Beiträge von Hickhack

    Ich hatte Frings zitiert, weil seine Aussage im Grunde entstellt wurde und als kirchliche Legitimation des Mundraubs rezipiert ist. Seine tatsächliche Aussage sagt etwas völlig anderes.

    Mir ging es um die Parallelen bei der Rezeption von Zitaten bzw. wissenschaftlichen Statements.

    Der Ansatz von Price, daß es um die Hautflora geht, und die Zirkumzision nicht zwangsläufig das Mittel der Wahl sein muss, scheint in der HIV-Prävention untergegangen zu sein.

    Mir ist vor einiger Zeit eine Übersicht begegnet in der die unterschiedlichen Grade der Entfernung der inneren - Langerhans-Zellen-"verseuchten" - Vorhaut nach ihrer Effektivität bei der HIV-Ansteckung "bewertet" wurden (ohne Zirkumzision ist das Risiko ja schon hoch, aber eine "high"-Zirkumzision bringt letztlich HIV-präventiv auch nicht viel, weil die Langerhanszellen ja immer noch da sind...)

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    Zitat von Lance Price

    Er schlussfolgert: "Die Arbeit, die wir tun, indem wir die zugrundeliegenden biologischen Mechanismen potenziell enthüllen, könnte Alternativen zur Beschneidung offenbaren, die den gleichen biologischen Einfluss haben würden. Mit anderen Worten, wenn wir feststellen, dass es sich um eine Gruppe von Anaerobiern handelt, die zunehmen Risiko für HIV, können wir alternative Wege finden, um diese Anaerober zu bringen."

    https://medical-diag.com/5591-circumcis…ring-microbiome

    Der Originalartikel stammt aus dem Jahr 2013.

    Der obige Satz von Price erinnert mich stark an:

    Zitat von Kardinal Frings 31.12.1946

    Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann. Aber ich glaube, dass in vielen Fällen weit darüber hinausgegangen worden ist. Und da gibt es nur einen Weg: Unverzüglich unrechtes Gut zurückgeben, sonst gibt es keine Verzeihung bei Gott.


    Die Nachsätze geraten ja immer schnell in Vergessenheit.

    Nachtrag Jette:

    Jacques44 stellte oben schon mal die Frage, was denn der Vater Deines Sohnes dazu sagt.
    Meine Frau hat sich damals komplett rausgehalten (wohlwissend, daß ich keiner unnötigen OP zustimmen würde) und dieses "Männerthema" komplett meinem Sohn und mir überlassen. Ob das in Eurem Fall im Hinblick auf die Unversehrtheit deines Sohnes ratsam wäre*, müsstest Du natürlich selbst beurteilen. Ich weiß, daß bei vielen Eltern die Gesundheit der Kinder ein originär mütterliches Ressort ist, aber hier geht es um etwas, was Du als Frau nunmal nur sehr schlecht nachempfinden können wirst und wo es nicht schadet, wenn mann mal zwei Takte mehr darüber nachgedacht hat.

    Was dein Mann(!) deinem Sohn auf jeden Fall schon beibringen könnte (vorausgesetzt Eure Familienkonstellation und Euer Umgang miteinander lässt das zu) wäre zum einen das Zurückziehen der Vorhaut beim Pinkeln soweit es eben geht und nicht weh tut (so wird die Haut regelmäßig bewegt) und das gleiche beim Duschen bzw. Baden. Wenn die Engstelle weg ist, muss sich Dein Sohn eh unterm "Rolli" waschen.

    *Das Risiko von Söhnen zirkumzidierter Väter selbst zirkumzidiert zu werden, wird z. B. gemeinhin als erhöht angesehen.

    Hallo Jette,

    im Prinzip ist alles gesagt, aber ein Beispiel aus der Praxis: mein Sohn hatte auch eine massive Phimose mit Ballonieren. Sein Kinderarzt ist an und für sich "vorhautfreundlich" und war anfänglich auch sehr optimistisch, daß sich das "Problem" von alleine lösen würde.
    Als er etwa 5 oder 6 war, war die Verengung noch immer so massiv, daß selbst dieser Kinderarzt meinte, er würde um eine Zirkumzision nicht herumkommen.
    Nachdem ich nirgendwo bei uns einen Arzt gefunden haben, der ein Triple Inzension machen konnte (oder wollte), haben wir es erst mit einer Salbentherapie versucht, dann jahrelang nicht mehr drüber nachgedacht.
    Zwischendurch hat er selbst nochmal gedehnt und seit ca. 3 oder vier Jahren ist die Phimose weg. Jetzt ist er 16 und alles in Ordnung.

    Von daher: solange es keine Entzündungen oder andere Indikationen gibt, hat kein Erwachsener an der Vorhaut eines Jungen was zu suchen. Wenn die Phimose bei vollständig ausgewachsenem Penis (sprich 16, 17, 18 Jahre) immer noch besteht, dann kann sich der Betroffene selbst darum kümmern, wenn es ihn stört.

