm, Grønbæk M. Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark. Int J Epidemiol 2011;40(5):1367-81.

    Bronselaer GA, Schober JM, Meyer-Bahlburg HFL, et al. Male circumcision decreases penile sensitivity as measured in a large cohort. BJU Int 2013;111(5):820-7. DOI: 10.1111/j.1464-410X.2012.11761.x

    Zitat

    „Wir Grünen wollen die Kirche, aber auch die Synagoge und die Moschee, im Dorf lassen. Dies kommt in dem kürzeren Titel besser zum Ausdruck.“

    Er hat glaube ich mit dem alten Testament argumentiert, das in etwa der Tora entspricht.

    Zitat


    3. Mose 18, 22 (Gute Nachricht):Kein Mann darf mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehren;denn das verabscheue ich.

    und:

    Zitat

    3. Mose 20, 13 (Gute Nachricht):Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt, haben sich beide auf abscheuliche Weise vergangen. Sie müssen getötet werden; ihr Blut findet keinen Rächer.

    Das ausgerechnet ein Homosexueller, der sich selbst als Vorkämpfer für Homosexuellenrechte präsentiert, die Beschneidung mit dem Verweis auf das Alte Testament verteidigt - diese ganz eindeutig über das Grundgesetz stellt, ist einfach nur grotesk.

    Wieso hat Beck so wenig Verständnis für biblisch gerechtfertigte und religiös motivierten Widerstand gegen Homosexualität (bspw. Ablehnung der Ausdehnung der Ehe-Rechte auf homosexuelle Paare) aber so viel Verständnis für biblisch-gerechtfertigte und religiös-motivierte Verstümmlung der Genitalien schutzbedürftiger Babys und Kindern?
    Jeder halbwegs gebildeten Person, die auf moralische Konsistenz auch nur ein bisschen wertlegt, wird diese Doppelmoral ins Auge springen.

    Wenn ein Norbert Greis oder Geis, der für seine konservative um nicht zu sagen fundamentalen Auslegung christlicher Lehren bekannt ist, ebenso wie seine religiös-motivierte Abneigung gegen Homosexuellen, dann eine weit bemessene Religionsfreiheitder Eltern über die Menschenrechte der Kinder stellt, dann ist das - so verwerflich, unmoralisch und unrational diese Position auch sein mag- zumindest moralisch konsequent und konsistent.


    Zitat

    Leider sind die Dörners, die Kilics usw, nur eine Minderheit bei den Bundesgrünen.

    ________________
    Zumindest sind sie eine größere Minderheit wie bei der SPD, der CDU oder der liberalen Apo.


    Das kann ja nur in den 1950er bzw. frühen 1960er Jahren gewesen sein.


    Schon, aber die Angabe praktisch nicht, heißt ja nicht gleich nicht, und die persönliche Wahrnehmung spielt eine Rolle.
    Praktisch gab es ab Ende der 1950er - muslimische Jugosslaven- eine größere Anzahl Muslime in Deutschland. Deshalb meine Nachfrage, ist aber off-topic.

    Zitat

    Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter mir als Kind erzählte von
    Leuten (Juden, da konnte ich mir nichts drunter vorstellen, Muslime gab
    es damals in D praktisch nicht) - die den kleinen Jungen diese Haut da
    vorne am Zipfelchen abschneiden.

    Wann war das ungefähr?

    Sein Artikel ist ja auch keine medizinische Forschung in irgendeiner Weise - ganz formell betrachtet. Es ist ein Meinungsartikel erschienen in einem Fachjournal für Rechtswissenschaften.
    Interessant ist, dass sein Evidenz-basierte Blick, selbst nach den Regeln der evidenz-basierten Medizin schon wegen rein formalen Gründen, gar keine Evidenz-wert besitzt - noch nicht mal selbst in die unterste Stufe der Evidenzhierachie passt.


    Ok, aber das waren jetzt Kommentatoren, die es natürlich auch in sich haben. Aber ich dachte du sprichst von den offiziellen Medienberichten.


    Brigitta vom Lehm - da sollte bei uns eigentlich jede Glocke klingen. Frau von Lehm hat auch diesen Artikel geschrieben, den ich als Must-Read für sämtliche Eltern empfehlen kann:

    http://www.faz.net/aktuell/politi…t-12625490.html


    Man kann der Autorin dieses Artikels. Frau von Lehm, also nicht vorwerfen, sich sehr auf das Thema jüdische/religiöse Beschneidung zu fokussieren – was ja aus einer Vielzahl von Gründen auch einige Gegner der Kinderbeschneidung tun– oder nur die Modalität der Beschneidung zu kritisieren.

    Mag sein dass dieser Artikel sich darauf beschränken mag, aber Frau Lehm kann man dies nicht vorwerfen.

    PS.: Bitte nicht falsch verstehen Pizarro, Du hast natürlich schon recht. Und wenn ich mich nicht an den Autorrinnen-Nahme erinnerz hätte, hätte ich dir auch nur zugestimmt. Aber der Verantwortlichen für diesen Artikel dies nicht vorzuwerfen.

    Originalquellen oder den Forschungsstand aggregierenden systematischen Übersichtsarbeiten der Vorzug vor Sekundärquelle und nichtwissenschaftlichen Tertiärquellen gegeben wird. Insofern ist vor allem auf der Rückgriff auf populärwissenschaftliche Literatur und auf nicht-wissenschaftliche Webseiten zu vermeiden

    Diese Aussage ist nicht nur widersprüchlich - den Forschungsstand aggregierene systematische Übersichtsarbeiten sind Sekundärquellen - es ist auch eine ziemlich dreiste Beleidigung und Diffamierung der Seite http://www.beschneidung-von-jungen.de und der darin zitierten wissenschaftlichen Fachgesellschaften.


    Und jetzt vergleichen wir diese Aussage wir Pekáreks selbst zitierten Grundregeln der evidenzbasierten Medizin.


    Zitat


    Die tatsächliche Bewertung von Studien erfolgt dabei in
    der EbM nach einer „Hierarchie der Evidenz“ in folgender Rangfolge:

    Hier leicht vereinfacht dargestellt nach Herkner/Müllner,

    1. Systematische Übersichtsarbeiten und/oder Metaanalysen von mehreren randomisiert kontrollierten Studien
    2. Einzelne randomisiert kontrollierte Studien mit hoher statistischer Aussagekraft
    3. Nicht randomisiert kontrollierte Studien (Beobachtungs- studien)
    4. Nicht kontrollierte Studien 5. Nicht evidenzbasierte Expertenmeinungen

    Und diese "Hierachie der Evidenz" stellt Herr Pekárek hier auf den Kopf.

    Es sagt schon viel über das Wissen oder -gegen falls den Respekt vor den Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin, zuerst die Grundregeln der evidenzbasierten Medizin selbst explizit darzustellen, nur um sie am Ende des Artikels selbst umzukehren.

    […]

    Aha. Dann ist Herr Pekareks religiöser Hintergrund ein weiterer ganz gewichtiger-Interessenskonflikt - eine weitere Voreingenommenheit - die er in seiner "evidenz-basierten" Arbeit verschwiegen hat.