Beiträge von Sokrates

    Jakob Øster war ein dänischer Schularzt, der im Jahre 1968 als erster Daten über die Vorhautentwicklung bis zum Abschluss der Pubertät bereitstellte.

    Durch Zufall bin ich auf einem weniger bekannten Artikel Østers aus dem Jahre 1976 gestoßen. In dem Artikel, der den Titel „Clinical Phenomena Noted by a School Physician Dealing with Healthy Children“ trägt, berichtet Øster berichtet über seine Erfahrungen als Schularzt und fasst noch mal die Ergebnisse seiner 8 Jahre zuvor veröffentlichten Studie zusammen:

    Ein Teil dieses Artikels ist öffentlich. Es ist glücklicherweise der Teil des Artikels, der sich mit dem Thema Vorhaut befasst. Ich habe diesen Teil des Artikels übersetzt:

    Jakob Øster gibt hier eine völlig korrekte Zusammenfassung der natürlichen Entwicklung der Vorhaut wieder – vor über 40 Jahren.

    Und 40 Jahre später haben es viele Ärzte in Deutschland und Österreich offenkundig immer noch nicht verstanden. Sie geben irgendwelche Altersgrenzen an, bis zu denen die Vorhaut zurückziehbar sein muss, die in der Regel auf (die von Øster zitierte) Artikel von Douglas Gairdner aus dem Jahre 1949 zurückgehen, der nur Jungen bis zum 5. Lebensjahr untersuchte, von denen einige schon diversen Retraktionsversuchen unterzogen worden waren. Ich fasse es wirklich nicht.

    Seit dem Erscheinen dieses Artikels im Jahr 1976 sind 10 weitere Studien aus allen Erdteilen erschienen, die Østers Studienbefunde wieder, wieder und wieder bestätigen.

    Siehst Du die Ärztin und die Oberärztin jemals in nächster Zeit wieder?

    Den falls ja, könntest Du die Studie (http://www.cirp.org/library/normal/kayaba) ausdrucken und mitnehmen. Dann könntest Du die Oberärztin über ihre fehlerhaftes Wissen in Kenntnis setzen oder zumindest die Assistänz-Ärztin in ihrem Urteil bestätigen.

    Das ist eine recht bekannte Studie, die auch häufig in der Fachliteratur von rennomierten Ärzten in vielen Fachartikeln zum Thema Phimose zitiert wurde. Vielleicht kann man die Oberärztin eines Besseren belehren.

    Aber dazu braucht es natürlich auch Selbstvertrauen und einen gewissen Mut. Und ich weiß natürlich auch nicht, wie gut Du im Umgang mit Menschen bist. Dazu kann ich dich nicht nötigen und will ich auch nicht. Das musst Du selbst entscheiden, ob Du dir das zutraust.

    Ja und das ist komplett normal. Das ist nur ein Zeichen, dass die Vorhautöffnung verengt ist. Selbstverständlich bildet sich da ein Ring, wenn man sie versucht, zu zurückzuziehen.

    Und wie man an der Graphik erkennt, ist es sogar noch sehr häufig: Bei der vorliegenden Studie wurde bei 20.4% der 5- bis 7-jährigen ein solcher Ring festgestellt.

    Ich frage mich auch, wie die Oberärztin darauf kommt, dass sich der Schnürring nicht mehr von allein zurückbilden wird. Es gibt ganz einfach eine medizinwissenschaftliche Grundlage, keine Studie, kein gar nichts, über die "Wahrscheinlichkeit der Zurückbildung von Schnürringen".

    Das einzige, was es gibt, sind Studien über die Vorhautentwicklung, in denen dieses Phänomen erwähnt wird. Aber diese stellen fest, dass dieser Ring von allein wieder verschwindet, wenn die Vorhaut sich weitet.

    Offenbar scheint diese Oberärztin auch kein allzu fundiertes Wissen über die normale Entwicklung von Vorhaut und Penis zu haben.


    Also wie gesagt: Dein Sohn hat eine völlig normale, physiologische Phimose, was in diesem Alter völlig normal ist. Der Schnürring ist nur die "logische Folge" dieser physiologischen Phimose, der sich bildet, wenn die Vorhaut zurückgeschoben wird und die verengte Endbereich weiter nach unten in Richtung Eichel wandert.

