Beiträge von Sokrates

    Zitat

    abe meine Befragung nun auf Mütter 8-12 jahriger ausgeweihtet. Jeder zweite ist "aus medizinischen Gründen beschnitten". ?( ganz ehrlich: wtf!!!

    Ja, das denke ich mir auch: Wtf.
    Das ist wirklich entsetzlich. Das ist eine Rate, wie man sie aus Ländern, in denen es einst eine universelle routinemäßige Säuglingsbeschneidung gab, und Restbestände dieser Praktik noch überdauert haben.
    Da brauchen wir auch gar keine Vergleiche mit anderen Ländern anzustellen, um zu wissen, dass da etwas gewaltig schief läuft.
    Ich meine, wir - also die regelmäßigen Forumsnutzer/innen- wissen alle hier, dass zu viel in Deutschland beschnitten wird - also allein was nicht-religiös motivierte, medizinisch-indizierte Beschneidungen betrifft- aber solch eine Rate würde selbst unsere schlimmsten Befürchtungen übertreffen.


    Ich verlinke an dieser Stelle auf den -- wie ich finde hervorragenden-- FAZ.Artikel vom Oktober letzten Jahrs. Auf den Artikel wurde zwar schon oft verlinkt, aber ein Mal kann nicht schaden.
    http://www.faz.net/aktuell/politi…t-12625490.html

    OK, hat jemand dafür eine verlässliche Quelle?
    Ich habe noch eine Studie in Erinnerung, wo nur 2 von 100 diagnostizierten Jungs letztendlich beschnitten wurden.


    Ja, die habe ich:

    Ein Bericht des Finnischen Sozial- und Gesundheitsministerims von 2004 beruft, die unter anderem in der Wikipedia zitiert wird:

    Zitat

    Finland's Ministry of Social Affairs and Health reported in 2004 that, "some 500-1000 circumcisions are performed as a therapeutic measure annually in Finnish hospitals",[59] amounting to 710 nationwide cases in 2002.[60]

    Bei einer Geburtenanzahl von circa 27800 Jungen (Anzahl der Geburten im Jahr 2002 belief sich auf circa 55 555 so Stastitics Finnland), und gleichbeinender Beschneidungsrate erhält man als einen groben Wert der Rate medizinisch-indizierter Zirkumzisionen von 1,8 % (500) bis 3,6 %(1000).

    Das sind meiner Ansicht nach aber Details, die im Fall von JenniJen auch nicht wesentlich interessieren. So oder so ist die Rate in Finnland immer noch deutlich niedriger als der aktuelle Rate in Deutschland.

    Ganz schon dreist, dass ausgerechnet jemand wie Schweiger -- der nach der evidence-ignorance-based medicine --verfährt ein Wort wie Evidenz überhaupt in den Mund nimmt.

    Eine "Evidenz" -- besser übersetzt Belege - für die These, dass eine Beschneidung psychisch mehr oder weniger harmlos sei, solange man nur die phallische Phase ausspart, gibt es nicht.

    Das ist pseudowissenschaftlicher Unsinn - mehr nicht.

    Zitat

    . Übrig bleibt also nur ein Zeitfenster für das genannte zweite und
    dritte Lebensjahr und dann wieder für das sechste und siebente -
    möglichst vor der Einschulung."

    Und nach der Schulalter, was beginnt da -- die zweite phallische Phase?
    Nein wirklich, man kann nur staunen, was dieser Chefarzt sich da so zusammenreimt -- das ist weit entfernt von irgendetwas was man wissenschaftsbasierte oder evidenzbasierte Medizin nennen könnte.

    werner:
    Allerdings ist auch bei Letzteren das Bild sehr bunt, schwer in Untergruppen aufzuteilen und diese gegeneinander abzugrenzen. Schwer ist es auch zu beurteilen, wen die in der Öffentlichkeit auftauchenden Feministinnen eigentlich repräsentieren. Das gilt auch für Sibylle Berg...

