Beiträge von Joeye

    Zitat

    MS Javed Umer said that the child would be kept in intensive care and be circumcised after his wounds healed properly.


    Na, Allah sei Dank, ich dachte schon, das würde nun vor lauter Schreck vergessen gehen ... wäre ja auch ein Unding.

    Es fällt mir sehr schwer, zu beschreiben, was in mir vorgeht, wenn ich solche Geschichten lese. Es ist vielleicht auch besser so, denn manches würde hier sicher nicht so ohne Weiteres veröffentlicht werden dürfen.

    Lieber Pizarro73,

    ich weiss nicht, ob Du Dich mit Deiner Frage eher auf den Inhalt des Filmprojektes oder auf seine angestrebte Finanzierungsform beziehst.
    Kickstarter ist eine Online-Plattform zur "Schwarmfinanzierung" ("Crowdfunding") von völlig unterschiedlichen Projekten. Sollte die zur Realisierung des Projektes notwendige Summe nicht zusammenkommen, erhalten die Investoren ihr Geld zurück. Wir haben mit einigen technischen Projekten, deren Finanzierung auf diese Weise gelang, schon sehr positive Erfahrung gemacht.

    Neusprech der besonderen Art:

    Zitat

    A total of 1,442 schoolboys ages 7 to 14 availed themselves of free circumcision...

    EN: to avail oneself of something > DE: von etwas Gebrauch machen, sich einer Sache bedienen, etwas in Anspruch nehmen

    Ja, 7Jährige werden immer aufgeklärter und proaktiver ... es ist nur eine Frage der Zeit, bis man auch bei 8 Tage alten Säuglingen von "informed consent" sprechen kann. Wie schön!

    Aus der Abteilung "Vermischtes":

    Hollywood-Star-Michael Douglas: [Kehlkopf-]Krebs kann durch Oralsex verursacht werden
    http://www.spiegel.de/panorama/leute…n-a-903384.html

    Da bin ich aber froh, dass wir dem nicht machtlos gegenüberstehen. Ich werde Bill und Melinda bitten, doch eine Kampagne für eine Massenbeschneidung von Frauen zu initiieren - freiwillig und ausschließlich bei Erwachsenen versteht sich! Eine Vorreiterrolle könnte ja die Region von Beverly Hills übernehmen. Ich bin sicher, es wird sich auch in randomisierten kontrollierten Studien nachweisen lassen, dass dies das Risiko für Männer, sich beim Cunnilingus mit HPV zu infizieren, deutlich senkt.

    Ach ja und: Ich muss auch gleich noch der jungen Amerikanerin Norine Dworkin-McDaniel schreiben. Sie hatte ihren anfangs skeptischen Mann dazu überredet, der Beschneidung des Sohnes zuzustimmen, indem Sie ihm klar machte, dass dem Sohnemann im unbeschnittenen Zustand später Blow-Jobs entgehen würden. Da war der Gatte natürlich so schockiert, dass er gleich eingewilligt hat. Die beiden sollten auch von Michaels Schicksal erfahren - für den Fall, dass sie noch eine Tochter bekommen... :D

    http://www.norinedworkin.com/blog/2008/08/c…ision-decision/

    Zitat

    Man kann natürlich die Ärzteschaft komplett als Idioten bezeichnen, und dafür sicher auch jede Menge Beispiele anführen, sowohl im wissenschaftlichen als auch im praktischen Bereich. Aber vielleicht sollte man dann doch nicht soweit gehen, die umfangreiche Studienlage zur Wirkung von Sucrose bei Kindern dadurch "entlarven" zu wollen, dass dabei nur Plazebos verwendet worden sind.

    Das Erste tue ich keineswegs. Ich habe größte Hochachtung vor dem Chirurgen, der meinem Vater vor einigen Jahren in einer 7-stündigen Not-OP das Leben gerettet hat.

    Das Zweite tue ich sehr wohl. Wer als Doktorand für die Erlangung seines Titels ein paar Monate bei Zirkumzisionen Babys mal Wasser und mal Zuckerwasser in den Mund träufelt und mit der Stoppuhr misst, ob sie mehr oder weniger lange schreien, hat meine Hochachtung nicht. Auch nicht wenn er sich anschließend fundiertes Wissen in SPSS aneignet. Das Ganze ist wirklich so absurd, dass ich nicht weiss, ob ich lachen oder weinen soll. Und ich werde meine Empörung darüber auch genau so deutlich machen, wie ich das in dem Falle der "60%igen HIV Reduktion durch Beschneidung" getan habe.

