Beiträge von susanna

    Sehr viele Rituale und Traditionen haben doch keinen konkreten Sinn und Zweck (mehr).

    Sie beantworten schlicht die Frage: "Was machen wir denn heute?"
    Und rhythmisieren eine größere oder kleinere Gemeinschaft.
    Deshalb ist der konkrete Inhalt auch eher sekundär - hauptsache alle oder möglichst viele machen mit.

    Mal wieder was zum Lachen

    http://hpd.de/node/17102

    Zitat

    Wenn eine Frau Sex mit mehreren Männern hatte, kommt es zum Krieg der Spermien. Der Eichelkranz wirkt durch seine Form wie ein Saugkolben, der das Sperma anderer Männer wieder heraus befördert. Diese Saugwirkung wird allerdings erheblich gehemmt durch ein anatomisches Detail: die Vorhaut. Denn sie staut sich bei der Rückwärtsbewegung hinter dem Eichelkranz auf und puffert die Ausschabung ab.

    Im weiteren Artikel nimmt der Verfasser diese Thesen (samt deren Autoren) Stück für Stück auseinander und schließt vernünftigerwiese mit:

    Zitat

    Ganz egal aber, was Evolutionspsychologen und Frauen heute über Vorhäute sagen; viele Milliarden Frauen in Millionen von Generationen haben durch sexuelle Selektion entschieden, dass die Vorhaut zu einem perfekten Penis gehört.

    @ Weguer

    Das ist doch ein super Erfolg. :thumbup:
    Und wer es sich in der kuscheligen "Ist doch keine große Sache, ehrwürdige Tradition usw"- Haltung erst einmal bequem gemacht hat, kann die ungeschminkte Darstellung von einiger Fakten durchaus als agressiv empfinden - das hat mit dir persönlich wenig zu tun.

    Ich muss zugeben, dass ich am Anfang der Diskussion die Möglichkeit einer dauerhaften Traumatisierung durch eine Neugeborenenbeschneidung und darauf zurückführbare PTBS im Erwachsenenalter für - nun ja - etwas überspannt gehalten habe.

    Eine palästinensische Freundin hatte ihren Sohn in den USA zur Welt gebracht (damit wenigstens das Kind Papiere und eine Staatsbürgerschaft hat) und dort auf Drängen ihres Mannes die Vorhaut abschneiden lassen. Inzwischen ist der Kleine 6 Monate alt und ein liebevoll umsorgter, meist gut aufgelegter, fröhlicher Wonneproppen.

    Außer man macht die Windel auf. Dann steht in seinen großen Augen plötzlich das blanke Entsetzen. Manchmal weint er kurz, manchmal ist er dabei ganz still. Dieser Zustand der äußersten Panik dauert nur ein paar Momente, vielleicht maximal 30 Sekunden, dann kehrt das Vertrauen in seinen Blick zurück und er entspannt sich wieder. Die Situation ist sehr grotesk, das Baby liegt safe and sound mit seinem Spielzeug in der Hand auf dem Wickeltisch und guckt dabei so, als befände es sich im freien Fall hinunter von einer Klippe.

    Dieser Junge wird nie eine bewusste Erinnerung an seine Beschneidung haben.
    Trotzdem ist diese schmerzvolle Erfahrung ein Teil seiner Person und sein Urvertrauen scheint eine brüchige Stelle zu haben, wie auch immer sich das in seinem späteren Leben auswirken wird.

    Negative Folgen für die Psyche des Erwachsenen sind vielleicht nicht zwingend, aber nach meiner Ansicht (nach dieser Erfahrung) auf jeden Fall möglich.

    Hatten wir das schon?

    http://hpd.de/node/17018

    Zitat

    Bei der Beschneidung z.B. hat sich der Staat nicht auf die religiöse
    Logik oder ein modernes Ethos bezogen. Stattdessen hat er über die
    Bedingungen und Umstände der Ausführung des Rituals eine Entscheidung
    getroffen. Das ist ein Modell für die Regulierung eines säkularen
    Staates ohne Einmischung in religiöse Inhalte.

    Ich denke, in einem Land, in dem sich der Staat nicht in religiöse Inhalte einmischt, würde Herr Kretschmann selbst nicht leben wollen...

    Die Erforschung dieser Zusammenhänge ist spannend und wichtig für z. B. den amerikanischen Kulturkreis, wo viele Eltern, die ihre Söhne nun intakt aufwachsen lassen, und deren Kinderärzte zu wenige Kenntnisse und Erfahrungen über die normale physiologische Entwicklung und angemessen zurückhaltende Intimhygiene haben.

    Für die etwas anders geneigte Elternschaft wird das leider eine Informationsquelle für:
    "Rituelle Beschneidung auf Kosten der Krankenkassen - gewusst wie!"

    Zitat

    Die betroffenen Grundrechte wie das Kindeswohl, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Erziehungsrecht der Eltern und die Religionsfreiheit seien im vergangenen Jahr in dem vom Bundestag neu beschlossenen Gesetz »angemessen berücksichtigt und in Ausgleich gebracht worden«, sagte sie.

    Wers glaubt wird selig.

    Zitat

    Die Vorhaut hat also keine sehr wichtige Aufgabe. Ihre Entfernung ist auch keine große Sache,...

    "Die Klitorisvorhaut und Teile der inneren Labien haben also keine sehr wichtige Aufgabe.
    Ihre Entfernung ist auch keine große Sache,..."

    (würg)

    Kinderverrohung vom Feinsten!

    Und ich dachte immer, es würde schon reichen, meine Lieben von Ballerseiten und Co abzuhalten.

