Was ich jetzt aber als Frau nicht tun würde, das wäre, einen Mann von mir aus auf die Beschneidung anzusprechen. Vielleicht würde ich "indifferent" wirken, ohne es zu sein.
Meine Durchschnittserfahrung ist derjenigen der meisten Frauen, die sich hier (und auch auf ähnlichen englischsprachigen Foren) einfinden genau entgegengesetzt. Vermutlich handelt es sich dabei um erwartbare Sampling Bias. Diejenigen die hier posten sind natürlich diejenigen, die es bewusst stört -- das kann der Mann sein, oder die Frau.
Von vielen Frauen die sich hier melden liest man daher typische Sätze wie "ich dachte immer, es liegt an mir" etc.
In meinem Fall ist es natürlich genau umgekehrt. Ich war immer derjenige, der das Thema direkt angesprochen hat -- mitsamt aller Nachteile, die mir bis zum jeweiligen Zeitpunkt bewusst waren. Dabei ging es mir vor allem darum, der jeweiligen Partnerin den Blick auf ihr bisher unbekannte Realitäten unserer ach so "aufgeklärten" Welt zu öffnen. Meine allergrößte Sorge wäre nämlich eine Frau, die demgegenüber indifferent resp. ahnungslos ist und daher blind einem typischen deutschen Quacksalber vertraut, ohne sich auch nur selbständig zu informieren oder Widerspruch zu leisten, Zweitmeinung einzuholen etc.
Frauenzeitschriften werden ja nicht müde, die uralten Propagandamärchen zu wiederholen ("keinerlei Unterschied in der Empfindsamkeit", "keinerlei sexuelle Konsequenzen" etc). In diese Richtung ging von vornherein bei jeder meiner Partnerinnen meine Sorge und mein kommunikatives Bemühen.
Ich hab also praktisch jede Beziehung damit angefangen, der jeweiligen Frau zu erklären, wie defizitär meine Sexualität ist etc. Anders könnte ich das aber auch gar nicht machen.
Faszinierend und erhellend ist, dass praktisch jede Frau dachte, ich wäre "unsicher" oder würde mich deswegen "schämen" -- was absolut nicht der Fall ist. Diese Frauen haben nur von sich selbst auf mich geschlossen. Viele (vor allem junge) Frauen sind ja eher unsicher, was ihren Körper angeht. Daher musste ich dann sehr genau ins Detail gehen und erklären, dass es mir eben genau nicht um "Meinungen" geht -- weder um ihre, noch um meine eigene; sondern um die unleugbaren körperlichen Auswirkungen.
An dieser Stelle haben aber praktisch alle Frauen vollkommen dichtgemacht. Keine einzige wollte glauben (oder lernen...), dass an der Vorhautamputation tatsächlich irgendetwas problematisch sein könnte. Jede einzelne klammerte sich an die Vorstellung, ich sei nur unsicher und würde "aus einer Fliege einen Elefanten" machen.
Keine von denen wollte wirklich begreifen, was an der VA problematisch ist. Erst recht hat keine einzige selbständig Recherchen angestellt, obwohl ich alle mit den zum jeweiligen Zeitpunkt besten Links und Adressen versorgt habe.
Nur bei einer Frau kam es zu technischen Problemen, wie sie hier häufig von Frauen geschildert werden (Austrocknen, Wundscheuern). Selbst sie wollte aber nicht begreifen, dass diese Sache, die sich für sie negativ auswirkt, für mich eine regelrecht verheerende Katastrophe ist. Mit anderen Worten: hätte ich das Thema nicht angesprochen, würden diese Frauen sich, entsprechend der Mainstream-Propaganda, weiterhin in dem Glauben befinden, dass es "keinerlei Unterschied" macht. Wie gesagt, mit solchen Frauen (leider wohl die Mehrheit) will ich nichts mehr zu tun haben.
Und die anderen? Die Intelligenten? Denen würde ich sachlich und nüchtern erklären, dass wir in einem Land leben, in dem etwa 90% der Männer intakt sind -- dass sie also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Mann findet, der ganz genauso gut zu ihr passt wie ich, der jedoch intakt ist.
Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr leben. Und nur um das klarzustellen, ich könnte auch niemals in ein Land wie die USA auswandern. Dort kann man das Massen-Trauma regelrecht von der Wand streichen. Keine Dummchen mehr, die es "überhaupt gar nicht schlimm" finden, wenn einem Mann etwa 80% der erogenen Nervenenden amputiert worden sind. Die es "überhaupt nicht stört", wenn das natürlich fast nur bei Kindern und Kleinkindern gemacht wird. Die es "nicht verstehen können", was mich so sehr daran stört, warum ich "so unsicher" bin.
Von den anderen Frauen würde ich mich in beiderseitigem Einvernehmen mit einem freundschaftlichen Händedruck verabschieden -- rasend vor Wut, verzweifelt wünschend ich wäre intakt und könnte eine intime Verbindung eingehen wie es die Natur vorgesehen hat. Aber das ist nie wieder möglich.
Mittlerweile befinde ich mich seit ein-einhalb Jahren in Therapie, ohne jeden Fortschritt. Wie auch. Mein Problem ist ein rein körperliches. Ich bin sexuell verkrüppelt. Inzwischen ist ja auch schon bekannt, dass sich in der inneren Vorhaut Östrogen-Rezeptoren befinden, die wahrscheinlich eine für heterosexuelle Partnerschaften essentielle Bonding-Funktion besitzen. Zerstört, für immer. So ist das eben. Wäre ich eine Frau, könnte ich viel Geld mit einem Buch verdienen. Als Mann jedoch, scheißt die Gesellschaft auf mich und meine Grundrechte.