Beiträge von Joeye

    Primärquelle: Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 5.12.2015


    Wie ist es mit der Toleranz für Bräuche wie Schächten und Beschneidung bestellt, wenn sie im Widerspruch zu westlichen Werten und gegebenenfalls auch Gesetzen stehen?


    Westliche Werte? Das Schächtverbot wurde in Deutschland am 1. Mai 1933 von den Nazis eingeführt, um die Juden zu demütigen. Und die Knabenbeschneidung bei Juden und Muslimen ist in keinem westlichen Land verboten. Wir haben gute Gesetze, die durch eng begrenzte Ausnahmen Juden und Muslimen ermöglichen, ihre religiösen Gebote zu erfüllen. Kinderrechte und Tierschutz werden dadurch nicht infrage gestellt.

    Flavia Frei von Kinderschutz Schweiz möge doch bitte einmal die Frage beantworten, warum bei der Genitalbeschneidung von Jungen das Hinterhofargument einer Strafbarkeit entgegenstehen soll, während es bei der Genitalbeschneidung von Mädchen keine Gültigkeit besitzt. In Südostasien (Indonesien, Malaysia u.a.) erfolgt letztere nämlich in medikalisierter Form ("Sunat Perempuan") und ist in bezug auf Eingriffstiefe (besser "Schadensausmass") und Motivation der Knabenbeschneidung absolut vergleichbar. Und selbst wenn man auf die viel gravierendere Klitoridektomie und Infibulation schaut: Mit Freis Argument wäre eine Medikalisierung auch in der Schweiz zum Schutze der Mädchen vonnöten, um den Schaden auf ein den Jungen zugemutetes Mass zu begrenzen und für hygienische Bedingungen zu sorgen.

    http://www.20min.ch/schweiz/news/s…itten--26478598

    Beim Thema Gleichstellung denkt fast jeder sofort an Frauen. Aber wer denkt an die Männer? Wir tun das heute mal. Denn auch Jungen und Männer haben mit gesellschaftlichen Nachteilen zu kämpfen. Mit welchen und wie, zeigt markt in "Gegen den Strich".

    http://www1.wdr.de/mediathek/vide…ipation100.html

    Ein sehr sehenswerter Film mit Wortbeiträgen von Prof. Matthias Franz und Gunnar Kunz. Allerdings fehlt dort ein wichtiger Aspekt ...

    Frau Rawert hat am 12.12.12 mit JA gestimmt, FÜR den Gesetzentwurf der Regierung, FÜR den Paragraphen 1631d, GEGEN das Recht männlicher Minderjähriger, über ihr Sexualorgan selber bestimmen zu dürfen.

    https://www.beschneidungsforum.de/index.php?page…d&threadID=4886

    In wiefern ist diese Dame dafür geeignet, über sexuelle Selbstbestimmung reden zu dürfen? Wenn ich ihren Text nun lese, drängt sich mir der Eindruck auf, wir haben es bei ihr mit einer multiplen Persönlichkeit zu tun.

    Ich bin hin und hergerissen: Zwar kommt mir dies vor wie ein Kesseltreiben, was mir überhaupt nicht gefällt. Aber dieser "Hase im Kessel" hat etwas Monströses, Widerwärtiges. Das Ganze macht mich sehr beklommen.

    Ich merke, dass wir mit unserer Aufklärungsarbeit gerade auch bei Ärzten (hierzulande sind es eher die Urologen) immer wieder gegen Wände anlaufen. Möglicherweise kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo Mails, Briefe, Webseiten und Bücher nichts mehr bewirken und sich ein harter Kern von Betonköpfen offenbart (wie diese Pädiaterin). Und dann sind solche "bunkerbrechenden" Aktionen vielleicht sogar das einzige Mittel.

    Auch wenn mir so etwas ganz und gar nicht liegt, aber vielleicht ist es ja richtig. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

    Zitat

    American Academy of Pediatrics
    Dedicated To The Health Of All Children Our Wallets, Our Egos and Proving We Know Better Than God


    http://foreskins-ok-usa.tumblr.com/post/125697336…circumcision-of

    Eine exzellente Rezension von Bruno Köhler mit einem wunderbaren Schlusswort:

    Zitat


    [Das Buch] zeigt auch, dass es immer mehr „neue“, „sensible“ Männer gibt und immer mehr davon geben wird. Und diese sind und werden keine bequemen, keine pflegeleichten, keine stillen Männer, sondern unbequeme, fragende, laute Männer sein. Und das ist gut so.