    Zitat

    Die Frage der religiös-rituellen Bescheidung kann kontrovers diskutiert
    werden. Dazu möchte ich mich hier ausdrücklich nicht äußern.

    Naja.
    Da ließt sich der Satz : "Ein Arzt schnipselt nicht grundlos am Körper wehrloser Kinder herum, nicht an der Vorhaut ...
    schon wieder anders.
    Aber immerhin beschreibt er differenziert viele (wenn auch nicht alle) der möglichen Folgen für die Sexualität, in einer Art und Weise, dass sich auch mit ihrer Beschneidung zufriedene Männer darin wiederekennen können.

    Wenn dein Mann die Beschneidung seiner Söhne vor allem als Pflicht gegenüber der Großfamilie begreift und (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) eine direkte Konfrontation vermeiden möchte, könnte man, eventuell zusammen mit dem Kinderarzt, sich noch andere Unmöglichkeiten (als die juristischen) überlegen bzw konstruieren: Irgendwelche dauerhaften gesundheitlichen Unpässlichkeiten, wie z. B. irgendetwas mit der Lunge oder eine deutliche Gerinnungsstörung. Ihr könntet dann der Familie in Marokko erzählen, im Prinzip würdet ihr schon wollen, aber die Ärzte hätten euch aus gewichtigen Gründen dringend abgeraten, der Eingriff wäre lebensgefährlich für die Kinder, vielleicht irgendwann später mal ...
    Sollte dein Mann ein ganz starkes persönliches Motiv für die Beschneidung haben, könnte das gleiche auch ihm gegenüber funktionieren.

    lg
    susanna

    Hallo sonia.walid

    die anderen hier haben ja schon viele Möglichkeiten angesprochen.

    Mich würde interessieren, wie dein Mann so argumentiert hat, als ihr miteinander darüber gesprochen habt. Ist ihm der religiöse Aspekt wichtig? Oder spielen für ihn eher gesundheitliche Bedenken eine Rolle?
    In Gesellschaften, in denen Jungenbeschneidung üblich ist, wird die Vorhaut ja als etwas krankmachendes wahrgenommen (in Syrien, dem Geburtsland meines Mannes, ist das auch so). Wenn diese Sorgen vorherrschend sind, könntest du einen guten Kinderarzt hinzuziehen, der deine ethischen Bedenken teilt und sich gut mir der normalen Entwicklung und Intimhygiene von Jungs auskennt. Infobroschüren sind zwar gut und schön, reichen aber an die Wirkung eines persönlichen Gesprächs (von Mann zu Mann) nicht heran.
    Hol dir auch von dieser Seite Unterstützung von außen!

    Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld und euch als Familie alles Gute!

    Eine Abwägung nicht zu erkenne?
    Auf ein 14jähriges Kind haben Eltern doch noch Einfluss zu Genüge.

    Leerlauf der Religionsfreiheit der Eltern?
    Als ob jüdische und muslimische Eltern gar keine andere Möglichkeit zur religiösen Erziehung hätten als den Schnitt am Kindergenital.
    :wacko:

    @ R(h)einwein

    Mir fällt bei deinem Beispiel wieder das taubstumme Paar ein, dass gezielt ein ebenso taubes Kind zeugt und zur Welt bringt (ist bereits vorgekommen).
    Diesen Eltern fehlt offenbar auch nichts, und sie möchten unbedingt, dass ihr Nachwuchs (uneingeschränkt) an der taubstummen Subkultur teilnehmen kann. Für diese Eltern wäre der intakte Hörsinn ihres Kindes ein Defekt, der es daran hindern würde, sich perfekt in das Leben und Umfeld der Eltern zu integrieren.
    So sehr ich die Motive und Gefühle der Eltern verstehen kann, finde ich das ethisch nicht akzeptabel, diesen Kindern fehlt schließlich eine komplette Sinnesqualität.
    Und der Einwurf, sie seien ja nicht nach der Geburt ihres Höhrvermögens beraubt worden, sondern wären ab Zeugung in diesem Zustand und kennen nichts anderes, machts auch nicht besser.
    Genau so könnte doch ein Paar ohne Beine, dass sich rundum wohl fühlt mit seinem Leben, auf die Idee kommen, gezielt ein Kind ohne diese Gliedmaßen zur Welt zu bringen.

    Zitat

    Weder hinsichtlich der Penisempfindlichkeit noch bei der sexuellen Erregung, dem sexuellen Empfinden, der erektilen Funktion, der Ejakulationslatenz, der Orgasmusfähigkeit oder der sexuellen Zufriedenheit zeigten Männer mit Zirkumzision irgendwelche Defizite, dies insbesondere dann, wenn der Eingriff in der Kindheit erfolgt war.

    Hervorhebung von mir.
    Was ist das denn für ein Quarks? Entweder gibt es keine Unterschiede, und dann ist es egal, wann es gemacht wurde - oder eben doch.
    Oder die als Kinder beschnittenen sind irgendwie noch gleicher... :wacko:

    Mich wundert, dass die Entwicklung der HIV-Infektionsrate der Sexualpartnerinnen außer acht gelassen wird. Was nützt es, wenn sich weniger Männer anstecken, aber diese dann häufiger das Virus weitergeben, weil sie seltener Kondome benutzen?

    Das einzige, was ich dazu einmal gefunden hatte, war der vage Hinweis darauf, dass die Frauen dann von der Herdenimmunität profitieren.
    Was überhaupt nicht hinkommt, nach Wiki wird eine Herdenimmunität erst dann erreicht, wenn z. B. durch Impfungen über 80% der Bevölkerung 100%ig immun gegen eine Infektion ist.