Im besten Fall kann ich dieser Vorankündigung und den Aussagen in Text und Bild eine gewisse Widersprüchlichkeit abgewinnen.
Zitat
"Grosses Theater um kleines Stück Haut"
"das Team [...] will unterhalten und nicht moralisieren"
"Das kleinste Stück des Mannes auf die Bühne bringen und daraus einen riesigen Diskurs zu formen, ist absolut nicht unsere Haltung.”
... klingt für mich aber eher nach der Bagatellisierung, die wir nun schon zur Genüge kennen.
Und literweise Kunstblut zu verspritzen kann einerseits heissen: "Beschneidung ist eine blutige Angelegenheit" oder es kann heissen "Wer denkt Beschneidung wäre blutig, übertreibt genau so maßlos, wie wir es jetzt gerade hier in unserem Bühnenstück tun".
Ausserdem, die "neue Norm", die haben wir ja jetzt: Beschneidung von nichtzustimmungsfähigen minderjährigen Jungen ist jetzt Allgemeingut in Deutschland, eine valable Option für alle Eltern, egal aus welchen Gründen (da mögen sich Juristen noch so sehr bemühen, diese Norm jetzt wieder mit einem "religiösen Gesamtkonzept" "verfassungskonform auszulegen"). Nur begeistert annehmen mag sie die Bevölkerung noch nicht so recht, die "neue Norm".
Wenn der Regisseur "Deutschland" (wohlgemerkt nicht die beschneidenden Bevölkerungsgruppen!) reichlich nebulös "noch nicht da sieht, wo er es gerne hätte" und daher "neue Normen setzen" möchten, kann ich ihn nur so interpretieren, wie es meine bisherigen Kommentare zu seinem Theaterstück nahelegen.
Sicher: Ich kann mich irren. Es wäre vielleicht interessant, sich das Stück anzuschauen (man kann ja in der Pause gehen oder auch vorher, wenn es gar all zu unerträglich wird). Aber vor allem: meinen Dank an die Macher, dass sie das Thema mit ihrem Stück überhaupt auf der Tagesordnung behalten.