    Es gibt auch - und das muss ich auch ganz deutlich sagen, weil ich mich mit der medizinischen Literatur auskenne - keine medizinwissenschaftliche Grundlage für die Ansicht, dass ab einem bestimmten "Enge-Grad" der phimotischen Vorhaut eine spontane Rückbildung der physiologischen Phimose nicht mehr erfolgen kann. Ganz im Gegenteil, fanden alle seit 1968 veröffentlichen Studien zur Vorhautentwicklung auch immer wieder einen hohen Anteil von Jungen mit einer komplett verengten, kein bisschen beweglichen Vorhaut und stellten fest, dass dieser Anteil der Jungen mit solchen Vorhäuten bis spätetens dem Ende der Pubertät auf Null zurückgeht. "Zu eng" ist die Vorhaut nur, wenn es mit dem Urinieren nicht mehr funktioniert.

    Verstehe. Aber das ist nach deinen Berichten zu urteilen, vollkommen normal. Dieser Schnürring ist ja gerade die Phimose. Ich frage mich, was diese Oberärtzin dann überhaupt unter einer "reinen Phimose" versteht.


    Solche Schnürringe wurden auch in der medizinischen Forschung beobachtet, und als normals Phänomen im Rahmen einer physiologischen Nicht-Zurückziehbarkeit der Vorhaut gewertet, das von allein verschwindet.


    Hier ist eine Graphik aus einer der zuvor erwähnten Studien zur Vorhautentwicklung. Bei den Studien wurde, wie erwähnt, die Vorhautentwicklung in verschiedene Enge-Grade unterteilt - von Typ I (vollständig nicht-zurückziehbar, keine Freilegung der Eichel möglich) bis zu Typ IV (vollständig zurückziehbar). Dieses Einteilungssystem wurde von allen nachfolgenden Studien über die Entwicklung der Vorhaut übernommen.


    Und wie man der Graphik erkennen kann, kann sich beim Versuch eine noch nicht-vollständig, bzw. nur teilweise zurückziehbare Vorhaut zurückziehen, ein Schnürring bilden.



    Diese zweite Graphik, die ebenfalls aus dem Studien-Artikel stammt, gibt die Häufigkeit eines solche engen Ringes in den Altersgruppen wieder. Das zeigt, dass das dies ein sehr häufiges Phänomen ist, dass es normal ist, und dass es von allein wieder verschwindet.



    Die Graphik wurde mit folgender Bild-Erklärung versehen:

    "Incidence of tight ring in prepuce was 84.3% at ages 0 to 6 months but it decreased with age to 8.6% at 11 to 15 years."

    Auf Deutsch:

    "Die Häufigkeit eines engen Ringes in der Vorhaut betrug 84.3% im Alter von 0 bis 6 Monaten aber verringerte sich auf 8.6% im Alter von 11 zu 15 Jahren.

    Ich habe noch eine Verständnisfrage: Du warst bei zwei Ärtzen in der Klinik, richtig?

    Die eine Ärtzin hat zum Abwarten geraten?

    Die Oberärztin hat hingegen auf eine zeitnahe Operation gepocht? Und diese Ärtzin war es auch die erklärte,
    dass sie eine "reine phimose nicht operieren wenn keine Schwierigkeiten auftreten", aber dass dein Sohn operiert werden müsste, weil Kinder im vorpubertären Alter sich nicht mehr mit solchen Problemen an ihre Eltern wenden würden?

    Habe ich das richtig verstanden?!

    Hallo Missy,

    Ich habe deinen ersten Beitrag vor zwei Jahren leider nicht mitbekommen. Deshalb muss ich dich Fragen: Hatte dein Sohn irgendwelche Beschwerden, die irgendeine Behandlung dringend notwendig machen. Hatte er heute noch Beschwerden? Denn falls nicht, hat er auch keine Behandlung nötig.

    Denn eine nicht-zurückziehbare und verengte Vorhaut ist im Alter von 3 Jahren und auch noch im Alter von fünf Jahren absolut normal.

