Beiträge von Sokrates

    Eine neue türkische Studie durchgeführt an einer Testpopulation von 30 Personen, gelangte zum Ergebnis, dass Beschneidung im erwachsenen Alter die IELT kurz Intravaginal ejaculation latency time -(deutsch in etwa: Intravaginale Ejakulationslatenzzeit) erhöht. Die Erhöhung wurde für statistisch signifikant befunden.

    Diese Studienergebnisse stehen zumindest in teilweisen Widerspruch zu einer 2005 veröffentlichten multinationalen Studie über die IELT von Waldinger et al, in der unter den Männer aller untersuchten Ländern (Niederlande, UK, Spanien, USA und Türkei) die kürzeste IELT aufwiesen.


    Die Autoren gelangen aber zu der Interpretation ihrer Ergebnisse, dass die Zirkumzision die "Ejakulationsfunktion nicht negativ beeinflusst", sondern "leicht verbessern könnte".


    Alp BF, Uguz S, Malakoc E, Ates F, Dursun F, Okcelic S et al. Does circumcision have a relationship with ejaculation time? Premature ejaculation evaluated using new diagnostic tools.  Int J Impot Res. 2014 Jan 2. doi: 10.1038/ijir.2013.47. [Epub ahead of print]

    Zitat

    Alles das legt mitunter den Schluss nahe, dass der hierzu anscheinend
    eigens konstruierte Anlass "Hodenhochstand" nur ein Vorwand sein muss.

    Wir sollten vorsichtig sein, mit solchen Unterstellungen. Wirklich. Dass solche Untersuchungen wie von dir beschrieben, von betroffenen Jungen als erniedrigend, schmerzhaft empfunden werden, ist durchaus richtig. Ich kann das nur bestätigen. Aber deshalb gleich zu solchen als pauschal interpretierbaren Unterstellungen einer bösartigen Motivation zu gehen, geht meiner Ansicht zu weit.

    Also lass es mich so zusammenfassen.

    Das Bild zeigt die Eichel eines beschnittenen 19 jährigen Mannes.

    Der Mann hat keine Warzen sondern "Hornzipfel" Pearly Penile Papules, die bis zu 35% der Männer in unterschiedlicher Stärke haben. Die Eichel ist also nicht krank und auch nicht infiziert.

    Der Mann wie auch ein Arzt, der den Mann untersuchte verwechselte diese Hornzipfel ebenfalls mit Warzen bei einer dermatologischen Untersuchung durch die Ärzte, die diesen Artikeln schrieben, stellte sich die Fehldiagnose heraus.

    Als Literatur sind folgende Werke vermerkt:

    Ich frage mich, ob die Aussagen in den Büchern (die teils schon relativ alt sind) auch zu finden sind, und ob und wenn ja, diese Aussagen dann belegt werden.


    Zu der ebenfalls unterstellen "Krebsförderung" durch Smegma ist dieser, die Studienergebnisse zum Thema zusammenfassende Artikel, zu empfehlen:
    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/argumente…von-smegma.html


    Hat die Internetseite Haolam nicht jüngst diese Aussagen der AOK-Seite beworben? Ich kann mich erinnern eine kurze Widerlegung der Textstellen verfasst zu haben. Ich befürchte aber, dass die dem Ausfall zu Jahreswechsel zum Opfer fielen.

    Als Literatur sind folgende Werke vermerkt:

    Zitat

    Literatur:
    Gynäkologie und Geburtshilfe, Pfleiderer et al, Thieme, 4. Aufl., 2001;
    Gynäkologie compact, B. Uhl, Thieme, 2. Aufl., 2001; Klinikleitfaden
    Gynäkologie Geburtshilfe, Steller et al,
    Urban & Fischer, 6. Aufl., 2003, Duale Reihe Gynäkologie und
    Geburtshilfe, Stauber/Weyerstahl, Thieme, 2. Aufl., 2005.

    ab;ml; aktualisiert: 06/2009

    Ich frage mich, ob die Aussagen in den Büchern (die teils schon relativ alt sind) auch zu finden sind, und ob und wenn ja, diese Aussagen dann belegt werden.

    Das Problem mit der Ironie ist, dass man damit zwar weiß, dass etwas anderes gemeint ist als dass man sagt, aber nicht, was gemeint ist.
    Mir ist auch nicht so ganz klar, was du mit den Aussagen gemeint hast.

