Beiträge von Sokrates

    Du hast recht, die Seite Wunderweib ist wirklich nicht viel relevanter. Normalerweise hätte ich auch nichts dazu geschrieben. Ich war damals wohl in der Stimmung dazu. Anderseits ist es eine deutschsprachige Seite und es besteht zumindest zumindest die realistische Chance, dass jemand diese Seite liest und sich von ihr beeinflussen lässt.


    Aber wer im deutschsprachigen Sprachraum würde je auf diese Seite einer Kinderarztpraxis aus der amerikanischen Provinzstadt "Wheatfield" Beachtung schenken, wenn es hier im Forum nicht berichtet würde.

    Auch liest sich dein Beitrag für den oberflächlichen Leser - "Tightening of the foreskin (phimosis) within first 15 months - Natural baby boys: 3 to 4 out of 100 - Ist das ein Problem?" - eine möglicherweise medizinisch korrekte Äußerung oder zumindest eine diskutable Position - und kein unbelegter Fehlinformation, der auf einer völligen Unkenntnis der normalen Vorhautentwicklung fußt.


    Und wie Du weißt: Bei diesem Thema ist es recht einfach, irgendeine Unsinn in die Welt zu setzen, aber es kostet dann sehr viel Aufwand und Argumentation, um ihn zu widerlegen.

    Wenn man derartige Fehlinformationen von Webseiten im Forum schon verbreitet, dann sollte man sie auch gleich widerlegen bzw. korrekte Information liefern, statt sie unkommentiert und unkorrigiert weiter zu verbreiten. Wenn man das nicht tut, dann ist es besser, insbesondere wenn es sich um eine relati irrelevante, einflusslose Seite ist, besser nichts dazu schreiben.

    Hier war heute ein Stand der Rüdiger Nehberg Stiftung gegen weibliche Verstümmelung. Ich habe einmal gefragt ob sie denn auch etwas gegen männliche Verstümmelung unternehmen. Die Antwort niederschmetternd, Sieht doch viel besser aus und da ist doch noch niemand dran gestorben! Wie Blind auf einem Auge kann man denn noch sein? Sicher ist weibliche Genitalverstümmelung schlecht, aber die Augen vor männlicher zu verschließen geht gar nicht.

    Was sind denn das für Leute an diesem Stand? Mal ganz ehrlich: Mir ist es sogar relativ egal, wenn die Rüdiger Nehberg Stiftung sich ausschließlich gegen die weibliche Verstümmlung einsetzt. Das ist aus meiner Sicht legitim. Dann erklärt man eben, dass sich die Stiftung sich ausschließlich dem Kampf gegen diese Praktiken verschrieben hat - und fertig.

    Aber dass sie sich dann noch auf solch eine verharmlosende Weise über die Beschneidung äußern, ist einfach nur unerträglich.

    Die Aussage, es sehe besser aus, ist besonders abstoßend, wenn man bedenkt, dass es sich beim Themas männliche Verstümmlung auch vorrangig um die zwangsweise Beschneidung von Kindern dreht, denn diese ist bei der männlichen Genitalverstümmlung das vorrangige ethische Problem.

    Ästhetisch-sexuelle Vorlieben für die Genitalien von Erwachsen werden durch diese Argumentation also auf die Körper von Kindern projiziert.

    Das ist schon erstaunlich. Es geht hier um weibliche Genitalverstümmlung des Typs 1.

    Der Typ 1 hat zwei Kategorien:

    Typ 1 a - (Teilweise) Entfernung des sichtbaren, äußeren Teils der Klitoris und der Klitorisvorhaut.

    Typ I b - Entfernung der Klitorisvorhaut


    Sollen wir jetzt ernsthaft glauben, dass die Entfernung von Teilen der Klitorismus absolut keinen Effekt auf die sexuelle Zufriedenheit der Frauen hat?

    Wenige Tage nachdem eine bahnbrechende Dokumentation zur Beschneidung und ihren Folgen ausgestrahlt wurde, geht es schon wieder weiter mit der Verbreitung von fragwürdigen Informationen zum Thema.

    Im auf der Webseite "Wunderweib.de" veröffentlichten Artikel "Beschnittener Penis: Das musst du beim Sex beachten" werden die sexuellen Folgen der Beschneidung verharmlost. (https://www.wunderweib.de/beschnittener-penis-119564.html)

    Der Artikel beginnt eigentlich recht positiv, in dem er gängige "Vorteile" des Eingriffs widerlegt. Doch dann wird es schräg, wenn die Autorin schreibt:


    „Eine Beschneidung macht Penis und Eichel unempfindlich“. Die Techniken der Zirkumzision sind darauf bedacht, möglichst viel Sensibilität zu erhalten. Einen gewissen Unterschied kann es geben, aber unempfindlich wird die Eichel nicht.


