Beiträge von Descant

    Das letztgenannt Zitat erinnert mich an eine Stellen in einem Essay von Michel de Montaigne (Von der Angewohnheit und von der Mißlichkeit, gewohnte Gesetze zu ändern), wo er schreibt:

    Zitat

    Der Gesetzgeber von Thurien verordnete, daß ein jeder, der ein altes Gesetz abgeschafft oder ein neues eingeführt wissen wollte, sich mit dem Strick um den Hals dem Volk darstellen solle, damit, wenn sein neues Gesetz nicht von jedermann gebilligt würde, er auf der Stelle erdrosselt würde.

    Diese Sitte pflegen wir natürlich nicht, aber bedeutend mehr Respekt vor bestehenden Gesetzen sollten wir haben. Hans Dichgans hat das in seinem Buch "Vom Grundgesetz zur Verfassung" mal für das Grundgesetz zusammengezählt und kam auf die Zahl von 19 Grundgesetzänderungen in den ersten 19 Jahren (also einmal im Jahresdurchschnitt), demgegenüber 7 Änderungen in den ersten 7 Monaten des Jahres 1969 (Dichgans, Hans: Vom Grundgesetz zur Verfassung. Überlegungen zu einer Gesamtrevision Düsseldorf Wien 1970 (Econ), S. 9.
    Aber vielleicht kennen unserer Abgeordneten ja noch diese Geschichte von Thurien, und präsentieren sich deswegen meist mit Krawatten (Stricke sind out).

    Ich habe meinen Gedanken von eben aufgenommen und gleich mal dem Bundesrat gemailt:

    Zitat

    Sehr geehrte Vertreter der Bundesländer,

    In der Drucksache Drucksache 597/1/12 ist Ihnen eine Empfehlung zum Gesetzentwurf über die Beschneidung männlicher Kinder zugegangen.
    Absatz 3 resp. Absatz 4 dieses Schreibens machen klar, das es sich um Ausnahmeregelungen (Sondergesetze) aus religiösen Gründen handeln wird. Wenn Sie dies umsetzen, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie mit der Legalität von Ausnahmegesetzen aus religiösen Gründen FÜR Juden und Muslime auch den Boden dafür schaffen, dass irgenwann aus religiösen Gründen Ausnahmegesetze GEGEN Juden und Muslime zumindest vorgeschlagen und öffentlich diskutiert werden. Einen solchen Staat will ich nicht. Und Sie?

    Mißbilligungvoll
    Imee Descant (56 Jahre)
    Münster

    Wer seine Gedanken ebenfalls dem Bundesrat mitteilen will, hier geht es zumhttp://Kontaktformular des Bundesrats.

    werner. Ich stimme dir zu. Bin mir aber mit dem freiwilligen Austausch gegen deutsche Juden nicht sicher. Ich glaube, wir missverstehen das wenn wir denken, er hätte sich von Israel/Palästina nach Deutschland austauschen lassen. Es gab da vielmehr auch noch Austausche zwischen den kriegsführenden Parteien, wenn also z.B. englische Juden in Deutschland festsaßen. Aber da müsste man noch genauer recherchieren. Ein interessantes, indes aber für uns nebensächliches Thema. Jedenfalls glaube ich nicht, dass er nach Deutschland gegangen ist, denn dann wäre er sicher nicht als Flieger zum Einsatz gekommen.

    Zitat

    Mit seiner Beschneidungstheorie hat er sich ja wahnsinnig viel Mühe
    gegeben. Mir ist niemand bekannt, der auch nur entfernt ähnliche
    Theorien aufgestellt hat.

    Auch hier stimme ich zu, zumal er den Hauptteil seiner Schriften wahrscheinlich ohne Nutzung des Internet gemacht hat. Dennoch. Annehmbarer werden die Schriften dadurch nicht.

    Zitat

    Nachdem Krieg holte er das Abitur nach und studierte in Tübingen unter
    anderem Psychologie bei Eduard Spranger, Ernst Kretschmer, Romano
    Guardini.

