kaisaschnitt: Ich habe die Mitte 30 mittlerweile überschritten, und habe seit nunmehr ca. 20 Jahren Sex. Und Gott steh' mir bei, es gab wirklich tolle Nächte, aber auch einige die das Prädikat "do not archive" mehr als verdienen. Darum 2 Grundsätze vorweg: 1. Ein Mann besteht nicht nur aus Penis und 2. geschenkte Lust ist nicht immer geteilte Lust.
Das Kamasutra teilt Männer und Frauen nach dem Größenverhältnis Ihrer Genitalien in Hase, Stier und Hengst bzw. Reh, Stute und Elephantenkuh ein. Ein Hase muss bei einer Elephantenkuh andere Techniken anwenden um Lust zu geben als es der Hengst bei der Stute tun muss. Quintessenz dahinter: Der Penis ist nur ein Teil der Persönlichkeit des Mannes (wenn auch ein stets bewundernswerter
), aber er ist nur ein Teil der erogenen Ausstattung. Finger, Zunge, Stimme, die Liste der Lusthelfer ist beliebig fortsetzbar.
20-30 Minuten kontinuierliche Penetration ist für mich allerdings eine eher - nun ja - idiotische Vorstellung, die bei mir eher Assoziationen von schmerzenden Gelenken, wundgescheuerten Knien, verkrampften Muskeln und Gedanken wie "wir müssten dringend die Decke mal neu streichen" oder "wann wollte eigentlich das Schwiegermonster vorbeikommen?" weckt. Von ihren vaginalen Schmerzen, dem regelmäßigen Nachfeuchten und anderen Problemen mal ganz abgesehen.
Die Idee des gemeinsamen Höhepunkts erscheint mir auch eher zweifelhaft. Es dürfte meist leichter sein sich erst um die Partnerin zu kümmern und sich dann verwöhnen lassen anstatt gleichzeitig an ihr herum zu werkeln und aus ihren Bemühungen Lust ziehen zu müssen. Genauso wie Du ihr sagen (und zeigen) sollst, was Dir gefällt muss sie das auch tun. Es ist ein Spiel oder noch eher ein Dialog in dem man abwechselnd am Zug ist. Wenn man in diesem Dialog eine Stufe erreicht auf der der Orgasmus des anderen den eigenen auslöst: nice to have. Wenn nicht: dann nicht. Das ist weder tragisch noch ein Indikator für schlechten Sex oder gar ein Zeichen für ein Problem in der Beziehung. Es ist dann eben einfach so.
Es gibt gerade in langjährigen Beziehungen andere und weitaus schwerwiegendere Probleme.
Eine Zirkumzision halte ich jedenfalls für die unsicherste aller Möglichkeiten Deinem Problem (das ich nicht als Problem einordne) zu begegnen. Du kannst einfach nicht vorhersehen mit wem Du in 20 schläfst, wie sich deine eigenen Empfindungen und die Empfindlichkeit Deines Penis im Laufe der Zeit und/oder das Empfinden und die Bedürfnisse Deiner Partnerin verändern. Es gibt keine Garantie, ob Dein "Problem" selbst wenn es für den Moment gelöst erscheint nicht in ein oder zwei Jahrzehnten wiederkommt. Ebenso ist überhaupt nicht gewährleistet, daß es durch den Schnitt überhaupt gelöst wird. Was allerdings garantiert ist, ist der Verlust des größten Teils des erogenen Gewebes deines Penis und über kurz oder lang die Keratinisierung der Eichel. Mir erscheint dieses Preis-/Leistungsverhältnis jedenfalls nicht überzeugend.