Ein etwas ausführlicherer Bericht und einige Reflexionen:
Famelab ist ein weltweiter Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation, der vom British Council, einer britischen Regierungsorganisation für internationalen kulturellen und akademischen Austausch, veranstaltet wird.
Den Vortrag hatte ich sehr kurzfristig vorbereitet und noch auf der Autofahrt nach Potsdam (vier Stunden) eingeübt. Mehr Arbeit als in den Vortrag hatte ich in das Nähen des Plüschpimmels mit viel Liebe zum Detail gesteckt. Just dieses Wochenende war ich krank geworden und hauptsächlich mit Gesundwerden beschäftigt. Am Dienstag war ich aber fast wieder gesund und habe den Vortrag gehalten. Hier ein Foto des guten Stücks:
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Am Abend zuvor habe ich noch drei E-Mails bekommen von Leuten, die mir Mut gemacht haben, u.a. von Mogis e.V.. Das fand ich ganz toll. Danke noch mal dafür!
Pausenfüller
Der Famelab-Wettbewerb war als Pausenfüller in den Doktorandentag im GeoForschungsZentrum in Potsdam eingebettet und so hat es sich auch angefühlt. Es waren etwa 60 Leute, fast alle Stu(pi)denten, im Publikum mit einem wohlwollenden Desinteresse, sie haben in den letzten Reihen gesessen, in den vorderen Sitzreihen saß kaum jemand außer der Jury. Das fand ich schade. Ein alleinstehender Wettbewerb am Abend statt am Nachmittag wäre besser gewesen.
Der Wettbewerb ging relativ schnell über die Bühne. Es waren sechs Teilnehmer, zwei Frauen und vier Männer. Je Teilnehmer gab es den etwa drei Minuten langen Vortrag und etwa drei bis fünf Minuten Jury-Feedback. Danach gab es einen halbstündigen Vortrag eines Gastdozenten aus Schweden, der die Wissenschaftskommunikation mit einer grottenschlechten Powerpoint-Präsentation gelobt und im Wesentlichen sein eigenes Buch beworben hat. Danach gab es dann die Siegerehrung und Preisverleihung. Von den 60 Leuten im Publikum waren dann nur noch 40 geblieben. Sowohl die Jury-Rückmeldung als auch die Siegerehrung waren kurz und sehr lieblos gestaltet.
Mein Vortrag war inhaltlich und technisch sehr gut und hätte meines Erachtens auch einen Preis gewinnen können. Die drei Minuten habe ich allerdings um ein paar Sekunden (gefühlt zehn Sekunden) überzogen wegen eines verstopften Luftballons. Das ist aber die einzige Panne geblieben.
Der Wettbewerb hatte eine unangenehme Dieter-Bohlen-Atmosphäre. Das liegt zwar im Format des Wettbewerbs (anders als bei einem Science Slam oder Poetry Slam) begründet, es war diesmal aber deutlich unangenehmer als beim Wettbewerb vor 5 Jahren in Lübeck und in Bielefeld (da hatte ich schon einmal erfolgreich als Sieger des Regionalwettbewerbs bei Famelab teilgenommen und die Atmosphäre war beide Male sehr angenehm). Es waren vier Personen in der Jury aus den Bereichen Wissenschaft, Coaching, Journalismus und habe ich vergessen: ein Mann und drei Frauen. Der männliche Juror hat anscheinend als einziger im Vorfeld nach dem Thema gegoogelt. Er hat meinen Mut gelobt und bedauert, dass "meine Eltern mir das angetan haben". Dieses Missverständnis habe ich schnell ausgeräumt: Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf. Im Internet präsent ist vorwiegend die religiöse Verstümmelung, deren Initiative in der Regel von den Eltern ausgeht. In meinem Fall war es aber eine medizinische Verstümmelung, deren Initiative von den Ärzten ausgeht. Dass meine Mutter auf die Lügen der Ärzte hereingefallen ist, mache ich ihr nicht zum Vorwurf. Der Juror hatte sogar den Begriff "boy genital mutilation" zitiert, sich also vorher inhaltlich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und es im Kern verstanden. Der zweiten Jurorin war meine "lakonische Art" aufgefallen. Beide sind mir sehr sympathisch.
Dieter-Bohlen-Atmosphäre
Die dritte Jurorin (ich glaube, es war die SZ-Wissenschaftsjournalistin; ich nenne sie den "weiblichen Dieter Bohlen") hatte gefragt, was an meinem Vortrag denn wissenschaftlich sei. Ich hatte bereits in meiner Anmeldung zum Wettbewerb erklärt, dass mein Vortrag zwar außergewöhnlich, aber nicht gegen die Regeln sei. Normalerweise stellen junge Wissenschaftler ihr berufliches Thema vor. Für mich ist Sexualwissenschaft/Medizin ein Hobby und kein Beruf. Aber ich bin Wissenschaftler (Diplom-Ingenieur) und es ist ein wissenschaftliches Thema, so wie es die Teilnahmebedingungen erfordern. Die Frage nehme ich als eine rhetorische wahr. Vor der Frage, was z.B. an der Erklärung von Isotopenmassen mithilfe eines Männchens mit einem dünnen und eines Männchens mit einem dicken Bauch (auch eine tolle Idee!) wissenschaftlich sei, mussten sich meine Mitstreiter nämlich nicht rechtfertigen. Genauso wenig wurde ich vor 5 Jahren dafür gerügt, dass ich eine Figur erklärt habe, die nicht ich, sondern ein Herr Lissajous "erfunden" (= als Erster beschrieben) hat. Der auf ähnliche Weise außergewöhnliche, aber regelkonforme Vortrag eines Zweierteams vor 5 Jahren hat auch keine Rüge, sondern Lob erfahren. Ich nehme in dieser Frage den Wissenschaftsbetriebschauvinismus wahr, mit dem viele Gonks (= Gymnasiasten ohne nennenswerte Kenntnisse) kokettieren, die studiert haben, aber nichts anderes können als dummes Zeug schwätzen, also die ganzen Herfried Münklers und Konsorten. Die vierte Jurorin hatte ihren Vorrednern nichts hinzuzufügen.
Ich habe keinen Betroffenheits-Bonus von der Jury oder vom Publikum erwartet (und auch nicht bekommen). Ich wollte fair nach den Regeln dieses Wissenschaftskommunikationswettbewerbs bewertet werden. Ich habe aber den Eindruck, von dem weiblichen Dieter Bohlen einen Betroffenheits-Malus bekommen zu haben. Das hat sich echt mies angefühlt. Schockiert bin ich aber nicht, da ich schon vorher damit gerechnet hatte. Nach dem gleichen Schema waren auch vor sechs Jahren wir Betroffenen aus der Bundestagsanhörung herausgedrängt worden.
Nach dem Wettbewerb hatte mich nicht nur der Juror, sondern auch noch ein junger Mann aus dem Publikum gelobt. Über beides habe ich mich sehr gefreut. Darüber, dass ein sehr guter Freund und Genosse von mir (ein Diaspora-Schleswig-Holsteiner) dabei war, sowieso.
Alles in allem bin ich zufrieden, wie es gelaufen ist.
Die Youtube-Videos sind noch in Arbeit.