Es ist nicht so leicht, diese Studien zu interpretieren, finde ich. Die Kategorien sind sehr unterschiedlich, die Befragten differieren in Alter, Status usw. und nirgendwo wird mehr gelogen als bei Sexumfragen. Wie soll man z.B. bewerten, dass im Vergleich mehrerer europäischer Länder die männlichen Türken (alle als Kinder beschnitten) die kürzeste Zeit brauchen
Nein nicht nur Türken! Wie der Zufall es wollte erfuhr ich von einem 42-jährigen Christen, der auch in den 70-ern beschnitten wurde, weil es damals Mode war - wie er sagte - erreicht er den Höhepunkt von 1 - 10 min. Also recht schnell!
Die meisten Studien haben sowieso Beschneidung im Erwachsenenalter zum Gegenstand (vorher/nachher). Ist mit Kinderbeschneidung kaum vergleichbar. Darüber hinaus besteht nach meinem Eindruck auch keine Einigkeit, welche Teile des Penis für den Orgasmus verantwortlich sind. Könnte auch sein, dass die Art der Beschneidung eine Rolle spielt. Soll in Israel anders sein als anderswo. Es gilt als gesichert, dass bei Männern, die an verzögertem Orgasmus beim Geschlechtsverkehr leiden, aber normal masturbieren können, das Problem "zwischen den Ohren" liegt.
Ja es sollten explizit Studien gemacht werden mit Männern, die als Kinder beschnitten wurden. Es gilt nicht als gesichert, dass der verzögerte Orgasmus beim Geschlechtsverkehr seine Ursache "zwischen den Ohren" also im Kopf hat! Das gilt auch für einige Frauen, die nur während der Selbstbefriedigung zum Höhepunkt kommen.
Auch gibt es intakte Männer, wenn auch weniger, die ewig lang brauchen, um den Höhepunkt zu erreichen oder gar nicht erreichen. Ob hier eine organische Nervenreizstörung (wegen Diabetes o.a) vorliegt, müsste wohl ein Arzt (Sexualmediziner, Urologe oder Neurologe) untersuchen. Dr. G. Pfau schreibt über die beschnittenen Männer:
Die Männer berichten, dass der Orgasmus bei der Masturbation einwandfrei funktioniere, beim Koitus jedoch nicht (koitale Orgasmusstörung). Bei der Masturbation kann die Reibungsintensität an der Eichel durch den Mann selbst geregelt werden.
Genauso wie Frauen die Reibungsintensität ihrer Klitoris selber regeln können, weil sowohl die Männer als auch die Frauen das Tempo, die Intensität, die Art der Stimulation (Druck, Streicheln, Reiben usw.) am besten kennen und sie können es zumindest versuchen dem Partner zu erklären, wie der Partner/die Partnerin das genau in der gleichen Art machen kann. Ob das gelingt ist eine andere Frage!
Der Orgasmus ist etwas unglaublich Komplexes und es ist eine Wechselwirkung aus verschiedenen Faktoren körperliche Verfassung, Gefühle, Erregbarkeit usw. und unterliegt leicht unterschiedlichsten Störungen, die ihn verhindern oder unter günstigen "Bedingungen" auslösen! Und niemand ist fähig vorauszuahnen oder vorherzusagen, ob er beim Geschlechtsverkehr zw. einem Mann und einer Frau ausgelöst wird! Es ist wie eine Reise mit verbundenen Augen - man weiss nicht wo man landet, ob in ein Blumenfeld oder in einen Sumpf
So frage ich mich ernsthaft, wie wollen Männer und Frauen sich gegenseitig einen Orgasmus "schenken" bzw. ihn beim anderen auslösen, wenn sie nicht mal ihren eigenen Pulsschlag kontrollieren können? Wer das erkannt hat, kann sich entspannen und nur geniessen und sich nicht selber unter Druck setzten.