Beiträge von susanna

    Ich sehe das so ähnlich wie Guy.
    Waris Dirie hat sich, wenn man einmal die sehr einfachen und afrotraditionellen Gegebenheiten ihrer Kindheit und frühen Jugend bedenkt, in einem enormen Ausmaß persönlich weiterentwickelt, hat dabei psychosoziale Strecken bewältigt, die weiter sind als die meisten von uns in ihrem Leben jemals zurücklegen werden.
    Gut möglich, dass sie die Anerkennung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung auch für Jungen auch noch schafft.

    @ selbstbestimmung

    Zitat

    Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass Babys oder Kleinkinder von ihren
    Eltern gepierced oder tätowiert werden. Selbst da: Halber Kram.

    Nach meinen Informationen darf bereits nach der aktuellen Rechtslage ein Kind unter 16 Jahren weder gepierct nocht tätowiert werden. Das Ohrlochstechen gilt anscheinend nicht als Piercing im engeren Sinne. Mit den "Minderjährigen" in der Meldung sind lediglich Jugendliche zwischen 16. und dem vollendeten 18. Lebensjahr gemeint.
    Also, Ring durch die Vorhaut oder Tattoo auf den Oberarm geht bei einem 15jährigen nicht, selbst wenn der Jugendliche will und seine Eltern einverstanden sind - aber die ganze Vorhaut weg nur auf Elternwunsch, zumindest bei den unter 14jährigen, null Problem - das ganze ist schon jetzt ziemlich bekloppt.

    @ weguer

    Es könnte leider sogar darauf hinauslaufen, dass die zurückgehenden Ansteckungsraten, die eigentlich auf die verringerte Viruslast durch konsequente medikamentöse Behandlung der bereits Infizierten zurückzuführen sind (die Männer bleiben von einer Übertragung bei einer aidsinfizierten Partnerin nicht deshalb verschont, weil sie mit einer keratinisierten Eichel Verkehr haben, sondern weil nicht mehr genügend Viren im Vaginalsekret für eine Infektion vorhanden sind), der Beschneidung "gutgeschrieben" werden, denn die Aidspräventions- und Behandlungsprogramme werden sich in den meisten Gegenden überschneiden.
    Gegen die Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind können ohnehin nur antivirale Medis sehr wirksam helfen.

    Zitat

    Am Beispiel von Themen wie Askese, Beschneidung, Scarifizierung, Selbstlazeration oder auch Körpergesten und -reaktionen wird untersucht, welche Rolle dem physiologischen Körper beim Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft zukommt. Es geht auch darum, „was in einer Gesellschaft passiert, wenn rationalisierte Normen solche Rituale verbieten wollen. Historisch kann man feststellen, dass Ausschlüsse in Folge solcher Normen immer wieder zu Konflikten geführt haben“, sagt Bauks.

    Askese (wer seinem Kind nichts zu essen gibt, zu dem kommt das Jugendamt, und Einweisung von Kindern ins Kloster durch die Eltern geht hierzulande auch nicht), Scarifizierung (an Kindern nicht erlaubt) Selbstlazeration wird mal fröhlich in eine Reihe gestellt mit der (Zwangs)Beschneidung von Minderjährigen.
    Das wird bestimmt eine interessante Veranstaltung, aber da werden mal wieder geschickt ein paar Nebelkerzen aufgestellt.

    Weguer

    Zitat

    Frau D.: "Das kann er schon tun"

    ...aber mich juckts nicht.

    Das war so ihre Tonlage.

    @ werner

    Zitat

    Mein Eindruck war (ich kann mich natürlich täuschen), dass Frau Dr. Deusel ganz genau weiss, was sie da "verzapft". Ihre positiv-frische, mit trockenen Abwertungen durchsetzte und "schlagfertige" Art soll das nur verbergen.

    Ich vermute, dass sie sich vor allem selbst erfolgreich etwas vormacht.
    Und das frisch-forsche weniger-ist-doch-eigentlich-mehr, das ist so typisch Chirurgenpersönlichkeit.

