Hallo ihr Lieben,
ich bin ganz neu hier und wühle mich gerade noch wahllos und deutlich überfordert durch die zahlreichen Themen, die es hier so gibt. Ich denke hier ist ein guter Anfang um zu beginnen.
Seit 11 Jahren sind mein Freund und ich schon zusammen. Er war 21 und ich 16 Jahre alt. Ich hatte bis dato eigentlich keine sexuellen Erfahrungen gemacht. Wir lieben uns sehr, sind ein Team in allen Fragen und Situationen des Lebens. Aber Beide sind wir auch sehr sensibel, wenn es um die eigene Person geht.
Zu Anfang begleitete mich das Gefühl von dieser Leere, die im ersten Thread erwähnt wurde, nur gelegentlich. Da habe ich mir irgendwie noch nicht so viele Gedanken gemacht wie später. Ich dachte immer, dass es mit Zunahme an Erfahrung und Vertrautheit schon besser werden wird. Zum Schluss war es ein dauerhafter Begleiter während und nach dem Sex. Ich hatte einfach immer das Gefühl, er empfindet nichts dabei. Was sich ja mittlerweile auch irgendwie als richtig erwies....leider Jahre zu spät.
Auch ich habe immer geglaubt, ich mache etwas falsch. Das führte natürlich dazu, dass mein Selbstbewusstsein, was meine Sexualität anging, immer weiter nachließ. Wer dieses nicht besitzt, der traut sich auch nicht Dinge anzusprechen oder kurzum, locker und eben nicht verkrampft das Thema Sex zu behandeln. Dies führte dazu, dass ich immer frustrierter wurde, ihm vorwarf mich nicht attraktiv zu finden. Wenn sich mein Partner in absoluter Ekstase befindet, sich quasi kaum noch halten kann vor Erregung,....das ist für mich einfach mit das Schönste. Wie ihr euch hier sicher denken könnt, war es immer sehr schwer, bis nicht möglich dies zu erreichen. Er wurde natürlich auch immer unsicherer. Und schon war das große Dilemma geboren. Keiner von uns Beiden ist darauf gekommen, dass es an seiner Beschneidung liegen könnte.
Der Sex wurde mit den Jahren quasi aus unserem Alltag verdrängt weil wir beide Angst davor hatten bestimme Erwartungen nicht erfüllen zu können. Ich glaube, dass es für ihn schlimmer war als für mich und er immer von der Angst begleitet war mich zu enttäuschen. Andersrum natürlich genauso.
Ich habe nie in meinem Leben einen Orgasmus vorgetäuscht. Aber zum Schluss habe ich vorgetäuscht, dass es mich nicht stören würde, dass er scheinbar keine große Lust empfand, wenn ich ihn oral befriedige, meine Hand beinahe schon krampfte wenn ich ihn mit der Hand befriedigte, weil ich so fest zudrücken musste ( von dieser Spuckerei fange ich gar nicht erst an) oder, dass er beim Sex ewig brauchte und um einen Orgasmus quasi kämpfen musste.
Damit wollte ich erreichen, dass er wieder mehr Selbstbewusstsein zurück erlangt, mir vielleicht mitteilt, was ihm gefällt oder was ich falsch mache.
Wir haben Beide so einiges falsch gemacht. Vor allem war es die fehlende Kommunikation.
Da nun leider auch noch ein HPV Virus ins Spiel kam, war er vor Kurzen beim Urologen, welcher ihn dann erst einmal darüber aufgeklärt hat, was für späte Konsequenzen so eine Beschneidung haben kann. Ihm ist aufgefallen, dass er Hornhaut auf der Eichel hat und dies dazu führt, dass die Empfindsamkeit deutlich nachlässt. Nachdem ich heute einige Stunden zu diesem Thema recherchiert habe und letztlich auch auf dieses Forum gestoßen bin, bin ich natürlich um einiges schlauer und wirklich geschockt, was es bedeutet beschnitten zu sein. Auf der einen Seite bin ich unglaublich erleichtert ( mein Freund, gerade auf der Arbeit, natürlich auch. Nur hatte er noch keine Gelegenheit sich "schlau" zu machen, wie ich es gerade tue). Eine riesige Last ist uns von den Schultern gefallen, weil wir Beide wissen. WIR KÖNNEN NICHTS DAFÜR!!!
Jetzt liegt es an uns, wie wir damit umgehen und was wir daraus machen. Aber ich glaube, es wird sich einiges ändern in nächster Zeit, vor allem was unseren Mut angeht über die Dinge zu reden.
Auf der anderen Seite bin ich traurig, dass wir und besonders er, ( Was für ignorante Ärzte es gibt!!) nie aufgeklärt wurden. Es hätte uns Jahre von Selbstzweifeln und Frust erspart. Wahrscheinlich hätten wir mit frühzeitigem Wissen der weiteren Bildung von Hornhaut entgegen wirken können.
Ich glaube ein großes Problem besteht auch darin, dass Männer nicht miteinander reden und sich kaum austauschen. Immer der Druck Potent zu sein.
Dadurch ist dieses Thema in unserer Gesellschaft so gut wie nicht vorhanden. Obwohl so viele betroffen sind und viele ihre Leidensgeschichte haben werden.
So ist mein Empfinden und deswegen habe ich mich auch nie getraut darüber zu reden, weil ich immer dachte ihn auf diese Weise zu verraten oder bloß zu stellen.
Wir Frauen tauschen uns vielleicht mehr aus, aber auch ich wollte natürlich nicht das Bild von mir preisgeben, meinen Freund nicht genügend befriedigen zu können. Da teilt man sich nur banale Dinge, wie " ach manchmal braucht er echt lange" mit. Was bescheuert ist. Eigentlich ja etwas Gutes und genauso wollte ich es ja auch darstellen. Von einem Problem erzählen, dass ihn in ein gutes Licht rückt, obwohl es wirklich ein Problem für mich ist. Als würde man vorsichtig horchen, was wohl die Antwort der anderen Frau sein könnte und wie so oft, berichten die dann von Ähnlichen Sachen..."Ansonsten haben wir tollen Sex" und man traut sich eigentlich nichts mehr zu sagen....Spielt weiter seine Rolle.
Ich bin froh dieses Forum und euch gefunden zu haben und hoffe, dass mein Freund sich bald ebenfalls dazu gesellt und mit großen Augen Eure Erfahrungen, Geschichten und großartigen Tipps mitlesen wird.
LG