    Ja, ich denke auch, dass man gar nicht betont werden kann, dass es "den Feminismus" nicht gibt und vermutlich niemals gab.
    Es gibt deshalb auch keine einheitliche Position zu diesem Thema. Es gibt unterschiedliche, teilweise zu bestimmten Zeiten der Geschichte dominanten Strömungen des Feminismus. Darüber hinaus sollte man sich fragen, ab wann man eigentlich eine Feministin ist? Wenn man sich als solche bezeichnet? Wenn man bestimmte Literatur gelesen hat (fragt sich nur welche).

    Es gibt auch einige sehr renommierte Feministinnen die sich zumindest gegen die MGM ausgesprochen haben.

    Darunter solche Frontfiguren des weltweiten Feminismus wie Gloria Steinem - die in etwa das US-amerikanische Pendant zu Alice Schwarzer ausmacht, mit dem Unterschied, dass sie global wesentlich bekannter ist.

    Die verstorbene Feministin und Anti-FGM-Aktivistin der ersten Stunde Fran Hosken.

    hier ein interessanter Beitrag mit relevanten Zitaten von Feministinnen

    Was soll ich dazu noch sagen oder schreiben? Ich könnte der Arbeit einer ausgiebigen Prüfung unterziehen, aber lohnt sich das?

    Ohne auf diese Doktor-Arbeit eingehen zu wollen, etwas allgemeines zu solchen Arbeiten:

    Mögliche -fachliche- Schwächen solcher Arbeiten lassen sich einfach finden, indem man 1.) die gemachten Aussagen mit den zur Belegung angebenden Quellen vergleicht (Frage: Stimmt das, was der Autor schreibt, mit dem zusammen, was die Quellen sagen?, 2.) die Arbeit auf Einhaltung der Grundsätze der Evidenz-basierten Medizin überprüft, 3.) prüft ob die verwendete Methodik nachvollziehbar dargestellt wird.

    Das ist einfach nur grotesk.
    Mir erscheint die Begründung mit dem "kinderpornographischen Missbrauchspotential"* -- die ich gerne auch im Original gelesen hätte- nicht nur vorgeschoben, sondern auch im extremen Maße ehrverletzend und verleumderisch gegenüber den Operateuren.

    Werden die entsprechenden operativ tätigen Ärzte damit nicht auch unter einen Generalverdacht der Pädosexualität gestellt, bzw. der Verbreitung von "kinderpornographischen"* Material an Dritte?


    * Rein rechtlich gesehen würden derartige Medizindokumentarische Bilder ohnehin nie als Kinderpornographie aufgefasst werden, was die ganze Begründung noch grotesker macht.

    Das Spiekd Medizin hat schon mal mehrere Artikel über die Beschneidung von Kindern - und die Bewegung dagegen veröffentlicht. Der vorletzte Artikel, ist jener, der in dem verlinkten Beitrag besprochen wird.

    Der Historiker und Beschneidungs-Experte Robert Darby hat in Reaktion auf einen dieser Artikel eine Rezension verfasst. Müsste im Netz zu finden sein. Vielleicht forscht mal jemand nach -- ich kann die Rezension irgendwie nicht mehr finden.

    Zitat

    Der Mohel ist auch nach dem Ritual noch für die Familie da. „Manchmal
    machen sich die Eltern Sorgen, weil die Wunde etwas nachblutet. Das ist
    aber kein Problem.“ In all den Jahren hat es bei dem Gelsenkirchener
    Arzt noch keine ernsthaften Komplikationen gegeben [auf die er aufmerksam wurde]

    Mit eventuellen Komplikationen dürfen sich auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser bzw. in weniger dringlichen Fällen die kinderchirurgischen Ambulanzen herumschlagen.
    Wenn der Typ in Gelsenkirchen wohnhaft ist, aber der betroffene Säugling in 150km weiter entfernt wohnen, werden die Eltern wohl kaum zu Herr Rosenkranz fahren oder warten bis Herr Rosenkranz herbei gefahren kommt, zu zumal, Komplikationen wenn sie auftreten sich auch nicht immer an die Geschäftszeiten halten.

