Beiträge von Felix74

    Teil 2 der langen Geschichte :)

    ## Was ist nach der OP geblieben?

    - Ich habe dieses Gefühl eines permanenten Juckreizes auf der Eichel (LS-Balanitis), aber das spüre ich nur, wenn ich tief entspannt aufwache, und vielleicht bringt mich das einfach dazu, mehr zu masturbieren, damit das gute Gefühl überwiegt.
    - Mein Urinstrahl ist extrem langsam, wie Tests vor und nach der Operation gezeigt haben. Ich vermute, das liegt daran, dass der Lichen in die Harnröhre gekrochen ist, aber ich habe es satt, weitere Ärzte zu konsultieren. Kaum EINER von ihnen weiß überhaupt etwas über LS (die Dermatologen verweisen auf die Urologen und umgekehrt), und das Problem mit dem HArnstrahl zu beheben, wäre wahrscheinlich eine sehr sehr komplexe Operation. In der EU gibt es vermutlich nur eine Handvoll Experten dafür, und ich habe einfach keine Lust, deswegen herumzureisen – mit dem langsamen Urinstrahl kann ich leben.


    ## Wie ist der Sex vorher und nachher?

    Nicht ALLZU unterschiedlich, würde ich sagen.
    Die Gefühle, die durch die zwei fehlenden Vorhautschichten verloren gegangen sind, werden wohl irgendwie durch das direktere Gefühl der freigelegten Eichel ausgeglichen.
    Der Masturbationsstil hat sich ein bisschen verändert; wenn ich Gleitmittel benutze, ist es ziemlich geil, über die Eichel zu reiben (ohne geht es gar nicht), aber auch andere Arten der Stimulation sind völlig in Ordnung. Gott sei Dank haben sie mir mein Bändchen (Frenulum) gelassen! Das ist mittlerweile sicher der gefühlsintensivste Teil an mir.

    ## Fazit / Erkenntnisse

    1. Es IST möglich, mit einer ausgeprägten Phimose Sex zu haben. Zumindest für mich. Aber das ist mit sicherheit von Fall zu Fall verschieden. Rückblickend denke ich, dass ich mich auch hätte nicht beschneiden lassen können und dasselbe Sexleben gehabt hätte.

    2. Psychologisch gesehen bin ich mittlerweile so alt, dass ich nicht mehr zu einem "exhibitionistischen" Menschen geworden bin (das meine ich jetzt sehr allgemein, als Gegenteil von introvertiert) – obwohl ich keine Angst mehr davor haben muss, da unten wie ein „Freak“ auszusehen, wie ich es mit meiner Phimose hatte. Beschnittene Penisse sind in meiner Umgebung zwar immer noch eher selten zu sehen, aber in der Sauna ist mir das völlig egal.

    3. Meine Frau hat tatsächlich mal gesagt, dass sie meinen Penis lieber mochte, als die Eichel permanent bedeckt war. Sie bläst mir also nicht häufiger einen als vorher, aber sie ist generell nicht so der Typ für Oralsex. Sie mag es hauptsächlich vaginal, was ich ein bisschen langweilig finde, aber ihre Klitoris ist so empfindlich, dass sie mein Lecken kaum ertragen kann.
    Fazit: Nicht alle Frauen bevorzugen eine freiliegende Eichel, ob nun beschnitten oder zurückgezogen!

    4. Kann ich jetzt länger oder kürzer durchhalten? Kein großer Unterschied. Ich würde sagen dass ich länger durchhalten kann, aber das kann auch daran liegen, dass ich in einer monogamen Beziehung lebe und deshalb mit meiner Partnerin weniger nervös bin als bei Affären – ich habe mich besser unter Kontrolle. Und es liegt vllt. auch an meinem jetzigen Alter (>50), in dem die Libido ja wohl sinkt.

    5. Ich habe beschlossen, nicht mit Schmerz und Reue zurückzublicken. Manchmal wirft das Leben einem einfach Scheiße vor die Füße, wie jemand anderes hier in den Foren geschrieben hat. Lichen Sclerosus ist ein mieses Ding, und man kann es sich nicht aussuchen. Manche Frauen leiden noch viel schlimmer darunter.