    Hier ist eine kleine Zusammenstellung aller Studien zur Vorhautentwicklung, die zwischen 1968 und 2009 in der Fachliteratur erschienen sind. Alle Studien gelangen zu dem Ergebnis, dass einige Jungen erst im Puberttätsalter eine vollständig zurückziehbare Vorhaut erreichen. Im Alter von 5 Jahren liegt der Anteil der Jungen mit nicht-zurückziehbarer Vorhaut je nach Studie bei maximal 34%. http://flexikon.doccheck.com/de/Entwicklung…te-HSIEH2006-27

    Die Behauptung, dass sich ein Vorhautschnürrring nicht mehr dehnen würde, ist abwegig. Eine solche Behauptung ist bloße Mutmaßung. Das kann man vorher nicht voraussagen. Es gibt keine medizinwissenschaftliche Grundlage für diese Zukunftsdiagnose
    Im Gegenteil: Bei den Studien, auf die ich verlinkt habe, wurde der Zustand der Vorhaut auch in verschiedene Zurückziehbarkeits-Grade oder "Enge-Grade" eingeteilt. Es wurde immer wieder festgestellt, dass der Anteil der Jungen mit wirklich komplett nicht-zurückschiebarer, an der Spitze verengter Vorhaut, bis zum Pubertätsalter auf natürlichen Wege auf Null zurückgeht.

    "Man hätte dem Jungen beibringen sollen, dass er die Vorhaut möglichst oft im warmen Badewasser dehnt. Ich glaube, dass sich seine Verklebung mit der Zeit gelöst hätte."

    Vielleicht wäre das in diesem konkreten Fall tatsächlich sinnvoll gewesen. Der Junge hatte, nach dem Video zu urteilen, tatsächlich massive Beschwerden. Aber das hätte man vorher auch nicht wissen können.

    Ich denke, man sollte Jungen und ihre Genitalien einfach in Ruhe lassen. Solange die Vorhaut zunächst mal keine Beschwerden bereitet, ist es völlig in Ordnung wenn sie noch verengt, verklebt auf alle Fälle nicht zurückziehbar ist.

    Diese permanente, komplett unsinnige, und der natürlichen Entwicklung entgegenlaufende Fixisierung auf eine möglichst baldige Zurückziehbarkeit der Vorhaut ist es doch gerade, die in den letzten Jahrzehnten zu massenhaften Beschneidungen geführt hat.

    Zitat von suwa

    "Letztes Jahr wurde bei meinem Zweijährigen eine Phimose diagnostiziert. Ich sollte täglich mit einer Cortisoncreme die betroffene Stelle "bearbeiten". Nach intensiver Recherche beschloss ich, dass es für weitere Maßnahmen noch viel zu früh ist, und entschied mich dafür, abzuwarten, auch, weil mein Kind keinerlei Beschwerden hatte. Heuer, Anfang August hatten wir Kontrolle, keine Veränderung in der Diagnose. Wieder die Empfehlung, Cortison zu cremen."


    Nach deinen Schilderungen zufolge scheint dein Sohn ganz einfach eine physiologische nicht-zurückziehbare Vorhaut gehabt zu haben. Das ist in dem Alter deines Sohnes vollkommen normal.

    Es wurden in den vergangegen 40 Jahren 11 wissenschaftliche Studien über die Vorhautentwicklung veröffentlicht. Diese Studien zeigen ein einheitliches Bild: Im Alter von 2 Jahren hat nur eine Minderheit der Jungen eine völlig zurückziehbare Vorhaut.

    Eine Behandlung mit Cortisoncreme ist in diesem Fall auch vollkommen unnötig und überflüssig. Eine solche Behandlung kann im Falle von symptomatischen Phimosen (Phimosen mit Beschwerden) sinnvoll sein, aber damit völlig gesunden Kindern einen physiologischen, entwicklungsbedingten Zustand zu behandeln, ist absolut nicht Sinn der Sache.

    Ich weiß nicht, was das für ein Mediziner war, der diese Diagnose gestellt hat. Das ist einfach skandalös. Dieser Arzt hat die normale physiologische Entwicklung der Vorhaut gar nicht verstanden mit dem Resultat, dass er einem völlig gesunden Kind eine Krankheit diagnostiziert, die er gar nicht hat.


    Ich habe gestern Nacht einen - ziemlich kritischen - Bericht über einen Kinderarzt veröffentlicht, der in einem Video sehr ähnliche Fehlinformationen veröffentlicht hat.

    Dr. Hilmah Uhlig verbreitet unwissenschaftlichen Unsinn über Vorhaut und Beschneidung

    Zitat von Rolf

    "Dazu sollte sich meiner Ansicht erst nachweislich das Thema Phimose gelöst haben, so dass der Arzt/ die Ärzte nachträglich zur Rechenschaft auch für die anderen Kinder und Familien in Zukunft gezogen wird und hoffentlich ein Umdenken stattfindet."

