Beiträge von OlafS.

    Hallo Picard,
    Vielen Dank für diesen Beitrag aus einer etwas anderen Sicht. Aus meiner Sicht ist es recht unwahrscheinlich, dass bei dir mit 3 Jahren eine medizinische Indikation vorlag. Mir scheint es, dass dies von Ärzten und/oder Eltern oftmals provoziert wird.

    Deine Angst aus der Schulzeit sich vor anderen Schülern zu zeigen kenne ich auch. Manchmal habe ich es regelrecht gehasst in die Schule gehen zu müssen. Auch ich habe mich deshalb mehr verschlossen als vielleicht sonst. Anders als du, sehe ich deshalb bei mir meine Beschneidung auch als Grund, dass ich bei meinen ersten Partnerinnen sehr unsicher war, da ich Angst hatte mich so vollkommen nackt zu zeigen und Frauen in hiesigen Gefilden auch nicht richtig umzugehen wissen und oftmals verschreckt sind. Es ist ja auch nicht so, dass alle Frauen Beschneidungs-Fetischistinnen sind. Aber ja, meist lief es unspektakulär ab und die Angst war rückblickend meist unberechtigt.

    Auch ich habe mich seit meiner Pubertät im Forum über das Thema Beschneidung informiert. Wie kann angenehmer masturbiert werden? Wie kommen andere Jungs damit zurecht? Was halten Mädchen/Frauen davon? Es gibt sehr viele Fragen für einen Jugendlichen. Aber auch das Wieso und das Warum dieser Verletzung, die nicht wirklich rückgängig gemacht werden kann! Aber erst im letzten Jahr habe ich mich nach 13 Jahren nach meiner Beschneidung wieder mehr damit beschäftigt. Ich hatte für kurze Zeit die Hoffnung, dass die deutsche Politik vielleicht doch moralisch handeln könnte. Leider wurde diese Hoffnung (noch) nicht erfüllt.

    Sehr interessant ist ja dein letzter Absatz.
    Mittlerweile (nach 13 Jahren) habe ich mich an den Anblick meines Penis gewöhnt, aber noch nicht abgefunden, auch wenn er meiner Ansicht nach nicht hässlich aussieht. Ich könnte mich sicherlich in ein paar Jahren mit der Optik zufrieden geben, wenn der Empfindungsverlust nicht derart heftig wäre und innerlich das Gefühl bestünde, dass ich nicht vollständig bin. Dein Vergleich der Empfindsamkeit mit dem großen Zeh finde ich gelungen, wenn ich daran denke, dass es manche eher mit ihrer Ferse vergleichen. ?( Mich würde sehr deine "Technik" interessieren, mit der du heute ohne Hilfsmittel masturbieren kannst.
    Für meine bisherigen Partnerinnen war es meist auch sehr anstrengend mich oral oder manuell zu befriedigen. Meine derzeitige Freundin kennt mich länger und besser und weiß mittlerweile auch wie sie mich besser auf Touren bringen kann. Sie meint, dass sie meinen Penis sehr erotisch findet, was ich bei ihr auch deutlich merke und sich auch auf mich beim Geschlechtsverkehr positiv auf mich überträgt. Auch wenn viele Nerven fehlen, aber wie bei dir, empfinde ich dann meine Beschnittensein ebenfalls auf eine gewisse Art erregend.
    Da ich mir aber große Gedanken darüber mache wie meine Sexualität in 10 oder 20 Jahren aussieht setze ich doch auf die Vorhautrestoration.

    Olaf

    Zumindest ist sie bei mir nicht mehr so lang!

    Irgendwie kann ich dir nur schwer folgen. Verstehe ich es richtig, dass du deine Vorhautnaht (Raphe preputii) und dein Vorhautbändchen (Frenulum) mit kreisenden Bewegungen bearbeitest? Aber dies ist doch nur bei der Selbstbefriedigung möglich!? Aber wie ist das dann beim Geschlechtsverkehr bei dir?

    Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Junge ein sehr gutes Gefühl bekam, wenn ich mit kräftigen Zügen meine Vorhaut hoch und runter über den Eichelkranz gleiten ließ und/oder mit der Vorhaut die Eichel stimulierte. Das Frenulum war mir damals noch nicht bewusst. Erst nach der Beschneidung konzentrierte ich mich auf die verbliebene innere Vorhaut, und besonders da, wo vorher das Frenulum war, bin ich heute noch am empfindlichsten. Ansonsten finde ich es nachwievor angenehm, wenn ich über den Eichelkranz gleiten kann.