    Die einzigen zwei Wege, die ich mir vorstellen könnte und die für mich besser gewesen wären, sind:

    * a. Dass ich nicht Ja zur Beschneidung gesagt hätte. Aber da kein einziger Mensch, weder Experten noch Patienten, mir davon abgeraten hat, sondern ALLE zur Beschneidung geraten haben, habe ich mich eben dafür entschieden.

    * b. Wenn diese Schulärztin damals meine Vorhaut untersucht hätte, anstatt meiner Notlüge zu glauben, wäre ich wahrscheinlich mitten in der Pubertät beschnitten worden. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie schlimm ich das empfunden hätte – aber ich wäre nicht mit diesem Gefühl aufgewachsen, ein Freak zu sein, der sich kaum einem Sexualpartner zeigen kann.

    Also Jungs und Männer, wenn ihr von einer Phimose betroffen seid, die wahrscheinlich durch LS verursacht wird: Bedenkt dies und trefft eure Entscheidung!
    Wartet nicht lange hin, leidet nicht schweigend, das Leben ist zu kurz für wenig Sex !

    ## Die lange Version :)

    ## Kapitel 1 – Kindheit
    Die Geschichte beginnt, als ich 4 Jahre alt war.
    Es war ein gutes Jahr für mich, weil ich nicht in den Kindergarten ging, sondern den ganzen Tag mit meiner Mutter zu Hause rumhing und mit unserer jungen Katze spielte. Eines schönen Tages schleppt mich meine Mutter zu einem Arzt und bittet ihn… mich zu beschneiden. Völlig aus dem Nichts für mich – ich verstand nicht einmal, was das bedeutete. Für sie kam es wohl etwas weniger aus dem Nichts, da das Ende der 70er Jahre in Norditalien irgendwie im Trend lag – einem Land ohne Routinebeschneidung, aber mit etwas US-amerikanischem Einfluss. Mein Vater war wohl ein paar Jahre zuvor als Erwachsener beschnitten worden. Dieser Arzt zieht mir also die Hose runter, schaut sich meinen kleinen Penis an und... verschont mich – mit einer antisemitischen Bemerkung – vor der Beschneidung.
    ABER… er führt stattdessen direkt an Ort und Stelle diesen Eingriff an mir durch, der die Verklebung der Vorhaut mit der Eichel trennt. Mit stumpfen Instrumenten, ohne Betäubung, kaum Bluten, aber es TUT WEH! Es tut höllisch weh für diesen unschuldigen, ahnungslosen Jungen, der ich damals war. Er sagt uns: „Das ist die Eichel“ – ich hatte vorher nicht den leisesten Schimmer, dass dieses lila, ultra-empfindliche Ding unter meinem geliebten, langhäutigen Rüsselchen lag, meinem Penis.
    Es tut so weh, dass ich kaum nach Hause laufen kann. Seitdem zieht mir meine Mutter jeden Samstag beim Baden die Vorhaut zurück, um sicherzustellen, dass die Verklebungen, die ganz unten am Kranz (Corona) gerne wiederkommen, wieder entfernt werden, und das tut imer wieder weh. Während meine Schwestern in derselben Badewanne sitzen und zuschauen. Nicht schön, aber das Zurückziehen wird für mich zu einem ziemlich angenehmen Gefühl, wenn ich allein bin. Mein Lieblingsspiel: Unter der Bettdecke die Vorhaut zurückziehen während ich Pumuckl lese, einen Finger hineinstecken und die Vorhaut wieder nach oben rollen. Gute Gefühle, und als ich etwa 10 Jahre alt bin, lässt Mama mich das alleine in der Wanne machen und fragt nur noch nach.


    ## Kapitel 2 – Pubertät

    Als ich ca. 10 Jahre alt war, lag ich wegen einer schweren Grippe im Krankenhaus. Der Arzt kommt an mein Bett und greift sich, ohne ein Wort zu sagen, meinen Pimmel und zieht meine Vorhaut zurück. Keine Probleme – ich schätze, meine Mutter hatte ihn gebeten, das zu überprüfen.

