Dieser Post dort ist nun einen Monat her und ich möchte darauf aufbauen. Die meisten "Ratschläge" daraus sind hier sowieso bekannt, ist mir bewusst. Seit meiner Beschneidung habe ich täglich dieses Forum und andere Quellen im Internet verschlungen. Warum nicht vorher???? Nunja, dumm könnte man sagen. Aber so einfach ist das nicht. Da ich ja grundsätzlich einen Entschluss gefasst hatte, wollte ich schon etwas zu dem Thema wissen. Ich hatte auch dieses Forum hier gefunden, fühlte mich aber nicht an der richtigen Stelle, da ich eher Fragen zur OP-Nachbehandlung hatte. Dass dieses Stück Haut weg sollte, stand für mich fest.
Die "Probleme" die ich damit hatte, waren im Nachbetracht keine Probleme. Ja die Haut war mal zu eng, vernarbt und schmerzte immer noch beim vollständigen zurück ziehen bei erigiertem Zustand. Der "Rüssel" vorne führte beim Wasser lassen oft dazu, dass der Urin sonst wohin spritzte. Dazu diese lästigen Feigwarzen, die sich darunter so schlecht behandeln liessen. Diese plagten mich seit fünf Jahren. Ich wollte im wahrsten Sinne des Wortes einfach einen "Cut" machen. Das alles in Summe wirkte damals sehr belastend auf mich.
So ging ich zum nächsten Urologen, der gute Bewertungen auf google hatte was Beschneidungen angeht. Ich wollte, dass er Erfahrung hat. Vermutlich hat der besagte schon tausende Penisse gehäutet. Im Nachhinein muss ich sagen, zum Urologen gehen und sich über eine Beschneidung beraten lassen ist wie als Schwein zum Schlachter zu gehen und zu fragen, ob eine Schlachtung ratsam wäre. Die verdienen damit einfach gutes Geld und somit sind sie befangen, meine Meinung! Eine Zweitmeinung, z.B. von einem Dermatologen wäre super schlau gewesen, tja. Der Urologe erzählte mir nur von all den tollen Vorteilen und was es für eine gute Entscheidung wäre, kennt man ja hier.
Da es nie meine Absicht war, radikal beschnitten zu werden, sondern nur die Überlänge der Vorhaut los zu werden, inkl. der relativ engen, vernarbten und warzigen Stelle, fragte ich nach einer Teilbeschneidung, wovon der Urologe dringend abriet. Wie oben bereits erwähnt, war ich fest entschlossen diese Sache hinter mir zu lassen, also entschied ich mich kurzentschlossen für eine vollständige Beschneidung. Der Termin folgte vier Wochen später. Leider hatte ich es in der Zwischenzeit nur auf das Eurocirc Forum geschafft. Dort sind alle zu 100% pro Beschneidung und man gewinnt den Eindruck, es gäbe nichts Schöneres als sich 1-3 Mal Beschneiden zu lassen. Wirklich total krank aus heutiger Sicht. Ich befürchte dort werden viele Männer falsch beraten oder beeinflusst, so wie ich.
Trotz keines klar guten Bauchgefühls nahm ich also den Termin wahr. Das hätte mich warnen sollen. Dank meiner minimal-Recherche wusste ich immerhin von den verschiedenen Beschneidungsstilen und hatte mir "high&loose" ausgesucht. Ich wollte so viel wie möglich der inneren Vorhaut behalten und das ganze sollte so nah wie möglich an eine Teilbeschneidung heran kommen. Ich habe es leider verpasst, mit dem Urologen das genaue Ergebnis vorher abzustimmen. Für mich war in dem Moment "high&loose" abgemacht und der wird das schon machen. Naiv...
Vorab: Mein Frenelum hatte ich bereits vor vier Jahren von einem anderen Urologen entfernen lassen. Es war sehr kurz und in Kombination mit meiner damaligen Vorhautverengung total hinderlich, wie ich damals fand. Eine Entfernung verhalf auch tatsächlich zu Abhilfe, war aber natürlich trotzdem total dumm aus heutiger Sicht, da man auch hätte dehnen oder erweitern lassen können. Sowas wurde mir aber nicht angeboten und ich hatte keinerlei bedenken und habe nicht recherchiert.
Nun lief die OP also. Es gab kurz Komplikationen beim vernähen der Stelle, wo bereits die Frenelum Narbe existierte. Dort ist jetzt ein ziemlicher Narbenwulst unterirdisch, ätzend. Nach zwei Wochen waren die Fäden raus, nach 4 Wochen alles verheilt. Tägliche Kamille-Extrakt Bäder. Narbenpflege sei nicht nötig, meinte der Urologe. Die Schwellung unter der Narbe begleitete mich wie oben erwähnt ein halbes Jahr. So viel zum Ablauf. Von der inneren Vorhaut wurde mir zum Glück ein guter Zentimeter gelassen, wo ich mir mehr gewünscht hätte, was ich aber ja nicht mit dem Arzt besprochen hatte, mein Fehler.