    Du meinst also wenn ich dich richtig verstanden habe, dass du zunächst den Ausgang deines Verfahrens abwarten willst, EHE Du die beiden verantwortlichen Ärzte bei der Landesärztekammer melden möchtest? Ist das so richtig.


    Zitat von Rolf

    Hier stellt sich schon die Frage, ob die von mir genannten Ärzte Mitglieder sind im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.


    Der Kinderchirurg wird gewiss nicht Mitglied im BVKJ sein. Und ob der Kinderarzt Mitglied ist, weiß ich auch nicht. Der Berufsverband könnte Dir aber trotzdem behilfrich sein, indem er eine Stellungnahme in deinem Sinne herausbringt.

    Wenn Du die Ärzte wirklich zu Rechenschaft ziehen willst, dann solltest Du weitere Schritte auch mit deinem Anwalt besprechen. Gegenfalls ist eine Klage da erfolgsversprechender als eine Beschwerde bei der Landesärztekammer. Möglich dass auch beides geht.

    Es geht meines Erachtens auch gar nicht mehr darum, unbedingt in jeden Fall zu gewinnen. Es geht darum, sich zu wehren. Wenn wenn man sich wehrt, und man hat alles versucht und verliert, dann ist es eben so. Wenn man sich nicht wehrt, dann hat man schon verloren.

    Wie ich sobeben herausgefunden habe, wurde dieses Video schon vor einigen Monaten im Forum thematisiert.

    Ein heikles Thema? Vorhaut säubern bei Kindern

    Aber es hat sich grundsätzlich NICHTS dadurch verändert. Und so kann das nicht weitergehen. Durch unsere Empörungen hier im Forum ändert kein Arzt seine Praxis.

    Nur ein Einschreiten von höherer Stelle - etwa durch den Kinderärzteverband oder andere Aufsichtstellen - kann da irgendetwas positives bewirken.

    Wir müssen aufhören, dieses Forum als Zweck an Sich zu betrachten und unsere Zeit mit Klagen und Empörungsbekunden zu verschwenden - sondern das Forum als Koordnierungsplattform für Aktionen in der Real Wolrd zu betrachten.

    Dr. Hilmah Uhlig verbreitet in diesem Video gefährlichen Unsinn zurBeschneidung.

    https://www.woman.at/a/reinigen-vorhaut-kinder-baby-hygiene

    So behauptet er, ab 3 Jahren müsse die Vorhaut zurückschiebar sein.

    Auf keinen Fall sollte die "Operation" in der Schulzeit passieren,weil es für die Kinder dann "schmerzhafter und unangehmer".

    Es ist traurig und skandalös zu gleich, dass es im Jahr 2017 immer nochÄrzte die solche Behauptungen auch noch öffentlich verbreiten.


    Zwischen 1968 und 2010 wurden 10 Studien aus allen Erdteilen veröffentlicht(1), die unabhängig voneinander zu dem immer selben Ergebnis kamen, dass dieEntwicklung der Vorhaut bis ins Pubertätsalter andauern kann.


    Im Alter von 3Jahren, laut den Ergebnissen aller dieser Studien, hat sogar noch dieüberwiegende Mehrheit der Jungen nicht-zurückziehbare Vorhaut.

    Diese "3 Jahres Deadline" geht auf einen Artikel des englischenKinderarztes Douglas Gairdner aus den 1940ern zurück, dessen Werte von keinernachfolgenden Studie zur Vorhautentwicklung bestätigt wurden.


    Seine Ansichten zur Vorhautentwicklung und Phimose widersprechen nicht nurder medizinischen Forschung, sie widersprechen sogar den Veröffentlichungen seineseigenen Berufsverbandes (2)

    Von seinem völligen Unwissen über die Vorhautentwicklung einmal angesehen,ist es natürlich pseudowissenschaftlicher Schwachsinn, dass Kinder eineBeschneidung als schmerzhafter empfinden würden als vor dem Grundschulalter. Esist Konsens, dass das Schmerzwahrnehmung bei Neugeborenen stärker ausgeprägtist als bei Erwachsenen, und dass das Schmerzempfinden mit zunehmenden Alterzurückgeht.

    Was Hilmar Uhling in diesem Video verbreitet, hat rein nichts mehr mitMedizin zu tun. Seine Ansichten werden von der medizinwissenschaftlichenForschung nicht nur nicht gestützt sondern widerlegt.

