Beiträge von R2D2

    Ich halte diesen Satz nicht für falsch, ganz im Gegenteil. Geneigte Kreise haben diese Debatte ja par Ordre du Merkel für beendet erklärt. Aber das ist sie mitnichten.

    "Hierzu gehören insbesondere religionsinterne Rituale und Traditionen, sofern sie der Allgemeinheit (gerade noch) als zumutbar erscheinen"

    Von welcher Allgemeinheit spricht er? Es ist wohl klar geworden, dass es der Allgemeinheit eben gerade nicht zumutbar erscheinen.

    Dass sie unreflektiert FGM von MGM auch als "ganz was anderes" akzeptiert, ohne differenziert auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die große Bandbreite unterschiedlicher Formen werfen zu wollen, kann ich nicht akzeptieren.

    aber wir sollten hier differenziert diskutieren

    Korrekt. Zumal die Grenze eine dünne und je nach subjektiver Befindlichkeit diffuse ist.

    Zu deinem 2. Punkt: Die Diskussion, ob die Beschneidung nun bisher legal war oder nicht ist müßig. Es gibt guten Grund anzunehmen, dass sie es nicht war, die Glaubensgemeinschaften aber mangels juristischer Prüfung durch Gerichte stets davon ausgegangen sind, dass sie es sind. Oder anders ausgedrückt: de jura war sie nicht legal, de facto war sie es, nicht weil sie legal war, sondern weil sie nicht verfolgt wurde. Und bzgl. Schwimmunterricht: noch 1993 gab es ein Urteil nachdem eine Teilnahmepflicht in begründeten Fällen nicht zulässig sei und eine Schülerin entsprechend zu befreien sei.

    Und im Ergebnis ist klar, dass das Gesetz genau entlang der Wünsche der jüdischen Funktionäre geschnitten wurde. Muslime hätten auch gerne ihre traditionellen Beschneider zugelassen gesehen. Der ZdM hat sich da ja schon drüber mokiert.

    Kai, an welche andere Religionsgemeinschaft denkst du denn, wenn du an §1631 (2) BGB denkst? Warum sind muslimische Beschneidungen dem Arztzwang unterworfen, die der anderen nicht? Sind die Vertreter des Muslime, die sich öffentlich dazu bekannt haben, in der Diskussion gelassen geblieben zu sein, in dem Wissen, dass die Beschneidung den Juden niemals verboten wird, Antisemiten?

    Für Herrn Mücke muss die Anasthesie nur möglichst effektiv sein. Wenn es keine effiktive gibt, reicht wohl auch Wein.

    Zitat

    Zuerst gehen Sie auf die Gleichstellung des Status der körperlichen Unversehrtheit bei Jungen und Mädchen, insbesondere Beschneidung, ein. Der von Ihnen angesprochene Widerspruch war eine in der Tat sehr schwierige Abwägungsentscheidung zwischen dem von Ihnen geschilderten Recht auf körperliche Unversehrtheit und der im Artikel 4 des Grundgesetzes garantierten Religionsfreiheit. In Abs. 2 wird "die ungestörte Religionsausübung" gewährleistet.

    Grundsätzlich obliegt die Entscheidung über die Erziehung des Kindes jedoch den Eltern des Kindes. Das gilt auch gerade für die religiöse Kindererziehung. Nur bei einem Missbrauch ihres Erziehungsrechts ist der Staat berechtigt und verpflichtet, in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen. Dem Kindeswohl und dem Gesundheitsschutz wird durch die im Gesetz formulierten Voraussetzungen Rechnung getragen. Die Beschneidung muss fachgerecht ("nach den Regeln der ärztlichen Kunst") durchgeführt werden, insbesondere möglichst schonend und mit einer möglichst effektiven Schmerzbehandlung. Vor dem Eingriff muss besonders umfassend über alle damit verbundenen Risiken und mögliche Folgen aufgeklärt werden. Die Eltern müssen – wie bei allen Erziehungsentscheidungen – den Kindeswillen, soweit ein solcher schon gebildet werden kann, in ihre Entscheidung über die Beschneidung mit einbeziehen. Eine Ausnahmeregelung sieht vor, dass von einer Beschneidung abzusehen ist, wenn im Einzelfall das Kindeswohl gefährdet würde. Das Gesetz ist am 12. Dezember 2012 im Bundestag mit großer Mehrheit - auch unter den Abgeordneten der Opposition - beschlossen worden.