    Dass Gewaltanwendungen gegen Jungen und (Männer) und deren Leid von der Gesellschaft traditionell als weniger schlimm wahrgenommen wird und Jungen traditionell eine höhere Leidensfähigkeit /Leidensresistenz abverlangt wird ("Ein richtiger Junge weint nicht"), ist sicher ein Grund für den persistierenden Doppelstandard hinsichtlich der Bewertung von FGM u. MGM. Diese Haltung ist sicher (auch) auf die patriarchalische Strukturen und Rollenzuweisen zurückzuführen, bzw. wird durch diese gestützt.
    Ironischerweise kann auch eine Gesellschaftsstruktur, die Männern eine höheren soziale Stellung oder größere Machtpositionen einräumt, gleichzeitig auch Nachteile oder besondere Erwartungshaltungen/Plichten für diese "priviligierte" männliche Geschlecht mitbringen. Die Wehrplicht als gesetzliche Norm, und die Erwartung größerer Leidensfähigkeit und (damit einhergehend größerer Toleranz gegenüber Gewalt) als gesellschaftliche sind prominente Beispiele.


    Ich glaube auch, dass das Thema des Threads so ziemlich abgearbeitet wurde - oder seht ihr das anders?

    @Selbsbestimmung

    Es ist ganz eindeutig so, dass das Argument, die FGM diene der Unterdrückung der Frau, von Verteidigern der Legalität der Zwangsbeschneidung männlicher Kindern Unterdrückung der Frau genutzt wird. Deine Beispiele zeigen das leider eindeutig.
    Ich glaube auch, dass darüber Einigkeit besteht. Das heißt aber noch nicht, dass die im Eingangspost zitierte Autorin und oder Ayaan Hirsi Ali die These, die FGM diene der patriarchalisch bedingten Unterdrückung der Frau mit der Intention vertritt, die männliche Beschneidung zu verteidigen oder zu verharmlosen.

    PS:

    Zitat

    Die Beschneidung der Knaben ist kein Symbol der Unterdrückung, wie etwa die Beschneidung von Mädchen,

    sondern ein Zeichen des Überlebenskampfes und des Bekenntnisses. Darin liegt der Unterschied. Deswegen

    werten wir auch unterschiedlich.

    Das ist mit Abstand so ziemlich das dümmste und kränkste Argument zur Verteidigung des Nicht-Verteidigbaren dass ich in der Beschneidungsdebatte gehört habe. Ich meine in der Debatte zur Beschneidung wurde von den Parlamentariern viel hervorgebracht, was die menschliche Logik und Verstand beleidigt. Das hört sich an, als wäre Heilmann dieser Unsinn von einem Satiriker in den Mund gelegt worden.

    Vor allem sollte man nicht immer wieder alles in einen Topf werfen. Auch wenn das Ergebnis das Gleiche ist, so treibt die o.g. Anti-FGM-Aktivistinnen etwas ganz anderes um als die hiesigen MGM-Befürworter.


    Genau. Ich halte es auch für eine Überinterpreation, die These FGM als Unterdrückung der Frau durch eine patriarchalische Gesellschaft --- und ich habe bereits erklärt, dass ich diese Erklärung allein für simplizistisch halte (der Hastings-Report geht sogar noch weiter als ich)-- als Mittel zur Abgrenzung oder der Verteidigung der MGM anzusehen.

    Eine der zitierten Anti-FGM-Aktivistinnen, die die Patriachat-These unterstützt, Ayan Hirsi Ali, hat in ihrer Zeit als niederländische Abgeordnete mehr gegen die männliche Beschneidung getan als alle Abgeordneten vor und nach ihr!

    Welche Rolle spielt es denn, ob FGM/MGM matriarchalische oder patriarchalische Wurzeln hat? Welchen Erkenntnisgewinn (jenseits des akademischen Interesses) soll das bringen?


    Das ist in der Tat eine gute Frage. Zunächst mal spielt es eine Rolle für Personen mit bestimmten politischen Grundhaltung, sowohl für eher feministische Person, wie die Autorin des Berichts im Eingangspost als auch für eher maskulinistische? Personen.

    Von dieser Bedeutung für politische Gruppen abgesehen, spielt es eine Rolle für alle, die an den Praktiken etwas ändern wollen. Um eine Praktik beseitigen oder verändern zu können, muss man jene Faktoren kennen, die zu ihrem entstehen beitragen haben und die Faktoren jetzt ihren Fortbestand sichern.

    Mich hat der Hastings-Report nicht überzeugt: FGM als "genital surgery" zu bezeichnen, der dem "freien" Gestaltungswillen der Frauen unterliege, halte ich für extrem gefährlich. Die Gewaltdimension der weiblichen Zwangsbeschneidung fällt im Hastings-Report fast komplett unter den Tisch.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang die Kontroverse zwischen Sara Johnsdotter, einer Mitautorin des Hastings-Reports, und dem Intaktivisten Steven Svoboda.

    http://arclaw.org/sites/default/…oda-Article.pdf


    Entschuldigung, dass ich frage, aber ich sitze etwas auf dem Schlauch. Inwiefern ist diese Kontroverse interesannt, in dem Text geht es um die von Johnsdotter behauptete Reduktion des sexuellen Empfindens auf die Genitalien, es geht grob gesagt um die sexuellen Aspekte beider Operationsgruppen.
    Was hat dies jetzt mit dem Thema Patriacht und FGM/MGM zu tun?

