Hier meine Impressionen aus der sich dem Vortrag anschließenden Fragerunde (@ werner: ich kam ein paar Minuten nach 18h, habe mich in die Mitte
der letzten Reihe der Parkettsitze gesetzt und bis zum bitteren Ende
durchgehalten):
Ein Mann mitleren Alters bedankt sich für den Vortrag und fragt: "Wenn ich in meinem Alter Jude werden wollte, müsste ich dann auch noch beschnitten werden?"
Was von Frau D. fröhlich bejaht wurde.
"Ist es ein leichter Eingriff und wie lange dauert er?"
Hierauf erläutert Frau D. die Unterschiede zwischen einer Säuglings- und Erwachsenenbeschneidung.
Und betonte, dass es für sie als Urologin zwar der kleinste, aber der mit der größten Sorgfaltspflicht durchzuführende ist, weil das Kind sich ja bis an sein Lebensende damit identifizieren muss. Deshalb dürfe dieser Eingriff "nie von einem Anfänger durchgeführt werden, bis heute nicht."
Wie die angehenden Mohalim das erste Mal ihrer OP am Säuglingspenis überspringen - keine Ahnung.
Darauf kam von einem jungen Mann eine eher kritische Frage dahingehend, ob sie mit dem 2. Absatz des neuen Gesetzes denn zufrieden sei, der ja ausdrücklich die Beschneidung durch Nichtärzte an Säuglingen unter 6 Monaten vorsieht, nachdem sie doch selbst die medizinische Sorgfalt und "Schmerzausschaltung" so herausgehoben hatte.
Frau D. regte daraufhin an, es "so zu sehen: Ein Mohel ist so etwas wie ein Chirurg, der immer die eine Operation macht, und immer nur die eine...Und er hat eine lange Ausbildung hinter sich...."
Wenig später immerhin: "Er (Mohel) ist kein Arzt und wird nie eine andere OP machen"
Sie geht noch auf die geplante Zertifizierung ein ("Der Deutsche liebt Zertifizierungen").
"Das (EMLA) macht wirklich eine Schmerzausschaltung"...
"Die Schmerzbahnen sind schon da, aber die Verknüpfungen mit dem Schmerzzentrum werden erst nach und nach ausgebildet."
Auch der Mohel müsse den Eingriff immer nach dem neuesten Standard ausführen.
Ein anderer fragte, was es damit auf sich hätte, dass der Säugling sogar den Schmerz brauchen würde für eine komplette Brit Milah.
Frau D. ging auf die verschiedene Meinungen im Judentum ein und hob hervor, dass sie selbst wie auch viele ihrer Kollegen den Schmerz nicht für notwendig hält und erläutert die historische Entwicklung der Schmerzbekämpfung. Und auch die historischen Wurzeln des Absaugens des Blutes mit dem Mund, einem Ritual, von dem sie sich selbst distanziert.
Es folgten mehr oder weniger launige Fragen wie "Was passiert mit dem Teil, der abgetrennt wird?" "Gibt es eine Möglichkeit, es aufzuheben oder zu konservieren" - die von der Vortragenden ausführlich beantwortet wurden.
Anschließend meine Frage: "Ich habe eine Frage an Sie als Mensch. Mein Stiefschwager, Amerikaner jüdischen Glaubens, gehört zu denen, die mit ihrem Beschnittensein unzufrieden sind, er sieht das als Beschädigung an. Als Biologin, die ja weiß, dass die Vorhaut ein funktionaler Bestandteil eines gesunden Genitals ist, respektiere ich das. Meine Frage: Würden Sie es respektieren, wenn der eine oder andere Junge, dem Sie mit besten Absichten die Vorhaut abgeschnitten haben, sich später als Mann beschädigt fühlt?
Frau D.: "Das kann er schon tun."
Aber er sollte sich doch einmal klarmachen, wovor er alles "verschont" bliebe:
Erhöhte Rate von fiebrigen Infekten des Harntraktes als Kind,
Folgen einer Phimose,
HPV Viren
Geschlechtskrankheiten (immerhin stellt sie hier heraus, dass dort zum wirksamen Schutz neben der Beschneidung noch ein "verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität gehört")
...
und vor allem: dem Peniskarzinom: "Die sind nicht so selten! Das ist was richtig, richtig Gefährliches!"
Und bei der Hygiene beim Kind und alten Mann: Das haperts!
Und gegen die Verharmlosung der Folgen mangelnder Genitalhygiene, "dagegen kämpfe ich bis an mein Lebensende...!"
Damit möchte sie schließen.
Dann ergatterte ein ältere Zuhörer zwei Sitze neben mir doch noch das Mikro und hatte noch einen wichtigen Kommentar an uns alle: "...Hier in München gibt es ja mehr Goin als Juden. Meine Erfahrung mit Beschneidung ist, die dauert 10 Sekunden und -hopp- das wars!" Bei Taufen, bei denen er anwesend war, hätten die Kinder 15 Minuten geschrien, wegen des kalten Wassers am Kopf. "Nur als Bemerkung dazu, wo Schmerz entsteht und wo nicht!"
Frau Dr D.dazu: "Das Kind kann es nicht ganz unterscheiden, das Kind hasst es, wenn man es festhält ..."
Dann war ja endlich alles geklärt...
Ich denke, es hat einen Unterschied gemacht, dass ich dabei war. Aber es war doch viel starker Tobak, nicht leicht zu ertragen.