    http://www.abgeordnetenwatch.de/jan_muecke-103…07.html#q401707

    http://www.welt.de/vermischtes/pr…l#disqus_thread

    Bei der Welt werden Kommentare zensiert. Ich hatte mir erlaubt, darauf hinzuweisen, dass die offenbar die falsche Religion haben, denn was wären ein paar Hiebe gegen die Amputation von funktional relevantem Körpergewebe im Intimbereich eines Kindes, welches wir ja explizit legalisert wissen wollen.

    Ich halte diese Ansicht und diesen Vergleich übrigens tatsächlich für legitim, denn das Argument, dass Schläge ja im Gegensatz zur Beschneidung von Jungen erniedrigend seien, zieht in der Pauschalität nicht. Es gibt genügend Eltern, die die Schläge, die sie ihren Kindern zufügen ausschließlich wohlmeinend erteilen. Denen geht es um die Vermittlung von Werten und darum, ihre Kinder zu (aus ihrer Sicht) vernünftigen Menschen zu erziehen. Wohlgemerkt, dass ist deren subjektive Meinung, nicht meine. Schläge lassen je nach Schwere keine oder nur geringe langfristigen Folgen zurück. Sie werden von Kindern oft auch nicht als negativ sondern als gerechte Strafe empfunden und als solche akzeptiert. Das ich der Meinung bin, dass Schläge als Erziehungsmaßnahme deutlich kontraproduktiv sind, ändert nichts an der Tatsache, dass ich Schläge überhaupt als (wenn auch hilflose und grundfalsche) Erziehungsmaßnahme erkennen kann. Die Amputation an Sexualorganen hat mit Erziehung aber genau gar nichts zu tun. Ich halte es für richtig, dass man prüft, Kinder die geschlagen werden, ihren Eltern zu entziehen. Wie man aber zeitgleich eine Körperverletzung im Intimbereich vollständig legalisieren kann, das wird mir nie in den Schädel kommen.

    Ganz klar die FAZ, auch wenn er in Bezug auf Qualität und Quantität maßlos übertreibt. Die FAZ war die einzige überregionale Zeitung die sich traute mehrheitlich kritische Artikel zu veröffentlichen. Bei allen anderen war das Verhältnis deutlich zugunsten der Verharmloser ausgeprägt.

    Wenn ich diese Sätze lese, dann frage ich mich ja dauernd, wovon er spricht, wenn er ein "Mindestmaß an intellektueller Redlichkeit" einfordert. Er muss das auf offenbar auf sich beziehen, denn dass was er und andere Beschneidungsbefürworter in der Debatte abgeliefert haben, war von dieser meilenweit entfernt. Das fängt schon mit Graumanns Satz "Wir tun unseren Kindern nicht weh" an, der objektiv durch nichts begründet ist und endet bei der dauernden Wiederholung, dass die Gegner antisemitisch und fremdenfeindlich sind (natürlich immer mit "viele" o.ä. an der völligen Verallgemeinerung haarscharf vorbeiformuliert, aber im Grunde doch gemeint) noch lange nicht auf. Intellektuelle Redlichkeit würde es mit sich bringen, die Ewiggestrigen, die Antisemiten und Xenophoben mal einen Moment mal bei Seite zu lassen, und sich darüber zu unterhalten, was eine Beschneidung ist: Ein nicht zu rechtfertigende Körperverletzung mit lebenslangen Folgen für die Sexualität.