    Ich wäre aber froh, wenn Du verstündest, dass meine Empörung keineswegs in Deine Richtung zielt. Für mich bist Du ein Advocatus Diaboli und hast als solcher im Rahmen dieses Forums eine sehr wichtige Rolle.

    Offensichtlich hat Dich mein Beitrag auf dem "Beziehungs-" oder "Appell-Ohr" statt auf dem "Sach-Ohr" erreicht. Das tut mir leid, denn das war nicht meine Intention. Das Wikipedia-Zitat ist ein reines Fakten-Zitat. So als hätte ich die Tatsache, dass Deutschland in "16 Bundesländer gegliedert ist" oder "Wasser unter Normaldruck bei 100 Grad Celsius siedet" auf diese Weise belegt. Deshalb ist die Tatsache, dass Placebos nun mal hauptsächlich aus Di- und Polysacchariden bestehen, auch nicht "kritisch zu werten".

    Vielmehr war es meine Intention, Kritik daran zu üben, dass dieselben Substanzen, bei denen es sich ja quasi um "das Neutrale Element der Pharmakologie" handelt, nun plötzlich bei Neugeborenen eine signifikante ... ja was eigentlich ... pharmakologische, nämlich analgetische Wirkung haben sollen ?!

    Dein Hinweis auf wissenschaftliche Untersuchungen in diese Richtung, die selbiges zu belegen scheinen, ist gut und wichtig! Dies war mir so nicht bekannt. Allerdings habe ich selber einige Jahre im akademisch-naturwissenschaftlichen Betrieb zugebracht und weiß daher, wie unkritisch, stumpfsinnig und vor allem methodisch fraglich manche "Forscher" zu Werke gehen. Gerade in der Medizin, in der man ohne Promotion nichts gilt, werden gerne inhaltlich wie methodisch dürftige "Doktoraufsätzchen" hingelegt. Eine medizinische Abschlussarbeit ist in der Regel nicht zu vergleichen mit einer Promotion in der Chemie, Physik oder auch in den meisten Geisteswissenschaften.

    Nachdem wir uns also schon mit recht zweifelhaften Studien zur "Beschneidung und Reduktion des HIV-Infektionsrisikos" kritisch beschäftigt haben, sehen wir uns nun mit der Notwendigkeit konfrontiert, dasselbe mit dem Thema "Zucker und Analgesie bei Neugeborenen" zu tun.

    Du hast ja selber weiter oben schon eine Studie aus dem Jahr 2001 verlinkt, die du mit den Worten zusammengefasst hast "helfen tut es nix". Hier eine aus dem Jahr 2008
    http://www.cmaj.ca/content/179/1/37.full

    in der es heißt

    Zitat

    We found a modest reduction of pain in newborns of both diabetic and nondiabetic mothers when sucrose was used for all medical procedures performed in the first 2 days after birth. However, when each procedure was analyzed separately, we found that the effectiveness of sucrose was limited to venipuncture for the newborn screening test.


    Eine Venenpunktur, also das Einstechen einer Nadel, dürfte mit einem deutlich kleineren und vor allem kürzeren Schmerzreiz verbunden sein als das Abschaben der Vorhaut von der Eichel und das Abtrennen dieser Vorhaut. Es erscheint plausibel, dass die erzeugte großflächige Wunde tagelang Schmerzen verursacht (z.B. bei einem Windelwechsel). KEINE der Studien legt nahe, dass da Zuckerwasser ein probates Schmerzmittel sein könnte.

    Hier noch eine Meta-Studie aus dem Jahr 2009 zu dem Thema:
    http://www.sucrose.eu/upload/cochrane_review_146.pdf

    Zitat

    The administration of sucrose with and without non-nutritive sucking (pacifiers)
    has been the most frequently studied non-pharmacological intervention for relief of procedural pain in neonates.


    Also doch: Non-pharmacological! Und weiter:

    Zitat

    Studies in which the painful stimulus was circumcision were excluded.

    In den ersten Tagen und Wochen eines Lebens ist die Nahrungsaufnahme und Energiezufuhr der zentrale Lebensinhalt. Dass als Folge dessen ein starker Beruhigungs- oder Belohnungseffekt einsetzt, der kurzzeitige (sic!) Schmerzen vergessen lässt, scheint mir sehr plausibel.

    Zitat

    Da Sucrosegaben bei Babies offensichtlich in der Ärzteschaft weit verbreitet sind (aufgrund mangelnder Alternativen, weil man "irgendetwas" tun möchte), kann man seriöserweise nicht cum grano salis sagen, dass Sucrose ausserhalb jeglicher ärztlichen Kunst liegt.

