Beiträge von SANDRA

    Hallo Zusammen,

    bin ja noch neu hier, doch finde ich eure Themen spannend und interessant .

    Nach meinem Erleben und Erfahrungsbereich kann ich über Sexualität sagen, daß sie so bunt ist wie der Regenbogen Farben hat. Daß ein unbeschnittener Mann unsensibler für Empfindungen am Penis ist, ist eine Tatsache. Bei den Sexualpraktiken, bei denen es ums reine Stoßen geht und um das hinauszögern des Orgasmus, ist der unbeschnittene, unreife Mann in aller Regel im Vorteil. Doch nich jeder Sexualpartner wünscht "Pornosex", und das traurige und bittere an der Zwangsbeschneidung ist, daß ein Mann dem dies geschehen ist , kaum mehr selbst über seine persönlichen sexuellen Vorlieben entscheiden kann. Der unbeschnittene Mann, der im Laufe seines Lebens feststellt, daß er lieber längeren und härteren Sex hätte, könnte diesen Schr(n)itt ja immer noch gehen. Wahr ist aber auch, daß Sexualität nicht nur von der Physis abhängt. Die Erregbarkeit bei Mann und Frau findet auch im Kopf und im Herzen statt, hat viel mit der Persönlichkeit des Einzelnen zu tun, im schlechtesten Fall ist sie von der Gesellschaft gesteuert. Doch es gibt in allen Bereichen der Sexualität, bei beschnittenen wie unbeschnittenen Männern, Variationsmöglichkeiten. Wenn der Fokus immer öfter nicht nur auf die Geschlechtsteile und den Höhepunkt gerichtet, und man mehr den ganzen Körper und den Menschen an sich mit ins Liebesspiel einbeziehen würde, ist der Genuß bei allen Beteiligten um ein Vielfaches höher als beim bloßen Akt und dem viel überschätzten Höhepunkt. Oft hat Sex ja auch mit Leistung und Erfolg, mit Dominanz und Unterwerfung zu tun. Wenn die beteiligten Partner alle die gleichen Spielregeln wünschen ( Voraussetzung dafür ist eine Bewusstheit über die eigenen Vorlieben ), hat jede Ausrichtung ( außer der Pädophilie ) ihr Recht auf Ausübung.

    Jetzt bin ich doch etwas abgeschweift. Verzeihung, Hier geht es mehr um die große Frage, weshalb Männer und Frauen oft unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse haben, und ob das im Hauptsächlichen mit der Beschneidung zu tun hat. Ich muß Ja und Nein dazu sagen. Wie nun mitlerweile sicherlich außer Frage steht, ist der unbeschnittene Mann in aller Regel berührungsempfindlicher. Das bedeutet aber nicht, daß dieser Mann generell der einfühlsamere Partner sein muß. Seine Persönlichkeit hat Einfluß auf seine sexuellen Bedürfnisse und Praktiken, die allerdings oft auch vom landeskulturellen Männerbild beeinflusst wird. Sexualität will geübt werden, gelernt voneinander. Die Physis der Partner spielt dabei eigentlich eine untergeordnete Rolle. Wie stark sie beim Zusammenspiel der sich Liebenden abhängt, ist individuel verschieden. Einen Eingriff in den Körper aber, der nicht selbst entschieden ist, ist würdelos und ungesetzlich. Die Beschneidung verändert in jedem Fall die Physis mit nachaltigen Auswirkungen. Und das darf und kann niemand für mich entscheiden.

    Ich hoffe ich bin nicht vollends am Thema hier vorbei gesegelt...

    Beste Grüße

    Sandra, Massage- und Tantratherapeutin

    Hallo Descant,

    auf die Idee, daß mich das Beschneidungsthema als Frau vielleicht nur 2.rangig interessieren sollte, wär ich nicht gekommen. Denn es geht ja in aller erster Linie um das Kindeswohl - da spielt der geschlechtliche Status noch gar keine Rolle-zumindest nicht für mich. Ich fühle mich selbst heute mit 44 nicht zu jeder Zeit als Frau. Ich hatte schon als Kind Lieblingsspiele von beiden Rollen, war schon immer lieber Winnetou oder Robin Hood als Squaw oder Marian, und als alleinerziehende Mutter und selbständige fällt das "rein weiblich sein" ( wenns denn sowas überhaupt gibt ) sowieso mal viel und oft untern Tisch.