Jetzt der wichtige Teil, die Folgen der OP und meine Schlüsse daraus:
-Die ersten Wochen, während die Wunde abheilte war ich noch total sicher, dass alles toll sei. Die erste Ernüchterung folgte beim ersten Masturbieren. Das über die Eichel Rollen war nicht mehr wirklich möglich. Ok, davon hatte ich vorher gelesen und war einverstanden. Aber verdammt, das macht ja gar keinen Spaß mehr so! -> erster Minuspunkt
-Beim ersten Samenerguss der nächste Dämpfer, während es vorher bei zurück gezogener Vorhaut einen Meter und weiter spritzte, plätscherte der Erguss nun nur noch so vorne raus. Musste an der noch bestehenden Schwellung liegen dachte ich, hat sich aber bis heute nicht sonderlich gebessert. Ich kann es mir immer noch nicht erklären, ggf. wurde bei den leichten Komplikationen an der Frenelum-Narbe in die Harnröhre gepiekst oder so? kA -> zweiter Minuspunkt, wenn auch sicher sehr untypisch
-Dann fing ich endlich an, mich bei anderen Quellen im Netz einzulesen und stellte erstmals fest, wie ekelig sich im Laufe der Jahre bei ungeschützten Eicheln eine Hornhaut bilden kann. Oh man, dieser Punkte hätte mich glaube ich definitiv von einer vollständigen Beschneidung abgehalten!-> nächster Minuspunkt, erstmals das Gefühl, "Scheiße, du hast richtig Mist gebaut Junge..."
-Weitere Recherche lehrte mich, was das Frenelum, die innere Vorhaut und das gefurchte Band so besonders machen. -> Das Gefühl, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben wurde stärker
-Der erste Sex und die Erkenntnis, ohne Gleitgel wird es echt super unangenehm! Gut, das kommt auch auf die Feuchtigkeit der jeweiligen Frau an, aber das natürliche Gleiten war nicht mehr so möglich wie vorher. Da bin ich den ganzen Pornos voll auf den Leim gegangen. -> ich fühlte mich immer beschissener
-Die Wochen vergingen und so langsam sickerte mir durch, dass die Narbe so wie sie ist sich nicht mehr maßgeblich verändert. Dazu der Narbenschmerz, (der Gott sei Dank nach einem halben Jahr weitestgehend weg war)der einen täglich 24/7 an seine großartige Entscheidung erinnerte. Das Gefühl beim Orgasmus war auch nicht mehr wie vorher... Da hatte ich am meisten Angst vor gehabt, da mir Sex logischerweise wichtig ist. Deshalb ja auch immerhin eine nicht ganz radikale Beschneidungsart... Nur ohne Feinabstimmung.
-Ich fühle mich dazu permanent nackt und entblößt. Im Eurocirc Forum berichten alle, wie männlich und erwachsen ein beschnittener Penis doch wäre. Wie kindlich ein Glied mit Vorhaut ausschaut. Wie "überlegen" sich einige unter der Gemeinschaftsdusche nun fühlen. Das trifft für mich alles genau im Gegenteil zu! Ich muss wieder eine Hülle um diese Eichel haben, das ist Fakt.
Ich war an dem Punkt, wo man sagen kann: Wenn der Mensch keine Sorgen hat, macht er sich welche. Ohne gravierende Beschwerden (abgesehen von den Feigwarzen, welche über die Jahre auch massiv die Psyche belasten, für die es aber hätte super Behandlungsmöglichkeiten gegeben) habe ich mir ein gesundes Körperteil für 450€ entfernen lassen. Liest sich wie ein schlechter Deal, war es auch.
Ich las immer mehr in Foren Betroffener. Irgendwann eben auch hier und dem Reddit Sub "foreskin_restoration". Eine neue Welt eröffnete sich mir, so viel Leid! Unfassbar. Wie konnte mir das vorher alles verborgen bleiben?
Tausende Menschen, die als Kind keine Wahl hatten. Und ich? Mache es freiwillig und zahle Geld dafür, mir einen lebenslänglichen physischen und psychischen Schaden zuzufügen. Meine Enttäuschung über mich selbst kannte kein halten mehr. Ich bin ein total positiver Mensch und dafür bekannt, immer mit einem Lächeln durch die Gegend zu laufen. Aber nun fühlte ich das erste Mal in meinem Leben depressive Gefühle. Ich würde es so beschrieben: Wenn sonst ein schlechter Tag war, bin ich ins Bett gegangen und am nächsten Morgen sah die Welt wieder schön aus. Das funktionierte auf einmal nicht mehr. Ich wachte morgens auf und realisierte nach drei Sekunden, dass ich in meinem Alptraum gefangen bin, jeden Morgen. Den ganzen Tag waren meine Gedanken besessen von diesem Thema. In irgendwelchen "wichtigen" Besprechungen auf der Arbeit oder sonst wo war ich im Kopf abwesend. Alles wirkte völlig belanglos im Vergleich zum bestehenden Problem. Furchtbar! Wirklich schlimm. Ich habe jetzt einen Eindruck davon, wie so etwas Menschen zu Grunde richten kann.
Nach ca. 3 depri Wochen habe ich dann beschlossen, wieder die Kontrolle über mein Leben zurück zu erlangen. Geholfen hat mir dabei sicher auch die Existenz meiner kleinen Tochter. Sogar ohne Schwanz würde ich weiter machen, nur um sie groß werden zu sehen. Nichts desto trotz möchte ich hier mein Mindset einmal niederschreiben, vllt. hilft es ja auch anderen von euch!
Erstens: Aufhören mit "hätte, hätte.." Es bringt leider nichts. Es ist wie es ist und nun gilt es damit zu arbeiten und das beste raus zu holen.
Zweitens: Nicht des ganzen Tag dran denken und im Internet das Leid anderer durch lesen, das zieht leider runter. (Ist dennoch wichtig, aber irgendwann ist gut)
Drittens: Sich auch wieder sonstigen Interessen, Hobbies und schönen Dingen des Lebens widmen.
Viertens: Überlegen, wie man die aktuelle Situation verbessern kann.
Fünftens: Sich einbringen und anderen helfen, mit Rat zur Seite stehen, das fühlt sich gut an und kann helfen.