    Zum Teil honorige Leute. Da ich Eduard Spranger im Rahmen einer Beschäftigung mit der geisteswissenschaftlichen Pädagogik etwas besser kennen gelernt habe, wage ich zu behaupten, er wäre entsetzt über das, was sein Exstudent da verfasst hat. Ernst Kretschmer ist da schon ein anderes Kaliber, wie ein Blick nach Wikipedia zeigt. Romano Guardini spielt wieder in einer anderen Klasse.
    Fazit: Herr Loebert (Jhw hab ihn selig) hat sich entweder das zusammengeklaubt, was in sein (verqueres) Weltbild passte und den Rest ignoriert - oder er war nie richtig bei der Sache. Aber wohlgemerkt, das ist nur eine Vermutung. Ein Urteil über seinen Studienerfolg steht mir nicht zu. Wobei - angesichts der hehren Bildungsziele, die vor der NS-Zeit die Lehrpläne in den Schulen bestimmten und die ich aus dem eigenen Studium der Erziehungswissenschaft kenne, wundert es mich schon, was letztendlich aus jener Jugend geworden ist - und springe damit direkt zu meiner eigenen Schulzeit, wo esfür die gymnasiale Oberstufe u.a. hieß "Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung" . Schaue ich auf meine Altersgenossen (ich bin 56 Jahre alt), sehe ich oft genug entgeistert deren Treiben. - Und die gegenwärtigen "Kernlehrpläne"? Na ja...
    Langer Rede kurzer Sinn: Die Liste der eigenen Lehrer mag noch so lang und eindrucksvoll sein. Wenn der Verstand nicht mitgeht oder sich verirrt, hilft alle Bildung nix. Im Gegenteil, macht es vielleicht sogar noch schlimmer, wie schon Kant angesichts vermeintlicher Tugenden wie Selbstbeherrschung und Mäßigung in Affekten bemerkte (Grundlegung einer Metaphysik der Sitten):

    Zitat

    Denn ohne Grundsätze eines guten Willens können sie höchst böse werden, und das kalte Blut eines Bösewichts mach ihn nicht allein weit gefährlicher, sondern auch unmittelbar in unseren Augen noch verabscheuungswürdier, als er ohne dieses dafür würde gehalten werden.

    Ich finde schon, dass dies eine bemerkenswerte Erklärung ist:

    Zitat

    Die Vorhaut hat biologisch durchaus einen Sinn und eine Funktionalität.
    Diese anzuzweifeln ist schon etwas abwegig. Die Natur hat sich diese
    immerhin entwickeln lassen, ob man dahinter nun Gott oder die Theorie
    Darwins anerkennt.

    Ich finde nicht, dass die "Katholischen" aus den Löchern kommen, weder sind es Ratten, noch Mäuse, noch Höhlenbewohner oder Infanteristen.

    Mit der Textstelle, die Awa da herausgepickt hat, führt sich der Autor des Buches selbst ad absurdum. Schließlich kommen den beschnittenen Muslimen ja dann auch alle Wohltaten der Beschneidung zu gute, die ich in meinem Zitat erfasst habe. Kopfschüttel. Das ganze ist so makaber bis paradox, dass ich mich nun mit einer flappsigen Bemerkung aus diesem 'Thread verabschiede:
    Was ist paradox? Wenn eine jüdische Verletzung durch einen christlichen Arzt mit einem islamischen Verband gedeckt wird.

    Aus dem Buch (Inhaltsangabe zu „Judentum und Beschneidung“):

    Zitat

    Die rituelle, medizinische und ästhetische Begründung der Beschneidung ist ein halbwahres verschämtes Märchen. Der wahre Grund ist die Einwirkung auf das Wesen des Beschnittenen, ohne die Schädeldecke zu durchbohren. Darum Gottes früher und strengster Befehl zur Beschneidung (Genesis 17) im Zusammenhang und zur leiblichen Bekräftigung und Bestätigung des geistigen Bundes von Gott mit dem Volk Israel. Die leib-seelischen Folgen sind: Monotheismus, hohe Geistigkeit, Kunst und Kultur, hohe sprachliche Stärke, Aktivität, Direktheit, Tüchtigkeit - "natural superiority" nennt es Louis Begley -, ein starkes Subjekt, schwache Beachtung des Objektes, es sei denn, es dient dem Ruf der Wissenschaft, der Kunst, Literatur, Musik, Film oder der Verteidigung. Alfred Grosser spricht von Selbstbezogenheit, das wird dadurch bestätigt, dass die Eichel sich nicht mehr nach vorne, nach außen zur fehlenden Vorhaut wenden kann, sondern nach innen, zur Narbe hin, also leibwärts, dem Selbst des Beschnittenen zu.

