Beiträge von Udo R

    Ich hab eine Volt-Politikerin gefragt, siehe: BTW2025 in NRW, Volt (Clarissa Fahrenholz) abgeordnetenwatch

    Außerdem hat die Piratenpartei bei der Europawahl 2024 ihre Meinung geändert. Die Antwort die ich im ersten Post oben geschrieben habe dürfte also nicht mehr aktuell sein.

    3. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass der Schutz von Kindern vorGenitalverstümmelung geschlechtsunabhängig in die EU-Kinderrechtsstrategieaufgenommen wird?

    Ja. Bereits 2015 unterstützten wir erstmals auch offiziell den Aufruf zum Schutz allerKinder vor Eingriffen in ihre körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung.Die 'Piratenpartei Deutschland' und der 'Bundesweite Arbeitskreis Säkulare Grüne'bekannten sich als die bundesweit ersten politischen Organisationen zu unteilbaren unddiskriminierungsfreien Kinderrechten, die jedem Kind - und nicht erst in Abhängigkeit vomGeschlecht des Kindes - gewährt werden müssen.

    Antworten von anderen Parteien zur Genitalverstümmelung im Rahmen der Europawahl 2024

    Da die BTW naht und da die PdH (früher: Humanisten) in NRW nicht antreten darf, hab ich mal die Volt-Politikerin Clarissa Fahrenholz auf abgeordnetenwatch zu ihrer Position gefragt.
    Die NRW-Liste von Volt enthält 20 Politiker, dabei belegt Clarissa Fahrenholz den dritten Platz.
    Die Politikerin auf Volts erstem Platz, Frances Noltekuhlemann scheint auf ihrem Profil auf abgeordnetenwatch keine Fragen zu beantworten.
    Der zweite Platz, David Krappitz, hat leider kein Profil auf abgeordnetenwatch. (von den insgesamt 20 Politikern auf der Volt-NRW-Liste haben nur 10 ein Profil auf abgeordnetenwatch.)
    So fiel meine Wahl auf Clarissa Fahrehnholz, hier ist meine Frage und ihre Antwort.

    Wie kann man ihre Antwort bewerten? Meine Einschätzung:
    „Die weibliche Beschneidung wird von Volt entschieden abgelehnt.“ und wird von Volt „klar als unzulässig betrachtet.“
    „[Fahrenholz] persönlich steh[t] der Beschneidung von jungen Mädchen und Frauen entschieden entgegen.“
    Was die weibliche Beschneidung angeht, stimme ich Volt und Fahrenholz vollkommen zu, da gibt es nichts hinzuzufügen.
    Bei der männlichen, nicht medizinisch begründeten Beschneidung druckst sie aber herum, die „betrachtet“ sie jetzt nur noch „kritisch“. Warum steht Fahrenholz dieser nicht genauso „entschieden entgegen“?
    Und Volt möchte „dass die Entscheidung zur [männlichen] Beschneidung in einem informierten und respektvollen Kontext getroffen wird, wobei die Rechte des Kindes gewahrt bleiben.“
    Warum ist hier keine eindeutige Distanzierung? Warum wird Erwachsenen überhaupt das Recht zugestanden, über den Körper von Jungen zu entscheiden - Jungen welche diese Entscheidungen dann ein Leben lang ausbaden müssen?
    „Volt befürwortet [...] das Recht von Kindern [...], über medizinische Eingriffe, die sie betreffen, informiert und in einem angemessenen Alter selbst entscheiden zu können.“ Und meiner Meinung nach ist dieses „angemessene Alter“ die Volljährigkeit. Welches Alter Volt darunter versteht bleibt leider unklar.
    Letztendlich ist der Ansatz aber vorhanden. Dass Fahrenholz die Beschneidung von Jungen kritisch sieht, geht natürlich in die richtige Richtung. Die Einstellung von Volt ist allemal eine Verbesserung der aktuellen Situation, wo Eltern schon bereits an neugeborenen Jungen rumschnippeln dürfen. Trotzdem ist noch Luft nach oben: Eine vollständige Gleichbehandlung von Jungen und Mädchen ist hier noch nicht zu erkennen. Und Kultur und Religion räumt Volt - anders als z.B. die PdH mit ihrer "gottlosen Politik" - einen zu hohen Stellenwert ein.

    Sehr geehrter Herr R.,
    danke für Ihre Anfrage.

