Beiträge von picard_72

    Aha, und wenn die Mehrheit für die Beibehaltung von § 1631 d stimmen wurde, wäre das dann ok für dich, und wir würden unsere Arbeit hier dann einstellen ?

    Natürlich entscheiden in einer Demokratie die verfassungsmäßigen Instanzen, und ob das ein Parlament ist, oder die Bevölkerung , ist erstmal zweitrangig. Dennoch steht das Mehrheitsprinzip nicht über den übrigen Grundrechten. Und ob eine Mehrheitsentscheidung einzelne oder Minderheiten in ihren Grundrechten verletzt , da gibt es ua auch noch das Verfassungsgericht, welches darüber entscheidet. Wie gesagt, es ist keine Frage von Mehrheiten oder Minderheiten, sondern von Sachargumenten.

    BTW :Woher dieser Optimismus, dass es bei einer Volksabstimmung besser liefe ?

    Ich habe keinesfalls soviel Vertrauen in die direkte Demokratie, dass dann immer die " richtige" Entscheidung bei rum kommt. Genauso wie Parlamentarier, ist auch die Bevölkerung anfällig für Kampagnen und Lobbyarbeit, vermutlich sogar anfälliger als Parlamentarier. Und für die meisten ist das sowieso ein Nicht-Thema. Wo sind denn die 70 % , die angeblich für ein striktes Beschneidungsverbot sind ? Bei der Demo in Köln am 7 . Mai waren wir kaum 50 Leute . Müssten die Leute sich nicht in Massen empören ? Ja, wenn ein Zoo eine Giraffe schlachtet, finden sich auf Facebook sofort 50.000 Unterstützer , um die Schließung des Zoos zu fordern. Von solchen Zahlen können wir nur träumen. Ich habe erhebliche Zweifel, ob eine Gesetzesinitiative zur Abschaffung von § 1631 d BGB überhaupt genügend Unterschriften zusammen bekäme.

    Man darf über all den Minderheiten die breite Mehrheit auch nicht ganz aus dem Auge verlieren!
    Eigentlich sollte in einer Demokratie die Mehrheit sogar bestimmen. Eigentlich...

    Bitte , auf dieser Schiene sollten wir nicht argumentieren. Das ist keine Mehrheit-Minderheiten-Frage - genau so versuchen es die Beschneidungsbefürworter ja immer wieder darzustellen, dass hier die ( unbeschnittene, von Ignoranz geprägte ) Mehrheitsgesellschaft einer Minderheit was aufdrücken will.

    Beschneidung wäre auch dann falsch und zu verurteilen, wenn sie von der großen Mehrheit befürwortet würde. Und eine freiheitliche Demokratie ist keine Mehrheitsdiktatur, in der die Mehrheit Minderheiten ihren Willen aufdrücken kann. Angehörige von Minderheiten können in einer freien Gesellschaft tun und lassen, was sie wollen, solange sie niemandem dadurch Schaden zufügen - auch dann wenn dieses Tun der Mehrheitsgesellschaft aus welchem Grunde auch immer missfällt.

    Beschneidung aber fügt Dritten Schaden zu , und ist deshalb abzulehnen- unabhängig davon , ob sie von einer Mehrheit oder einer Minderheit ausgeübt wird.

    Das Bundesverfassungsgericht urteilt traditionell kirchenfreundlich. Das heutige kirchliche Arbeitsrecht gründet letztlich aus einer sehr weiten Auslegung des verfassungsrechtlich garantierten Selbstverwaltungsrechts der Kirchen, welche aus dem Wortlaut und der historischen Entstehung des Verfassungsartikels keinesfalls zwingend herzuleiten ist.

    Es zeigt aber auch, dass es vielleicht etwas blauäugig sein mag, mit unserem Anliegen auf das Verfassungsgericht zu setzen.

    Typische Selbstbeweihräucherungsveranstaltung von Religionsvertretern , man wird sich gegenseitig bestärken und unterstützen und sich in der eigenen Toleranz sonnen, die natürlich nur den eigenen Positionen gilt. Wenn es hoch kommt, wird ein bestellter " advocatus diaboli" ein paar pseudo-" kritische" Fragen stellen, die dann ohne weiteren Tiefgang vom Tisch gewischt werden. Eine echte Kontroverse wird es wohl kaum geben, Vertreter säkulärer , medizinischer , psychologischer oder juristischer Standpunkte, geschweige denn negativ Betroffene, dürften nicht zu Wort kommen. Da bleibt man doch lieber unter sich.