    Sowas habe ich in den all den Jahren, in denen mich mit dem Thema befasse, noch nie gehört. Das ist kompletter Schwachsinn.
    Sämtliche gängigen medizinischen "Techniken" zur Beschneidung sind seit Jahrzehnten praktisch unverändert. Und natürlich sind diese nicht "darauf bedacht", möglichst viel Sensibilität der Eichel zu erhalten.

    Wie sollte dies überhaupt theoretisch möglich sein? Bei jeder vollständigen Beschneidung wird die Peniseichel weitgehend freigelegt. Das ist Sinn und Zweck des Eingriffs. Die Auswirkungen für die Peniseichel durch die Freilegung und das Ausgesetztsein gegenüber Umwelt und Kleidung sind also gleich.

    Im Kapitel "Ist ein beschnittener Penis unempfindlich?" räumt die Autorin dann doch ein, dass die Beschneidung die Peniseichel weniger empfindlich macht. Hier widerspricht der Artikel seiner "Grundaussage", dass die Beschneidung hinsichtlich Sexualität harmlos sei. Aber, so der Tenor des Artikels, dies sei alles nicht so schlimm, weil die Eichel ja nicht "umempfindlich" würde.

    Stellt nicht bereits diese teilweise Reduktion an Empfindlichkeit der Eichel ein Nachteil der (überwiegend zwangsweise) Beschneidungs-Betroffener dar? Oder müssen Männer durch ihre Beschneidung komplett umempfindlich werden, bevor man von einer Beeinträchtigung sprechen kann? Würde die Peniseichel tatsächlich vollkommen unempfindlich, wäre Sex vermutlich nicht mehr möglich.

    Zitat von Wunderweib

    Die sensible Eichel, die unbeschnitten von der Vorhaut geschützt ist, ist bei einem beschnittenen Penis freigelegt. Die Kleidung reibt daran und so wird sie mit der Zeit etwas weniger sensibel. Das heißt aber nicht, dass ein Mann nach einer Beschneidung unempfindlich ist. Die heutige Medizin ist darauf ausgelegt, dass das nicht passiert.

    Die ganze Diskussion der Sensibilität in diesem Artikel begrenzt sich einseitig auf die Peniseichel.

    Die Bedeutung der Sensibilität der Vorhaut, welche sich von der Art von jener Eichel unterscheidet, und ihr Verlust durch die Beschneidung, findet in diesem Artikel keine Beachtung. Die Vorhaut ist einfach nur ein "Stück Haut".

    Auch die mechanischen Funktionen der Vorhaut und die Auswirkungen ihres Verlustes werden ignoriert. Allerdings finden diese indirekt dennoch Erwähnung, wenn die Autorin an verschiedenen Stellen zur Verwendung von viel Gleitgel rät.


    Alles in allem verharmlost der Artikel die sexuellen Auswirkungen der Beschneidung. Der Grundtenor des Artikel lautet: Vorhaut mit oder ohne - für den Mann mache das generell keinen Unterschied. Das, was bei der Beschneidung entfernt, die Vorhaut, ihre Funktionen und Empfindlichkeit findet dabei keine ernsthafte Beachtung.

    Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, gibt es auf der Facebook-Seite von Arte auch einen Beitrag zur Dokumentation, der eine beträchtliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Über 1700 Kommentare! gibt es unter dem Beitrag.

    Das ist wirklich extrem viel - verglichen mit den Kommentarzahlen zu anderen Postings der Facebook-Seite. Offenbar scheint es doch einiges an Gesprächsbedarf zu diesem Thema zu geben.


    Allerdings scheinen einige Kommentatoren diese Dokumentation gar nicht gesehen zu haben.


    Hier ist der Link zum Beitrag, wenn ihr bei Facebook einen Account habt und euch an der Diskussion beteiligen wollt:

    https://www.facebook.com/artede/posts/p…E2sd6hCfmnquHyl

    Die Gegenseite? Die Presse und der ÖRR haben hundertmal mehr einseitige pro BGM-Artikel / Sendungen gebracht, darüber hat sich Oliver Jung anscheinend nie aufgeregt.
    Ich sage mal schnell: Bommarius (FR) Prantl (SZ), Zaimoglu (FAZ), Rabinovici (SZ) ... u.v.a.m. Entschieden parteiisch!