    Der Großteil der Zuhörer (es waren nur 45 - 50 Leute da, die Veranstaltung war nicht gerade überfüllt) zog da leider mit.
    Man hätte natürlich noch viele unbequeme Fragen mehr stellen können, vor allem was die medizinischen Aspekte angeht, aber das Publikum kam nicht viel zu Wort. Auch wenn sie vielleicht keine begnadete Rednerin ist, werner, sie tuts trotzdem gern lang und breit ;)

    Ich hatte hinterher noch eine interessante kurze Unterhaltung mit einem Zuhörer (der in der Fragerunde nicht zum Zuge gekommen war), der zwar selbst ein massives Problem damit hätte, wäre er als Kind zwangsbeschnitten worden, und sich der fachlichen "Schwächen" des Vortrags voll bewusst war, aber es dennoch wichtig fand, dass Zwangsbeschneidungen in Deutschland ("schwieriges Thema") ungestört stattfinden können, weil sonst ein "Zusammenbruch des Judentums in Deutschland" zu befürchten wäre.

    Hier meine Impressionen aus der sich dem Vortrag anschließenden Fragerunde (@ werner: ich kam ein paar Minuten nach 18h, habe mich in die Mitte
    der letzten Reihe der Parkettsitze gesetzt und bis zum bitteren Ende
    durchgehalten):

    Ein Mann mitleren Alters bedankt sich für den Vortrag und fragt: "Wenn ich in meinem Alter Jude werden wollte, müsste ich dann auch noch beschnitten werden?"

    Was von Frau D. fröhlich bejaht wurde.

    "Ist es ein leichter Eingriff und wie lange dauert er?"

    Hierauf erläutert Frau D. die Unterschiede zwischen einer Säuglings- und Erwachsenenbeschneidung.
    Und betonte, dass es für sie als Urologin zwar der kleinste, aber der mit der größten Sorgfaltspflicht durchzuführende ist, weil das Kind sich ja bis an sein Lebensende damit identifizieren muss. Deshalb dürfe dieser Eingriff "nie von einem Anfänger durchgeführt werden, bis heute nicht."
    Wie die angehenden Mohalim das erste Mal ihrer OP am Säuglingspenis überspringen - keine Ahnung.

    Darauf kam von einem jungen Mann eine eher kritische Frage dahingehend, ob sie mit dem 2. Absatz des neuen Gesetzes denn zufrieden sei, der ja ausdrücklich die Beschneidung durch Nichtärzte an Säuglingen unter 6 Monaten vorsieht, nachdem sie doch selbst die medizinische Sorgfalt und "Schmerzausschaltung" so herausgehoben hatte.

    Frau D. regte daraufhin an, es "so zu sehen: Ein Mohel ist so etwas wie ein Chirurg, der immer die eine Operation macht, und immer nur die eine...Und er hat eine lange Ausbildung hinter sich...."
    Wenig später immerhin: "Er (Mohel) ist kein Arzt und wird nie eine andere OP machen"
    Sie geht noch auf die geplante Zertifizierung ein ("Der Deutsche liebt Zertifizierungen").
    "Das (EMLA) macht wirklich eine Schmerzausschaltung"...
    "Die Schmerzbahnen sind schon da, aber die Verknüpfungen mit dem Schmerzzentrum werden erst nach und nach ausgebildet."
    Auch der Mohel müsse den Eingriff immer nach dem neuesten Standard ausführen.

    Ein anderer fragte, was es damit auf sich hätte, dass der Säugling sogar den Schmerz brauchen würde für eine komplette Brit Milah.
    Frau D. ging auf die verschiedene Meinungen im Judentum ein und hob hervor, dass sie selbst wie auch viele ihrer Kollegen den Schmerz nicht für notwendig hält und erläutert die historische Entwicklung der Schmerzbekämpfung. Und auch die historischen Wurzeln des Absaugens des Blutes mit dem Mund, einem Ritual, von dem sie sich selbst distanziert.

    Es folgten mehr oder weniger launige Fragen wie "Was passiert mit dem Teil, der abgetrennt wird?" "Gibt es eine Möglichkeit, es aufzuheben oder zu konservieren" - die von der Vortragenden ausführlich beantwortet wurden.

    Anschließend meine Frage: "Ich habe eine Frage an Sie als Mensch. Mein Stiefschwager, Amerikaner jüdischen Glaubens, gehört zu denen, die mit ihrem Beschnittensein unzufrieden sind, er sieht das als Beschädigung an. Als Biologin, die ja weiß, dass die Vorhaut ein funktionaler Bestandteil eines gesunden Genitals ist, respektiere ich das. Meine Frage: Würden Sie es respektieren, wenn der eine oder andere Junge, dem Sie mit besten Absichten die Vorhaut abgeschnitten haben, sich später als Mann beschädigt fühlt?