    Als Betroffener ist es für mich wirklich bitter zu sehen, wie sehr in Presse und Medien das Thema - ohne jedes kritische Hinterfragen, ohne die zahlreichen Stimmen der negativ Betroffenen zu hören, ohne die menschen-und kinderrechtlichen Fragen überhaupt auch nur zu reflektieren - nach zwei Jahren Debatte noch immer in die Kategorie " kulturelle und religiöse Pluralität " eingeordnet wird. Gerade ich habe mich immer für Toleranz und Weltoffenheit unserer Gesellschaft eingesetzt und sehe mich nun mit meiner Kritik gedrängt in eine Ecke mit Antisemiten und Islamophoben.

    Was wir hier sehen, ist das völlige moralische Versagen einer Gesellschaft, die - aus nachvollziehbaren Motiven, ohne Frage - unbedingt liberal und weltoffen sein will, aber dabei ihre grundlegensten Prinzipien relativiert und verleugnet.

    (welcome)
    mach Dir mal keine Gedanken, das ist schon in Ordnung so. Ich mach es genauso. Mittlerweile. Leider bin ich erst sehr viel später als Du auf den Dreh gekommen, dass es so ganz gut klappt. Jahrelang versuchte ich immer, meine Eichel mit allerlei Cremes und Textilien zu stimulieren und hab dadurch den Abstumpfungsprozess der Eichel vermutlich nur noch verstärkt.

    Hmmmm, weiß nicht. Das soll ja jetzt Opfer von sexuellem Missbrauch betreffen und als solches fühle ich mich nicht. Ich fänds nicht richtig, mich da mit unserem doch etwas anders gelagerten Problem reinzudrängen. So , wie ich auch nicht möchte, dass uns jemand Vorträge über Religion hält, wenn wir über die profanen Folgen von VA reden wollen.

    Hallo,

    naja, es wird wohl tatsächlich darauf ankommen, was vorher vereinbart war, um Schadensersatzansprüche geltend machen zu können. Du müsstest eigentlich vorher eine schriftliche Patientenerklärung unterschrieben haben und Deine Einwilligung erklärt haben. Dabei müsste eigentlich auch Art und Umfang des Eingriffes so gut wie möglich beschrieben sein. Wenn der Arzt davon ohne Dein Einverständnis dabvon abgewichen ist, liegt keine wirksame Einwilligung vor , und man könnte dagegen vorgehen.

    Vergesst es . Der Typ WOLLTE pöbeln und einen Kulturkampf herbeireden. Der einzige der im Kommentarbereich andere beschimpft und beleidigt hat, und zynisch argumentiert hat, war er selbst. Und sich dann als Opfer darstellen, schon klar. Der Zynismus seiner Argumentation, dass sich erstmal 1 % oder 5 % der Betroffenen öffentlich beschweren sollten, bevor man das Ganze problematisieren darf, ist kaum noch zu überbieten. Wenn DAS die Bedingung ist . gäbe es es heute vermutlich noch Sklaverei, kein Frauenwahlrecht, kein Frauenstudium, und Genitalverstümmelung bei Mädchen gälte immer noch als zu respektierender kultureller Brauch. Und das ist KEINE Gleichsetzung, sondern soll nur die Absurdität dieser Argumentation verdeutlichen.

    Sonst hätten wir im Bundestag ebensolche 70% dagegen gehabt.

    Umfragen sind das eine. Klar, wenn Du die Leute auf der Staße direkt fragst, was sie von Beschneidung halten, werden die meisten natürlich sagen, dass sie dagegen sind. Den allermeisten ist dieses Thema aber unwichtig. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die meisten Bundestagsabgeordneten, die für das Gesetz gestimmt haben, dies nicht getan haben, weil sie Beschneidung gut finden. Sondern weil sie die Staatsräson ( " jüdisches Leben in Deutschland muss weiterhin möglich sein" ) höher bewertet haben.

    Ändern wird sich nur was, wenn es innerhalb der im Bundestag vertretenen Parteien engagierte Menschen und Gruppen gibt, die für das Ziel der unteilbaren Menschenrechte einstehen. Die Parteien sind auch nur ein Spiegel der Gesellschaft. Und so wie die große Mehrheit unserer Mitbürger das Thema Genitalbeschneidung bei Jungen noch immer als vernachlässigenswert empfindet ( " Find ich ja auch nicht gut, aber sooo schlimm und wichtig ist das ja nun auch nicht" dürfte wohl die Haltung der meisten unserer Mitbürger sein ) , so wird das auch in den Parteien sein. Um so wichtiger ist es, diejenigen in den Parteien, die unser Anliegen unterstützen und Aufklärungsarbeit leisten, zu unterstützen und zu ermutigen. Mir ist jedenfalls sonst noch keine innerparteiliche Gruppe bei anderen Parteien bekannt, die so ein klares Positionspapier entworfen hat.