    Olaf

    Ich hoffe einfach, dass sich der Aufwand lohnt. Jede Gefühlsintensivierung wäre es mir wert. Und, ich bin erst 26 Jahre, auch ein Entgegenwirken dem weiteren Gefühlsverlust mit dem Alter ist aus meiner Sicht hilfreich. Dass die Nerven nicht mehr wiederhergestellt werden können ist mir klar, aber durch eine Bedeckung der Eichel lässt sich diese wieder empfindlicher werden lassen, wie in vielen Erfahrungsberichten zu lesen ist.

    Befürworter, freiwillig Beschnittene und medizinisch Beschnittene, die keine Probleme mit ihrer Beschneidung haben können sich doch glücklich schätzen. Ich wäre froh darüber, wenn ich nicht die sexuellen Probleme hätte und mich unvollständig fühlen würde (optisch wie psychisch). Eine Entscheidung im Erwachsenenalter hätte mir dabei vielleicht auch helfen können. Aber was wäre, wenn ...!?

    Weguer:

    Warum denkst du, dass der Aufwand den physischen Nutzen nicht aufwiegt?

    Olaf

    Dies mag stimmen. Aber in dem Zusammenhang der Stellungnahme von Frau Deusel zielt es ja dahin ab, dass eine jüdische Beschneidung am 8. Tag nach der Geburt völlig legitim sei, da das Kind mit ziemlicher Sicherheit der Religion der Eltern folgen würde.

    Olaf

    HaWeHa:

    Hätte ich mal nicht nur die erste Seite gelesen. Genau das meine ich. Die Ausführung der Beschneidung ist sicherlich ein wichtiger Aspekt ob ein Junge/Mann gut mit seiner Beschneidung zurecht kommt oder nicht. Absichtlich den erogensten Bereich des Penis berauben zu dürfen ist nicht in Ordnung.


    Zitat

    Deutliche Kritik ist an der missglückten Zweckklausel zu üben. Beschneidungen seien dann nicht erlaubt, wenn unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet sei. Das sei etwa der Fall, wenn Eltern ihr Kind zur Masturbationserschwerung oder aus ästhetischen Gründen beschneiden lassen wollen. Zum einen ist diese Regelung nicht justiziabel, weil Eltern nach dem Willen des Gesetzgebers ja zum Zweck der Beschneidung gar keine Angaben machen müssen. Aber selbst wenn sie es müssten, würde der Verweis auf „Religion“ oder „Gesundheit“ genügen, um das Kind beschneiden lassen zu dürfen. De facto erlaubt das Gesetz Eltern also, ihren Kindern nach Lust und Laune die Vorhaut zu amputieren.


    Auch dieser Abschnitt ist sehr interessant. Herr Putzke geht hier auch nocheinmal darauf ein, dass es Eltern gibt, die ihren Söhnen die Masturbation mit einer radikalen Beschneidung erschweren wollen und dies dem Gesetz nach auch problemlos können!

    @Pallas:

    Sollte die Suche mit Aufwand verbunden sein, dann bemüh dich bitte nicht. Vielleicht habe ich ihre Ansicht auch hier Stellungnahme Deusel gefunden:


    Zitat

    Wenn Maimonides in seinen Schriften darauf hinweist, daß die Beschneidung einer sexuellen Mäßigung dienen und der Geschlechtsverkehr lediglich der Fortpflanzung dienen solle, so hat er damit nicht eine Einschränkung des sexuellen Empfindens an sich im Blick, sondern er postuliert, daß sich die Männer auf die Vervollkommnung des Geistes konzentrieren und weniger an physische Dinge denken sollten.


    Olaf

    @Dagmar:

    Es gibt in manchen Internetforen genügend Schilderungen wie von HaWeHa. Einige ziehen dort sogar eine "Kürzung" also eine Beschneidung ihrer Vorhaut in Betracht, in der Hoffnung dann mehr beim Geschlechtsverkehr zu spüren.

    HaWeHa:

    Was genau gefällt dir nicht, wenn deine Eichel durch die Vorhaut stimuliert wird? Bitte erkläre es mir etwas, da ich auf dem Schlauch stehe.