    Zucker und Stärke (= längerkettige Zuckermoleküle) finden Anwendung zur Herstellung von Plazebos:

    Zitat

    Echte oder reine Placebos: Damit werden Scheinmedikamente bezeichnet, die nur Zucker oder Stärke enthalten.


    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo

    Wenn man die Gabe von Placebos als "ärztliche Kunst" ansehen möchte, bitte sehr. Allerdings helfen Placebos - wenn überhaupt - wohl nur jenen, die an deren Wirkung glauben. Und ob ein 8 Tage alter Säugling, dem gerade die Vorhaut abgeschnitten wird, an irgendetwas "glaubt", wage ich dann doch zu bezweifeln.

    Interessanter als bei Merkel wäre es noch gewesen zu erfahren, ob Volker Beck diesen Preis angenommen hätte. :S

    Zitat

    Homosexuality is a disability and if people wish to have it eliminated before they have children - because they wish to have grandchildren or for other reasons - I do not see any moral objection for using genetic engineering to limit this particular trend. It would be like correcting many other conditions such as infertility or multiple sclerosis.

    Lord Jakobovits, former chief rabbi, July 1993

    Quelle: The 'gay gene' is back on the scene - News - The Independent

    Da ich selber schwul bin, ist es genau dieser mehr oder weniger latente Rassismus, der mich bei allen drei großen Religionen stört.

    Ich empfinde diesen Unrechtsparagraphen in der Tat als religiöses Sonderrecht, welches man mehr schlecht als recht als etwas völlig anderes zu tarnen versucht hat. Da werden in der Begründung zum Gesetz 1001 schöne Motive dargelegt, seinem (ausschließlich) männlichen Nachwuchs das Geschlechtsorgan zu stutzen. Allen Eltern wird nun hierzulande die Zwangsbeschneidung als völlig valable Option angedient. Die Motivation ist egal.

    Machen wir aber doch ein Gedankenexperiment: Angenommen es hätte zum Zeitpunkt des Urteils in Deutschland keine Anhänger einer abrahamitischen Religion gegeben. Der Junge, dessen Fall Anlass zum Urteil gab, hätte ja das Kind amerikanischer oder koreanischer Expats sein können. Oder das Kind eines schwulen Männerpaares, was in Köln nicht ungewöhnlich ist. Wie wäre die anschließende Diskussion wohl verlaufen?

    Dass wir das Gesetz jetzt haben "verdanken" wir m.E. der Kombination aus einer ungeheuer lauten und drohenden Religionslobby in Kombination mit einer Politikerschar, die aus der Verantwortung, die sich vor dem Hintergrund der dunklen deutschen Geschichte für jüdische (und auch muslimische) Mitbürger ergibt, die falschen Schlüsse gezogen hat. Manchmal beinhaltet Verantwortung tragen eben auch, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Nicht die Kriminalisierung der beschneidenen Gemeinschaften ist damit gemeint, aber eben auch nicht das Öffnen von Scheunentoren, das Legalisieren "ohne wenn und aber" (Herr Seehofer, meinten Sie damit auch MBP?). Unmittelbaren Frieden hätte meines Erachtens nur ein fortgesetzes Verbot (status quo ante) in Verbindung mit einer "religiösen Indikation" gegeben, um die beschneidenen Gemeinschaften nicht zu kriminalisieren und ihnen Rechtssicherheit zu geben. Dass Eltern, die dann beschneiden wollen, sich bewusst auf ihre Religion berufen müssen, ist doch selbstverständlich. Dies wurde ja stets auch im Rahmen der Debatte so gemacht. Wenn es aber um den Akt der Beschneidung an sich geht, soll das plötzlich nicht mehr zulässig, ja ein Eingriff in die persönliche Freiheit sein? (Wieso darf eigentlich mein Finanzamt meine Religionszugehörigkeit kennen?)

    Ich will nicht bestreiten, dass dem Gesetz mit Religionskritik alleine nicht beizukommen ist. Allerdings ist Religionskritik in Sachen Sexualethik - und dazu zählt für mich auch dieser Übergriff auf den kindlichen Penis - mehr als nötig.

    Das Problem ist nur, lieber Josc, dass der Beschneidungsstatus und die HPV bzw. HIV Infektanfälligkeit nicht korrelieren. Wenn zwei Variablen korrelieren, KANN zwischen ihnen ein Kausalzusammenhang bestehen, MUSS aber nicht (siehe Anzahl Storchenpaare und Geburten von Menschenkindern). Andersherum jedoch: Korrelieren zwei Variablen NICHT, dann ist ein Kausalzusammenhang praktisch unmöglich.