    Ich hatte eigentlich geglaubt, zumindest die Kinderärzte wären auf der Seiteder Kinder und würden sich informieren. Aber offenbar gibt es auch hier viel zutun.

    Solche medizinische Desinformation darf man nicht mehr durchgehen lassen.

    Ich möchte die Forenmitglieder, die Kontakt zum Berufsverband des Kinder - und Jugendärztehaben, dazu aufrufen, diese Kontakte nutzen, und Herrn Uhlig zu melden. Der Verband sollte eineStellungnahme gegen Uhlings pseudowissenschaftlichen Unsinn veröffentlichenoder sonst irgendwie gegen ihn aktiv werden. Bitte werdet aktiv. Hier im Forum herumzuheulen, bringt nichts.

    Es ist schlimm genug, wenn Ärzte solche falschen und medizinwissenschaftlichwiderlegten Ansichten hegen und auch noch nach ihnen Kindern behandeln. Aber wenn Sie schon das eigene Unwissen auchnoch öffentlich verbreiten, dann darf das nicht ohne Konsequenzen bleiben. Behauptungen,wie sie Dr. Uhling in diesem Video verbreitet, sind brandgefährlich, denn sieführen GARANTIERT zu unnötigen Beschneidungen an völlig gesunden Jungen.


    Einzelnachweise:

    1. Eine Zusammenfassung dieser Studien. https://www.beschneidung-von-jungen.de/home/medizinis…er-vorhaut.html

    2. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/kin/oh-mann.pdf

    Dazu möchte ich noch etwas anmerken:


    Zitat von Rolf

    Was haltet Ihr davon sich bei der Landesärztekammer wegen eines

    solchen Attestes ausgestellt vom Kinderarzt zu beschweren? Würde das den
    Fall in eine positive Richtung wenden, so dass ein Kinderarzt nicht
    mehr solche Kaffeesatzleserei berufsmäßig durchführt?

    -> Oder besser 8 Jahre warten und sehen, wie der Fall ausgeht und
    sich dann in 8 Jahren beschweren über "ungenügende", "irreführende"
    Atteste!


    Ich habe damit um ehrlich zu sein keinerlei Erfahrungen und weiß auch nicht, ob so eine Beschwerde auch nur geringstes bewirkt. Aber grundsätzlich befürworte ich das. Das Sprichwort lautet: Wo kein Kläger, da auch kein Richter. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass eine solche Beschwerde irgendwie nachteilig für dich sein könnte.

    Du kannst, wie ich dir in meinem letzten Beitrag geraten habe, auch versuchen, dich direkt beim Kinderärzteverband zu beschweren.

    Als ich anfänglich über deinen Fall las, Ich wäre sogar soweit gegangen, dir vorzuschlagen, diese beiden Ärzte zu verklagen! Aber das kannst Du natürlich nur machen, wenn Du die notwendige Zeit und Kraft dafür hast. Es ginge bei einer solchen Klage weniger um Dich und deinen Sohn als um den Schutz anderer Kinder. Das muss ich dir ehrlich sagen. Dann habe ich weiter gelesen und festgestellt, dass Du dich in einem familienrechtlichen Streitfall mit deiner Frau befindest und habe diesen Vorschlag natürlich unterlassen. Dieses Verfahren ist jetzt das Wichtigste für dich, und da ist deine gesamte Aufmerksamkeit gefordert.

    Vielleicht käme das danach für dich in Frage - nachdem der Familienrechtstreit unter Dach und Fach ist und in deinem Sinne entschieden. Dass man diese Ärzte einfach außer Gefecht setzt, dass sie keinen anderen Kindern mehr schaden können, und auch ein warnendes Exempel statutiert. Aber diese Entscheidung, ob du die beiden Ärzte zur Verantwortung ziehst, bleibt Dir überlassen. Dazu kann dich keiner zwingen.


    Ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen, und meine langen Beiträge sind nicht allzu verwirrend für dich.

    Hallo Rolf,

    Zum medizinischen Teil:

    Dein Sohn hat offenkundig kein Problem mit seiner Vorhaut sondern mit nicht-informierten Ärzten.

    Dein Sohn hat eine physiologische Phimose - eine entwicklungsbedingt nicht-zurückziehbare Vorhaut Und das ist vollkommen normal. Da benötigt er auch keine Behandlung egal welcher Art.

