Beiträge von Sokrates

    Zitat

    Löst sich in den meisten Fällen bis zum 5.-6. Jahr in manchen Fällen dauert es länger.

    Nein, dem ist nicht so. Nicht in dem meisten Fällen. Und die im Artikel zitierten Studien belegen das nicht.

    Diese falsche Vorstellung, die Vorhaut würde im Regelfall bis zum 5-6.Lebensjahr reponibel und die darauf beruhenden "Deadlines", sind wahrscheinlich der Hauptgrund für fehlindizierte Beschneidungen von Kindern.

    Der Beitrag hat auf Twitter eine Diskussion (Tweetsturm) eine Diskussion ausgelöst.

    Unter dem Hashtack "Eichelkäse". Viele Twitter-Nutzer lassen sich darüber aus, dass Eichelkäse nicht normal sei.

    Das Schaubild enthält noch weitere Fehlinformationen. So ist ein Mikropenis keineswegs "normal" sondern eine Erkrankung, der wiederum mit anderen Grunderkrankungen assoziert sein kann. Die Autoren meinten wohl einen sehr kleinen Penis.


    Allerdings gibt es auch kritische Wortmeldungen zur Beschneidung:

    https://twitter.com/n0tacat/status/1524024417701048321


    Wer bei Twitter zufälligerweise aktiv ist, kann sich bei der Diskussion beteiligen.

    Hallo Mireille,

    Wenn dein Sohn keine Beschwerden hat, gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund für eine Beschneidung.

    Dein Sohn scheint nach deinen Schilderungen einfach noch eine normale entwicklungsbedingte nicht-zurückziehbare Vorhaut haben - auch häufig "physiologische Phimose" genannt.

    Bei einigen Jungen löst sich diese physiologische Phimose eben erst während der Pubertät vollständig.

    Ich verweise auf ein Interview in der Fachzeitschrift "Monatsschrift Kinderheilkunde" mit einem der Hauptautoren der deutschen Leitlinie zur Phimose und Paraphimose:

    Wurde ein Junge wegen einer Leistenhernie operiert und fanden die Ärzte dabei eine Vorhautenge, die für das Alter aber möglicherweise noch physiologisch war, dann haben sie die Vorhaut häufig entfernt, nach dem Motto: Jetzt ist das Kind schon unter Narkose, dann machen wir das mit und das Problem ist gelöst. Das darf nicht sein! Daher haben wir geschrieben: Eine Therapie sollte nur dann erfolgen, wenn die Phimose Beschwerden verursacht, und nicht einfach, weil sie da ist.

    (....)


    Es schreibt niemand vor, wann sich eine Phimose gelöst haben muss. Früher hieß es, die Vorhaut muss sich bis zum Schulalter zurückstreifen lassen. Das ist Unsinn, das kann auch erst mit 15 Jahren passieren. Wichtig ist es, etwaig existierende Beschwerden zu beachten. Wir müssen uns daher vom Präventionsgedanken lösen, also von der Vorstellung: Der Junge hat zwar noch keine Probleme, könnte aber welche bekommen, wenn wir nicht beschneiden. (...)

    Ich weiß nicht, wie weit die körperliche Entwicklung bei deinem Sohn fortgeschritten ist. Ich nehme aber an, dass er mit 13 Jahren noch relativ am Anfang der Pubertät steht.

    Ich würde einfach mal abwarten. Wenn er gegen Ende der Pubertät die Vorhaut dann noch komplett unbeweglich sein sollte, kann man darüber nachdenken, eventuell eine konservative Salbenbehandlung durchzuführen, und der Entwicklung etwas nachzuhelfen.

    Wir wissen doch und haben hier schon oft behandelt, dass laufend Gefälligkeitsdiagnosen ausgestellt werden. Gefälligkeit gegenüber den nicht so betuchten Eltern, nicht gegenüber dem Jungen.
    Da haben dann die "phimosekranken" Jungen seltsamerweise alle arabische oder türkische Vornamen. Also wirklich, Zufälle gibt's!
    Tips, zu welchem Arzt man dann am besten geht gibt es in "einschlägigen" Foren zu Hauf.

