Ganz abgesehen davon: Logo hat ja schon berechtigte Einwände vorgetragen.
Mit einer solchen "self reported" Studie kann man wohl kaum objektiv etwas über eine veränderte Empfindlichkeit nach der Vorhautamputation herausfinden.
- Zirkumzision ist nicht Zirkumzision! Es gibt verschiedene Arten von Eingriffen, von "ganz stramm" und radikal inkl. Entfernung des Frenulums bis zu moderaten Zirumzisionen, die einen Teil der inneren Vorhaut belassen - allein das kann schon einen großen Unterschied machen.
"Ästhetische Gründe": Hier betreten wir das Gebiet des Körperfetischismus.
Körperfetischisten sind eine Sorte für sich! So ähnlich wie Autotuner, die ein Serienauto stinklangweilig finden, ständig ihre Karre noch weiter aufmotzen und noch ein paar PS mehr herauskitzeln meinen zu müssen.
Da gibt es Frauen, die geradezu süchtig nach Schönheitsoperationen sind, stolz berichten von 20 solcher OPs an einem Tag.
Ich sehe zweimal die Woche im Fitnessstudio magersüchtige Mädchen und junge Frauen, die aussehen fast wie KZ-Häftlinge und sich immer noch für "viel zu dick" halten. Die ihre Gesundheit schwer schädigen und in den Augen der meisten einfach erschreckend aussehen.
Dann Männer mit monströsen Muskelbergen auf Anabolika-Basis. Dieses Dreckszeug sorgt für schwere Gesundheitsschäden (Herz, Leber u.v.a.m) lässt die Hoden schrumpfen - aber egal! Sie finden sich so toll, sind meist noch von oben bis unten tätowiert, gepierced (den Prinz Albert sieht man natürlich nicht) in den Augen der meisten sehen sie eher nach "Prolo" aus. Besonders bizarr wirkt das alles bei alten Männern, denn da ist sonnenklar, dass da nichts natürlich gewachsen ist - das geht einfach nicht.
Sie meinen, dass ihr Körper eine Art Modelliermasse ist und dass sie ständig daran etwas "verbessern" (in ihrem Scheuklappenblick) müssten.
Wenn sich jemand also aus "ästhetischen" Gründen von seiner Vorhaut trennt - wie sollte der zugeben, dass ggf. der Sex anschließend sich verschlechtert hätte?
Der stände doch als Depp da! Da würden doch alle sagen: "Ätsch! Selber Schuld! Was machst auch so einen Quatsch?"
Es fällt den meisten Männern sowieso schwer, über Probleme mit ihrem Penis zu reden.
Der Penis ist ein wichtiger Prestige-Körperteil des Mannes. Da darf nichts falsch sein, da muss alles perfekt sein! Und - je länger, desto besser! (davon leben wieder die plastischen Chirurgen (dabei kann man den nicht wirklich länger machen, nur ein kleines Stück herausziehen - reine Optik - für den Sex ändert sich (bestenfalls) nichts))
Wenn es keinen Weg zurück gibt hilft nur, sich das Ergebnis schön zu denken und mit Gleichgesinnten schön zu reden (dafür gibt es ja bekanntlich auch Foren)
3. Hygienische Gründe? Gibt es nicht! Niemand lässt sich aus hygienischen Gründen zirkumzidieren, auch wenn das manchmal behauptet wird. Die Reinigung des intakten Penis ist eine Sache von Sekunden, fließend Wasser und Seife steht in Europa überall zur Verfügung und ein Mann, der gepflegt sein will muss sich eh täglich waschen, ob intakt oder vorhautlos. Ein hygienisches Problem kann sich höchstens ergeben, wenn ein Mann eine persistierende Phimose hat. Dann gibt es dadurch meist auch Probleme beim Sex. Wenn dem Zustand nicht durch konservative Therapie abgeholfen werden kann, dann kann ein Triple Incision oder eine moderate Zirkumzison für eine Verbesserung sorgen. Das ist dann aber eine medizinische Indikation und wird auch von den Kassen bezahlt.
4. Religiöse Gründe Das betrifft in der Regel Konvertiten.
Konvertiten werden von der angestammten "Community" oft skeptisch beäugt und meinen sich durch besonderen religiösen Fleiß etablieren zu müssen. Und treten dann oft als Verteidiger der Genitalverstümmelung von Jungen auf, siehe z.B. Gunda Trepp oder Stefan Kramer ("es [die Amputation] tut weh" "es geht darum...für mehr gesellschaftliche Akzeptanz und Verständnis zu werben"). Sie meinen ihrer Gemeinschaft in den Rücken zu fallen, wenn sie Zweifel an der Zirkumzision sähten. Außerdem muss man davon ausgehen, dass es eine Art "religiösen Placebo-Effekt" gibt. Wenn man feste glaubt, dass man durch die Zirumzision verbessert wird, richtig dazu gehört, einen Bund eingeht - dann nimmt man Nachteiliges vielleicht gar nicht wahr oder blendet das aus.
Auf Grund dieser Verzerrungen halte ich eine Befragungs-Studie dieser Art nicht für sinnvoll.
Sinnvoll wären objektive Messungen. Es ist vermutlich nicht einfach, die Qualität eines Orgasmus zu messen. Ich weiß nicht, ob man so etwas per EEG machen könnte.
Oder mit MRT des Gehirns des Mannes wo man evtl. die Aktivität des limbischen Systems bewerten könnte. Es gibt ja MRT-Aufnahmen eines kopulierenden Paares...
PS: Seltsamerweise fehlt ein nicht-medizinischer Grund; Zirkumzison auf Grund von "peer pressure" oder Druck der Partnerin / des Partners.
In letzterem Fall gilt: Vorhautamputation ist für immer - die Liebe meistens nicht
Wie so etwas ausgehen kann hat Z.B. Nils Juel in der taz beschrieben.
Ansonsten gibt es hier im Forum etliche Beiträge von Männern die sich (allerdings auf Grund von Phimose) haben beschneiden lassen - und das bereut haben.