Beiträge von Sokrates

    Der Begriff "germanic countries" ist in der Tat sehr merkwürdig. Im Englischen habe ich den Begriff so noch nie gehört oder gelesen.

    Auch sagt uns eigentlich schon die Logik, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass eine ganze Anzahl Länder mehr oder minder zeitgleich eine Praktik gesetzlich verbietet.


    Gerade von einem Chefarzt eines Universitärskrankenhauses - wie der Autor dieses Artikels- dürfte man erwarten, dass er zumindest ein wenig recherchiert, bevor er sich zu solchen Aussagen über eine nicht genaue umrissene Anzahl von Staaten macht.

    Nach dem Bericht der Jüdischen Allgemeinen zu Folge ist also genau das eingetreten, was ich befürchtet habe:

    Zitat

    Im schlimmsten Fall wird es eine Institutionalisierung der Jungenbeschneidung bedeuten, bei der rituelle Beschneidungen dann im öffentlichen Gesundheitsystem angeboten und womöglich noch öffentlich finanziert werden müssen.

    Zitat

    Die DGU wollte die o.g. Leitlinie 2008 überprüfen, was m.W. aber nicht
    geschehen ist. Im aktuellen Verzeichnis der DGU-Leitlinien taucht die
    Phimoseleitlinie überhaupt nicht mehr auf.

    Die o.g. Leitlininien, besonders die von 1997, spielt allein historisch
    und insofern eine Rolle, da sie zeigt, wie damals verbreitet gedacht
    wurde - zu einer Zeit, in der viele davon betroffen waren und hier im
    Forum darüber berichtet haben.

    Seit 2008 verfasst die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie die Phimose-Leitlinie. Insofern wurde die Leitlinie gewissermaßen schon überprüft.

    Zitat

    "Ein Eingriff in zentrale Elemente religiöser Identität kann von vielen
    Familien durchaus als Labilisierung, Verunsicherung und Missachtung in
    einem wesentlichen Kernpunkt ihres Lebens empfunden werden – mit
    ebenfalls gravierenden psychischen Folgen für die Kinder."

    1.) Aus Sicht der evidenz-basierten Medizin ist diese These auf gut deutsch gesagt totaler Humbug -- Es gibt keine Studie und womöglich noch mal eine Fallbericht, in dem ein "Eingriff in zentrale Elemente religiöser Identität" zu irgendwelchen gravierenden psychischen Folgen für die Kinder geführt hätte.
    2) Selbst wenn es irgendwelche objektiven Belege für diese Theorie gäbe, könnte diese nahezu jede religiöse Gewaltanwendung gegen Kinder oder Familienmitglieder rechtfertigen- von religiös-motivierten Prügelstrafen bis zur FGM.


    Genau dieser Wirrwarr an Spielraum in der Diagnostik, der in keinem Verhältnis zu der Tragweite der Entscheidung steht.
    Und schließlich als Höhepunkt an Fehlinformation:


    Genau so ist es leider - also ganz im allgemeinen - völlig unabhängig von diesem Artikel. Deshalb kam es bzw, kommt es zu vermeidbaren oder gänzlich unnötigen medizinisch indizierten Zirkumzisionen.

    Zur Verteidigung des Artikels

    Ich möchte aber der Autorin des Artikels keine bösen Absichten unterstellen (ich denke, das wollen wir allen nicht)-- ich vermute die von dir genannten Widersprüche und Unzulänglichkeit sind fehlenden Wissen geschuldet. Auch eigentlich wohl meinende Ärzte können falsche Entscheidungen treffen, wenn sie unzureichend informiert sind.

    Trotz seiner Fehler ist dieser Artikel noch einer der 1) fachkundigsten 2) fachlich korrektesten und vorhaut-freundlichsten Artikel, die ich auf derartigen Portalen gelesen habe. Versteh mich nicht falsch -- ich unterstütze deine Kritik voll und ganz aber leider gibt es da noch ganz andere Artikel.

