Beiträge von susanna

    Die Frohe Botschaft des Films:

    Taufe oder Beschneidung?

    Kein Problem, das passt doch beides!

    Etwas erschütternd finde ich, dass die polnische Mutter nicht etwa den körperlichen Verlust und die Risiken in den Vordergrund stellt, sondern in erster Linie fürchtet, dass das Beschnittensein ihre katholische Erziehung versaut.

    Wenn ihr die religiöse Orientierung in ihrem Leben und in der Erziehung so wichtig sind, dann muss sie es doch akzeptieren, wenn ihr Mann ebensolche Ambitionen geltend macht und hätte sich auf eine komplett bireligiöse Erziehung (ob nun mit oder ohne Beschneidung, dass ist wieder eine andere Frage) einstellen müssen, statt "rein" katholisch.
    Oder die Eltern hätten bereits um die Geburt herum entscheiden sollen, in welche Richtung es für ihr Kind in der Frage gehen soll.

    Zitat

    At issue is a small sheath of double folded skin and muscle, rich in
    blood vessels and nerve endings, whose function remains unclear.

    Nun, "unclear" in erster Linie für die, welche am Abschneiden verdienen oder sich nicht klarmachen können bzw wollen, dass ihr Gott die Opferung nicht irgendeines nutzlosen Anhängsels, sondern eines funktionalen Teils ihrer intimsten Körperzone fordert oder selbst vorhautlos aufgewachsen sind und sich selbige nicht als funktionalen Teil ihres Genitals vorstellen können oder wollen.

    Mustafa al-Mahdawi:

    Zitat

    Die Beschneidung sieht er als spezifisch jüdische Tradition.

    Gamal al-Banna:

    Zitat

    Über das Judentum habe die Beschneidung Einzug bei den Muslimen
    gefunden, obwohl diese das islamische Gebot der „Heiligkeit des
    Menschlichen Körpers“ verletze.

    Ich kann da ehrlich gesagt nicht so viel politische Aufklärung erkennen, sondern eher einen gewissen Antisemitismus: Die Beschneidung wird nicht einfach abgelehnt, weil sie einer bestimmten (humanistischen) Interpretation des Korans widerspricht, sondern vor allem auch, weil sie explizit als eine "jüdische Tradition" herausgestellt wird: Da gibt es den reinen wahren Islam, der durch den schlechten Einfluss jüdischer Traditionen verhunzt wird.

    Erinnert mich sehr an diverse Geschichten, die mein Mann aus seiner Kindheit in islamisch-sunnitischer Tradition zu erzählen hat: Den Kindern wurde von klein auf vermittelt, dass der Islam einfach wahr und perfekt ist, und alles, was igendwie nicht gut so läuft, geht auf schlechte Einflüsse, bevorzugt jüdische, zurück.

    Zitat

    Daher sollte die Genitalbeschneidung unter bestimmten strikten
    Bedingungen auch straffrei sein. Voraussetzungen hierfür müssten aber
    sein:
    ...

    Hier spricht die Deutsche Liga für das Kind nur allgemein von "Genitalbeschneidung" und in den Ausführungen neutral von "Kindern".
    Immerhin, nicht nur Jungen, auch Mädchen werden bei der Regelung identitäts- und zugehörigkeitsstiftender Genitalbeschneidungen endlich auch einmal berücksichtigt.
    (würg)

    Hier das erweiterte Zitat:

    Da haben sie sich ein gutes Beispiel ausgesucht: Es geht doch meist gar nicht um religiöse Gefühle, sondern "weil man es macht".

    Zitat

    “When considered together with ethical and human rights arguments, neonatal circumcision should logically be strongly supported and encouraged as an important evidence-based intervention akin to childhood vaccination,” wrote authors Brian Morris, Stefan Bailis and Thomas Wiswell.

    Ebenso "logically strongly encouraged" müsste dann die Erforschung der möglichen präventiven Vorteile einer Neugeborenenlabioplastik bei Mädchen werden, schließlich erkranken diese doppelt so häufig an Vulvakarzinomen und haben auch viel häufiger Infektionen.

    Völlig unverantwortlich, Eltern zu suggerieren, ihre Söhne wären ohne Vorhaut gegen HIV und andere Infektionen quasi geimpft.

    Dass seine Strategie für amerikanische Verhältnisse die möglicherweise effektivere darstellt, stellt er nachvollziehbar dar.
    Was er meiner Ansicht nach allerdings unterschätzt, ist die mögliche positive Rückwirkung eines Gesetzes auf die ethische Haltung in der Bevölkerung (zumindest in Europa, wo der Staat einfach mehr regelt), er betont einseitig einen möglichen backlash.