    Wie krank ist das denn? - Ich habe zwar auch eine gewissen Affinität zu esoterischen Themata (z.B. Handlesen, nicht als Zukunftsvorhersage sondern für Charakterbilder, dann aber auch nicht für andere zum Mitteilen, sondern für den betreffenden Menschen), aber das geht nun doch alles zu weit in Richtung Humbug. Logisch ist der Umkehrschluss natürlich: Polytheismus, geringe Geistigkeit, Kunst oder Kultur, geringe Eloquenz, Passivität oder Untüchtigkeit => Unbeschnitten. Da dürften sich aber eine ganze Menge von Menschen verblüfft einander an bzw. an sich herunterblicken. Und wie R(h)einwein zurecht schreibt: "die Rolle der Frau wird auf die Rolle der Mamma reduziert" bzw. wie man früher meinte - sie wird zum Gefäß (Blumentopf) in das der "gärtnernde" Mann seinen Samen senkt. - Aus diesem Buch zeigt mir der gleiche Ungeist seine Fratze, wie er in der NS-Zeit, nur eben mit anderen potentiellen Opfern, gewütet hat. Vielleicht konnte ich mir deswegen auch sofort den Autor, als ich sein Bild sah, in Uniform vorstellen?

    Eigentlich wollte ich mich nur mal informieren, was denn der Islam zu Homosexualität sagt, und was Becks Gesprächspartner vermutlich zu ihm gesagt hätte, wüßten sie um seine Orientierung. Aber - beim Googlen mit "islam und homosexualiät" führte mich ein Link auf das -SPIEGEL ONLINE Video über einen schwulen Imman, der u.a. dies sagte, was ich gern allen Muslimen und Juden und Christen ins Stammbuch schreiben würde:

    Zitat

    Zeiten ändern sich. Wir können also nicht die Denkweise des 7. Jahrhunderts anwenden, um das Leben im 21. Jahrhundert zu bewältigen. Das wird nicht funkionieren.

    Es gab um 1850 auch einen jüdischen sogenannten Reform-Verein , dessen Mitglieder sich vehement auch gegen die Beschneidung aussprachen und den Rabbinern bzw. Rabbinen die Kompetenz zu diesem Thema absprachen. Lange hat er sich aber nicht gehalten. Die "Beschneidung des Herzens" wurde von Paulus proklamiert, nachdem in den nicht jüdischen Gemeinden auch die Debatte um die Beschneidung entbrannte. Es ist wohl ein Zwei-Jahrtausendthema.
    Diese Reformjuden schreiben sehr engagiert, m.E. schon etwas stark - aber andererseits, auch im Hören der gegenwärtigen Stimmen, überlege ich, ob diese Verve nicht vielleicht tatsächlich notwendig ist, denn, höre ich die Gegenseite, kommen mir deren Vertreter (Beschneidungsverfechter) vor wie eine Drückerkolonne Gottes.

    Also - dann plädiere ich für "Zwangsbeschneidung". Ich weiß nicht, wer den Begriff "Beschneidung" erstmals verwendet hat (vielleicht Luther, in seiner Bibelübersetzung?), jedenfalls wurde er zum "einheimischen" Begriff der Religionen für diesen Vorgang, und die eigentliche Problematik (nicht vergessen, es gibt Leute die beschnitten werden wollen und nicht zuletzt Väter, die ihre Kinder beschneiden lassen, obwohl sie selbst diese Erfahrung gemacht haben) liegt doch offenkundig im Zwang.

    Ich zitier mich mal selbst 8) , mit einem Gesetzentwurf, den ich u.a. in einem offenen Brief an diverse Entscheidungsträger und Meinungsmacher vorgestellt habe:

    Bei der Strafbarkeit würde ich sogar schon im Gesetz angeben (falls das möglich ist), ob als schwere oder einfache Körperverletzung.