    Zitat

    Um den betroffenen Jungen jedoch nicht während der Pubertät, in dieser ohnehin schwierigen Entwicklungsphase, mit einer so stark in die Intimsphäre eingreifenden Operation zu belasten, sollte die Vorhautverengung möglichst schon vorher operiert werden, jedoch nicht vor einem Alter von acht bis zehn Jahren.

    Diese "besondere Unzumutbarkeit" einer Zirkumzision während der Pubertät ist natürlich nichts weiter als Theorie ohne die allergeringste medizinische Evidenz.
    Ein gewisser Kinderchirurg hat leider ganz ähnlich argumentiert - vielleicht hilft uns "werner" mit einem Zitat weiter.

    Naja, das Gesetz wird sicher kein Verbot werden.
    Im schlimmsten Fall wird es eine Institutionalisierung der Jungenbeschneidung bedeuten, bei der rituelle Beschneidungen dann im öffentlichen Gesundheitsystem angeboten und womöglich noch öffentlich finanziert werden müssen.

    Heiner Bielefeldt....
    ... der Menschenrechts-Experte. Bielefeldt hat in seiner Argumentation immer wieder klar gemacht, das für ihn die Religionsfreiheit über allem auch über allen anderen Menschenrechten steht, wobei Bielefeldt die Religionsfreiheit auch sehr weit fasst, nicht nur die Religionsfreiheit des Einzelmenschen, sondern die Religionsfreiheit über Dritte -- also jene der Eltern über die Kinder.

    Dass es auch noch andere Menschenrechte gibt, -- wenn man schon die Religionsfreiheit auch auf das Recht auf Körperverletzung der eigenen Kinder erweitert-- scheint für Bielefeldt vollkommen unerheblich zu sein, er erwähnt diese anderen Menschenrechte nicht einmal.

    Entschuldigung Selbstbestimmung ... Ich habe da wohl etwas falsch reagiert.

    Da habe ich wohl das Gegenteil dessen erreicht, was ich eigentlich erreichen wollte.
    Natürlich ist Kindesmissbrauch keine Nichtigkeit. Mit Nichtigkeit habe ich diesen Fallbericht gemeint, der für sich genommen natürlich interessant also auch nicht nichtig ist, aber nicht wichtig genug, um deswegen auf einen Konflikt ankommen zu lassen.

    Das sind natürlich nur Schätzwerte. Und nach den Belegen über die Zirkumzisionsraten selbst in vorhautfreundlichen europäischen Ländern äußerst falsche Schätzwerte.

    Viel interessanter -- im negativen Sinne- finde ich die Forderungen dieses Komitees von 2005?...

    Das ist schon wieder so ein Thread, in dem die Diskussion wegen eigentlicher Nichtigkeiten in einen überflüssigen und zeit-fressenden Konflikt unter uns ausartet. Muss das sein?
    Und das nur wegen diesem einen Artikel, und der Frage danach, wie nun dieses Testen der plastisch-rekonstruktiven Operation nach der missglückten Zirkumzision zu werten ist?

    Ich schlage vor, wir schließen diesen Thread, begraben das Kriegsbeil und bleiben bei unseren unterschiedlichen Wertungen.

    Zur Verteidigung der taz muss man sagen, dass sie von den 60% Reduktion des HIV-Infektionsrisiko abgesehen, nur berichtet, was bedauerliche Weise Fakt ist. Nämlich, dass in Afrika die Zirkumzision als Prävantionsmassnahme gegen HIV vorangetrieben und staatlich gefördert wird, und dabei auch vor sexuell inaktiven Säuglingen kein Halt gemacht (werden soll). Kritikwürdig ist natürlich, dass sie das vollkommen unreflektiert und unkommentiert darstellt.

    Zitat

    Allgemein wird davon ausgegangen, dass eine Beschneidung keinerlei
    Einfluss auf die Sexualität und die Empfindlichkeit der Eichel hat.

    Jetzt wird ein- mit seinen Zirkumzisionsthesen isolierter Nicht-Mediziner, der seine Zirkumzisions-Info-Broschüren von verurteilten Pädosexuellen mit Fetisch für zirkumzidierte Kinderpennise erstellen lässt, schon zur "Allgemeinheit" erhoben.