    Viel entscheidender und wichtiger - gerade für den deutschsprachigen Raum - zur Vermeidung medizinisch unnötiger scheinbar "medizinisch indizierter" Beschneidung erscheint mir folgendes Statement.

    Zitat

    Inability to retract the foreskin in childhood should not be considered a problem unless there are other symptoms

    Die Unfähigkeit die Vorhaut zurückziehen in der Kindheit sollte nicht als ein Problem angesehen werden, sofern keine andere Symptome bestehen.

    Oder anders formuliert: Die symtomfreie Nicht-Zurückziehbarkeit der Vorhaut ist keine Krankheit und bedarf auch keiner Behandlung.


    Noch ein paar Information zur Terminologie, die jeder ordentliche Beschneidungsinteressierte verinnerlichen solchen:

    Die Nicht-Zurückziehbarkeit der Vorhaut wird von manchen Autoren als physiologische Phimose bezeichnet.

    Manche Autoren - wie etwa die Autoren der BVKJ-Broschüre- sind genauer und unterscheiden auch zwischen einer physiologischen Nicht-Zurückziehbarkeit und einer physiologischen Phimose, und bezeichnen explizit die physiologische Verengung der Vorhautöffnung als physiologische Phimose. Der Hintergrund ist, dass die physiologische fehlende Zurückziehbarkeit der Vorhaut zwei mögliche Ursachen haben kann - die Verklebung des inneren Vorhautblattes mit der Eichel als auch auf die Verengung der Vorhautöffnung - oder beides zusammen.

    Es ist eben wie immer : eine der schwerwiegendsten Form der weiblichen Genitalverstümmlung wird der Vorhautentfernung bei Jungen entgegengesetzt.

    Selbstverständlich sind die Formen der weiblichen Genitalverstümmlung bei denen mehr oder weniger die ganze Klitoris entfernt wird - als schwerwiegenderer Eingriff als die Beschneidung zu betrachten.
    Dass aber weibl. Genitalverstümmlung (FGM) ein Sammelbegriff für eine Vielzahl an Praktiken unterschiedlicher Schwergerade ist und dass auch im Vergleich zur Vorhautentfernung geringere Eingriffe wie die Entfernung der Klitorisvorhaut oder deren Einritzen und Durchstechen ohne Gewerbetreibend unter die gängigen Definitionen von weiblicher Genitalverstümmlung fallen - fällt bei solch einer vereinfachenden Darstellung unter den Tisch.


    Frage: Ist das Hamburger Wochenblatt nicht so eine Art Mitmach-Zeitung?

    Wir sollten das Thema Alice Schwarzer - aus aktuellem Anlass- wieder hochgekommen ist, jetzt gut sein lassen.

    Die Gender-Theorie (von der es auch verschiedene Radikalitätsstufen gibt)- für die das Werk des Dr. Money rund um Jungen wie -unter anderem- Daivd/Bruce Reimer Belege zu liefern schienen- ist nicht nur auf Frau Schwarzer beschränkt.

    Die beschriebenen Vorstellung einer Bevorteilung und Privilegiertheit kleiner Jungen gegenüber Mädchen, und die auf dieser Vorstellung und der Gender-Theorie beruhenden feministischen Erziehungsansätze zur Stärkung kleiner Mädchen und Schwächung? kleiner Jungen* sind ebenfalls nicht nur auf Frau Schwarzer beschränkt.

    * deren mögliche psychische Negativfolgen schon im Bericht der feministischen Mütter erwähnt wurden

    Darüber hinaus, hat ja der EMMA- und Schwarzer-Fanblock, - als solchen könnte man die EMMA-Kommentarbereich bezeichnen - ziemlich deutlich und lautstark gegen Schwarzers verharmlosende und verteidigenden Artikeln der Genitalverstümmlung kleiner Jungen protestiert.

    Es ist deshalb weder gerechtfertigt noch ziel-führend, die Angriffe auf diese (durchaus kritikwürdigen) Theorien so sehe auf die Person Frau Schwarzer zu richten.