    Hatten wir das schon? Ich glaube nicht. Hervorhebungen von mir.

    Zitat von UROlogisch! 1/2015

    Wegen fragwürdiger Dokumentationsanforderungen bei der ambulanten Zirkumzision werden Urologen kriminalisiert

    Die Meldung, dass niedergelassene Urologen, die sich der Anforderung zur Bilddokumentation oder Histologie bei der Zirkumzision widersetzten, „Abrechnungsbetrug“ begehen würden, hat die DGU dazu veranlasst, mittels einer Presserklärung zu widersprechen.
    Die Problematik dürfte den meisten vertraut sein: die Zirkumzision wurde von der KBV als „dermato-chirurgischer“ Eingriff klassifiziert und dementsprechend den für diese Gruppe formulierten Regelungen unterzogen: „Bilddokumentation“ oder Histologie als Nachweis dafür, dass dieser Eingriff auch tatsächlich erbracht wurde. Dies mag für die Entfernung von Naevi plausibel sein, die Anwendung auf die Zirkumzision erscheint dagegen nicht nur nicht zwingend, sondern auch abwegig.
    Genitalfotos „Vorher/nachher“ sind eigentlich eine Zumutung für Patient und Arzt; eine histologische Untersuchung lediglich zu Dokumentationszwecken widerspricht dem Wirtschaftlichkeitsgebot. Bereits Ende letzten Jahres hatte die DGU sich schriftlich an mehrere KVen und die KBV gewandt, und diesen Missstand kritisiert. Während einige KVen sich in ihren Antworten dazu sachlich konstruktiv äußerten, war die Antwort der KBV oberflächlich und nicht hilfreich. Die KBV warf der DGU vor, sich an einer „Kampagne“ zu beteiligen, die nur dazu diene, die im internationalen Vergleich viel zu hohen Zirkumzisionszahlen in Deutschland schön zu reden. Und im übrigen, so die KBV, würde doch in medizinischen Publikationen auch Bildmaterial von Patienten verwendet. Die DGU hat sich gegen diese unsachliche Argumentation verwahrt; eine erneute Antwort steht aus.
    Im Hintergrund geht es darum, dass allen KVen Klagen angedroht wurden, wenn sie nicht gegen Urologen und andere vorgehen würden, da Seite [Fehler im Original!] vermutet wird, es würden grundsätzlich und in großem Stil nichtmedizinisch indizierte Zirkumzisionen zu Lasten der GKV abgerechnet, sprich religiös oder sonst wie motivierte Zirkumzisionen. Hierbei handelt es sich tatsächlich um eine Kampagne, die von einer Ärztin in Schleswig-Holstein ausgeht.
    Wie die Auseinandersetzung weitergeht, wird sich zeigen. Jedenfalls wird die DGU weiter insistieren und nicht locker lassen.

    Quelle: UROLogisch 1/2015, Seite 3

    Die KBV hat voll ins Schwarze getroffen! Denn die "sonst wie motivierten Zirkumzisionen" sind das Hauptproblem. Womöglich an die 30'000 im Jahr.

    Zitat

    Ist der Sex mit israelischen Männer wirklich besser? Thilo will es wissen!


    Nun dann hätte Thilo ihn mal haben sollen, den Sex mit israelischen Männern. Und anschließend zum Vergleich bitte nach Italien, Frankreich, Spanien ... :D

    Und vielleicht möchte er ja nächste Woche dann nach Somalia, Äthiopien oder Eritrea und die Männer befrägen "Ist Sex mit Euren Frauen wirklich besser ... ?". Bei solch dümmlichen Versuchsaufbauten ist das Ergebnis des Experiments doch programmiert.
    Ehrlich, was für ein Schrott. Oder hat dieser Thilo auf Kabel1 irgendeine Sendung mit nennenswerten Einschaltquoten? Ich kenne mich da leider nicht aus, bin der Zielgruppe dieses Senders wohl mittlerweile leider "entwachsen".