    Recht früh wurde meine Aufmerksamkeit auf Transexualität gelenkt. Ich konnte mit meinen 10 Jahren in ´78 und aus gut bürgerlichem Hause kommend, kognitiv nicht viel damit anfangen. Diese Frau/Mann die mir aber fast jeden Morgen im Schulbus gegenüber saß, hat mich angesprochen ohne je ein Wort an mich zu richten. Ich hörte die Beleidigungen der anderen Kinder, und sah wie traurig dieser Man/Frau war- ich hatte unendliches Mitgefühl, bekam aber auch eine Ahnung davon, was wahrer Mut bedeutet und daß das Recht auf Selbstbestimmung etwas sehr wichtiges ist. Leider wechselten wir in all den Jahren gemeinsamen Busfahrens nie ein Wort.

    Diese kleine Geschichte habe ich nur erzählt, um vielleicht deutlicher zu machen, daß es mir beim akktuellen Beschneidungsthema nicht augenscheinlich um DEN Mann geht, sondern um das Wesen das ohne selbst darüber entscheiden zu können durch die Beschneidung eine körperliche, irreversible Veränderung mit spürbaren Folgen, zugefügt bekommt. Ginge es auf politischer Ebene gerade um die Beschneidung der Frauen oder um das das Thema "medizinische, frühkindliche Entscheidung bei Intersexuellen", hätte ich mich auch darauf gestürtzt. Denn diese Themen beschäftigen sich im Kern mit der Unversehrtheit und unserem Recht darauf, und dieses ist für mich ein absoluter Wert . Daß es dann auch noch um fatalistische Religionsverfechter geht, hat zum Reagiern und Widerstehen in mir aufgerufen.

    Gibt es denn einen aktuellen Stand seitens des Rechtsausschusses?

    Viele Grüße, Sandra

    Hallo Werner, Hallo Weguer

    vielen Dank für eure aufnehmenden Worte.

    Es ist dificil über die Unterschiede der Sensibilisierungen des Penis von beschnittenen und unbeschnittenen Männer zu sprechen - gerade als Frau. Denn es gibt auch unter uns sehr verschiedene Meinungen und Vorlieben dazu. Meine Berufspraxis hat mir ein recht klares Bild in der Unterscheidung gezeigt: der unbeschnittene Penis ist in aller Regel deutlich sensibler, die Empfindungsfähigkeit größer (nicht nur um die Eichel) und es bedarf keiner Endlosstimulation des Glieds um einen Höhepunkt zu erreichen. Doch man kann sagen, daß die gesamte Sexualität eine Geschmacksfrage ist. Unstreitbar ist, daß eine Beschneidung ein gravierender Eingriff ist und die Sexualutät eines Mannes unwiderruflich verändert. Nun könnte man sagen, daß es genügend beschnittene Männer gibt die mit ihrer Sexualität zufrieden sind. Welch ein Glück! Denn es ist ja schätzungsweise gut ein Drittel der männlichen Weltbevölkerung beschnitten. Doch da bei ihnen in aller Regel eine religiöse Zwangsbeschneidung im Kindesalter vorgenommen wurde, kann ich als Vertreterin des modernen Humanismus dieser Handlung nicht zustimmen. Sicherlich kann man argumentieren, daß in jedem Elternhaus Prägung stattfindet, daß jede Kultur in uns ihre Spuren hinterlässt. Doch irreversible Körpereingriffe an den Jüngsten vorzunehmen, das sollte unvorstellbar in der heutigen Zeit in unseren Breiten mit unserem aktuellen Wissensstand sein. Wer hier großzügig mit der hiesigen Gesetzeslage umgeht, der missachtet und tritt mit Füßen alle Bemühungen die in den letzten 150 Jahren im Sinne des Humanismus und der Sozialtät gemacht wurden. Für mich gleicht es an Verrat. Wenn Politiker sich unsere Gesetze biegen und strecken wie es gerade ihrem Kurs entspricht, dann wird es nicht mehr lange dauern und die Bevölkerung macht es ebenso. Die Leute sind schon zornig genug. Unser Land, unsere Werte. Dazu sollten wir doch verflixtnocheinmal in der Lage sein zu stehen. Andere Länder tragen ihre Werte weit über ihre Landesgrenzen hinaus, verlangen von uns eine Gastfreundschaft, die meiner Meinung nach über jedes Maß hinaus schießt und absolut respektlos unseren Gestzen gegenüber ist. Und es soll nocheinmal einer wagen uns zum Schweigen unter anbetracht unserer Vergangenheit, zu mahnen. Der soll doch erstmal in sein eigenes Geschichtsbuch schauen und ich werde ihn daran erinnern, daß ich auch seine Kinder bis zum jüngsten Tag verantwortlich machen werde. Nein, aber so schnell kanns gehen mit den Emotionen wenn man als Bürger das Gefühl hat, daß Leute von außen mehr Rechte bekommen als man selbst.