    Frau D.: "Das kann er schon tun."
    Aber er sollte sich doch einmal klarmachen, wovor er alles "verschont" bliebe:
    Erhöhte Rate von fiebrigen Infekten des Harntraktes als Kind,
    Folgen einer Phimose,
    HPV Viren
    Geschlechtskrankheiten (immerhin stellt sie hier heraus, dass dort zum wirksamen Schutz neben der Beschneidung noch ein "verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität gehört")
    ...
    und vor allem: dem Peniskarzinom: "Die sind nicht so selten! Das ist was richtig, richtig Gefährliches!"
    Und bei der Hygiene beim Kind und alten Mann: Das haperts!
    Und gegen die Verharmlosung der Folgen mangelnder Genitalhygiene, "dagegen kämpfe ich bis an mein Lebensende...!"
    Damit möchte sie schließen.

    Dann ergatterte ein ältere Zuhörer zwei Sitze neben mir doch noch das Mikro und hatte noch einen wichtigen Kommentar an uns alle: "...Hier in München gibt es ja mehr Goin als Juden. Meine Erfahrung mit Beschneidung ist, die dauert 10 Sekunden und -hopp- das wars!" Bei Taufen, bei denen er anwesend war, hätten die Kinder 15 Minuten geschrien, wegen des kalten Wassers am Kopf. "Nur als Bemerkung dazu, wo Schmerz entsteht und wo nicht!"
    Frau Dr D.dazu: "Das Kind kann es nicht ganz unterscheiden, das Kind hasst es, wenn man es festhält ..."

    Dann war ja endlich alles geklärt...

    Ich denke, es hat einen Unterschied gemacht, dass ich dabei war. Aber es war doch viel starker Tobak, nicht leicht zu ertragen.

    Ich weiß nicht, ob eine mögliche Traumatisierung durch eine Säuglingsbeschneidung zu mehr Gewaltbereitschaft im Erwachsenen führt.

    Ich bin allerdings davon überzeugt, das Gesellschaften oder Gemeinschaften, die die Verletzlichkeit von Jungen und Männern ebenso wie die des weiblichen Teils der Bevölkerung berücksichtigen, bei den unvermeidlichen innernationalen und internationalen Konflikten eher gewaltärmere Lösungen suchen wird.

    Das versteht doch kein Mensch.
    Auf der einen Seite wird immerhin die sexuelle Funktion der Vorhaut betont, und dann werden Eltern dazu angehalten, durch zu frühe Retraktionsversuche immer wieder Mikrotraumen in der gesunden Vorhaut zu erzeugen.

    Da denke ich mal wieder dankbar an unsere umsichtige Kinderärztin zurück.
    Deren Mantra in dieser Frage: Hände weg, das machen die Jungs dann schon selbst.

    Zitat

    Ob Bill Gates und die WHO eines Tages dafür zur Rechenschaft gezogen werden?

    Eher nicht. Man wird irgendwelche anderen Faktoren in den Vordergrund rücken, die sich zu Beginn der Initiative außerhalb des eigenen Horizonts befunden haben.
    Im Prinzip ist das ja bei vielen gescheiterten Entwicklungshilfeprojekten so gelaufen.

    Das ist schon grotesk am Artikel:
    Als wichtige Beispiele für Religionsfeindlichkeit werden nur Kritik an Schächten und Beschneidung herangezogen, nicht etwa Probleme mit z. B. dem öffentlichen Tragen der Kippa usw.
    Und weiter unten wird noch freimütig die religiös motivierte Diskriminierung jüdischer Ehefrauen, die sich von ihrem Ehemann trennen wollen, dargelegt.
    So dass der Text dann doch nach mehr von dem schreit, vor dem er eigentlich warnen wollte.

    Zitat

    Bei der Resolution ging es um den Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Kindern.

    Das ist der einzige vernünftige Satz in diesem Interview.

    Der Rest verbindet die Akzeptanz von Jungenzwangsbeschneidungen mit Toleranz, Vielfalt und europäischer Einheit.
    Und ein eventuelles Recht auf körperliche Unversehrtheit für alle Kinder mit - na, ihr wisst schon...
    (würg)