    Diesen beiden Ärzten sollte man eigentlich die Lizenz entziehen. Diese beiden Mediziner sind, deinen Schilderungen zufolge, komplett inkompetent. Sie haben überhaupt keine Kenntnisse über die medizin-wissenschaftlich belegte natürliche Vorhautentwicklung - oder ignorieren diese Kenntnisse aus fadenscheinigen Motiven.


    Zum gerichtlichen Teil:


    Du sagtest, dass du dich in einem familienrechtlichen Rechtstreit mit deiner Frau befindest.

    Zunächst einmal möchte ich dir noch ein paar Artikel auf den Weg geben:

    1. Dieser hier ist ein weiterer Artikel über die Vorhautentwicklung: http://flexikon.doccheck.com/de/Entwicklung…ign=DC%2BSearch

    Wichtig ist für dich vor allem:

    Es wurden zwischen 1968 und 2010 10 Studien aus allen Erdteilen veröffenticht, die alle unabhängig zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die Entwicklung zur vollen Zurückziehbarkeit bis ins Pubertätsalter andauern kann. Und dass bis zum Alter von 10 Jahren nur die Hälfte der Jungen eine vollständig zurückziehbare Vorhaut hat.


    2. Das ist ein jüngerer, in deutscher Sprache veröffentlicher Fachjournalartikel vom Elisabeth-Krankenhaus Essen, speziell zum Thema falsch indizierter Beschneidung, der ebenfalls noch mal die Vorhautentwicklung klarstellt: https://link.springer.com/article/10.100…0120-016-0232-0


    "Da die Vorhaut ein sensorisch empfindlicher Teil des männlichen Genitales ist, unterliegt auch die vollständige und irreversible Vorhautentfernung, einer klaren und medizinisch-orientierten Indikation. Aus medizinischer Sicht existiert kein nachvollziehbarer Grund, einem beschwerdefreien Jungen dessen asymptomatische Vorhaut zu entfernen."


    Vielleicht kann Dir jemand im Forum eine Vollversion dieses Artikels besorgen.


    Ganz konkret möchte familienrechtlichen Verfahren möchte ich dir drei Sachen raten.


    1. Du solltest Dir dabei unbedingt fachkundigen juristischen Beistand besorgen.

    – Das versteht sich eigentlich von selbst.


    2. Darüber hinaus solltest du dir noch medizinischen Rechtbeistand besorgen.
    – Du bist doch wohl auch berechtigt, in der Verhandlung "Experten-Zeugen" zu benennen? Du kannst dich dabei an die schon genannten Ärzte wenden. Dr. Thomas Kreutzig-Langenfeld, Dr. Bühmann, Prof. Maximilian Stehr, Dr. Christoph Kupferschmid.

    Zu den einzelnen Medizinern gibt es folgendes zu sagen:

    * Kreutzig-Langenfeld kenne ich nicht.

    * Ich weiß, dass Maximilan Stehr sich mit dem Themenkomplex bestens auskennt, er einiges zum Thema "Beschneidung" punliziert hat, und auch ganz speziell zu deiner Problematik - fehlerhaft indizierte Beschneidung wegen physiologischen Phimosen/Vorhautverenungen - Artikel publiziert hat. So etwa diesen Artikel hier, der perfekt zu deinem Problem passt: http://www.eu-focus.europeanurology.com/article/S2405-…0157-8/fulltext Er hat meines Wissens auch auch schon Gerichtgutachten verfasst.

    * Dr. Christoph Kupferschmid kennt sich zum Thema fehlerhaft indizierte Beschneidungen und Vorhautentwicklung auch bestens aus. Er hat ein Buchartikel verfasst, das in dem "beschneidung-von-jungen.de" Artikel zitiert wurde. Kupferschmid C. Die Beschneidung von Knaben aus kinder- und jugendärztlicher Sicht. In: Franz M, editor. Die Beschneidung von Jungen Ein trauriges Vermächtnis. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2014; p.87. Ob er Erfahrungen mit Gerichtverfahren weiß ich allerdings nicht.


    3. Du kannst auch versuchen, dich an den Berufsverband der Kinder und Jugendärzte direkt wenden.

    https://www.bvkj.de/startseite/

    Die haben eine ziemlich aufgeklärte Position zum Thema. Vielleicht können Die den fraglichen Kinderarzt maßregeln oder dir auch ein Expertengutachten erstellen.

