Von einem Kulturkampf dürften eigentlich nur Befürworter des Gesetzes reden. Die und nur die können allenfalls meinen, die rituelle Zwangsbeschneidung von Jungen hätte irgendwas mit Kultur oder Erziehung im positiven Sinne zu tun. Konsequenterweise müssten die sich dann auch noch darüber streiten, ob das, was schlechterdings als Kinderpornografie eingestuft wird, in dem einen oder anderen Fall nicht doch noch unter die Kategorie Aktfotografie mit minderjährigen Modellen fallen könnte.
Leider erkennt Prof. Isensee kein Tabu im willkürlichen Eingriff Erwachsener in den Genitalbereich kleiner Jungen. Dieser Wahrnehmung scheint er nicht zugänglich zu sein oder sein zu wollen. So erfasst die von ihm erwähnte Tabuzone offensichtlich nur das Verbot der Beschneidung, jedoch nicht die Beschneidung selbst. Das ist sehr bedauerlich.
Bedauerlich ist auch, dass er sich auf den Unfug in der Begründung des Gesetzentwurfs so unkritisch einlässt. Er schreibt im Zusammenhang mit den Kautelen des Gesetzestextes: "Doch sie sind auch gar nicht auf praktische Durchsetzung angelegt. Vielmehr ist ihr Sinn, den Kindesrechten symbolische Reverenz zu erweisen, mehr aber auch nicht."
Treffender als der Begriff "symbolische Reverenz" wäre die Feststellung von Heuchelei und Zynismus. Zur Alternative stünde nur noch die totale Borniertheit oder gemäßigter ausgedrückt: die "symbolische Reverenz" an die Unvernunft.
Ich denke nicht, dass es darum ging, einen Kulturkampf zu vermeiden. Gäbe es den, würde ein solches Gesetz nicht ausreichen, ihn zu unterbinden, sofern wir uns noch nicht in einer Diktatur befinden.
Über die wahren Gründe, die zu dem Gesetz geführt haben, kann man lange spekulieren. Fakt ist, dass Deutschland bei der Terrorbekämpfung auf Informationen ausländischer Geheimdienste angewiesen ist. Fakt ist auch, dass die jüdische Lehre Einfluss auf die Innen- und Außenpolitik Israels hat und Bestandteil des Gründungsmythos diese Staates ist. Der Rest erklärt sich von selbst.