    Danke

    Olaf

    Mir kommt es eben auch so vor, dass - vielleicht nicht die Verhinderung - zumindest die Einschränkung auch heute noch teilweise mit einer Beschneidung verfolgt wird. Dabei scheinen Mediziner aber auch Eltern dies zu verfolgen. Aber wie wir alle wissen werden heutzutage andere vorgeschobene Gründe für eine (möglichst zeitige) Beschneidung angegeben.

    @Pallas:

    Das von Frau Dr. Deusel letztes Frühjahr erschiene Buch habe ich letztes Jahr gelesen. Dort kann ich mich nicht erinnern, dass sie von einem "positiven Nebeneffekt" nach einer Beschneidung bzgl. der Masturbation geschrieben hätte. Hast du dazu ein Zitat?

    Sicherlich kann aber in Judentum dies ebenfalls verfolgt werden, auch wenn es vielzählige Aspekte der Beschneidung gibt. So wird doch bei der jüdischen Beschneidung ebenfalls darauf geachtet so wenig Vorhaut übrigzulassen wie möglich und die Eichel vollständig freizulegen. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass in der griechischen Antike jüdische Männer versuchten ihre Eichel bei den nackt auszuführenden Sportaktivitäten zu verdecken und so die jüdische Herkunft zu verleugnen. Deshalb wäre man zu dieser Zeit dazu übergegangen mehr Vorhaut zu entfernen und so die Vorhautwiederherstellung möglichst zu erschweren!?

    Aber nun gut mit den Mutmasßungen

    Olaf

    Es ist einfach erschreckend zu lesen wie vor 100 Jahren öffentlich ganz offen eine Genitalverstümmelung die Gesellschaft bessern sollte. Bei meiner Beschneidung kam es mir auch so vor, dass meine Chirurgin mir möglichst viel nehmen wollte. Ist es zwingend notwendig einen 12-jährigen Jungen das Frenulum und fast die komplette innere Vorhaut zu entfernen und dann so straff wieder zu vernähen, dass die Eichel freiliegt und abstumpft? Ich spüre dadurch wenig beim Geschlechtsverkehr und Masturbation ist nicht wirklich angenehm.

    Warum wird so radikal beschnitten? Damit der Junge vor einem endgültigen Resultat steht und sich nur sehr schlecht, z.B. durch Dehnen verbliebener Haut, wieder angenhmer machen kann?

    Olaf

    @Dagmar:

    Ich denke schon, dass es auch derart lange Vorhäute gibt, die bei einer Erektion die Eichel noch bedecken, wenn sie nicht explizit zurückgezogen wird - so z.B. bei einem Coverage Index von CI-9 oder CI-10. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es negativ wäre, wenn die empfindliche Eichel in der Vorhaut schön hin- und hergleitet.

    Olaf

    Hallo Kirsche,

    es tut mir leid, wenn es für dich den Anschein erweckt, dass in diesem Forum nur gegen die Beschneidung geschrieben wird. Eigentlich haben meine Vorredner schon alles Wichtige gesagt. Aber nochmals aus meiner Perspektive:

    Sicherlich gibt es auch Jungs und Männer, die mit ihrer Beschneidung zufrieden sind und keine Probleme haben. Es gibt aber auch Männer wie mich, die nicht damit zufrieden sind und nicht selber darüber entscheiden konnten oder durften. Ich fühle mich von der Medizin übergangen. Bei mir wurde von meinen Eltern und den behandelten Medizinern nie der ernsthafte Versuch unternommen mich vor einer Beschneidung und ihren (möglichen) Folgen zu bewahren. Ganz im Gegenteil!

    Olaf

    Hallo Foren-Mitglieder,
    ich möchte mich nun auch persönlich hier zu Wort melden. Anscheinend haben schon einige meinen etwas lang geratenen Bericht gelesen!? Eigentlich bin ich kein Mensch, der in Internet-Foren aktiv ist. Aber dieses schmerzliche Thema bringt mich nun doch dazu. Ich hoffe mich auf diesem Weg mit Leidensgenossen austauschen zu können - über ähnliche Probleme, aber auch Möglichkeiten wieder die Eichel etwas bedecken zu können.

    Ich freue mich!

    Olaf