    Jede Operation birgt das Risiko eines Traumas. Ich hatte ja nur eine Frenulotomie (und bin mir bis heute nicht ganz sicher ob es nicht eine partielle Frenulektomie war), aber dennoch ist es eine OP- und in gewisserweise auch eine Modifikations- bzw. Verstümmelungserfahrung.

    Bei einer Zirkumzision ist der Effekt weitaus deutlicher und geht bei der Amputation ganzer Gliedmaßen auf eine für mich nicht einmal vorstellbare Ebene.

    Soweit eine solche Operation medizinisch unvermeidbar ist und ein Krankheitsbild vorliegt, dem anders nicht beizukommen ist, ist die Auseinandersetzung des Patienten mit den Folgen schon nicht einfach (was in schwereren Fällen noch untertrieben ist).

    Im Bezug auf die Zirkumzision lässt sich allerdings feststellen, daß der Eingriff bei Kindern und Jugendlichen bei höchstens 1-2 von 100 Jungen eines Jahrgangs bis zu seinem 18. Geburtstag medizinisch unvermeidbar sein könnte. Alle anderen Jungen die einer Zirkumzision unterworfen werden, werden schlicht verdinglicht und den ästhetischen, religiösen, kulturellen oder sonstigen Fimmeln ihrer Eltern ausgeliefert.

    Selbst bei erwachsenen Männern ist die Zahl der Fälle in denen eine medizinische Unausweichlichkeit vorliegt sehr gering.

    Die Unterscheidung zwischen medizinisch unausweichlich und "vom Mediziner gewünscht" ist bei vielen Ärzten aber leider nicht so einfach. Auch Eltern sind in vielen Fällen schlicht nicht ausreichend informiert um eine aufgedrängte Zirkumzision einfach auszusitzen.

    Von daher ist - so habe ich es zumindest verstanden - das Ziel dieser Foren-Community - nach bestem Wissen und Gewissen von unnötigen Zirkumzisionen abzuhalten und die Zahl der Eingriffe auf die zu beschränken, die es entweder partout wollen und als Erwachsene VOLLINFORMIERT einwilligen oder die aus gesundheitlichen Gründen operiert werden MÜSSEN. Letzteren zu helfen mit den Folgen klarzukommen ist dann der nächste Schritt.

    Nur der Regionalität halber: Mir wurde heute von einer Mutter zugetragen, daß Dr. Odenthal in Leverkusen die TP bzw. Erweiterungsplastik beherrschen, durchführen und erfolgreich anwenden soll. Ich kenne die Praxis allerdings nicht aus eigener Anschauung.

    (Und mein Sohn (fast 14) hat dieser Tage verlauten lassen, die Verengung ist komplett gelöst ohne Salbe ohne bewusstes Dehnen etc. d.h. wir können dieses Problemfeld endlich abhaken)

    Für die noch bestehende Vorhautstraffung würde ich zu den hier im Forum sattsam beschriebenen Dehnungsmethoden raten.

    Die Frenulotomie hatte ich auch mit 18 oder 19. Bis auf die sechs-acht Wochen danach (man sollte bis die Fäden raus sind nicht mit seiner Freundin in Urlaub fahren) war das völlig unaufregend. Du solltest bei der OP-Planung nur darauf achten, daß Du nur in eine Frenulotomie (das Band wird nur durchtrennt und neu vernäht) und nicht in eine Frenulektomie (das Bändchen wird komplett entfernt) einwilligst.

    Hallo Rudi,

    erstmal willkommen.

    Zu den OP-Folgen kann ich wenig sagen, da ich intakt bin, aber um den Verband zu lösen, empfehle ich in die Apotheke zu gehen und nachzufragen. Ich meine Wasserstoffperoxid würde in solchen Fällen helfen um die Verkrustungen aufzuweichen. Ein PTA wird dazu mehr sagen können.

    Ganz bestimmt würde das BVerfG auch keine Religionsgemeinschaft ernst nehmen, die es als religiöse Verpflichtung ansieht, kleinen Jungen (oder - noch schlimmer - kleinen Mädchen) die Ohrläppchen abzuschneiden. Die würden eher als "terroristische Vereinigung" eingestuft.

    Käme sehr darauf an. Ich bin mir z.B. überhaupt nicht einig, wie das BVerfG auf die Maori oder einige Sepik-Völker reagieren würde. Deren Initiationsbräuche sind auch nicht wirklich mit unseren Erziehungsvorstellungen vereinbar. Auf der anderen Seite haben auch diese Gruppen ein Pfund in der Hand, das weder die Pastafaris noch eine neugeschaffene Religion mit Ohrläppchenmodifikation haben/hätten: Tradition

    Stand heute würde ich davon ausgehen, daß diese alten Stammesgemeinschaften durchaus auch die Anerkennung als Religionsgemeinschaft bekommen könnten (was ja nicht die Errichtung als KdöR bedeutet).

    Und wo kein Kläger, da kein Richter. Solange das alles innerhalb der Gemeinschaft bleibt und die Mehrheitsgesellschaft bzw. "der Staat" NICHT mit diesen Dingen konfrontiert wird, passiert vermutlich erstmal gar nichts.