    Mit etwa 12 Jahren beginnt die Vorhaut an der Spitze einen Ring zu bilden: Als ich eines Tages im Wald masturbiere, ziehe ich die Vorhaut zurück und schaffe es kaum, sie wieder nach vorne zu bringen. Eine leichte Paraphimose, aber ich schaffe es, sie wieder richtig hinzubekommen. Ab da versuche ich das Zurückziehen nie wieder. Ich habe in allen verfügbaren Büchern in den Bibliotheken und Buchgeschädten alles über die Vorhaut, Phimose, Paraphimose und Beschneidung gelesen, sodass ich mittlerweile weiß, was das alles bedeutet – und was meine Mutter damals an mir machen lassen wollte, als ich im besten Alter für Freudsche Kastrationskomplexe war.
    In der Mittelschule (vielleicht mit 13) zieht uns eine Schulärztin die Hosen runter, zählt bei meinen Hoden bis 2 und fragt mich, ob ich meine Vorhaut zurückziehen kann. In schierem Entsetzen lüge ich und sage Ja. Hose wieder hoch.


    ## Kapitel 3 – Adoleszenz

    Hier kommt der psychologisch schmerzhafte Teil: Ich gewöhne mich an meine Phimose, die immer enger wird. Keine Probleme, keine Schmerzen, Mama fragt nie wieder nach, aber ich fühle mich wie ein Freak. Ich traue mich niemals, jemanden an meinen Penis zu lassen oder auch nur einen Blick darauf werfen zu lassen. Das bedeutet, dass ich mich nie auf Mädchen einlasse, obwohl ich genauso bockig bin wie jeder andere auch. Ich bleibe bis weit in meine 20er hinein fleissig masturbierender Jungmann; erst dann fange ich an, heterosexuelle Beziehungen und Sex zu haben, und das ist ziemlich fantastisch.

    Ich kann euch sagen: Als ich die Partnersuche mit den Mädels erst einmal überwunden hatte, war es völlig okay. Keine von ihnen (ca. 4 mehrjährige Beziehungen, 3 längere Sex-Affären, aber nur 1–2 One-Night-Stands) hat sich je darüber beschwert, dass die Eichel nie zum Vorschein kam. Sobald ich hart war und sie feucht waren, war es kein Problem. Also ja, ich konnte mit meiner ausgeprägten Phimose ohne relevante Schmerzen vaginalen Geschlechtsverkehr haben (Analsex habe ich nie ausprobiert), und wir beide haben es sehr genossen. Aber immer wenn ich jemanden abgeschleppt hatte – besonders bei den One-Night-Stands –, habe ich dafür gesorgt, dass sie ihn nicht sieht. Es hat mir riesigen Spaß gemacht und tut es immer noch, sie zu lecken, und besonders ihre Klitoris (die erinnert mich an den kleinen Penis, wie meiner mit 4 Jahren), aber ich war wegen des Aussehens meines Gemuachts so extrem befangen, dass ich fast immer viel zu schüchtern war, überhaupt eine anzureden.

    Die Phimose wurde immer schwerer, ein fester phimotischer Ring an der Spitze, die Öffnung nur noch so groß wie ein Bleistift. Keine weiteren Komplikationen, keine anderen Entzündungen; diese Enge half, Risse zu vermeiden, und ich konnte das Smegma durch „Ballonieren“ auswaschen: indem ich die Vorhautspitze beim Pinkeln mit den Fingern zuhielt. Masturbation war auch großartig; meine lange Vorhaut bot der steifen Eichel genügend Platz und stand immer noch ein bisschen über, und die Gefühle, die ich mir schenken konnte... glorreich!
    Eine Freundin schlug mal eine Beschneidung vor. Ich ging wegen ihr zu einem Arzt. Er schaute sich meinen Penis für 1 Sekunde an und schrieb eine Überweisung für die Beschneidung im Krankenhaus mit buchstäblich diesem Inhalt: "cc wg. ph". Natürlich bin ich nie damit ins KH gegangen.