    Ja, da hast Du freilich recht. Ich sage auch nicht, dass es solche Fälle nicht gibt. Nur, dass sie die Mehrheit der Fälle darstellen, wissen wir nicht.

    die Mehrheit von den 32k sind aber vermutlich zugewanderte die aus Religiösen Beschneiden liesen(Medizinisch indiziert) ich denke mal, mit einigen Ärzten kann man reden dass die einfach rein schreiben es sei Medizinisch..


    Da bin ich mir gar wirklich sicher - ob die Mehrheit wirklich religiös motiviert ist. Wir wissen es nicht. Ich nehme an, dass ein großer Anteil schlicht fälschliche Indikationen aufgrund fehlerhafter Diagnosen ausmacht.

    32 000 vermeintlich medizinisch indizierte, krankenkassen abgerechnete Beschneidungen in Deutschland im Jahr 2020.

    Wie viele das sind, wie wie groß der Anteil der unbegründeten Beschneidungen tatsächlich ist, wird überdeutlich, wenn man diese Zahlen mit denen anderer europäischen Ländern vergleicht.

    In Großbritannien wurden im gleichen Jahr etwa 9,500 Beschneidungen Jungen unter 16 Jahren innerhalb des staatlichen britischen Gesundheitssystemen durchgeführt.

    Diese Zahl ist selbst unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen deutlich niedriger als in Deutschland. Die Geburtenrate in Großbritannien war in den vergangenen Jahren nur geringfügig niedriger als die in Deutschland.

    Und selbst diese im Vergleich zu Deutschland deutlich niedrige Zahl ist nach Ansicht führender britischer Kinderchirurgen immer noch zu hoch:


    Boys and young men are being circumcised unnecessarily by the NHS, risking sexual problems in later life, doctors at one of Britain's leading children's hospitals have warned.


    Surgeons at Alder Hey Children's NHS Trust, Liverpool, have criticised surgeons who offer the operation on medical grounds – suggesting they should be looking for less invasive alternatives.

    In an official report, the hospital's leading paediatric surgeon, Professor Simon Kenny, claims that more than half of the 9,500 circumcisions carried out for medical reasons each year in the UK should never have happened.

    Beim ersten Podcast hatte ich noch vermutet, die Beschneidungsverharmlosung wäre einfach auf fehlende Information und Gleichgültigkeit zurückzuführen. Einfach ein paar daher gesagte Dummheiten und Vorurteile, weil man das irgendwo schon mal gehört oder gelesen hat. Aber jetzt, nach dem erneuten Podcast, sieht das für mich anders aus. Jetzt denke ich, dass da mehr dahinter steckt.

    Diesen dreien scheint es tatsächlich darauf anzukommen, die Beschneidung zu verharmlosen.

    Ich kann den Artikel jetzt lesen. Ich weiß nicht, was da los war.

    Jedenfalls. Der Artikel enthält eine sehr problematische Stelle:


    Zitat

    Die meisten beschnittenen Männer kennen diesen Unterschied allerdings nicht, da die Operation, ob medizinisch oder religiös begründet, an ihnen im Kindesalter vorgenommen wurde. Ihr Gehirn vernetzt sich daher, wie man annehmen darf, schon zu Beginn der Pubertät sozusagen zu hundert Prozent mit den bestehenden Nervenenden – und der sexuelle Genuss wird niemals als vermindert erlebt. Insofern kann man festhalten, dass man sie keiner Genussfähigkeit beraubt.


    Das ist natürlich eine sehr abstruse Theorie. Und neurologisch ergibt das alles auch keinen Sinn. Wie soll man sich das vorstellen, "vernetzt sich zu hundert Prozent mit den bestehenden Nervenenden"?!