    Für Juden und Muslime ist die rituelle Beschneidung von Jungen von elementarer religiöser Bedeutung. Nach heutigem Wissensstand gefährdet diese das Kindeswohl in der Regel nicht, wenn bestimmte Voraussetzungen greifen. Diese wurden mit dem Gesetz 2012 definiert. Eine Voraussetzung ist, dass in der Regel nur Ärzte den Eingriff vornehmen dürfen. Andere Personen, wie beispielsweise jüdische Mohalim, müssen speziell ausgebildet und für den Eingriff befähigt sein, wie ein Arzt.
    Nach dem Grundgesetz liegt die Erziehung von Kindern in erster Linie in der Verantwortung ihrer Eltern. Ich denke, dass Eltern für ihre Kinder am besten entscheiden können, was gut ist. Für die Beschneidung von Jungen hat das Gesetz damit die notwendigen Voraussetzungen geschaffen.

    Herzliche Grüße
    Julia Klöckner MdB

    Krass, was diese Dame da für einen Sinneswandel durchgemacht hat. Als es um Frauenrechte ging stand für sie "das Grundgesetz über der Religion, [...] denn Religion kann jeder auch neu individuell zusammenzimmern" (siehe oben). Aber wenn es um Jungen geht, ist die Amputation eines gesunden Körperteils von "elementarer religiöser Bedeutung" und "gefährdet das Kindeswohl in der Regel nicht".

    Hallo allerseits.

    Da morgen NRW-Landtagswahl ist, und ich mich noch nicht entschieden hatte wen ich wählen werde, habe ich die Wahl- und Parteiprogramme der Parteien, welche schon in meiner persönlichen "engeren Auswahl" waren durchforstet nach dem Thema Beschneidung/Genitalverstümmelung. Konkret habe ich folgendes herausgefunden:


    Die Partei der Humanisten fordert ein Verbot der nicht medizinisch notwendigen Beschneidung. So heißt es im Programm für die Landtagswahl 2022:

    […]
    11. RATIONALE LÖSUNGEN FÜR SÄKULARISIERUNG
    […] Die Legalisierung der medizinisch nicht notwendigen Beschneidung männlicher Kinder in § 1631d BGB soll aufgehoben werden. Bekenntnisfreiheit ist ein hohes Gut, doch sie darf nicht über der Gesundheit von Individuen stehen, insbesondere wenn diese sich nicht wehren können. […]

    13. RATIONALE LÖSUNGEN FÜR MY BODY, MY CHOICE!
    […] Der Staat tritt nicht als Vormund seiner Bürger auf, sondern unterstützt sie, ihr Leben frei und selbstbestimmt zu gestalten, indem er ihre Grundrechte schützt. Zu diesen Grundrechten gehört für uns insbesondere die körperliche Selbstbestimmung. […] Kinder verdienen Schutz vor nicht notwendigen körperlichen Eingriffen, wie der Knabenbeschneidung.

    Joa, das hört sich alles ganz gut an, mMn.

    In den Partei- und Wahlprogrammen von Volt und Piratenpartei konnte ich leider nichts finden, also hab ich mal an die jeweiligen Presseabteilungen eine E-mail geschrieben. Von Volt bekam ich leider keine Antwort, wie die Partei zu dem Thema steht kann ich also nicht sagen.
    Aber von den Piraten bekam ich eine Antwort die mich zum Staunen gebracht hat:

    Tja, was soll ich dazu noch sagen? "Auch mit einem Verbot würde weiter beschnitten", aha und deshalb soll man jetzt gar kein Verbot aussprechen? Ich habe gehört, trotz Verbot gibt es immer noch Mordfälle in Deutschland, da kann man Mord ja eigentlich auch gleich legalisieren, Verbot bringt ja eh nix.
    Und dann die Behauptung die Beschneidung würde dann nicht mehr "von ausgebildeten Beschneidern" durchgeführt. In was sind denn die aktuellen Beschneider ausgebildet? In Anästhesie, weil sie ihre Patienten mit Wein betäuben? In Urologie, weil sie eine gesunde Vorhaut als unnatürlich erachten? Oder in Chirurgie, weil sie eine Operation durchführen die nach dem aktuellen Wissensstand unnötig ist?
    "religiöse Minderheiten zu überwachen und im Zweifel für die Ausführung ihrer religiösen Praxis zu verhaften, wirkt auch eher als abschreckendes Bild", ach ja? Komisch, wenn Mädchen aus religiösen Gründen beschnitten werden, dann sieht das Gesetz auch bis zu 15 Jahre Haft vor. Aber das sind ja auch nur irgendwelche Afrikaner die sowas machen, die kann man ja ruhig verhaften, mit Juden und Muslimen ist das natürlich was ganz anderes.
    "Wir hoffen die Antwort hilft ihnen ein wenig weiter" Oh ja, meine Stimme geht garantiert nicht an die Piraten.

    Wenn ihr neben den Humanisten noch andere Parteien kennt, die sich gegen Beschneidung aussprechen, bitte teilt sie mir mit.

    VG, Udo