    Ok. Ich halte den Vorwurf, parteiisch zu sein, auch für unbegründet und an den Haaren herbei gezogen.
    Wann hat die FAZ in jüngster Zeit die "Einseitigkeit" von TV-Formaten oder Dokus zu anderen Themen kritisiert?

    Allerdings sind das jetzt Kommentare und keine Dokumentationen.

    "Vielen" - weasel word. Die große Mehrheit der Deutschen hat die Jungenverstümmelung 2012 abgelehnt

    Weltreligionen, Weltreligionen - immer wieder Weltreligionen! Was ist das für ein Argument?


    Haben Weltreligionen automatisch Recht?

    Ist es überhaupt sein Argument.
    Interessant ist die Formulierung "galt vielen". Damit schreibt Junge diese Sichtweisen gewissermaßen Fremden zu - den "vielen". Ob es auch seine eigene ist!?

    Eine interessante Formulierung, um Standpunkte vorzubringen ohne sich persönlich dafür verantwortlich zu machen.


    Das entbehrt tatsächlich nicht einer Ironie, dass eine Dokumentation über einen operativen Eingriff an Kindern, (darum geht es ja) für Kinder nicht geeignet sein soll.

    Alles was Juristen für das Beschneidungsgesetz schreiben...da hätte ich gerne NUR eine Antwort auf die Frage "Darf es in einem Rechtsstaat ein Gesetz geben, dass etwas erlaubt?"

    Das frage ich mich auch: Vor allem wenn diese Erlaubnis darauf ausgerichtet ist, ein Strafgesetz außer Kraft zu setzen, welches ein fundamentales Grundrecht (Recht auf körperliche Unversehrtheit) schützt.

    Als ob ein Messer Werkzeug der Erziehung sein könnte

    Ja, das meinte ich, als ich schrieb "Es ist traurig, wie Klöckner es in ihrer Antwort schafft, so viel Unsinn in nur wenigen Zeilen Text zusammenzupacken. Es bedürfte viel mehr Text, um diese Äußerungen zu widerlegen." Schon in diesem einen Satz steckt wieder so viel Unsinn und auch Widersprüche zu ihren Standpunkten zur weiblichen Genitalbeschneidung, dass ich gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

    Noch etwas: Es ist traurig, wie Klöckner es in ihrer Antwort schafft, so viel Unsinn in nur wenigen Zeilen Text zusammenzupacken.

    Es bedürfte viel mehr Text, um diese Äußerungen zu widerlegen.

    Hier fühle ich mich an Mark Twains Zitat erinnert:

    Zitat

    "Eine Lüge geht um die halbe Welt, bevor die Wahrheit Zeit hat, ihre Hosen anzuziehen"

    Es ist stets einfach irgendwelche kruden Behauptungen aufzustellen. Es bedarf dann stets langwierigen Argumenten und Belegen, um diese zu widerlegen.

    Krass, was diese Dame da für einen Sinneswandel durchgemacht hat. Als es um Frauenrechte ging stand für sie "das Grundgesetz über der Religion, [...] denn Religion kann jeder auch neu individuell zusammenzimmern" (siehe oben). Aber wenn es um Jungen geht, ist die Amputation eines gesunden Körperteils von "elementarer religiöser Bedeutung" und "gefährdet das Kindeswohl in der Regel nicht".

    Ich weiß nicht, aber besteht die Möglichkeit, eine Rückanfrage zu senden? Denn wenn es der Fall ist, kannst Du Sie vielleicht mit ihren offenkundigen Doppelstandard bezüglich Religionsfreiheit und weiblicher und männlicher Beschneidung konfrontierten.


    Ich habe mir die Seite angesehen. Es gibt da anscheinend keine Möglichkeit auf Rückanfrage. Aber vielleicht kannst Du eine neue Anfrage stellen?

    Zitat

    Da die Beschneidung von Jungen keine allzu großen Risiken birgt, setzen wir uns nicht für ein Ende der männlichen Beschneidung ein.


    Was für ein Zynismus. In diesen Äußerungen kommt eine Sichtweise zum Ausdruck, die Betroffene von Komplikationen als Kollateralschäden verharmlost.

    Was sind keine "allzu großen Risiken" angesichts von Millionen Beschneidungen jährlich allein in Afrika?!