    Zitat von Tante Jay

    Aber glaubst du wirklich, dass wir von Deutschland aus die Diskussion in der Schweiz steuern können?


    Ich nehme an der Diskussion teil und das ist legitim. Im übrigen nicht nur weil die Schweiz meine Wahlheimat ist, sondern auch weil eine von Aussen eingebrachte Sichtweise sinnvoll ist. Das Wort "steuern" halte ich hingegen für vollkommen deplatziert.

    Ausserdem schaut man ÜBERALL in Sachen Knabenbeschneidung auf die Jurisdiktionen anderer Länder und wie die es machen. Und vor allem auch welche Auswirkungen eventuell getroffene Entscheidungen, Gesetze und so weiter haben. Auch das ist legitim.

    Walter will doch die Tatbestandsausnahmen sehr eng definieren. Die ganzen Hygiene-, Ästhetik- und Präventionsfanatiker fallen nicht darunter.
    Heute können sich doch diejenigen, die aus religiösen Gründen beschneiden, wunderbar damit rausreden, dass dies ganz grundsätzlich erlaubt ist! All you can cut! Wer hat noch nicht, wer will noch mal?!

    Für mich ist ein entscheidender Passus in Walters Artikel der folgende:

    Zitat von Walter

    [Es] sollte deutlich werden, dass die Knabenbeschneidung nicht gutgeheißen wird, sondern toleriert, und dass man die Diskussion über sie nicht als abgeschlossen betrachtet; eine Diskussion, die vor allem in den Glaubensgemeinschaften geführt werden muss, das heißt unter Juden und Muslimen.


    Letzteres war und ist doch eines der wenigen Argumente der Befürworterseite, dem man eigentlich nicht widersprechen kann. Nur mit einem allgemeinen Erlaubnisgesetz ist genau der Druck futsch, sich innerhalb der beschneidenden Kulturen kritisch mit dem eigenen Tun auseinanderzusetzen. Mit einem Verbot, das nur SIE von der Strafe befreit - und bei dem Walter genau diese Strafbefreiung auch auf "Wiedervorlage" gesetzt wissen will (Stichwort "Befristung") - werden die kritischen Stimmen, die ja dort auch zu finden sind, es wesentlich einfacher haben, gehört zu werden.

    Zitat von Selbstbestimmung

    Und warum hat R2D2 dann diese Diskussion angestoßen?


    R2D2 hat diese Diskussion nicht für Deutschland angestoßen, sondern im Kommentarbereich der NZZ für die Schweiz.
    Die Situation dort ist ähnlich der in Deutschland vor dem Kölner Urteil. Und es wäre doch gut, wenn es irgendwo mal EIN Land zwischen Nordkap und Süd-Tasmanien schaffte, mit etwas anderem als einem "Erlaubnisgesetz" zu reagieren.
    Ein strafbewehrtes Verbot hingegen ist in der Schweiz nach meinem Empfinden ähnlich illusorisch wie es 2012 in Deutschland der Fall war.

    Bitte nicht um des Kaisers Bart streiten.

    Die Formulierung, um die es geht, lautet im dänischen Original "er at kunnen kvalificeren omskaeringsdebatten".
    "Um die Beschneidungsdebatte qualifizieren zu können" ist sicher kein gutes Deutsch. Wir sagen allerdings im Deutschen doch: "sich qualifiziert zu einem Thema äußern", also mit Sachkunde.

    Und diese Sachkunde beinhaltet hier meines Erachtens primär Zahlen, Daten, Fakten und nicht Orwell'sche Sprachakrobatik. Zumndest gehe ich auf der Basis des Berichteten davon so lange aus, bis das Gegenteil bewiesen ist.
    Ich finde, gegen eine "Qualifizierung" (oder eigentlich ja "Quantifizierung") ist nichts einzuwenden. Schließlich bin ich froh, dass wir uns in Deutschland beispielsweise auf die Zahlen aus der KiGGS Studie stützen können.

    Und wie nun konkret die Komplikationen genau ermittelt werden sollen, kann ich den Artikeln auch nicht entnehmen. Aber vielleicht werden wir hierzu in Kürze via Intact Denmark oder Morten Frisch mehr erfahren.