    Das Recht auf gewaltfreie Erziehung hatte einen großen Vorlauf und auch einige Widerstände zu überwinden, aber hatte insgesamt gewaltfreies Erziehungsverhalten von Eltern gestärkt, den entsprechenden Argumenten in Diskussionen über Erziehung zwischen Eltern ein ganz anderes Gewicht gegeben und zusätzlich sensibilisiert für Kinderrechte.

    Zitat

    I said at the beginning that I thought there was a hidden meta-ethic behind religious defenses of circumcision, and I think that now we’re beginning to see what it might be. I think it’s this idea that an individual human being, such as a child, is not really the ultimate object of moral analysis. Instead there are other obligations, obligations that come from a community identity, from concern about historical continuity, or ritual continuity; obligations that come from a special covenant between a god and a group of people. And the effect of all this is that the individual child becomes a sort of non-entity. His body becomes not his body. His pain becomes an instrument in fulfilling a higher purpose.And so, I think before we can get anywhere in this discussion, we are going to have to acknowledge that that is a very different meta-ethic. I think we have to acknowledge that certain religious commitments are based on a particular view of the universe, and that this view is in direct conflict with a “Western” moral focus on: individuals, on human rights adhering to those individual asindividuals, and on the notion that children and infants, above all, need special protection because they can’t defend those rights on their own

    Oh, das ist ja was ganz ganz Neues: Hinter der Beschneidung steht eine ganz andere Metaethik!
    Ironie off.

    Was hatte er denn gedacht? Selbstverständlich sind idividuelle Menschenrechte etwas, was man nicht beweisen, sondern für das eine Gemeinschaft sich entscheiden kann.

    Zitat

    Jorgensen defended his position ...

    Jorgensen stressed that while he stands by his ban on Kosher and Halal slaughter in Denmark,...

    The Minister stressed his respect for human rights and agreed to
    evaluate the ban if evidence could be provided that religious animal
    slaughter is not inhumane.

    Der macht seine Sache ganz richtig: Auf die Gefühle und Ansichten des Gegenübers eingehen, aber nicht deren Schlussfolgerungen übernehmen und sachlich bleiben.

    Anscheinend ist das politische Gewicht der Kinderbeauftragten in Skandinavien nicht groß genug, um beim Thema Beschneidungen die Weichen entscheidend zu verstellen.
    Ich hoffe, dass diese wenigstens bei anderen Fragen und Debatten erfolgreicher sind. Ansonsten werde ich die Idee für ein entsprechendes Amt für Deutschland fallen lassen: Was nützt diese Einrichtung, wenn im entscheidenden Moment deren Auffassung ohnehin nicht berücksichtigt wird?

    Zitat

    “I think the call of this conference, the call of our meeting, should be
    - we will do all that is possible that every Jewish child is going to
    be circumcised whether they like it or not we are going to fight till
    the end that not one [Jewish] child in Europe is going to left without
    circumcision
    ,” Lazar implored the gathered Rabbis.

    Da dürfen wir gespannt sein, was für eine Schnittführung jetzt für die jüdischen Mädchen eingeführt wird...
    Und man weiß mal wieder nicht: Lachen oder weinen?

    Zitat

    For a lot of American women, the thought of the uncircumcised penis is
    repulsive. (Sorry, guys!) It's not that we're against a penis that rocks
    a turtleneck, but it's just something to which we're not accustomed.
    You can't be mad at us if we recoil in fear and confusion when
    face-to-face with an uncut member! It's not our fault we're American!

    Man muss sich wieder einmal vorstellen, was mit einem Mann passieren würde, der sich derart über eine intakte Vulva versus Zustand nach Labioplastik äußern würde.
    Der könnte sich doch gleich in ein Zeugenschutzprogramm aufnehmen lassen wenn Schwarzer davon erfährt.

    Zitat


    "Ist das sichere Wissen um die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft nicht wichtig für ein nach vertrauensvollen und verlässlichen Beziehungen strebendes Kleinkind?"


    Ein Kleinkind strebt nach einer verlässlichen, liebevollen Beziehung zu seinen unmittelbaren Familienangehörigen.
    Alle weiteren Leute darüber hinaus sind eher unwichtig.

    Deshalb kann man mit Kindern in diesem Alter beliebig oft umziehen oder eine Weltreise unternehmen - solange Mutter und Vater verlässlich da sind und einen festen Tagesablauf bieten, ist denen das ziemlich egal.