Beiträge von Descant

    Da würde ich doch gern mal diese Master-Arbeit sehen und schauen, in wieweit Frau Deusel auch berücksichtigt, dass die Zwangsbeschneidung eigentlich seit Urzeiten obsolet ist, da Israel mehr als einmal Bünde mit Gott gebrochen hat (worüber genug Propheten sich ereiferten (z.B. den "Sinaibund", kaum dass die Gesetzestafeln abgestaubt waren) und andrerseits es genug eindeutige Gebote gibt, die auch nicht mehr eingehalten werden: Eine Ehebrecherin sollst du nicht am Leben lassen". Unstrittig auch: GoTT selbst hat als Vorschrift für die Durchführung der Beschneidung ein "Feuersteinmesser" verlangt (obwohl es schon andere Materialien gegeben hätte. Warum wird das nicht mehr genommen?

    Eben noch in dem verlinkten Bericht zu Frau Deusel gesehen:

    Zitat

    Seit 1986 arbeitet sie als Ärztin, seit 1988 ist sie im urologischen
    Fachgebiet tätig als Oberärztin in der Klinik für Urologie und
    Kinder-Urologie; 2000 erwarb sie die Qualifikation als Mohelet in
    London,

    Wieso das denn, ist bereits langerfahren Urologin und macht dann noch Mohel-Qualifizierung? Also wird die Beschneidung durch den normalen Facharzt nicht für voll genommen. Folgerung: Der soll möglichst außen vorbleiben, daher: Her mit den Säuglingen, solange der Mohel noch darf. Oder irre ich mich in dieser Auslegung?

    Hallo zusammen, ich schaue gerade auf WDR III "West-Art: Wie gerecht ist unser Rechsstaat?" und

    • bin dadurch auf eine Linkliste geführt worden, die für die rechtliche Würdigung unseres Themas interessant sein könnte: Links
    • habe aufgemerkt als das Gäfgen-Urteil (Entschädigung für ihn wegen Folterandrohung) angesprochen wurde, das vom Menschengerichtshof so vorgegeben wurde, denn die Menschenrechte würden über allem stehen. Da würde ich doch folgern (ähnlich wie beim Verbot entführte Passagiermaschinen u.U. abzuschiessen), dass auch die besondere allgemeine religiöse Bräuche nicht zu Sonderfreiheiten berechtigen, die jemanden seiner körperlichen Unversehrheit - auf die er ein jedermann einleuchtendes primäres Recht hat - berauben.

    Einer der Links oben führt auf das Dossier: "Rechtsstaat", und darin findet sich im Abschnitt Der liberale Rechtsstaat folgender Satz

    Zitat

    Das wirtschaftlich aufstrebende Bürgertum hat die Prinzipien des liberalen Rechtsstaates im Kampf gegen den monarchischen Obrigkeitsstaat, der die Bürger als Untertanen bevormundete, durchgesetzt.

    Frage: Sollte man diesen Gedanken nicht fortführen im Sinn: Der liberalen Rechtsstaat hat die nie endende Aufgabe seine Prinzipien im Kampf gegen Religionsgemeinschaften, die den Bürger als Gläubige nicht nur fördern sondern auch bevormunden wollen, durchzusetzen und zur freien, eigenverantwortlichen Lebensgestaltung anzuhalten.

    Ava - Vielleicht finde ich es noch wieder: Ein mittlerweile erwachsener Ärztesohn schrieb in einem Blog, dass seine Eltern (beide Ärzte) ihn und seine Brüder schon im Säuglingsalter nicht nur beschneiden ließen, sondern auch gleich den Blinddarm entfernen, weil man den ja nicht brauche.
    Aha, jetzt habe ich es, ist der Kommentar von Trampy auf Yhoo Clever: Beschneidungsverbot pro und contra?
    Und das ist die Aussage in seinem Kommentar:

    Zitat

    Ich bin katholisch erzogen u n d beschnitten. Unsere Eltern (beide
    Mediziner) haben alle ihre sechs Jungs im Babyalter beschneiden lassen
    und den Blinddarm entfernen lassen. Begründung war wg. Hygiene und der
    Blinddarm ist überflüssig. Basta. Keiner hat etwelche Traumas oder
    Erinnerung.

    ich sehe gerade (03.11.2012) auf Phönix "ZDF-History: Engel in der Hölle" und z.b. Aufnahmen aus jener Zeit, wo Juden aus den Städten entfernt und in die Lager gebracht wurden. Dabei denke ich an unser diskutiertes Gesetz, an sein Passieren des Bundesrates und an unsere Debatten hier, und es wird mir klar: Wenn ich Jude oder Moslem wäre, würde ich mir Sorgen machen: Ein Deutschland, das jetzt Menschenrechte zu meinen Gunsten beschneidet, ist auch in Lage Menschenrechte zu meinen Ungunsten zu beschneiden. Recht und Gesetz? - Die Nürnberger Gesetze waren auch Recht. Mit ein bisschen mehr Nachdenken würde ich an diesem Deutschland zweifeln, und so tue ich es auch jetzt schon, als Christ.