    Eine Entschuldigung einfordern? Was soll der Quatsch? Eine eingeforderte Entschuldigung ist wertlos, die Bitte um Entschuldigung muss schon vom Schuldigen selbst kommen.Bestrafung, Entzug der Approbation und angemessene Entschädigung wären das Mindeste. Bei Frauen wird das auch so gehandhabt, da setzt es bis zu 15 Jahre Haft.


    Wer denkt denn immer gleich das Schlechteste von den Menschen???


    Damit ist wohl gemeint, dass der Ausdruck von Zorn und Wut des Patienten gegenüber dem Arzt, dazu führen könnte, dass der Arzt/verantwortliche Operateur seine Schuld einsieht und sich entschuldigt. Nicht der Betroffene soll zu einer Entschuldigung bewegt werden, sondern der Verantwortliche.


    Zitat von Selbstbestimmung

    Wer einem beschwerdefreien Jungen die Vorhaut amputiert der ist nicht "fully in command of the current medical literature" - ein Widerspruch in sich.


    Die Autoren gehen anscheinend davon aus, dass eine Phimose im Sinne einer nicht-retrahierbaren Vorhaut in jedem Fall eine behandlungsbedürftige Erkrankung darstellt und eine Indikation zur Beschneidung, was wie wir wissen nicht der Fall ist.

    Es wäre auch möglich, dass die Autoren nur von einem Fall pathologischer Phimose sprechen, bei dem die Beschneidung, die einzig verfügbare Therapieoption darstellt.

    Die Autoren des Artikels sind Medizinethiker und keine Ärzte. Sie behandlen die Frage der Beschneidung nur von einer rein ethischen Perspektive. Es ist sehr gut möglich, dass sie mit den Details der Diagnose und zeitgemäßigen Behandlung von Vorhauterankungen selbst nicht vertraut sind, dass sie selbst zum Thema nicht "fully in command of the current medical literature" sind. Ich denke es geht ihnen nur darum, die völlig anlasslose, "routinemäßige" Operation von einer medizinisch-indizierten, notwendigen Operation abzugrenzen, wofür Sie sich mit der sehr häufigen"Scheindiagnose Phimose" ein denkbar schlechtes Beisipiel herausgesucht haben.


    Generell ist aber doch ein Fortschritt, wenn im Ethik-Journal der American Medical Association ein Artikel erscheint, der die Beschneidung nicht-einwilligungsfähiger Kinder als medizinethisch unzulässigen Eingriff betrachtet. Oder?

    Wir sollten das in diesem Fall nicht so verbissen sehen, und alles negativ interpretieren oder etwas negatives in den Text hineininterpretieren, was gar nicht im Text enthalten ist.

    Es ist schon länger bekannt, dass eine Lichen Sclerorus auch konservativ mittels Corticosteroid-Salben therapiert werden kann.

    Der Britische Dermatologen Verband (British Association of Dermatologists, kurz BAD) empfiehlt in ihrer Leitlinie * zur Lichen Sclerosus die Cortocosteroid-Therapie sogar als Behandlung erster Wahl:


    * Neill SM, Tatnall FM, Cox NH. Guidelines for the management of lichen sclerosus 2010. Br J Dermatol. 2011 Apr;164(4):894-5.


    Surgical treatment of childhood phimosis by circumcision has demonstrated the presence of LS in a high proportion of cases. It is now being recognized that a trial of a topical steroid should be tried prior to circumcision in all cases of phimosis independent of aetiology and that circumcision should be reserved for treatment failures


    Und auf Deutsch:

    Chirurgische Behandlungen von Phimosen im Kindesalter zeigte die Präsenz einer LS bei einem großen Anteil der Fälle. Heute ist bekannt, dass ein Therapieversuch mit einem topischen Steroid vor der Zirkumzision bei allen Fällen von Phimose unabhängig von ihrer Krankheitsursache erfolgen sollte, und dass Zirkumzisionen auf Behandlungsmisserfolge begrenzt sein sollten.

    Es mag durchaus sein, dass du recht hast.

    Aber was sollen wir jetzt dagegen tun? (Das ist die entscheidende Frage.....) Sich hier im Forum oderntlich herumempören.... Dadurch ändert sich doch leider nichts.

    Ich bin selbst auch "empört" -mehr als du dir vielleicht vorstellen kannst, und ich kann deine Gefühle wirklich zu 100% nachempfinden. Aber Empörung allein - auf einem Forum, das kaum jemand liest, bringt es nicht.