Beiträge von susanna

    @ Tante Jay
    Das auf andersgläubige Partner Druck ausgeübt wird, zu konvertieren, dafür muss man gar nicht so weit weg. Der Bruder meines Mannes, der nach Griechenland ausgewandert war, musste erst vom Islam zum griechisch-orthodoxen Christentum übertreten, ehe er seine griechische Freundin heiraten konnte. Das ging von den Eltern und wohl auch der Gemeinde aus.

    Aber wenn so was auch noch von staatlich offizieller Seite kommt, bekommt das natürlich eine ganz andere Qualität.
    Man stelle sich einmal vor, das Familienministerium oder die Vertreter der Kirchen würden öffentlich vor religiös gemischten Ehen warnen...

    Zitat

    "I have never met any adult man who experienced circumcision as an
    assault,” Ullenhag said. “The procedure is not very intensive and
    parents have the right to raise their children according to their faith
    and tradition. If we prohibit it, we must also address the issue of the
    Christian ritual of baptism.”

    Read more: http://www.jta.org/2014/01/26/new…n#ixzz2raEhppvJ

    Oh Mann, der steht noch ganz am Anfang: es gibt nur glücklich Beschnittene, ist gar nicht schlimm, Beschneidung = Taufe

    Nur der erste Satz stimmt ja irgendwie: Erwachsene erleben das Abschneiden der Vorhaut tatsächlich nie als einen Angriff auf ihre Intimsphäre - schließlich passiert das bei ihnen nur, wenn sie sich selbst dafür entschieden haben.

    Ich meinte die Rezension von Svoboda, nicht das Buch selbst.

    Zitat

    Hoffman, so troubled by his findings that it took him eight years following his completion of his research to actually publish Covenant of Blood, proves a thesis so sweeping and yet so simple that it is shocking that no one has breached the issue before him: Circumcision symbolizes a covenant between the males being circumcised and God....

    Svoboda zeigt hier satirisch - komödiantisches Talent.

    Zitat

    Setting aside the moral, ethical, and religious
    questions raised by routine circumcisions for newborns, research
    buffering the health benefits of the practice make a strong and
    self-sufficient case.

    Es ist interessant, wie sich die Haltung zum Abschneiden der Vorhaut bei Minderjährigen in den USA genau in die andere Richtung zu bewegen scheint als in Europa.
    Mir tun schon jetzt all die Jungen leid, wo die Eltern die Vorhautamputation nach der Geburt einfach mal so mitnehmen werden, weil es ja bezahlt wird.

    Zitat

    In dem Beitrag ging es in erster Linie um die Welt von Tahsin und nicht
    darüber ob jetzt die Beschneidung gut ist oder nicht. Genau dies ist dem
    Beitrag auch gelungen: Es wurde die Sicht von Tahsin gezeigt. Genau
    dies ist dem Beitrag auch gut gelungen. Auf die Pro / Contra Diskussion
    hat man sich im Beitrag nicht eingelassen.

    Das Kika über verschiedene Kulturen und Traditionen Beiträge bringt und Einblicke und Toleranz ermöglichen will, ist an sich löblich, das hatte ich dem Sender in meiner mail eingangs auch zugute gehalten.

    Aber es führt doch kein Weg daran vorbei:
    Kika hat sich unter all den spannenden Geschichten, die man über Kinder der Welt erzählen könnte, u.a. gezielt die Zwangsbeschneidung eines türkischen Jungen rausgesucht und eben nicht die Lebenswelt von z. B. Faize, 11 Jahre aus dem Jemen, die der Hochzeit mit dem netten 40 jährigen Kaled entgegenfiebert oder die von Magda aus Ghana, die es kaum erwarten kann, nach ihrer Beschneidung endlich eine richtige Frau sein.

    Werden wir je ähnlich wohlwollende "neutrale" Beiträge über all diese "mutigen" Mädchen auf Kika zu sehen bekommen? - extrem unwahrscheinlich.

    Kika zeigt nicht willkürlich randomisiert die Lebensrealitäten von Kindern anderer Kulturen, sondern pickt gezielt bestimmte Traditionen heraus, gegenüber denen es vollmundig "Einblicke und Toleranz ermöglichen" (nahelegen...) will.

    Und damit steht Kika in meinen Augen ganz eindeutig auf der Pro-Seite der Diskussion, trotz gegenteiliger Beteuerungen.

