Beiträge von susanna

    Vielleicht gibt es bei sachlicher Aufklärung eine effektive Dosis, die nicht überschritten werden sollte-

    Außerdem wäre auch interessant, wie die Warnungen genau aufgebaut sind in den USA.
    Bildliche Darstellungen seltener schwerer Komplikationen können so verstörend sein, dass die meisten gleich dicht machen. Auf der anderen Seite werden nackte Zahlen, abstrakte Risiken auch kaum jemanden bewegen.

    In psychologischen Tests hat man herausgefunden, dass Menschen eher bereit sind, einem Bedürftigen zu helfen als derer 8.
    Was uns mobilisiert, ist also das individuelle Schicksal. Das findet man auch bei anderen Themen bestätigt. Jährlich kommen tausende Wale durch Meeresverschmutzung, Hochseenetzen usw ums Leben, das zieht unbeachtet an den meisten vorbei. Aber lass mal eine dödelige Walmutter mit Kalb sich irgendwo unter dem Packeis verirren und das wird dokumentiert, dann kommen binnen kurzer Frist Unsummen zusammen.

    Ich stell mir vor, dass bei unserem Anliegen ein Plakat mit männlichem Phantombild neben 2, 3 sehr persönlichen Sätzen, warum er mit seinem Vorhautverlust unglücklich ist, einen Eindruck hinterlassen könnte.

    Ärgerlich, wenn sich nur auf Quantität konzentriert wird: Als wären wir alle so eine Art Zuchtkarnickel, die sich gelegentlich zu Fortpflanzungszwecken übereinanderwerfen. Dass menschliche Sexualität viel mehr bedeutet, scheint bei den Herren der Forschungsabteilung nicht angekommen zu sein.
    Es wird Zeit, dass die qualitativen Einbußen nach VA und Rückgewinne nach Tragen von Vorhautprothesen etc publik werden und mehr in die Richtung Qualität, wie in der dänischen Studie, geforscht wird.

    Für die Kindersterblichkeit in Deutschland konnte ich keinen Unterschied zwischen der Gesamtsterblichkeit und der von Jungen finden. Was für die These spricht, dass der deutliche Unterschied in den USA durchaus mit der Säuglingsbeschneidung zusammenhängen könnte.

    Interessant wäre, zu schauen, ob die Differenz zwischen den einzelnen Bundesstaaten der USA variiert, weil die Beschneidungsraten doch sehr unterschiedlich sind.

    Wenn man dann hinzu nimmt, dass die betroffenen Eltern und Ärzte oder Mohalim eher kein Interesse daran haben, einem ursächlichen Zusammenhang ins Auge zu sehen, muss von einer nicht unerheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden, neben den wohldokumentierten tragischen "Einzelfällen".

    Letztlich ist das alles Zahlenspielerei, jedes einzelne Kind ist doch eins zu viel.

    Zitat

    Ich möchte mal erleben, wie eine beschnittene Frau sich hinstellt und sagt "Das kann doch alles gar nicht sein, bei mir ist alles in bester Ordnung. Im Gegenteil, alles schön sauber... :S

    Das ist eher die Regel, vor allem solange sich die betroffenen Frauen in ihrem Kulturkreis befinden.


    Hier zwei Ausschnitte aus einer UNICEF-Studie über die Situation afrikanischer Frauen in Deutschland, die die schwerste Form der FGM, die Infibulation erlitten haben:

    "Keine beschnittene Frau aus Guinea fühlt sich verstümmelt,im Gegenteil, wir fühlen uns sauber. Wir sind stolz. Ich erinnere mich daran, dass ich als kleines Mädchen unbedingt beschnitten werden wollte."

    Und:

    "Viele Frauen ärgern sich zudem,dass sie in bester Absicht zu Opfern abgestempelt werden. Der Begriff „Genitalverstümmelung“ wird von vielen Betroffenen als abwertend und verletzend empfunden. Migrantin Muthoni Sana aus Tansania bringt die Sache auf den Punkt: „Fragst du mich, ob ich beschnitten bin,sage ich Ja. Fragst du mich, ob ich verstümmelt bin,antworte ich Nein.“

    Diese Gestalt der psychischen Verarbeitung reduktiver Genitalchirurgie kennen wir doch irgendwoher...

    Josc
    Leider reicht es bei manchen Gruppen nicht mehr aus, nur die Verwandtenehe zu vermeiden, weil dort bestimmte veränderte Allele sehr häufig sind. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wir alle tragen und vererben sehr viele ungünstige Mutationen, es kommt eben darauf an, dass der Partner möglichst Defekte in anderen Genen hat als wir selbst.

    Das andere ist tatsächlich ein Knackpunkt: Die gemischte Ehe ist tatsächlich die effektivste und billigste Form der Integration, und da können Religionen oder eine ausgeprägte ethnische Identifikation eine echte Spaßbremse sein.