    ## Kapitel 4 – Erwachsenenalter

    Ich habe eine Frau gefunden und bekam 2 Jungs. Ich habe geweint, als der erste geboren wurde und es ein Junge war: Ich hatte solche Angst, dass ihn ein ähnliches Schicksal ereilen würde wie mich. Es sah nämlich ganz danach aus, dass ich Lichen Sclerosus habe – diese wohl vererbliche Genital-Hautkrankheit, die diesen engen phimotischen Ring bei Jungen bildet und bei Frauen buchstäblich den Grossteil der Vulva wegfressen kann. Meine Vermutung ist, dass auch mein Vater aus diesem Grund beschnitten wurde, aber er hat es mir nie erzählt, und ich war zu beschämt, um ihn zu fragen. Als meine Jungs ca. 4 und 6 Jahre alt waren, wurde bei ihnen ebenfalls eine Phimose diagnostiziert, was in diesem Alter heutzutage eigentlich kein großer Grund zur Sorge ist. Ich erinnere mich, wie ich – allein – zum Spezialisten ging und fast geweint habe; ich will nicht, dass sie beschnitten werden. Ihre Antwort war: Nun, lassen Sie uns das erst einmal anschauen und alle verfügbaren Optionen prüfen. Tatsächlich habe ich es aus schierer Angst nie über mich gebracht, sie dem Spezialisten vorzustellen.
    Dann las ich eines Tages im Bus ein medizinisches paper eines deutschen Kinderurologen aus Bonn, der auf die Behandlung von Lichen spezialisiert ist. Er schreibt, dass er bei allen Jungen mit phimotischem Ring, die er radikal beschnitten hat, histologische Untersuchungen durchführt – und die große Mehrheit stellt sich als LS-Patienten heraus. Nach der Behandlung, so sagt er, neigt der Lichen dazu, zu verschwinden.
    Ich lese diese Arbeit und mir bricht der kalte Schweiß aus! Ich verstehe: Das ist MEIN Fall! Und in meinem Fall hatte der Lichen 30 Jahre Zeit, sich zu entwickeln. Er hat sich wahrscheinlich von der Vorhaut auf die Eichel ausgebreitet, vielleicht sogar noch weiter!
    Ich renne von einem Urologen zum nächsten. Sie alle wissen sehr wenig über LS, aber ALLE schicken mich zur Beschneidung. Die schlimmsten 4 Monate meines Lebens. Ich hasse den Gedanken, mich beschneiden zu lassen, ihr wisst wie teif meine Angst sitzt. Aber da kein Arzt bereit ist, über den LS auch nur ein Wort weiter zu diskutieren, BEVOR ich beschnitten bin, finde ich mich langsam mit dem Gedanken ab. Ich war in dieser Zeit völlig traumatisch gestresst, konnte nicht mehr schlafen, haben 10 kg Gewicht verloren etc.
    Meine Frau hat mich eunderbar unterstützt. So stimmte ich schließlich auf Anordnung einer älteren iranischen Ärztin in Berlin der Beschneidung zu. Sie sagte, die Hälfte der Männer auf der Welt würde vor Schmerzen schreien, wenn eine Beschneidung wirklich so schlimm wäre, wie ich glaubte, und dass sie einen guten Stil der radikalen Beschneidung habe (kein Arzt in Deutschland hätte in meinem Fall überhaupt eine Teilbeschneidung oder plastische Operation in Betracht gezogen, und ich habe viele gefragt!). Sie hat den Stil nicht weiter mit mir besprochen, und ich habe ihr vertraut.
    Am Tag vor Weihnachten wurde ich unter Vollnarkose in der Berliner Universitätsklinik von einem ihrer Studenten operiert. „Sie brauchen wirklich ganz dringend eine Beschneidung“, sagte er.
    Die Genesung war schrecklich, meine Wunde heilte langsam, es dauerte gute 4 Wochen.
    Aber ich war erleichtert. Endlich war der Stress vorbei, meine psychische Gesundheit normalisierte sich langsam wieder und da war ich nun – mit einer nackten Eichel, die seit über 30 Jahren kein Licht mehr gesehen hatte.

    Ein komisches Gefühl in der ersten Zeit. Nicht schlecht, es fühlte sich irgendwie frisch an, mit der (überempfindliche) freiligenden Haut. Es erinnerte mich an meine relativ unbeschwerten Kindheitsjahre zwischen 4 und 12.

    Der histologische Befund ergab: Ja, Sie haben Lichen Sclerosus. Kein Wort mehr darüber, was das bedeutet. Ein Dermatologe stellte fest: Ja, ich sehe, dass sich die Haut der Eichel zu dieser typischen glasigen, weißen Oberfläche umgeformt hat; verwenden Sie viel Kortisoncreme (was ich nicht tue).