    Dieses Thema bewegt mich wirklich sehr, und ich befasse mich mitlerweile täglich damit. Wahrscheinlich sind die Ungeheuerlichkeiten in anderen Bereichen nicht kleiner. Doch mir selbst geht es finanziell noch zu gut um mich mit den großen Wirtschaftsfragen wirklich auseinander zu setzen. Mit dieser Beschneidungsgeschichte aber und der Reaktion der Regierung darauf, wurde meine absolute Aufmerksamkeit erreicht. Denn es geht nicht mehr nur um Materielles um das sie uns betrügen, nein, jetzt nehmen sie uns auch noch unsere Werte. Wieviel Demut sollen wir denn noch beweisen!? Ich bin der Meinung, daß wir in Deutschland in Sachen humanistischer und wissenschaftlicher Bildung sehr weit gediehen sind. Dazu können wir stehen, darauf können wir stolz sein. Mir müssen nicht eine Loyalität bekunden, die uns letztendlich selbst verrät.

    Mit guten Wünschen für diesen Tag,

    Sandra

    Hallo Leute,

    das Beschneidungsthema hat mich seit dem Urteil des Köllner Landesgericht nicht mehr losgelassen - zugegbenermaßen nicht nur allein der betroffenen Jungen wegen. Sicherlich sind sie es, denen Schutz in unsrem Land vor weiteren religiösen Opfergaben gesetzlich gegeben werden muß. Ich bin Massagetherapeutin und gebe auch tantrische Massagen. So weiß ich nicht nur aus meinem Privatleben wie groß die sensiblen Unterschiede von beschnittenen und unbeschnittenen Männern sind.

    Entsetzen hat die Haltung der deutschen Politik zu diesem Thema bei mir ausgelöst. Es wurden viele, meiner Meinung nach, ungeheuerliche Worte für die Beschneidungsbefürwortung gebraucht. Dabei gäbe es doch nur einen einzigen Satz dazu zu sagen: Die Unversehrtheit gehört zum Grundrecht des Menschen im Geltungsbereich der Bundesrepublik, und eine Beschneidung aus religiösen Gründen ist daher ein strafrechtlicher Tatbestand, denn das Recht auf Religionsfreiheit und Ausübung bezieht sich auf den Menschen, der diese aus freien Stücken wählen kann; es legitimiert nicht ein Wunschrecht von fatalistischen Gläubigen ihren unmündigen, wehrlosen Kindern Opfergaben abzuverlangen.

    Daß unsere Regierung sich soweit herablässt sich nicht klar in dieser Sache zu äußern und zu reagieren, beschämt mich zutiefst. Deshalb auch bin ich aus Heidelberg am vergangenen Montag zur Anhörung nach Berlin gefahren. Ich wollte mit eigenen Ohren hören, mit welchen Worten sich die Beschneidungsfanatiker ins Licht setzen und auch wie der Ausschuss darauf reagiert. Ich saß 4 Stunden und schüttelte fast durchgehend den Kopf. Die meisten Beschneidungsverteidiger waren gut ausgewählte Redner, ihre Worte präzise, laut und deutlich, selbstbewusst und beinahe drohend. In der ersten Stunde gab es 5-Minuten Äußerungen von jedem geladenen Experten. Mir war zum heulen bei so viel Heuchelei. Glücklicherweise gab es in der letzten Stunde einige wirklich gute Fragen von einer Frau mit längerem blonden Haar ( leider weiß ich ihren Namen nicht mehr, sie saß neben Herrn Montag ). Sie fragte differenziert wiederholt, nach den unbeschnittenen Juden aus Osteuropa und auch nach den Juden in Israel, von denen viele sich bereits dem "Opferritual Vorhautentfernung" distanziert haben, nach deren aktuellen Platz in der religiösen Gemeinde. Immer wieder nämlich wurde von Seiten der Beschneidungswilligen mit Nachdruck erwähnt, daß es unmöglich für einen männlichen Juden sei in der jüdischen Gemeinschaft zu leben. Doch in der letzten halben Stunde musste ein Befürworter einräumen, daß es sehr wohl möglich ist in der religiösen Gemeinde auch unbeschnitten aufgenommen zu werden und jüdischen Glauben zu praktizieren und leben. Das bedeutet also, daß die deutsche Politik Fatalisten Rechte einräumen möchte!

    Ich habe, um nocheinmal alles anhören zu können, beim Rechtausschuss nach Video-, Audiomaterial oder wenigsten einem Protokoll angefragt. Bislang habe ich noch keine Antwort. Aufzeichnungen in allen genannten Medienformen gibt es. Das wurde eingangs auch erwähnt.

    Ich freue mich dieses Portal hier gefunden zu haben. Denn Anfangs kam ich mir ziemlich allein vor, denn die meisten die ich mit diesem Thema die letzten Wochen konfrontiert hatte, halten sich bedeckt, geben zu bedenken. Feiglinge alle miteinander.

    Mit besten Grüßen aus HD,

    Sandra