    Sollten die Geschichten von z. B. Faize oder Magda doch noch nach der gleichen Manier gebracht werden, überdenke ich mein Urteil gern.

    Von mir hat Kika jetzt auch Post.

    Auch wenn es die Ausstrahlung nicht verhindert, die sollten schon merken, dass so etwas nicht ohne Reaktion bleibt.

    Mir graut bei der Vorstellung, dass vielleicht bald auch noch die Reihe "Bob der Baumeister" um einen Band erweitert werden könnte.
    In dem Bob dann eine ganz neue Baustelle entdeckt - nämlich die an seinem eigenen Körper, ihr wisst schon wo...

    Oder der Band "Conny im Krankenhaus" wird so ein kleines bisschen umgestaltet. Conny bricht sich nicht mehr ein Bein, sondern bekommt ein Labioplastik verpasst, weil das doch viel sauberer und schöner ausschaut...

    Zitat

    Sexuelle Selbstbestimmung und Recht auf sexuelle Unversehrtheit sind
    daher aus meiner Sicht zwei Vokabeln mit dem selben Überbegriff.

    :thumbup:

    Ich verstehe die ganze Aufregung um das Thema irgendwie überhaupt nicht.
    Das erzkonservativ und Gegnerschaft im Bezug auf sexuelle Selbstbestimmung unbedingt zusammenfallen, sehe ich auch nicht.
    Meine Großen haben in der 9. ganz selbstverständlich in ihrem Gym eine Aufklärungsbroschüre erhalten, verpackt als Comic, in dem die Sorgen und Nöte einer Gruppe von Jugendlichen im Mittelpunkt stand - inklusive Outing eines homosexuellen Jugendlichen.
    Und das hier im tiefkatholischen Oberbayern.

    Mit dem "Durchschnittsfall" wird die häufigste Form von FGC gemeint sein: Die äußerlich sichtbare Klitorisspitze und inneren Schmalippen weg.
    Und für alles deutlich darunter, also mit einer Labioplastik bzw dem Abschneiden der kompletten Vorhaut bei Jungen vergleichbaren Formen drohen immerhin 6 Monate bis 5 Jahren Freiheitsstrafe, wenn ich diesen Passus richtig verstanden habe.

    Sexismus gegenüber Kindern männlichen Geschlechts vom Feinsten.

    Zitat

    Ich halte Beschneidung für beschönigend. Dann schon lieber von "Vorhautamputation" sprechen.

    Als ich in diesem Vortrag von Frau Deusel war, habe ich die Formulierung "...wenn sich einer der Jungen, denen Sie die Vorhaut abgeschnitten haben,...?" gewählt. Das ist sachlich und macht klar, dass danach definitiv etwas weg ist. Genaus kann man auch von Eltern reden "die ihren Söhnen die Vorhaut abschneiden lassen".
    "Beschneidung" benutze ich wegen des euphemistischen Untertons auch nur ungern.

    Wir hatten das woanders schon einmal.
    Jeder, der als Kind einen reduktiven Eingriff an seinen Genitalien erfahren hat, hat alles Recht der Welt, sich selbst verstümmelt zu fühlen und sich auch so zu bezeichnen. Wenn man (männliche) Genitalbeschneidung als Phänomen betrachtet, wird die Definition von Verstümmelung objektiv selbstverständlich erfüllt.
    Aber nicht mal ein Großteil der Frauen, die erhelblich größere physische Verluste erlitten haben, fühlt sich selbst verstümmelt oder würde gar ein solches Etikett von außen akzeptieren.
    Weil mir diese individuelle Perspektive wichtiger ist, trifft es meiner Auffassung nach FGC und MGC auch besser.

    In Skandinavien hat man untersucht, wie Aufklärung über das Ausmaß ihrer physischen Verluste und Zufriedenheit mit der Sexualität bei Frauen, die als Kind FGC erlitten haben, zusammenhängen. Informierte Betroffene waren deutlich weniger zufrieden mit ihrem Intimleben (zumindest im beobachteten Zeitraum). Aufklärung hat eben ihren Preis.

    In Gegenden in Afrika, in denen FGC erfolgreich zurückgedrängt wurde, stehen die Lehrer ihren Schülern gegenüber auch in dieser Zwickmühle: Auf der einen Seite wollen und sollen sie über FGC aufklären und die intakten Mädchen bestärken, auf der anderen Seite müssen sie es den dennoch beschnittenen Mädchen irgendwie vermitteln, dass sie trotzdem noch vollwertige Frauen sind.