    Auch an anderen Stellen wird versucht, in das private Leben der Menschen einzugreifen, Mischehen mit Nichtjuden z.B. werden in Israel von der Regierung offen missbilligt:
    Israeli Government Ads Warn Against Marrying Non-Jews | Alternet

    "Wer - mit - wem" ist allerdings auch aus ganz rationalen Gründen ein wichtiges offizielles Thema dort: Viele jüdische Gemeinschaften haben, wie auch viele andere muslimische oder christliche usw Bevölkerungsgruppen mit einem geschlossenen Heiratsmarkt, Inzuchtprobleme. Potenzielle Paare müssen dann erst einmal zum Gencheck.

    Dass dies offiziell angegangen wird, ist sehr positiv zu bewerten.

    Hier in Deutschland sind auf den Krankenhausstationen, wo seltene rezessiv vererbten Stoffwechselerkrankungen behandelt werden, praktisch nur Kinder mit Migrationshintergrund, und keiner darf das Problem beim Namen nennen. Eine bekannte Islamkennerin hat einmal eine pfiffige Postkartenaktion mit Slogans wie: "Ich liebe meine Cousine - aber nicht als Frau!" anleiern wollen - das wurde von offizieller Seite sofort abgeblockt.

    Dein Kommentar, in dem es um konkretes menschliches Leid geht, hätte eben so gar nicht in die rein theoretische Gegenüberstellung der Positionen in dem Artikel gepasst.
    Passt in den Mainstreamjournalismus der ganzen Debatte. Oder habe ich von den einfühlsamen Reportagen über Familien jüdischen Glaubens, die ihre religiöse Erfüllung im vollkommen intakten Zustand aller Mitglieder finden, und über die Erfahrungen von Männern, die in ihrer Sexualität durch die VA sehr eingeschränkt sind, nur nichts mitbekommen?

    Heftig ist: Der Vertreter der islamischen Gemeinde ist Arzt! Und beschreibt später die Vorhaut bei Kindern und Säuglingen als "halbabgestorbenes" Gewebe im Zusammenhang der Erläuterung, warum eine VA in diesem Alter besonders risikolos und blutungsarm sei.

    Ansonsten leider von den Religionsvertretern der altbewährte Humbug. Und der evangelische Part, der in der Anmoderation wiederholt um Rücksichtnahme (auf seine beiden Kollegen) bittet, verstärkt mit dieser eigentlich gut gemeinten Geste noch den Eindruck, dass in dieser Runde nicht jeder für voll genommen werden kann.

    "Ausdauernder zu sein bedeutet nicht automatisch intensivere Orgasmen zu
    haben, sondern wie wir inzwischen wissen, u. U. gar keine Orgasmen zu
    erleben!!! Es könnte höchstens sein, dass manchmal die Frauen mehrere
    Orgasmen erleben, wegen der Dauer des Aktes, wenn sie aber nicht vorher
    Schmerzen bekommen. Aber für die Männer kann es oft nur zu einem
    Frusterlebnis werden"

    Das habe ich auch nicht behauptet. Es ist eben so, dass sehr junge intakte Männer manchmal eher ein Problem in ihrer sehr ausgeprägten Sensibilität sehen (google mal "Eichel zu empfindlich") und mit den genannten vollständig reversiblen sensibilitätsreduzierenden Maßnahmen versuchen, etwas mehr Ausdauer zu erreichen und damit auch Erfolg haben.
    Dies unterstützt doch unsere Erfahrungen, dass eine verminderte Sensibilität der Eichel einen deutlichen Einfluss auf die Sexualität hat!
    Und für viele Männer (und Paare) wirkt es sich die irreversible Sensibilitätsminderung durch VA zweifellos sehr negativ aus, weil sie zu einer Sexualität gezwungen werden, die mit Zärtlichkeit im eigentlichen Sinne nur noch wenig zu tun hat.

    "Die berühmte Transsexuelle Nadja Brönimann in der Schweiz hat sogar den
    plastischen Chirurgen verklagt, weil sie nach der Umwandlung von Mann zu
    Frau keine Orgasmusfähigkeit mehr hat, obwohl der Chirurg ihr
    versicherte, sie könne aus der Eichel, die zur Klitoris geformt wurde
    Orgasmen erleben! Mitnichten!"

    Bis zu 50% Chance auf Orgasmen nach einer derart radikalen OP heißt dann auch zwingend mindestens 50%ige Chance auf den geschilderten Ausgang...

    "Hmmm... die homosexuellen Männer, welche die empfangende Rolle haben,
    müssen sich die Eichel auch nicht amputieren, um anale Orgasmen zu haben
    und auch heterosexuelle Männer haben solche Orgasmen, sofern sie diese
    Stimulationen wollen/mögen."