    Über HIV und Beschneidung hatten wir hier unlängst diskutiert: die "gemessenen" 60% relative Risikoreduktion durch Beschneidung entsprechen einer absoluten Risikoreduktion von 1-2% ! Das ist nahe 0 und innerhalb der Fehlergrenze. Es ist unseriös daraus zu folgern, dass Beschneidung und geringe Infektanfälligkeit für HIV korrelieren würden. Andere Untersuchungen haben auch prompt eine RisikoSTEIGERUNG von 1-2 % ergeben. Das ist eben die Fehlertoleranz, das Konfidenzintervall: Das Ergebnis heißt 0 +/- 2 % Fehlertoleranz. Tolles Ergebnis!  :whistling:

    Dass HPV Infektionen nicht mit dem Beschneidungsstatus korrelieren ist bereits mehrfach nachgewiesen worden. Du kannst es Dir auch selber plausibel machen: In Mali beispielsweise sind fast alle Männer beschnitten und es hat eine der höchsten Inzidenzraten von Gebärmutterhalskrebs überhaupt. Für Saudi-Arabien gilt zwar auch, dass fast alle Männer beschnitten sind, aber die Gebärmutterhalskrebsrate ist eine der niedrigsten der Welt. Auch Finnland steht glänzend da, allerdings mit über 95% intakten Männern. Lege einfach mal eine neue Excel-Tabelle an und stelle Beschneidungsrate und Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen von Gebärmutterhalskrebs einander gegenüber (die Zahlen bekommst Du z.B. bei der WHO). Du wirst feststellen: Es korreliert schlicht nicht, sondern ist ein munteres Durcheinander! Und dabei wäre im Falle eines ursächlichen Zusammenhangs eine Korrelation auch insofern zwingend zu beobachten, als dass hinter diesen Zahlen die Gesamtbevölkerungen der jeweiligen Länder stehen. Je größer der Stichprobenumfang, desto genauer das Ergebnis. Ich könnte es polemisch auch so ausdrücken: Was soll man den den Männern in Mali denn noch abschneiden, damit die Gebärmutterhalskrebsrate endlich sinkt?

    Langer Rede kurzer Sinn: Auch der Autor des o.g. Artikels macht wieder den Fehler, davon auszugehen, dass ein Zusammenhang existiert (oder existieren könnte) und er spekuliert schon über die Natur dieses "ursächlichen Zusammenhangs". Dieser existiert jedoch im Falle von HPV und HIV schlicht nicht.

    Da wollte ich doch gerade zum Applaus ansetzen und dann das:

    Zitat

    Es ist durchaus möglich, daß die Beschneidung von Säuglingen einen für die Gesundheit positiven Einfluß auf die biochemische Regulation von Genen hat, wodurch etwa Infektionen (z.B. mit HIV, HPV usw.) verhindert würden.

    Ja, es ist durchaus möglich, daß Erdstrahlen einen negativen Einfluß auf die biochemische Regulation des Schlafes und mithin auf unsere Gesundheit haben. :sleeping:

    Interessant: Die einen verwenden zur Desinfektion den Mund, die anderen einen 25 Watt CO2-Laser. Egal aus welchem Jahrtausend die Technik, in keinem Handbuch steht was von Ethik. Blöd irgendwie.

    Aber das Ärztehaus Kornwestheim hat es eh nicht so mit Ethik, wie wir ja wissen...

    Nun, ich habe in meinem (Sexual-)Leben weibliche Genitalien "kennengelernt", die in etwa rochen wie der Müllheimer eines Fischlokals.
    [...] weibliche Geschlechtsorgane [haben] ein ebenso großes Potential an Un-Hygiene, Bakterien, Viren und Pilzen [...] wie die männlichen Pendants.

    Also man kann ja die Duftwirkung, die der Intimbereich einer Frau auf den liebestrunkenen, heterosexuellen Mann ausübt, nun wahrlich nicht mit dem üblen Gestank eines unbeschnittenen Penis vergleichen, der auf unangenehmste Weise das feministische Riechorgan penetriert. Das sind olfaktorisch ganz unterschiedliche Eingriffstiefen. Absolut nicht vergleichbar... (Pino)

    Ach ja, fast hätte ich vergessen, das Thema wieder zurück auf die oben erwähnte Untersuchung mit der Hautflora zu bringen. Diese Forscher - so wird nun behauptet - haben also endlich eine Erklärung für das Phänomen mit den sagenhaften "60% weniger HIV durch Beschneidung" gefunden. Wunderbar! Nur schade, dass es das Phänomen ja eigentlich gar nicht gibt ... Aber die Erklärung dafür ist trotzdem toll.