Beiträge von Joeye

    Och, die Gedanken (und Fantasien) sind bekanntlich frei. :rolleyes:
    Für bloße Mordgedanken wird (noch) niemand eingesperrt. Da wäre es zuerst mal an der Zeit, Mr. "Beschneidung-ist-biomedizinischer-Imperativ!" wegen Anstiftung zur Körperverletzung in allen Schweregraden und mit allen möglichen Folgen dranzukriegen. Denn die sind leider keine reinen Gedankenkonstrukte - Mr. Morris' Fantasien werden täglich tausendfach realisiert.

    Eine Vorhaut für den Fetischisten Morris? Was würde ein Modern Primitive machen, dem man alle Piercings, Brandings, Tatoos und Subdermalimplantate wegzaubert? Wohl schnellstmöglich von vorne anfangen ... ! :D

    Oh mein Gott, ich brauche ein animiertes Icon für ROTFL, am besten mit Beatmungsgerät... ! :D

    Ehrlichgesagt kommen in meinen Allmachtsfantasie-Träumen alle drei Punkte vor. Vor allem der erste, der mit dem Morris, wäre mal ein echt sehenswerter Splatterfilm. OK, ich geb's zu, ich habe mich da wohl von gewissen Theaterstücken inspirieren lassen...

    Sollte ich eine Redaktionsempfehlung bekommen, gebe ich einen aus ... eigentlich könnte ich ja jetzt das Blaue vom Himmel herunter versprechen.


    Nun habe ich doch noch eine Redaktionsempfehlung bekommen, allerdings für einen anderen als den o.g. Beitrag. Gilt das auch? :rolleyes:
    Sei's drum: um meine "Wettschuld" einzulösen, werde ich mir was einfallen lassen. Ich hoffe Ihr seid einverstanden, wenn es etwas Gemeinnütziges im Sinne unseres gemeinsamen Themas hier ist...

    Manchmal möchte ich lieber glauben, dass da irgendjemand beim "Büroschlaf" mit dem Gesicht so unglücklich auf die Tastatur aufgeschlagen ist, dass versehentlich das Tastaturkürzel für "Redaktionsempfehlung" betätigt wurde.
    Ach ja und: Sollte ich eine Redaktionsempfehlung bekommen, gebe ich einen aus ... eigentlich könnte ich ja jetzt das Blaue vom Himmel herunter versprechen. :D

    Zitat von Inert Kappes

    In jedem Fall aber hat die Debatte zur Enttabuisierung dieses Rituals geführt, zumal in Deutschland. (In den USA ist die Beschneidung ein beliebtes Komödienthema).

    Enttabuisiert ist eine im Intimen und Privaten stattfindende Menschenrechtsverletzung also dann, wenn man sich öffentlich darüber lustig machen kann. So lange man es nur nicht als das bezeichnet, was es ist: eine Verstümmelung und sexualisierte Gewalt.

    Offensichtlich lässt sich das Thema auch ganz anders in ein Theaterstück integrieren.

    Aus der heutigen Print-Ausgabe der Süddeutschen (Thorsten Schmitz, "Hautsache gesund", Süddeutsche Zeitung Nr. 245, Freitag, 24. Oktober 2014, Seite 11 [Feuilleton])

    Zitat von Thorsten Schmitz

    Eine explizite Meinungsäußerung zum Beschneidungsthema kann man sich derzeit im Maxim-Gorki-Theater in Berlin anhören. Die israelisch-jüdische Schauspielerin Orit Nahmias nimmt in einer rasant-komischen Solo-Show deutsche und israelische Rituale aufs Korn – unter anderem auch das Ritual ihrer Landsleute: „Nur über meine Leiche lasse ich einen Rabbiner mit einem Messer an meinen Sohn heran!“, ruft sie an einem Samstagabend in den ausverkauften Raum der Studiobühne. Beschneidungen in israelischen Krankenhäusern lehnt sie ebenfalls ab: „Glauben Ärzte wirklich, dass die Vorhaut aus Versehen existiert? Ärzte sagen, Beschneidungen verhindern Infektionen. Gegen Fußpilz könnte man auch die Fußzehen abschneiden. Man könnte aber auch einfach duschen gehen.“

    Aus der heutigen Print-Ausgabe der Süddeutschen (Thorsten Schmitz, "Hautsache gesund", Süddeutsche Zeitung Nr. 245, Freitag, 24. Oktober 2014, Seite 11 [Feuilleton])

    Zitat von Thorsten Schmitz

    Gegner gibt es auch unter Juden. Nicht alle üben das Ritual aus. Zwei Drittel der schwedischen Juden etwa verzichten auf die Brit Mila. In den USA wirbt die Vereinigung der „Jews Against Circumcision“ (Juden gegen Beschneidung) für eine Abschaffung des Rituals, da es unvereinbar sei mit dem modernen Judentum. Auch in Israel sprechen sich Juden gegen die Beschneidung aus. Es ist eine Minderheit, aber die Minderheit wird immer lauter.