    Ist doch klar, anale Orgasmen kann jeder (und jede, hihi) haben.
    Ein Mann, der sich die Eichel amputiert, kann!!! (nicht automatisch) damit erreichen, dass sein Gehirn kompensatorisch die Reize aus der benachbarten Region intensiver verarbeitet.
    Und ihm geht es von der Motivation her wahrscheinlich gar nicht um bessere Orgasmen, sondern um eine physische und psychische Festlegung auf die empfangende Rolle.

    LG Susanna

    Zitat

    Ein Vertreter eines Beschneidungsforums wies in der anschließenden Publikumsrunde auf die Menschen hin, die unter der Beschneidung leiden.
    In der Vorhaut steckten ca. 1.000 Nervenenden. Ihre Entfernung schränke die körperliche Lust oftmals stark ein.

    Mich würde ja brennend die direkte Reaktion der Religionsvertreter in dieser Runde darauf interessieren.

    @ Aphrodite
    "Die Frauen berichten, dass es viel einfacher war ihre intakte Partner zu befriedigen. Warum wohl? Wenn du einem Mann oder einer Frau (die Klitoris) entfernst, so schneidest du ihnen eine empfindliche, erogene Zone ab, die aber für die sexuelle Stimulation und den Orgasmus notwendig ist. Transsexuelle Frauen, die sich zu Männern operieren lassen verlieren ihre Orgasmusfähigkeit für immer, weil ihnen die Klitoris entfernt wurde. Würde man das bei mir machen, so könnte ich zukünftig von Orgasmen nur träumen!!!"

    Dem Anfangsteil kann ich nur zustimmen.

    Das Übrige muss man etwas differenzierter sehen: Auch Frauen, die aufgrund einer Krebserkrankung einen Großteil ihrer Vulva inklusive Klitoris verlieren (ich fand diese Frage sehr interessant, als ich mich vor Jahren mit FGM beschäftigte) oder Männer wegen Infektionen oder Krebs ihre Eichel oder gleich den ganzen Penis, haben danach rein statistisch immer noch eine Chance von bis zu ca. 50%, wieder orgasmisch zu werden. Auch abgetrennte Nerven sind in einem gewissen Umfang stimulierbar. Außerdem hat unser Gehirn die Möglichkeit, sein Lustzentrum mit Signalen aus anderen Körperregionen neu zu verknüpfen. Die Möglichkeiten sind da individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.
    Das es funktionieren kann, beweisen auch Berichte von Männern in Foren wie Bodymodification, die sich ihre Eichel amputieren lassen, um ihre erogene Zone vollständig auf die Analregion zu konzentrieren.

    Keine Frage, so eine Mentalakrobatik ist natürlich immer eine Notlösung, zu der nach unserem heutigen Verständnis von individueller Selbstbestimmung niemand gezwungen werden sollte.

    @ Kirsche

    Natürlich gibt es auch intakte Männer, die Schwierigkeiten mit der Benutzung von Kondomen haben (die veranlagte Ausgangssensibilität ist etwas Individuelles). Auch Nichtraucher kriegen Lungenkrebs. Und Raucher bekommen den nicht zwingend. Trotzdem verursacht Rauchen nun einmal Krebs, und es wäre Quatsch, wenn ein Raucher seinen lungenkrebskranken Raucherkumpel im Krankenhaus besucht und meinte, an ihrer Sucht könne es gar nicht liegen, er selbst wäre doch kerngesund.

    Warum lassen sich erwachsene Männer bewusst beschneiden? Neben hygienischen oder ästhetischen Motiven ist es doch häufig so, dass sie weniger fühlen wollen und dieses Ziel mit der VA auch erreichen. Dass sie sich damit in den Verhütungsmöglichkeiten einschränken und sich diese Sensibilitätsminderung früher oder später (mit zunehmenden Lebensalter nimmt die Sensibilität bei vielen ohnehin mehr oder weniger ab)für ihre Sexualität zum Pferdefuß entwickeln kann, ist vielen dabei nicht klar.
    Viele intakte Männer benutzen extra Kondome, betäubende Salben oder tragen ihre Vorhaut hinter der Eichel, um ihre Sensibilität herabzusetzen und beim Sex ausdauernder zu werden.

    All diese Fakten machen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen VA und der Unfähigkeit, Kondome zu benutzen, sehr wahrscheinlich.

    Der Kopf mag zur Lösung beitragen können, die Ursache ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.

    Das ist dieser ganze Widersinn: Auf der einen Seite wird mit viel Aufwand den jungen Leuten der verantwortliche Umgang mit ihrer Sexualität und die Nutzung von Kondomen nahegebracht.
    Und dann freie Bahn für VAs, die vielen Betroffenen das entsprechende Angebot nur noch als eigenwillige Drogeriedeko erscheinen lassen.