    Hallo, erst dachte ich, toll, der von mir sehr geschätzte Herr Huber stellt sich, anders als sein Nachfolger, gegen die Beschneidung - aber Irrtum. Du musst die ganze Predigt genau lesen (Dein Link). Auf Seite 7 heißt es:

    Zitat

    Ob und inwieweit Juden und Muslime in der Beschneidung ein verpflichtendes Gebot sehen, haben sie selbst zu entscheiden. Wenn sie in ihr einen wichtigen Akt des Glaubensgehorsams sehen, verdient das unseren Respekt. Wenn sie den Ritus vollziehen wollen, weil in ihm die Verantwortung für die religiöse Beheimatung ihrer Kinder zum Ausdruck kommt, haben wir zu achten, dass sie sich für die religiöse Erziehung ihrer Kinder verantwortlich wissen. Statt dieses Recht in Zweifel zu ziehen, sollten wir uns eher selbst fragen, was wir für die religiöse Erziehung der jungen Generation tun. Natürlich muss gelten, dass Gesundheit und körperliche Integrität der Kinder geachtet und die Regeln der ärztlichen Kunst befolgt werden. Aber wer an diese Forderung erinnert, sollte zugleich das Recht auf Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht in Erinnerung behalten. Deshalb widerspricht es sich nicht, wenn wir uns als Christen an die Freiheit von der Beschneidung erinnern und doch für die Freiheit zur Beschneidung eintreten, die wir für Juden und Muslime in unserem Land bewahren wollen.

    Guy - Sorry, wenn ich auch einigen Dingen zustimme, so aber nicht dem Ton der sich in dem von Dir hervorgehobenen Zitat - und das ich noch um eine Halbsatz erweitere - mitklingt. Da meine ich nämlich tatsächlich Antisemitismus herauszuhören, zumindest aber ein Religionbashing, das wir doch der "Charta" gemäß nicht betreiben wollen?

    Zitat

    Eine Beschneidung von Neugeborenen ist eine perfide Vor-Indoktrinationstufe im Judentum. Es ist ein evidenter Besitz- und Ausschließlichkeitsanspruch auf das Leben durch eine unverschämte und obskure Reservierungsart. Wie eine religiöse Strategie der wahnsinnigen Abrahamiten funktioniert, zeigt ...

    "Wahnsinnige Abrahamien" unterschlägt die
    religionswissenschaftlich allgemein akezptierte Wertung von Abraham ("Isaaks Opferung") als Wendepunkt des bis dahin praktizierten Menschenopfers, die Ablösung vom "Terminator" zum normal opfernden Menschen. Es gibt auch noch genug Religionswissenschaftler, die die Einführung der Beschneidung auch in diesem Sinn sehen, dass dadurch nämlich die tatsächliche Opferung der "Erstling" durch eine - wenn auch nicht ganz nur symbolische Handlung -aufgegben wurde.

    Ferner: Indoktrination hat immer was mit Einfluss auf das Denken zu tun, was soll da Vor-Indoktrination sein? Der nicht einsichtsfähige Säugling ist weit davon enfernt, einem Kindergartenkind mag man beginnen können etwas einzureden, das wird dann aber schon Indoktrination. Kurzum. Der Begriff macht für mich keinen Sinn. Ein grober Hammer, der den Nagel NICHT trifft.

    Ich bin dagegen jetzt alles in einen Topf zu werfen, denn so entsteht leicht die Gefahr das vor lauter Bäumen die kranke Tanne nicht mehr gesehen wird. ("Tanne" bot sich an wegen der "Zapfen"). Was die Schulpflicht und die Schulversorgung angeht, haben wir schon Besonderheiten (Privatschulen, Internate, Konfessionelle Schulen, Krankenhausschulen etc.) Mit den Gesetzen verhält es sich so ähnlich wie mit den Axiomen in der Mathematik: Keine Disziplin kommt mit nur einem einzigen aus (oft sind aber 4 - 5 ausreichend, z.B. Penosche Axiomen für den Aufbau der natürlichen Zahlen).
    GoTT brauchte eigentlich nur 10 (woraus sein auserwähltes Volk aber im Lauf der Zeit 613 Gesetze folgerte), und unser Grundgesetz, in dem die Grundrechte zumindest ähnlich wie Axiome gehandelt werden, begnügt sich mit noch 19 (Wobei mir, statt der Formel "Die Würde des Menschen ist unantastbar" lieber wäre: "Die Würde des Menschen darf nicht angetastet werden".)

    Jedenfalls - die Folgerung von Machtnix kann ich nicht nachvollziehen. Macht nix.