    Vor allem junge Eltern im Großraum Tel Aviv betrachten das Ritual als archaisch und unnötig. Sie legen sich mit ihren Partnern, Vätern, Müttern, Großeltern an, weil sie ihren Söhnen die Brit Mila ersparen möchten. Zu den Pionieren unter Israels Beschneidungsgegnern gehört Jonathan Enosch. Vor 15 Jahren hat er den Verein „Ben Schalem“ gegründet, „Intakter Sohn“. Bereits 1998 klagte er vor dem Obersten Gerichtshof Israels, dass Beschneidungen als „kriminelle Handlung“ zu werten seien. Israelische Medien schätzen, dass bereits mehrere Tausend Familien auf eine Brit Mila verzichtet haben. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Enosch selbst ist übrigens wie 98 Prozent aller jüdischer Israelis beschnitten. „Leider“, sagt er, wenn man ihn darauf anspricht.


    Ob Schmitz diesen wichtigen Aspekt allerdings aus der Ausstellung Haut ab mitgenommen oder einfach selber in seinem Artikel ergänzt hat, bleibt für mich unklar.

    Zitat von Tante Jay

    AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARGHS....


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    Ich bin absolut bei Dir, Selbstbestimmung! Allerdings gebe ich auch Pizarro und Weguer recht: Wir sollten nicht nur in diesen Ankündigungstext hineininterpretieren, sondern das "fertige Produkt 'Bühnenstück' " abwarten.

    Ob - wie von mir befürchtet - das Ganze nur eine weitere Bagatellisierung, Nebelkerze, Propagandastückchen oder schlicht Zeitverschwendung wird, sieht man dann.

    Im besten Fall kann ich dieser Vorankündigung und den Aussagen in Text und Bild eine gewisse Widersprüchlichkeit abgewinnen.

    Zitat

    "Grosses Theater um kleines Stück Haut"
    "das Team [...] will unterhalten und nicht moralisieren"
    "Das kleinste Stück des Mannes auf die Bühne bringen und daraus einen riesigen Diskurs zu formen, ist absolut nicht unsere Haltung.”


    ... klingt für mich aber eher nach der Bagatellisierung, die wir nun schon zur Genüge kennen.

    Und literweise Kunstblut zu verspritzen kann einerseits heissen: "Beschneidung ist eine blutige Angelegenheit" oder es kann heissen "Wer denkt Beschneidung wäre blutig, übertreibt genau so maßlos, wie wir es jetzt gerade hier in unserem Bühnenstück tun".

    Ausserdem, die "neue Norm", die haben wir ja jetzt: Beschneidung von nichtzustimmungsfähigen minderjährigen Jungen ist jetzt Allgemeingut in Deutschland, eine valable Option für alle Eltern, egal aus welchen Gründen (da mögen sich Juristen noch so sehr bemühen, diese Norm jetzt wieder mit einem "religiösen Gesamtkonzept" "verfassungskonform auszulegen"). Nur begeistert annehmen mag sie die Bevölkerung noch nicht so recht, die "neue Norm".

    Wenn der Regisseur "Deutschland" (wohlgemerkt nicht die beschneidenden Bevölkerungsgruppen!) reichlich nebulös "noch nicht da sieht, wo er es gerne hätte" und daher "neue Normen setzen" möchten, kann ich ihn nur so interpretieren, wie es meine bisherigen Kommentare zu seinem Theaterstück nahelegen.

    Sicher: Ich kann mich irren. Es wäre vielleicht interessant, sich das Stück anzuschauen (man kann ja in der Pause gehen oder auch vorher, wenn es gar all zu unerträglich wird). Aber vor allem: meinen Dank an die Macher, dass sie das Thema mit ihrem Stück überhaupt auf der Tagesordnung behalten.

    Also ich habe meinen Patenonkel auch so bekommen.


    Und ich stelle mir gerade vor, wir hätten die Übernahme der Patenschaft für unsere Patenkinder (beides Jungs) daran geknüpft, dass man ihnen vorher ein Stück vom Genital abschneidet.

    (Ironie)
    Wenn man es so betrachtet, muss man Herrn Bezar zustimmen: Wahrlich eine schöne "neue Norm" ...

    Aber wenn schon Kettensägenmassaker an Genitalien auf der Bühne, dann doch hoffentlich mit richtigen 7-10jährigen Jungen. Ausnahmegenehmigungen für etwas so kulturell Wertvolles erteilt die zuständige Berliner Behörde sicher gerne. (Vorausgesetzt, die Vorhäute sind bis 22 Uhr ab und die Jungs wieder im Bett ... wir sind schließlich in Deutschland).

    Während somit der Regisseur die Frage

    Zitat

    Gehört das dem Jungen und späteren Mann, oder kann das ab?


    schon mit Letzterem beantwortet hat, tue ich selbiges in Bezug auf sein Bühnenstück mit der Frage

    Zitat

    Ist das Kunst, oder kann das weg?