    Ursula von der Leyen hat sich früher mit kühnen Plänen/Aussagen zur Verschärfung des Jugendschutzes hervorgetan- die Vergrößerungen der FSK Zeichen gingen auf ihre Initiative zurück.
    Frau von der Leyen will Kinder vor virtueller Gewalt auf der Leinwand und auf dem Bildschirm schützen, echte Gewalt, nicht nur als Darstellung sondern als Erlebnis, zumindest was männliche Kinder betrifft schützt sie hingegen durch ein extra Gesetz.
    Das ironische ist, Spielfilme, die eine realitätsnahe Darstellung einer Beschneidung eines Mannes oder gar eines Kindes, in voller Länge enthalten würde, würden höchsten noch eine FSK-18 Plakette bekommen.

    Die Aussagen der Kommentatorin sind in ihrem Rassismus und Menschenverachtung ohnehin für jeden seriösen Kommentar - jenseits einer Verurteilung- zu Schade.
    Wer so was schreibt und dannoch ernst meint - egal über welches Volk oder kulturelle/religiöse Menschengruppe- hat sich eigentlich selbst disqualifiziert. Selbst im Rahmen weit gesetzer Grenzen der Polemik, blieb dieser Kommentare unsäglich.

    Die Aussage ist nur vor dem Hintergrund interessant, dass diese Aussage scheinbar die Vorab-Zensur des Cicero-Kommentarbereichs überstanden hat.

    Zitat

    So etwas erschreckt mich zutiefst. Ich hatte immer geglaubt,
    Juden würden in unserer Zeit wieder gerne in Deutschland leben, sich
    auch als Deutsche fühlen, die zu diesem Land stehen, nicht nur als "Juden in Deutschland", die im Fall des Falles mittels Schuldvorwürfen(!) kleinere und auch größere Gefälligkeiten erzwingen wollen. N

    Die Kommentator/in ist wahrscheinlich selbst gar nicht jüdisch, gebraucht die Juden und das an den europäischen Juden begangene Unrecht der jüngsten Vergagenheit, oder besser gesagt missbraucht sie, als eine Art Scheinbegründung für ihre rassistischen Verbalausfälle.

    Davon abgesehen, dass es einen vollkommen weltanschaulich neutralen Staat nicht gibt, erst recht nicht wenn man Weltauschauung über die Religion hinaus definiert, bezweifle ich doch stark, dass jemand wie Thierse an einem wirklich "weltanschaulich neutralen" Staat interessiert ist.
    Das Beschneidungsgesetz vom 12. 12. 2012 war jedenfalls nicht Ausdruck eines "weltanschaulich-neutralen Staates", selbst nach einer engen Definition einer religiösen Neutralität des Staates, sondern des genauen Gegenteils, eine Unterordnung der Verfassungsrechte, der Staatlichen Gewalt (hier der Judikative) inklusive Anpassung der Gesetzgebung an die Sonderwünsche religiöser Interessensgruppen - auch unter der vorsätzlichen und ausgesprochen undemokratischen Missachtung der Bevölkerungsmehrheit. Aber ich befürchte fast, dass jemand wie Thiese genau das unter "weltauschaulicher Neutralität" versteht.

    Ich bin durch Zufall auf einen interessanten und gelungenen Bericht des Gesundheitsmagazins Puls des Schweizer Fernsehens gestoßen:

    http://www.srf.ch/player/video?i…a0-936e924c5597

    In diesem Bericht wird die konservative Therapie der Phimose mittels Corticosteroidhaltiger Salben vorgestellt - am Beispiel des Sohnes im Grundschulalter eines Lichtensteiner Kinderarztes.
    Es wird auch - sozusagen als Kontrastprogramm- in deutlichen Bildern eine (teilweise?) Beschneidung bei einem anderen Jungen gezeigt, bei dem die Operation angeblich dringend notwendig gewesen sei.

    Leider wird nicht erwähnt, ob der Junge irgendwelche Probleme hatte, die eine Behandlung erforderlich machten, oder ob einfach nur wie so oft an einer symptomfreien, physiologischen Phimose "litt", wie sie in seinem Alter normal ist.
    Indirekt geht der Bericht auch auf die möglichen psychischen Negativfolgen der Beschneidung ein.

    Das hat sie so nicht gesagt. Sie sprach lediglich von "Bedenken" bezüglich des Absaugens. Erstaunlicherweise sind ihr diese Bedenken angesichts des Fehlens von Mundschutz und Handschuhen nicht gekommen.


    Auf alle Fälle zeigt dies doch, dass das Beschneidungsgesetz und die darin festgelegten "Regeln der ärztlichen Kunst" von der Staatsanwaltschaft sehr sehr weit ausgelegt werden. Soweit sogar, dass der Passus über die Regeln der ärztlichen Kunst - im Sinne der "ärztlichen Kunst" nach den Standards des 20. Jahrhundert zumindest- in der Praxis seine Gültigkeit verliert.